Die Rachegöttin (11)

Ich werde diese Kraft nutzen um Monica zu helfen, für etwas habe ich diese Kraft ja bekommen und vielleicht ist genau das meine Aufgabe… gute Menschen zu schützen.

Eine plötzliche Entschlossenheit ergreift von mir Besitz und ich gehe ins Schlafzimmer. Ich packe die Maske und wühle dann in meinem Kleiderschrank. Ganz unten in einem Beutel werde ich fündig. Ich ziehe ein Kleidungsstück hervor, dass ich schon ewig lange nicht mehr angezogen habe. Es ist eine, schwarzrote, eher weite Hose, mit goldenen Verzierungen, welche ich einst für einen Maskenball gekauft hatte, um mich als orientalische Prinzessin zu verkleiden. Das Oberteil dazu habe ich leider nicht mehr, aber ich nehme ein bauchfreies Top aus schwarze Satin dazu. Ich um-male meine Augen schwarz und ziehe die Maske dazu an. Dann mache ich mich auf den Weg, in die bereits finster gewordenen, Gassen. Ich versuche mich möglichst im Schatten zu halten, denn ich will eigentlich nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen. Ich trage meinen weiten, Kapuzenmantel, mit einem roten Futter, welcher offen ist und hinter mir her weht wie ein Umhang. Es dauert nicht lange bis ich wieder bei der Bar bin, wo Monica arbeitet. Ich schaue durch die Fenster und erblicke sie sogleich, wie sie stets mit derselben Hingabe und Freundlichkeit die Gäste bedient.

 

Es ist bereits spät am Abend und ich schaue Monica einfach durch das Fenster hindurch zu, bis die Bar schliesst und sie nach draussen kommt. Ich will sie nicht mehr aus den Augen verlieren, doch ich will auch nicht, dass sie merkt, dass ich sie beobachte. Das würde ihr vermutlich nicht so gefallen. Ein Gefühl sagt mir jedoch, dass sie irgendwann meine Hilfe brauchen könnte. Sie scheint nicht so weit weg von ihrem Arbeitsplatz zu leben, denn sie steigt nicht in ein Auto, sondern macht sich zu Fuss auf den Heimweg. Zu Fuss zu dieser späten Stunde? Das scheint mir nicht ungefährlich zu sein. So folge ich ihr einfach in einem gebührenden Abstand und mache mir die Schatten der Mauern der Stadt zunutze, um unentdeckt zu bleiben. In mir ist wieder etwas erwacht, etwas, dass mir hilft mich behänder und lautloser zu bewegen. Fast wie eine Katze, schleiche ich Monica hinterher. Sie geht zur nahegelegenen Bushaltestelle, was mich irgendwie beruhigt, denn im Bus ist es vielleicht sicherer. Ich ziehe mir die Kapuze meines Mantels ins Gesicht und steige zur hinteren Türe des Busses ein. Monica vorne. Es hat kaum Leute in dem Bus, nur eine Gruppe Männer, welche jedoch betrunken erscheinen. Sie mustern Monica, welche eine sehr hübsche Frau ist. Obwohl es mich stört, dass sie sie so mustern, kann ich ihnen ja deswegen nicht die Hölle heiss machen. Ich behalte sie einfach im Auge. Nach ca. drei Stationen, steigt Monica aus. Ich kenne diese Gegend recht gut und steige auch aus. Allerdings biege ich in eine schummrige Nebenstrasse ein, die parallel zu der ziemlich hell erleuchteten Strasse liegt, die Monica nimmt. Es hat hier nicht mehr viele Leute herum, nur da und dort ein Penner, der in einer Ecke schläft. Arme Kerle. Wenn erst der Winter kommt… es gibt immer noch viel zu viel Elend in dieser Stadt, die ihrem Namen Blossom City doch Ehre machen sollte. Aber das tut sie leider nicht. Es gibt einfach immer noch viel zu viele völlig heruntergekommene Viertel, wo Menschen leben, die keinerlei Zukunftsaussichten haben.

 

Ich biege nun wieder hinter Monica in die Strasse ein, als ich in der Nähe auf einmal Stimmen flüstern höre. «Das ist doch die Kleine von der Purple Bar, ich glaube die steht auf mich.» Ich horche auf und drücke mich in den finsteren Torbogen. Ich halte nach den Sprechern Ausschau, welche nun an mir vorbeigehen. Tatsächlich sind es zwei der Männer aus dem Bus. Sind sie Monica etwa gefolgt? Ich merke wie mein Blut in Wallung gerät und alles ist plötzlich wieder in einen roten Nebel getaucht, als ich den beiden Männern leise folge. «Ach was, du bildest dir da sicher nur etwas ein,» spottet der andere Mann. «Die steht doch niemals auf dich, wenn dann höchstens auf mich.» «Vielleicht steht sie ja auf mehrere Männer gleichzeitig. So freundlich wie sie immer mit allen ist,» erwidert der erste mit anzüglichem Tone. Wollen wir sie mal fragen gehen, was meinst du? Rothaarige sollen ja ziemlich wild sein!» Unbändiger Zorn ergreift mich. Diese Dreckskerle! Wie können sie es wagen so über Monica zu sprechen? Und jetzt rufen sie tatsächlich auch noch hinter ihrher. «Hej Kleine! Warte mal!» «Kleine… was für eine Anmassung! Mein Blut kocht bald wieder über und ich muss mich beherrschen die beiden Kerle nicht postwendend gegen die nächste Wand zu klatschen. Doch noch warte ich, vielleicht sind sie ja nur dumme Schwätzer aber ansonsten harmlos.

So beobachte ich aus der Deckung heraus, was weiter passiert. Monica fährt ziemlich erschrocken herum und in ihren Augen liegt Furcht, denn sie erkennt, dass es zwei der Männer aus dem Bus sind. Ihre Hand fährt in ihre Jackentasche und sie zieht etwas heraus. «Was… soll das? Seid ihr mir etwas gefolgt?» «Gefolgt? Aber nein, wir haben einfach nur denselben Weg. Eine hübsche junge Frau wie du, sollte aber nicht so allein unterwegs sein. Bist du nicht Monica aus der Purple Bar?» «Ja, das bin ich, warum?» «Ach nur so. Wir wollten mal fragen, ob du auf einen von uns stehst, du bist immer so freundlich und wie du deinen Job machst, hat beinahe etwas… wie soll ich sagen… Sinnliches.» sprach jener der das mit den Rothaarigen gesagt hatte. «Etwas Sinnliches, was soll der Quatsch!» Monica umfasst den Gegenstand, den sie aus der Tasche gezogen hatte fester. «Lasst mich einfach in Ruhe, ok?» «Warum so unfreundlich? Das sind wir uns von dir sonst gar nicht gewohnt.» «Warum? Weil ich bei der Arbeit freundlich zu euch bin?» Das heisst nicht, dass ihr mich in meiner Freizeit belästigen sollt. Ich kann nämlich auch ganz anders, wenn es sein muss. Ausserdem bin ich hundemüde und will nur nach Hause. Lasst mich einfach weitergehen.» Monica dreht sich um, als sie der Schlimmere der beiden Männer an der Schulter zurückreisst. «Hehe nicht so schnell!» Monica fährt herum und hebt einen Pfefferspray, dessen Inhalt sie dem Angreifer direkt ins Gesicht sprüht. «Verdammtes Miststück!» schreit der Mann und reibt sich heulend die Augen. Der andere Mann packt Monica grob und reisst sie von den Füssen. «Das wirst du uns büssen!»

 

Vor meinem inneren Auge zucken rote Blitze, blindwütig stürze ich aus der Deckung und springe selbigen wie eine Wildkatze an. «Lasst sie gefälligst in Ruhe!» Ich trete ihm von hinten in die Knie und er knickt ebenfalls heulend vor Schmerz ein und fällt zu Boden. Ich trete ihm auch noch in die Seite, dass er sich krümmt und schubse den andern, der sich noch immer die Augen reibt gegen die Container die in der Gasse stehen. Einige Ratten huschen im Licht der Strassenlaternen davon. Die Rachegöttin hat erneut Besitz von mir ergriffen. Monica starrt mich entsetzt und zugleich erleichtert an. «Wer… wer sind sie?» «Das spielt keine Rolle,» sage ich mit leicht verstellter Stimme. «Sie sollten so spät in der Nacht nicht mehr so allein unterwegs sein, schon gar nicht an einem Sonnabend. Nehmen sie das nächste Mal ein Taxi!» Ich schaue auf die beiden Angreifer, welche noch immer wimmernd und klagend am Boden liegen. Sie blicken mit vor Furcht geweiteten Augen auf mich und wagen sich nicht mehr zu rühren. Mein Schatten scheint irgendwie auch wieder gewachsen zu sein und das muss sehr angsteinflössend anmuten. Nur Monica hat keine Angst. Vielleicht nehmen nur jene die meine Rache zu spüren bekommen, mich so furchterregend wahr. Ich fühle mich kraftvoll und voller Entschlossenheit, ein gutes Gefühl, in dem ich mich gerne häufiger aufhalten würde. Ich denke ich habe es auch ein wenig besser im Griff das alles. Ich bin nun viel bewusster und ich kann mich auch besser zügeln. Wenn ich Monica anschaue, spüre ich sowieso eine ganz besondere Wärme im Herzen. «Wohnen sie weit weg von hier?» frage ich sie. «Nein. Eigentlich nicht.» «Dann werde ich sie bis zu ihrer Tür begleiten. Damit nicht nochmals sowas passiert. Es gibt überall düstere Gesellen.» Monica nickt dankbar und zusammen setzen wir unseren Weg fort, die beiden Männern überlassen wir einfach sich selbst. Die werden so schnell keine jungen Frauen mehr belästigen. Während wir zusammen dahin gehen mustert mich Monica neugierig. «Sie kommen mir irgendwie bekannt vor.» Ich zucke innerlich zusammen, lasse es mir aber nicht anmerken und erwidere ruhig: «Das kann ich mir nicht vorstellen.» «Doch… irgendwie sind sie mir vertraut.» «Das ist sicher nur, weil ich ihnen geholfen habe,» spiele ich das Ganze herunter. Monica lächelt, sagt aber nichts weiter, worüber ich froh bin.

Kurz darauf kommen wir bei ihr zu Hause an. Sie wohnt in einem alten Stadthaus, im oberen Stock. «Reinkommen wollen sie wohl nicht,» witzelt Monica und mustert mich erneut eingehend. «Wohl eher nicht,» gebe ich ruhig zur Antwort, obwohl mein Herz bis zum Hals klopft. «Ich muss weiter.» «Noch mehr junge Frauen vor nächtlichen Belästigungen schützen?» «Sofern sie heute nicht mehr die Lust verspüren, nochmals ihre Wohnung zu verlassen, sehe ich keinen Grund sie weiterhin im Auge zu behalten,» sage ich. «Nein, für heute habe ich echt genug von der Strasse. Ich bleibe daheim und gehe sofort schlafen.» «Eine gute Idee. Dann geh ich mal wieder. Machen sie es gut.» «Sie auch und danke vielmals!» «Immer gerne!» Ich hebe die Hand nochmals zum Gruss und gehe dann davon.                      

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