Die Stadt am Fluss

"Was sollen wir jetzt tun?", Tamar rannte ungeduldig im großen Saal vor ihnen auf und ab, "Sie können nicht hier bleiben, das Monster wird wieder angreifen! Wir haben hier, abseits des Limbus, vor Jahren unseren Frieden gefunden! Kaum tauchen sie auf werden wir angegriffen!"
Cullain nickte betrübt: "Wir können euch hier keinen Schutz bieten. Ein Schanolorkus haben wir noch nie gesehen, geschweige den hat es angegriffen! Und wir sind keine Krieger, wir waren schon immer eine friedliche Gemeinschaft!"
Shanora sprang von Allisters Schulter auf die große Tafel: "Ein Schanolorkus greift auch nur dann an wenn es beschworen wird! Jemand macht Jagt auf uns! Wir werden gehen, aber auch ihr solltet hier verschwinden!" Tamar schien beunruhigt über ihre Worte: "Rauch steigt auf, der schwarze Thron scheint erwacht zu sein, die alte Dämonenstadt, Osilia, ist erschienen. Der Rauch kommt von dort, als würde es nach all den Jahren noch brennen!" Shanora fröstelte, ihr Gefühl, dass etwas in Elensar im Gange war, schien sich zu bestätigen. Sie hatte zwar keine Ahnung von diesen erwähnten Orten, aber es hörte sich finster an.
"Wir müssen gar nicht lange diskutieren!", Vanessa packte Shan und gab sie Allister, "Ich muss Finn suchen! Und du bringst Shanora zurück nach Hause!"
Allister verdrehte die Augen: "Was bin ich hier, der Katzensitter?" Shan fauchte, sie wollte nicht zurück gebracht werden.  
Vanessa lies keinen Widerspruch zu, sie verließ die Festung alleine.

"Machst du alles was Vanessa dir anschafft?", meckerte Shan auf Allisters Schulter. Die beiden hatten sich auf den Weg zum Wald der 1000 Gefahren gemacht um sie zurück nach Hause zu bringen. Allister verdrehte die Augen: "Nein, aber sie hat Recht, eine Prinzessin hat da draußen nichts zu suchen! Schon gar nicht wenn sie einmal Königin werden soll und aktuell die einzig Auffindbare aus ihrem Geschlecht ist!"
Shan sprang von seiner Schulter auf den Boden und spielte mit den raschelnden Papieren sie vor ihr lagen. Das alte Schlachtfeld brachte viele eigenartige Dinge zum Vorschein, aber Papier war ihr noch nie unter gekommen.
"Gib mal her!", Allister setzte sich zu ihr auf den Boden und betrachtete die vermutlich  zu einem Brief gehörenden Seiten genauer. "Was steht da?", fragte Shan und sprang wieder auf seine Schulter.

In den Legenden und Sagen von Elensar steht meist viel über jene Orte, an denen das Grauen aus allen Ecken und Enden gekrochen kommt. Das war zu Lebzeiten des Dunklen, aber auch heute kann das gleiche passieren, wenn seine alten Anhänger diese Wunden im Land aufreisen. Die Leute tuscheln über die Schatten die sich durch die Gassen schleichen. Große Übel sind erweckt worden, angesetzt auf jene, die sterben müssen um die Wiedergeburt ihres dunklen Königs zu ermöglichen. Der Orden des Dunklen hat sich erhoben und Relikte des schwarzen Throns in Elensar verwendet um etwas abgrundtief Böses, längst vergessenes zu erwecken, und die Töchter des Dunklen zu jagen. Diese Wesen lassen sich nicht von ihrer Jagd abbringen, sie töten alles was sich ihnen in den Weg stellt! Sie sind geschickt im Fallen stellen und erfüllen ihre Bestimmung zuverlässig.

Allister warf den Brief bei Seite und sprang auf, er nahm Shan von seiner Schulter und starrte das Kätzchen an: "Andererseits ist Finn dein Bruder und du hast ein Recht darauf ihn zu suchen! Wir müssen zu Vanessa, sie hat keine Ahnung in welcher Gefahr sie schwebt!"
Shan nickte: "Außerdem ist Prinz Finn vom weißen Thron auch immer unterwegs und in Schwierigkeiten, da darf ich einmal ein Abenteuer erleben!" Allister setzte sie zurück auf seine Schulter und versuchte Vanessas Standort zu ermitteln...

...Vanessa hatte die das verfluchte Schlachtfeld hinter sich gelassen, vor ihr erstreckte sich ein Wald.
Sie ärgerte sich über ihre fehlende Kondition, ging aber rasch weiter, der Tag würde nicht mehr lange andauern.
Die Sonne begann schon hinter den Bäumen zu verschwinden, bald wurde es unter den alten Bäumen dunkel, lange Schatten zogen sich über den Boden.
Vanessa spürte die Angst in ihr aufsteigen, aus jedem Schatten konnte das Körperlose Ungeheuer, welches sie auf der Festung angegriffen hatte zurück kehren.
Auch wenn ihre Beine sich schwach und müde anfühlten versuchte sie schneller zu gehen, bis sie schließlich nicht mehr weiter konnte.
Keuchend lies sie sich auf einen Stein sinken, ihre Erschöpfung begann sie zu übermannen. Sie wusste, dass sie hier nicht verweilen konnte, sie spürte das sie nicht alleine in diesem Wald war. Irgendetwas war ihr gefolgt und schien sie zu jagen, ohne Rast und Erbarmen.
Sie raffte sich auf, ihr Beine zitterten. Sie vermisste ihre Schwestern, immer wenn sie in Schwierigkeiten gesteckt hatte waren sie beiden gekommen um sie zu retten.
Diesmal war sie auf sich gestellt, den Elf hatte sie weg geschickt. Sie bereute es keine Sekunde, Shanora in Gefahr zu bringen hätte sie sich nie verziehen.
Dieses Mädchen, auch wenn ihr jeder Zauber misslang und sie im Moment mit der Gestalt eines Kätzchens vorlieb nehmen musste, hatte eine große Zukunft vor sich, das konnte sie spüren.
Vanessa schleppte sich weiter, lies ihren Blick über die Schatten schweifen. Es rührte sich nichts, kein Ungeheuer, kein großes Übel, aber sie wusste das sie nicht in Sicherheit war.
Sie wollte nicht aufgeben, Finn steckte irgendwo in Elensar fest, womöglich in Gefangenschaft von wem auch immer, sie musste ihn finden. Finn war vielleicht ein Idiot, aber er war alles was Shan noch an Familie hatte, außerdem war er ihr auch zur Hilfe geeilt, als sie gegen den gefallenen Engel gekämpft hatte, sie würde ihn jetzt nicht hängen lassen. Allister Schwester war hoffentlich bei ihm, auch wenn Vanessa sie nicht gerade vermisste.
Plötzlich vernahm sie ein Rascheln hinter sich, sie wirbelte herum und starrte auf die dunkle Gestalt die sich hinter ihr aus dem Schatten geschlichen hatte.
Sie konnte unter der großen schwarzen Kutte kein Gesicht ausmachen.
"Du suchst nach dem Prinzen? Wirst von einem, den man den Schänder nennt,  gejagt und bist zu erschöpft um schnell durch den Wald zu kommen!", die süffisante, charismatische Stimme der verhüllten Gestalt lies die erschaudern.
"Was bist du für ein Wesen?", fragte Vanessa, sie versuchte weiter etwas unter der Kutte zu erkennen.
"Ich bin der, den man als den dunklen Wanderer kennt! Aber ich bin nicht alleine, wir sind viele!"
Vanessa schauderte, sie erinnerte sich an Allisters Erzählung von seiner Begegnung mit dem Wanderer in seiner Heimat, dieses Wesen hatte sein Herz mit tiefer Dunkelheit erfüllt.
Andererseits hatte ihm der Wanderer auch für diesen Preis geholfen. "Was muss ich tun um Finn zu retten? Wie kann ich ihn finden?", Vanessa starrte in die Dunkelheit unter der Kutte.
"Du brauchst mehr Kraft um ihn zu finden, noch mehr um ihn zu retten!", der Wanderer zog ein gläsernes Fläschchen hervor "ich kann dir diese Stärke geben. Aber sei gewarnt, danach wirst du keine Kraft mehr haben um dich gegen den Schänder zu wehren!" Vanessa starrte auf das kleine Gefäß in dem sich eine schwarze, zäh wirkende Flüssigkeit befand.
Gift welches sie stärker machen würde um Finn zu retten, und ihr danach Probleme bringen könnte.
"Trink!", der Wanderer reichte ihr das Fläschchen, "Trink alles aus wenn du Finn retten möchtest! Ich würde dich nicht belügen, nur der Schänder, der lügt, er lügt immer!"
Sie schraubte den Deckel ab und nahm vorsichtig einen Schluck, es hatte eine Konsistenz wie Honig und hinterließ ein leichtes Brennen in ihrer Speiseröhre.
"Du musst alles trinken!", drängte dieser Wanderer sie, "Wenn du Finn finden möchtest! Deine Kraft reicht nicht, du brauchst die Hilfe des Löwen!"
Vanessa trank den Rest aus und warf das Fläschchen von sich. Ihr Hals brannte, sie musste husten und ging in die Knie. Ihre Atmung wurde langsamer, das Husten verging und ihre Erschöpfung war verschwunden, genau wie der dunkle Wanderer.
Die Sonne war nun völlig unter gegangen, aber ihre Augen schienen die Dunkelheit zu durchbohren.
Vanessa setzte ihren Weg fort ohne dabei müde oder hungrig zu werden bis sie den Wald an einer anderen Seite verließ. 
Sie blickte auf Steloia, eine kleine Hafenstadt am Ufer des Livol, einem der beiden Flüsse die Elensar teilten, und spürte, dass sie sich in die Stadt begeben sollte. 
Sie rannte weiter, an unzähligen mittelalterlich aussehenden Karren von Händlern vorbei bis in die Stadt. 
Steloia bestand zu einem großen Teil aus Hafen, alle der mit hellem Kalkstein gepflasterten Straßen schienen zu diesem zu führen.
Kleine Läden und Gaststätten zierten das Stadtbild, es wurde viel aus einfachem dunklen Holz gebaut.
Die Menschen trugen schöne Kleider aus edlen Stoffen, Vanessa erinnerte das ganze Stadtbild an einen Mittelaltermarkt in der Welt der Menschen.
Sie schaute sich um und entdeckte das Gasthaus "zum Handelsmann" und erwartete von dem Namen einen Wirten, der ihr möglicherweise ein paar Fragen beantworten konnte.
Sie betrat die Gaststätte und war erstaunt über den vollen Betrieb. Die Menschen tranken, aßen, sangen und schienen eine Menge Spaß zu haben.
Vanessa ging an die Theke und blickte den stämmigen Wirten freundlich an. "Kann ich dir helfen Mädchen? Wenn du eine von denen bist, ich dulde keine Schweinereien in meinem Laden!", knurrte der ältere Herr.
Vanessa winkte ab: "Ich habe mich gefragt ob sie etwas über einen dunklen Wanderer wissen, oder einen blonden jungen Mann, den Prinzen, gesehen haben?"
Der Wirt erbleichte: "Jetzt hören sie mal, junges Fräulein, sie sollten keine solchen Fragen stellen! Sie könnten ärger bekommen, wir wollen nur handeln in dieser Stadt, ich sollte sie verhaften lassen!"
Vanessa packte den Wirt am Kragen und zog ihn über die Theke: "Sie werden die Klappe halten, ich verschwinde!" 
Sie rannte aus dem Gasthaus, bog in eine Gasse ab und stieß mit einer jungen Frau zusammen. "Sie haben mit dem dunklen Löwen gesprochen!", keuchte diese erschrocken. "Was?", fragte Vanessa "woher weißt du das? Löwe? Wieso Löwe?"
Die junge und zierliche Frau hatte hellblonde Haare und unnatürlich blaue Augen die ins Leere starrten.
"Ich kann nicht sehen was andere sehen!", erklärte sie, "Aber ich sehe was den normal Sehenden verborgen bleibt! Du solltest gehen, der Wirt hat die Wachen gerufen und lässt dich suchen, es gibt ein Gasthaus, das einzige aus Stein, in dem finden Diebe, Mörder und andere Gauner Unterschlupf, du musst dich dort verstecken!"
Vanessa war verwirrt, sie konnte die Gabe der jungen Frau beinah nicht fassen. Sie blickte ans Ende der Gasse und konnte das beschriebene Gasthaus sehen.
"Danke!", Vanessa klopfte ihr auf die Schulter und lief los als sie die Rufe der Wachen hörte. "Yuca!", rief ihr die blinde Frau nach, "Das ist mein Name!" 
Vanessa riss die Türe der Gaststätte auf und betrat das steinerne Gebäude. Ihr Blick schweifte über die Tische und blieb an einem kleinen runden Holztisch in der letzten Ecke hängen. Sie konnte nicht fassen was sie dort sah, ihr Herz schien stehen zu bleiben und der Schock fuhr ihr in die Knochen.

Kommentare

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    Oh ich kann Felix nur zustimmen :) Es war wieder eine Freude, von dir zu lesen :) Ich frage mich, ob ich meine süße Shan jemals auf den Thron bekomme. Sie streift zu gern durch die Welt, als dass sie sich binden lassen würde <.<" Aber sie ist in den letzten Jahren zumindest vernünftiger geworden und übt sich in der Zauberei.

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    Spannung und eine faszinierende Gabe, da sich die Person vorstellte, nehme ich an das Yuca bald mehr in der Geschichte vorkommt? Das wird spannend. :3

beta
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