Die Rückkehr des Königs I

Den moosbewachsenen Leibern folgend, führte uns ein niedergetrampelter Pfad langsam aber sicher immer tiefer in den Wald hinein. Jede Faser meines Körpers spürte, wie magisch der Forst um uns herum war. Jeder Ast wiegte sich in einer Brise, obwohl es vollkommen windstill war. Blätter tanzten in der Luft. Hin und wieder streifte eines von ihnen meinen Arm oder mein Gesicht.
Ich fühlte mich wie gebannt. Ein unheilvolles, grünes Schimmern schien aus dem Herzen des Waldes zu dringen und alles ringsumher in einen magischen Schein zu tauchen. Der Boden gab unter den Sohlen meiner Stiefel nach. Sie sanken tief in den feuchten Grund und verwandelten jeden Schritt in eine scheinbar unüberwindbare Aufgabe. Mein Atem rasselte. Etwas, irgendetwas zwischen den Bäumen, den tanzenden Blättern und Ästen, wollte um jeden Preis verhindern, dass wir dem näherkamen, das der Wald beschützen wollte.
Ich warf unbemerkt einen Blick zu Karon hin. Ich spürte, wie Magie in ihm aufwallte, aber er schien es noch nicht zu merken. Seine Augen waren unbewegt. Er hatte, seit wir die Höhle verlassen hatten, kein Wort mehr gesprochen. Er schien in sich gekehrter zu sein. Ruhiger.
›Wie hast du das gemacht?‹ Ich dachte diese Worte, in der Hoffnung, dass er sie hören konnte, wenn ich ihn darum bat. Ich sprach ihn direkt an, und er reagierte sofort.
›Das ist Teil unserer Verbindung.‹ Er verlangsamte sein Tempo, bis ich zu ihm aufschließen konnte, und sagte dann leise: »Ich wusste nicht, ob wir es können. Eine erfreuliche kleine Fügung, die uns vielleicht irgendwann von Nutzen sein könnte.«
»Du meinst, nachdem du mich fortgeschickt hast und in Deckung gegangen bist.«
Karons Lippen zuckten. »Aus deinem Mund wirkt mein edler Versuch, dein Leben retten zu wollen, wie feiges Versagen. Aber ich scherze nicht, und dein Spott wird vergehen, wenn du erkennst, wie wichtig diese Erkenntnis ist.«
»Du sagtest, du kannst mich retten.«
»Ich sagte, ich würde alles dafür tun, dass du in Sicherheit bist. Und ich dachte, ich wäre die beste Option, die dir dafür bleibt. Aber ich habe erkannt, dass ich das nicht bin. Nur die Verbindung aus meiner Magie und dem Schutz meterhoher Mauern wird ausreichen, um deine Sicherheit zu garantieren. Ich bin ein wankelmütiger Faktor. Magie blendet mich manchmal und lässt mich einfache Dinge nicht erkennen. Es wäre ein Fehler, nur auf meine Fähigkeiten zu vertrauen.«
»Es ist kein Fehler«, begehrte ich auf, erinnerte mich dann jedoch daran, dass wir nicht allein waren, und biss mit wütend auf die Unterlippe. Wie konnte Karon nicht erkennen, dass er sich verändert hatte und inzwischen eine Person geworden war, auf die man zählen konnte? Hatte er vergessen, dass er mich gerettet hatte, als niemand sonst zur Stelle gewesen war? Wieso bedeutete ihm all das so wenig und seine Zweifel so viel?
Der Boden fiel ab. Der ganze Wald reckte sich einen Meter in den Abgrund und dort, am tiefsten Punkt, befand sich eine Lichtung, umrahmt von sieben gewaltigen Steinen. Jeder Einzelne von ihnen war von Wind und Regen abgeschliffen und ähnelte einem Grabstein, der zu lange auf feuchter Erde gelegen hatte. Große Stücke waren aus ihnen herausgebrochen und lagen in Form von Steinen und Geröll um sie herum. Und dort, zwischen diesen Steinen schwebte ein grünlicher Nebel über dem Grund, das Zentrum der seltsamen, smaragdfarbenen Lichter.
Ein Sog erfasste mich, ähnlich wie in jenem Moment, in dem Karon mich von dem Kloster fortgezogen und zu den Zhian-Ag gebracht hatte. Es nagte unangenehm an meiner Seele. Ich sah mich um und bemerkte, dass auch Selinias Hand zu ihrer Brust hinaufgewandert war. Sie atmete tief und kontrolliert. Sie spürte es auch.
Ein Vogel kreischte. In diesem Moment warf ich einen Blick nach oben. Zweige knackten. Hoch über unseren Köpfen saßen unzählige Krähen auf den schmalen, verwachsenen Ästen und blinzelten aus ihren großen, schwarzen Augen lieblos in die Tiefe.
Ein eiskalter Schlauer lief mir den Rücken hinab. Spürten sie die Magier so sehr wie ich? Zog es sie deshalb an diesen Ort?
»Was ist das?«, entwich es mir leise.
»Ein Schutzzauber, der den Runenstein bewachen soll. Er separiert unsere Gedanken und Gefühle. Er entzweit eine Gruppe und versteckt Dinge, die nicht gefunden werden sollen.« Karon blieb abrupt stehen und drehte sich zu uns herum. »Ihr müsst nicht mitgehen, wenn ihr euch unwohl fühlt.«
Doch in diesem Moment bezogen die zwei Zhian-Ag, die bislang kein Wort gesagt hatten, neben uns Stellung und ihr König wandte sich Karon zu. »Mein lieber Freund«, sagte er düster, »wer wann wohin geht, entscheide immer noch ich. Whyndrir oder nicht, dies ist mein Reich, mein Land, und ich mache die Gesetze hier.«
Obwohl der Dämon äußerlich seine Fassung wahrte, loderte es in seinem Inneren. Die hungrigen Wölfe jaulten in seiner Seele auf. Ich war mir sicher, wenn Karon in diesem Augenblick die Kontrolle verlor, würde es zum Kampf zwischen uns und dem Waldvolk kommen. Doch er besann sich, atmete tiefer, langsamer, und lenkte seine Gehirnströme langsam in eine andere Richtung. Einen offenen Kampf mit einem Wesen anzuzetteln, auf dessen Hilfe er viellicht noch angewiesen war, war eine schlechte Idee. Und Karon war zu klug, um Fehler zu machen.
Er nickte wortlos, fuhr herum und musterte erst mich, dann die Düsterfee. Er sah uns an, dass der Zauber unangenehm war, und konnte nichts dagegen tun. Ein Gefühl, das ihm ganz und gar missfiel.
›Es muss dir nicht leidtun.‹ Ich suchte wieder seine geistige Nähe. Meine empathischen Fähigkeiten richteten sich in alle Richtungen aus. Ich konnte jeden Geist, jedes Wesen in meiner Nähe lesen, aber nur seine Gefühlswelt, stellte sich mir farbig dar. Seine Aura pulsierte. Er war zwiegespalten, und ich musste erkennen, dass die in ihm erwachende Magie und seine schwindende Konzentration genau dem entsprachen, was er mir hatte erklären wollen. Er war impulsiv, gefühlsgesteuert und gefährlich.
Ich wandte mich Selinia zu, streckte die Hand aus und tastete nach ihren Fingern. Sie ließ es geschehen und kam einen Schritt auf mich zu. Unsere Wächter ließen es geschehen. Sie besaßen kein Interesse an uns, weil wir keine Gefahr darstellten. Karon war es, auf dem ihre Aufmerksamkeit lastete.
Erst als dieser sich sichtlich verkrampft dem Zhian-Ag-König unterordnete, entspannte sich die Situation.
»Der letzte Whyndrir, der hierher kam, wollte den Stein mitnehmen und hat ihn beinahe zerstört. Er hat dafür bezahlt. Ich hoffe, du wirst nicht den gleichen Fehler machen. Wir schützen unser Heiligtum, mit allem, was wir haben.«
»Ich will ihn nicht mitnehmen«, entgegnete Karon. »Aber ich brauche seine Macht für einen Zauber, der den Jungen beschützen kann.« Ich sah nicht hin, als seine Finger in meine Richtung wiesen. Ich spürte es nur.
»Mh«, machte der Zhian-Ag. Er leckte sich mit seiner schwarzen Zunge über die Lippen und ein eiskalter Schauer überfiel mich. Rasch packte ich Selinias Finger fester. Ich wollte nicht alleine sein. »Wie ist dein Name, Whyndrir?«
»Karon.«
»Du bist noch nicht vertraut mit dem Geschenk der Erdgebundenheit«, stellte der Zhian-Ag fest. »Ich spüre deutlich, dass dein Geist noch sehr sprunghaft ist. Das wird sich legen mit der Zeit. Finde den Stein, und du kommst deinem Ziel, Frieden mit deiner dunklen Seite zu schließen, ein Stück näher. Entsage dir, entsage dem Leben und der Angst. Finde ihn, und du kannst ihn benutzen, so oft du willst. Du solltest besser nicht versagen.«
›Wovon spricht er?‹, fragte ich.
Mir war klar, wie riskant es war, Karon abzulenken, aber er ließ sich nichts anmerken und antwortete mir rasch. ›Von einem Zustand der Schwebe, in dem ich mich befinde, seit ich als Whyndrir wiedergeboren wurde. Viele Dinge haben sich seither verändert. Er will, dass ich erkenne, wie groß diese Verluste werden können.‹
›Welche Dinge? Wovon sprichst du?‹
Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht des Dämons. »Nein«, sagte er laut. »Ich bin gerade erst aufgewacht und noch nicht vertraut mit dieser neuen Rolle. Aber ich lerne schnell.«
»Wenn ein altes Ritual einen Geist der Gegenwart befällt, haben die Schicksalsgötter immer einen Plan.« Der Zhian-Ag musterte Karon angestrengt. Er schmunzelte, was angesichts seiner verwucherten Miene seltsam wirkte. Wie ein amüsierter Baum. »Du wirst in dieser Aufgabe wachsen, ob du willst oder nicht. Das ist das Schicksal deiner Art.« Er drehte sich um, streckte die Hand vor und wies auf den Steinkreis, der sich vor ihnen befand. »Geh. Hole dir, was dir gehört.« Dann verzog sich sein Gesicht. Ein Blatt wippte dort, wo seine Augenbrauen hätten liegen müssen. »Wenn du kannst.«
Karon bewegte sich. Es kostete ihn drei Schritte und einen Sprung, dann war er zwischen den großen Steinen verschwunden. Er bewegte sich langsam, lauernd, streng beobachtet von den Krähen über unseren Köpfen.
Ich verstand schnell, dass es eine Prüfung war. Jeder dieser Steine war gleich alt, gleich groß, gleich zerstört. Sie glichen einander, sie waren eins. Aber nur einer von ihnen besaß die Macht, die Karon suchte. Nur einer von ihnen würde auf seine Magie reagieren. Auf das, zu dem er geworden war.
»Was passiert, wenn er den Richtigen nicht findet?«, murmelte Selinia plötzlich an meiner Seite.
Ich umfasste ihre Finger fester, und die Zhian-Ag beantworteten ihre Frage. Aus den Leibern der zwei Wächter erhoben sich zwei dicke Ranken. Sie bildeten einen halbrunden Korpus, fest und stabil. Den Rahmen eines Bogens. Aus dem Inneren ihrer Körper stießen Ranken hervor, spitz wie Dolchklingen. Ranken, die sie wie Pfeile auf den Bogen spannen würden, um Karon zu töten, wenn er dieser Aufgabe nicht gewachsen war.
»Nichts«, antwortete ich ihr. »Er findet ihn.«
Aber in meinem Kopf fühlte ich Karons Leere. Er spürte.. gar nichts. Sein Bewusstsein war in tiefe, dunkle Leere gehüllt. Sein Verstand war finster, seine Seele kalt wie immer. Ich wusste, er spürte die Gegenwart des Runensteins, aber er konnte ihn nicht lokalisieren.
Ich wollte ihm helfen, aber ich fand kein Ventil zu seinen Gedanken. Plötzlich regte sich Schweigen zwischen uns. Ich war nicht sicher, ob er diesen Zustand verursachte, oder ob die Macht des Steinkreises unsere Bindung blockierte, aber aus irgendeinem Grund, konnte ich ihn in diesem Moment lediglich fühlen. Alles andere wirkte abgeschirmt und gedämpft. Wir waren getrennt, und ich sah ihn, wie durch eine beschlagene Glasscheibe.
›Sie töten dich‹, raunte ich ihm zu. Unwissend, ob er mich hören konnte. ›Wenn du den richtigen Stein nicht findest, töten sie dich. Und uns wohl auch. Du musst es schaffen, hörst du?‹
Ich konnte ihn nicht warnen. Wenn ich schreien würde, würden sie schießen.Wenn er sich umdrehte, würden sie vermutlich schießen. Nur wenn er den Runenstein mit Hilfe seiner Fähigkeiten fand, bestand eine Chance, dass wir diesen Albtraum überleben konnten.
Wir mussten ihm vertrauen. Er hatte wieder und wieder darum gebeten, und jetzt war die Zeit gekommen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.
Ich drückte mich enger an die Fee neben mir. »Hast du Angst?«, fragte sie mich rasch. Aus den Augenwinkeln musterte sie die moosbewachsenen Wesen an unserer Seite.
Ich nickte, und schüttelte dann den Kopf, als der König der Zhian-Ag zu und uns herübersah. »Ich weiß, dass er es kann. Vertrau ihm.«
Plötzlich ging Karon in die Hocke. Ich sah, wie die Hand des Schattenblutes über dem Boden schwebte, wie seine Finger hinabsanken, wie seine Fingerkuppen die Erde berührten. Er konzentrierte sich. Seine Aura begann, sich zu verfinstern. Ich wollte es nicht sehen, aber Karons Gefühle wurden kalt und dunkel, wie sein Herz. Als seine Finger in die Erde eintauchten, und er in ihr verlorenging, spaltete sich ein Teil seines Wesens ab und entschwand ins Nichts. Der Whyndrir erwachte brüllend wie ein zweites Bewusstsein in ihm zum Leben. Ich sah es deutlich vor mir. Seine Seele stellte sich mir wie ein Kristall dar, groß und leuchtend, tief in seinem Körper verankert. Ein Splitter daraus, kaum größer als ein Nagelstück, löste sich vom Rest, splitterte ab und zerfiel zu feinem goldenen Staub. Dieser Teil, dämmerte mir, war für immer verloren. Der Preis, den das Erwachen des Schattenschamanen forderte. Ich wollte Trauer empfinden, aber die Ohnmacht seiner Dämonenseele, überschüttete mich mit so vielen Gefühlen, dass für dieses kein Freiraum mehr blieb.
Das musste die Schwebe sein, von der er gesprochen hatte. Der Zustand, in dem er feststeckte. Er weigerte sich, loszulassen, weil er an seiner Menschlichkeit hing. Loszulassen, dem Whyndrir-Fluch die Kontrolle zu überlassen, all das schenkte ihm Frieden, doch es nahm ihm das, woran er am meisten hing.
Mit einem Ruck bewegten sich seine Gedanken nicht mehr. Er atmete ein und aus. Sein Herzschlag wurde langsamer. Ich spürte, wie sich seine Kräfte vervielfachten und zu wandeln. Seine Gefühle zogen sich aus ihnen zurück und die Klarheit seines Geistes obsiegte. Handgroße Steine, Abkömmlinge der großen Felsbrocken zitterten in seiner Nähe, wie während eines Erdbebens. Einige von ihnen schwebten knapp über der Erde. Sein Zauber versetzte sie in Schwingung.
Und da wusste ich, dass er mich hören konnte.
›Du kannst es zulassen‹, sagte ich ihm. ›Du kannst loslassen und danach zurückkommen. Ich vertraue dir.‹
Mein Blick hob sich hinauf zu den vielen, vielen schwarzen Augen, die uns wie Edelsteine aus den Gesichtern der dunklen Vögel entgegenblitzten. Sie alle sahen zu. Sie alle spürten, und wussten, dass etwas vor ihren Augen geschah. Einige von ihnen sträubten ihr Gefieder. Ihre Anspannung wuchs. Sie taxierten den Whyndrir aufmerksam. Keiner von ihnen sah fort. Keiner wollte verpassen, wenn es geschah.
Anfangs wehrte Karon sich noch, doch als er sich von allen Erwartungen zu befreien begann, spürte ich, wie es ihm leichter fiel, langsam loszulassen. Er räumte das Feld und ließ den Whyndrir die Magie durch seinen Körper lenken. Die Energien der Erde begannen ihn zu durchströmen und rechts neben ihm glomm, auf einem der Felsblöcke, ein Symbol auf. Ich kannte es nicht. Es stammte aus einer anderen Sprache, einer anderen Zeit, aber Karon reagierte auf dieses Zeichen. Es zog ihn an, wie Licht die Motte. Er löste sich von der Erde und stand auf. Dreck klebte an seinen Fingern.
Seine Augen waren so leer, dass es schmerzte. Matte Schlieren tanzten darin wie Nebelschwaden über dunklem Moor. Er hatte sich für den Moment von diesem Leben gelöst. Freigemacht. Alle Ketten gesprengt und seine Whyndrir-Seele losgelöst. So frei, dass er nicht zurückkehren wollte.
›Erias‹, sagte seine Gedankenstimme zu mir. Sie klang kalt und müde, obwohl er vor Kraft strotzte. Aber es war nur die Magie, die an Stärke gewonnen hatte. Sein Wesen hatte diese eingebüßt. ›Ich werde jetzt bis drei zählen. Und wenn ich Drei sage, konzentrierst du dich auf mich, nur auf mich. Du wirst mit mir diesen Ort verlassen. Halt Selinia fest, andernfalls bleibt sie zurück.‹
Karon bewegte sich. Er ging drei Schritte auf den leuchtenden Felsen zu und bettete seine Hände darauf. Laut und deutlich hörte ich ihn in meinem Kopf ›Eins‹ sagen. Seine Finger füllten sich mit Wärme. Ich konnte sehen, wie ein schwaches Licht aus dem Runenstein in seine Fingerbeeren sickerte und sich von dort aus überall in seinem Körper breitmachte.
»Eines Tages«, rief ihm der Zhian-Ag-König zu, »wird ein großer Dämonenschamane aus dir werden, Winter.«
Karons Mundwinkel zuckten. Ich sah, dass er grinsen wollte, während er sich vornüberbeugte und etwas von seinem Hals nahm. Eine Kette kam zum Vorschein, versehen mit einem silbernen, daumengroßen Rabenschädel. Er nahm das Schmuckstück, legte es auf den Stein und schloss die Augen.
Zwei.
Was dann geschah, war ein Zauber. Er erschuf einen Strom reiner, gleißender Magie, der sich mir wie ein Licht darstellte, stieg aus dem Stein empor und segelte in die ausgestreckte Hand des Dämons. Karon nahm das Licht, schloss seine Finger darum und bettete den Anhänger darauf. Beides befand sich in seiner geschlossenen Hand. Nur zwischen seinen zusammengepressten Fingern sickerte vereinzelnd noch ein leichtes Glimmen hindurch.
Drei!
Wie auf ein geheimes Signal hin, spreizte jeder einzelne Krähenvogel seine Schwingen. Ihr Kreischen erfüllte die Luft. Wie Pfeile stürzten sie sich von den Ästen und Zweigen hinab. Stürzten, auf die bewaffneten Krieger zu, um den Mann zu schützen, der ihnen so unsagbar ähnlich war. In Karons Leib schlug ein Rabenherz.
Dann war er auf einmal fort, verwandelte sich in einen von ihnen. Mitten im Getümmel der schlagenden Flügel und kreischenden Schnäbel verschwand Karon plötzlich und ließ Selinia und mich zurück. Ich hielt den Atem an. Mein Geist war an seinen gebunden, mein Kopf folgte jedem seiner Gedanken. Ich war eins mit ihm, so wie er gewollt hatte. Wieso war ich noch hier? Ich versuchte, unter all den schwarzen Leiber und Schwingen den größten von ihnen zu erkennen, aber es war unmöglich irgendeinen von ihnen zu lokalisieren. Zu viele federbedeckte Körper schwirrten durch die Luft.
Plötzlich spürte ich einen Widerstand in meiner zusammengeballten Hand. Ich schaute nicht hin, musste es nicht sehen, um zu erkennen, dass der silberne Rabenschädel irgendwie in meine Hand gewandert war.
Der König des Waldvolkes stürzte auf uns zu. Sein Blick war wild und tobend. Karon hatte ihn betrogen. Er spürte den Verrat in sich.
Ich blinzelte erschrocken, bis ich bemerkte, dass seine Aufmerksamkeit gar nicht mir galt. Zwei Hände legten sich von hinten auf meine Schultern. Es war Karon, wieder in seiner Menschengestalt.
»Los jetzt!«, zischte er mir ins Ohr. »Verschwinde endlich!«
Und dann löste sich alles einfach auf. Die Wirklichkeit verschwand, die Magie zerrte meine Seele fort. Ich hatte das Gefühl, zu fallen, und nicht zu wissen, wann ich den Boden berühren würde. Und dann war es vorüber.

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