Die Ostwald

Umgeben von Lava,
thront auf dem Steine,
die Festung der Angst,
über totem Gebeine.

Die Festung der Angst,
auf der Insel der Leere,
baute ich selbst,
für mich,nicht für Heere.

Schwarze Türme,
Mauern der Wut,
gebaut aus Not,
Tränen und Blut.

So steht sie hier,
im finst'ren Schein,
des Schattenmond's,
so schwarz und rein.

Der schwarze Mond,
hält an die Nacht,
kleidet das Leben,
in Totentracht.

Komm' ich herein,
durch's Sensentor,
mit flüsternder Stille,
empfängt mich mein Fort.

Die Burg im Inner'n,
einem Irrgarten gleicht,
Flure und Türen,
so weit das Auge reicht.

Türen beschrieben mit Zeichen,
für die keine Worte bekannt,
Pforten des Abgrund's der Seele,
wer sie öffnet, verliert den Verstand.

Andere mit Namen"Hoffnung",
weiter nichts als Galgenscherz,
hinter ihnen Mauerwerk,
öffnen und sehen, das heißt Schmerz.

Eine aber ganz aus Glas,
zeigt nur hohle Kammer,
in der ein Menschlein hockt,
rasend vor Gejammer.

Haut quillt an,
zu Blasen rot,
das Menschlein platzt,
ist doch nicht tot.

Überzogen vom Blut,
das am Körper klebt,
neue Haut quillt an,
das Menschlein erbebt.

Doch hilft kein Flehen,
es platzt auf's Neue,
Pein ohne Tod,
die Qual der Reue.

Geht man nun weiter,
bis die Schreie verenden,
ein neues Geräusch,
hallt von den Wänden.

Scharren und knarzen,
aus der großen Halle,
im festlichen Saal,
da steh'n sie alle.

Einhundert Knochengerippe,
aufgestellt in Reih' und Glied,
Chor der untoten Skelette,
setzt an des Todes Lobpreislied.

Aus hundert abgenagten Hälsen,
erschallt in volltönendem Klang,
Melodie so grausig schön,
dass sie jeden nimmt gefang'.

Die Toten feiern heut' ihr Fest,
denn es jährt sich auf den Tag,
an dem das junge Glück,
von mir getragen wurd' zu Grab.

Wo in düst'rer Festung,
beziehe ich Quartier?
Lösung liegt verborgen,
direkt unter ihr.

Tief unter Tage,
abgewandt von der Welt,
liegt sie,meine Grotte,
von Kristalllicht erhellt.

Im Zentrum der Höhle,
ruht klarer See,
Ufer gesäumt,
von Sand weiß wie Schnee.

Dort am Ufer,
sitze ich,
tief in Gedanken,
verstecke mich.

Geborgen im Arm der Einsamkeit,
rinnt Sand von meinen Händen,
im See Schauspiel nun beginnt,
das so schnell nicht wird enden.

Oberfläche g'rad noch klar,
nun eintausend Bilder zeigt,
Spiegel der Erinnerung,
belebt wird die Vergangenheit.

Wenn Feuer meine Seel' verschlingt,
sie zu verbrennen droht,
komm' ich an diesen Ort,
find' Schutz in größter Not.

Alsbald Flammen abgebrannt,
die Welt in mir in Scherben,
verlasse ich die Festung der Angst,
um wieder stark zu werden.

Gehe hinaus,
atme neuen Mut,
Schlüssel zur Ostwald,
an meinem Halse ruht.

Kommentare

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    Ganz toll! Du schreibst super! 5/5

  • Author Portrait

    Die Ostwald deinen Niebellungenlied endlich auch hier, freue mich über die Vertonung und das großartige Gedicht. :DDDD

beta
Feenstaub

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