Die Stadt hinter dem Rauch

"Was...", Church öffnete langsam die Augen, sein Kopf brummte und er hatte Schwierigkeiten sich an irgendetwas zu erinnern.
Er lag auf lehmigen Boden, es war dunkel, doch hinter ihm schien es heller zu werden.
Vorsichtig richtete er sich auf, er befand sich allem Anschein nach in einer Höhle. Und er war nicht alleine.
Ein gefesselter Mann lehnte an der Wand und schien ihn amüsiert zu beobachten. Sein dunkelgrünes Haar und die smaragdgrünen Augen verrieten Chruch um wenn es sich handeln musste. "Marbas", stellte er fest, "wie ist das möglich? Dein Fluch verbietet dir die menschliche Gestalt!"
Marbas lachte, erschien allgemein gute Laune zu haben. Sein längliches Gesicht wirkte jung und ein wenig arrogant. er schien mit nichts als einer Decke bekleidet zu sein.
Church sah sich weiter um, da entdeckte er einen Zettel, wahrscheinlich aus Shanoras Notizbuch gerissen.
Schnell packte er ihn und las die Nachricht: 

Chruch, 
wir sind auf dem Weg nach Osilia, werden die Fallen auslösen damit du schnell voran kommst. Wir werden mit Finn auf dich warten!
Bitte sei vorsichtig und traue dem Pestlöwen nicht, ich denke er verfolgt seine eigenen Ziele. Und du musst auf jeden Fall überleben!
Shanora, Allister, Yalhan

Chruch schmunzelte, natürlich hatte man ihn nicht einfach so zurück gelassen.
"Die kleine Königin ist wirklich mächtig", merkte Marbas an, "auch wenn sie keine Kontrolle über ihre Kräfte zu haben scheint! Sie hat uns hier hergebracht und meinen Körper zurück verwandelt!" Church deutete ihm still zu sein: "Ich habe nicht vor deinen giftigen Worten zu lauschen, Marbas Pestlöwe!"
Marbas lachte wieder: "Solltest du aber, Argares Sprössling!" Church erstarrte, in der Kanalisation hatte ihn Marbas auch schon  Baal genannt, er war verwirrt und wollte nun doch wissen, was es damit auf sich hatte.
"Was redest du da für Unsinn?", fragte er ihn deswegen.
Marbas setzte ein unschuldiges Gesicht auf: "Willst du doch die Geschichte des neunten Kreises erfahren? Treplew und sein Meister waren sehr interessiert daran, sonst hätten sie mich wohl kaum geholt!"
Church erstarrte, er musste versuchen Informationen über den Feind von Marbas zu erlangen. 
"Was weißt du über Treplew und seinen so genannten Meister?", fragte er und setzte sich.
Marbas schmunzelte nun zufrieden: "Zuerst solltest du wissen, was der neunte Kreis ist. Er besteht aus den Dschungeln von Schwarzwasser am Meer, auch die versunkenen Königreiche von Gaap genannt. Aus der Feuerwüste um Südhafen am Schwarzwassergraben, der Einöde von Windun und den Bergen von Harmun. Mächtige Dämonenfürsten herrschten über die Gebiete, alle unter dem Siegel des Baal, König der Zerstörung. Der Baal kam aus dem Geschlecht Argares, mächtiges Geschlecht. Aber es gab jemanden, der sich die Fähigkeiten dieses Geschlechts aneignen wollte. Der Dunkle kam und zettelte Aufstände an, brachte Krieg und Vernichtung über den neunten Kreis. Er begehrte das schlagende Herz eines Argares, um daraus eine Waffe zu formen!"
Church fasste sich unbewusst an die Brust was Marbas sofort bemerkte.
"Hast du dich nie gefragt warum der Dunkle unbedingt dein Herz wollte?", fuhr er dann fort, "Lady Argares hat ihre beiden Söhne in einen Weltenriss gestoßen und sich selbst getötet um dem Dunklen seinen Wunsch zu verwehren, aber er fand die Jungen und riss dem Stärkeren von beiden das Herz heraus. So kam er zu seiner Waffe und unterjochte die Dämonen mit ihr. Die Kanais, auch bekannt als Schatten, haben sich nun, wie auch die Kreaturen von Schwarzwasser, dem neuen Meister angeschlossen um Rache an Elensar zu verüben. Aber es passierte noch etwas in der Zwischenzeit!", Marbas machte eine Pause um sicher zu gehen, dass Chruch ihm noch folgen konnte.
Dieser spürte wie sein Herz fest in seiner Brust schlug, er wusste nicht warum, aber er glaubte dem Pestlöwen. 
"Die Schatten wurden von einem der Ihren dezimiert, man sagt er habe sie alle alleine getötet. Der Meister war sehr aufgebracht deswegen und hat befohlen, dass die Königin so schnell wie möglich gefangen werden müsse. Ich schätze er hat Angst, dass der neunte Kreis, dessen Macht er sich bedient, ihm zum Verhängnis wird!", erzählte Marbas nun weiter, "Und das wird es wenn sie dich sehen, Argares!"
Chruch war immer noch verwirrt, er hatte in der Kanalisation schon bemerkt, dass Marbas sie nicht mehr angegriffen hatte. Aber er verstand nicht warum, was er mit all dem zu tun hatte. "Du begreifst es nicht, oder willst es nicht begreifen?", Marbas lachte auf, "Du bist der letzte aus Argares Linie, der Baal des neunten Kreises!" 
Chruch erinnerte sich an seine Begegnung mit dem Dunklen. Er war noch ein kleiner Junge gewesen, aber dieser Widerling hatte ihm trotzdem sein Herz aus der Brust gerissen.
"Du wirst schon lernen ohne es zu leben!", waren seine Worte gewesen. Sonst hatte er beinahe keine Erinnerungen, sie begannen erst wieder so richtig ab dem Zeitpunkt, wo Finn ihn gefunden hatte.
"Ich muss Shanora folgen", er blickte zu Marbas, "wenn ich dich los mache... Wirst du dich dann bekleiden und mir folgen?" Marbas nickte eifrig: "Nichts anderes habe ich je gewollt!"
Church seufzte und wühlte in den zurück gelassenen Sachen seiner Freunde nach Kleidung: "Tu mir den gefallen und erspare mir auch weitere Geschichten über die Unterlande, ihr Schicksal interessiert mich nicht!"
Marbas erhob sich und versuchte sich eine Art Tunika aus der Decke, in die man ihn gewickelt hatte zu basteln. Gott sei Dank fand Church noch eine Leinenhose von Yalhan, die dem Dämon passte. 
"Bist du je dort gewesen Baal?", fragte Marbas, seine Smaragdaugen begannen zu strahlen, "Hast du je die hohen Häuser von Gaap, in der Stadt am Schwarzwasser gesehen? Oder die ewig beschneiten Gipfel von Harmun?"
Church hatte bereits den Eingang erreicht, er war bereits in der Stadt am Schwarzwasser gewesen. Es regnete dort ununterbrochen und die Neonreklamen und gruseligen Läden, angelegten Schreine für Gaap und unzähligen Prostituierten hatten kein gutes Bild vermittelt.
Finn hatte dort nach Informationen gesucht, aber das war schon Jahre her. Sie waren angekommen und direkt überfallen und ausgeraubt worden, nur durch eine List von Finn war ihnen die Flucht gelungen.
Dort ging es anders zu als im friedlichen Elensar, die Stadt kannte keine Regeln. Und keinen Respekt vor Lebewesen, egal welcher Art, nur die Stärksten überlebten dort.
"Dieser Ort ist mehr als nur schlecht, vielleicht liegt es aus dem Fisch aus dem Schwarzwasser den man isst. Vielleicht am Regen, aber wer weiß, vielleicht ist das ein Ballungszentrum voller Arschlöcher", war Finns Einschätzung gewesen.
Er hatte dort mit Rebellen Kontakt, wollte den neunten Kreis zu seiner Armee machen. Anscheinend war das jetzt dem Feind gelungen.
"Fühlt sich das für dich irgendwie nach Heimat an?", hatte Finn ihn gefragt als sie durch den modrigen Dschungel gestapft waren. Chruch hatte das damals verneint, obwohl die Unruhen und die Grausamkeit an diesem Ort ihn sehr trafen.
"Hast du ein Flashback, oder starrst du einfach nur gerne in die Luft?", Marbas fuchtelte mit seiner Hand vor Churchs Gesicht herum. Dieser verzog keine Miene: "Ich habe darüber nachgedacht dich zu töten, weil du mir auch die nerven gehst!" Marbas wich sofort zurück und wurde kreidebleich.
"Aber ich gebe dir noch eine Chance, bleib hinter mir und halt deine Klappe", knurrte Church weiter, "ich rate dir zurecht zu kommen, von mir brauchst du keine Hilfe zu erwarten!"


"Ladira!", Sassy stürmte in den Tempel, "Draußen, ein..."
Ladira schoss auf Sassy zu. Ihre Augen waren geweitet, als hätten sie den Tod selbst erblickt. Es gab nur eine Person die mit einem bloßen Blick so einen Schaden anrichten konnte.
Die Hüterin stürmte nach draußen, da stand er, unter einem schwarzen Umhang. 
"Meine Frau", stellte der Dunkle belustigt fest, "wie schön dich hier zu sehen, sag, meine Mädchen, sind sie auch hier?"
Ladiras Atem stockte, sie war sich sicher, dass diese Stimme zu dem Mann gehörte, der leider der Vater ihrer Kinder war.
"Wie kannst du hier vor mir stehen?", fragte sie ihn, zutiefst erschüttert.
Er lachte bloß verächtlich: "Noch bin ich nur ein Schatten meiner selbst. Aber bald werde ich einen neuen Körper haben, und dann meine Liebe werde ich mir den Kopf der weißen Königin holen. Das Beste ist, sie ist auf dem Weg zu mir, läuft direkt in meine Falle! Sie wird am Fuße des schwarzen Throns ihr Ende finden, Ladira! Und damit ist der Fehler, den mein Sohn begangen hat, wieder ausgemerzt. Ihr werdet alle untergehen!"
Dann zog er seine Kapuze hinunter.
Ladira erschrak, er sah aus wie Finn, nur seine blonden Haare waren viel länger.
Und die Augen. Eines von gelber Farbe, das andere im gleichen rötlichen Ton wie Celles Augen.
Sie kannte diese Augen, früher hatten sie diese Augen verrückt gemacht und in ihren Bann gezogen.
"Wer bist du?", fragte sie den Jungen, bemüht ihrer Stimme einen sicheren und festen Klang zu verleihen.
"Ich bin Suma, aber eigentlich Niemand, bloß ein Gefäß. Die Seele meines Vaters steckt in mir, er wird schon bald einen neuen Körper haben, sobald ich stark genug bin", die Stimme klang verändert, glücklich und viel kindlicher. Aber auch von Wahnsinn zerfressen.
Die Hüterin starrte ihn schockiert an, sie konnte nicht fassen was der Dunkle getan hatte.
Dieser Junge musste wie Finn und Alpha hier entstanden sein.
Und der Dunkle hatte ihm seine Zellen eingepflanzt, eine Versicherung falls man seinen Körper zerstören würde.
Er hatte ihre Gene ausgesucht, gezüchtet wie Schlachtvieh. Keines seiner Kinder hatte je einen emotionalen Wert für ihn gehabt. Sie dienten nur seinem wahnsinnigen Traum von Unsterblichkeit. Ihm reichte sein ohnehin langes leben nicht.
Er wollte die Jahrhunderte überdauern.
Nun teilten sich zwei Seelen den selben Körper, wobei nur eine siegen würde. Der Junge würde untergehen. "Willst du der kleinen Königin, wie ihr sie dreist nennt, etwa nicht zur Hilfe kommen?", spottete Suma, "Lässt die große Hüterin des Waldes sie einfach sterben, nach dem sie das Balg mühsam aufgezogen hat?"
Mit diesen Worten löste der Blonde sich in Rauch auf, Ladira schluckte schwer. 
"Das war mehr als unheimlich", Celles stand auf der Treppe hinter ihr, selbst der sonst so taffen Hüterin der Flammen schien nun kein Spruch mehr über die Lippen zu kommen.
"Worauf wartet ihr?", Sassy stürmte zu ihnen, "Er will spielen, gut, ich warte schon lange darauf ihm zu zeigen was ich von ihm halte!" 
Ladira seufzte, diese Vorwarnung wurde ihnen aus guten Grund zugetragen: "Es ist eine Falle!"
Alpha kam zu ihnen und nickte: "Ist es! Aber wenn wir nicht hinein treten wird Shanora sterben, so viel steht fest!"
Sassy blickte sich um, es waren kaum noch Jäger über die kämpfen konnten. Ihre Zahl war auf unter 10 Mann geschrumpft. Außerdem musste Vanessa weiter bewacht werden. 
Saphira kam nun ebenfalls raus, sie war immer noch blass, sah aber schon besser aus.
"Ich habe einen Vorschlag!", verkündete sie. 
Celles zog eine Braue hoch: "Du bleibst hier!"
Saphira winkte genervt ab: "Schon klar Celles! Ich meinte wegen Vanessa! Ich werde sie in Eis bannen, zumindest bis der Fluch, der auf ihr lastet, gebrochen wurde. So kann sie keinen Schaden mehr anrichten, und ich werde sie hier bewachen, bis ihr zurück kehrt!"
Ladira nickte: "Das wird wohl das beste sein, das Eis zu brechen wird selbst für Vanessas Kräfte nicht möglich sein. Schließlich hast du deine Fähigkeiten am besten unter Kontrolle!"
Celles schaltete sich ein: "Was soll das den heißen?" 
Sassy lachte: "Celles, man sprach von Kontrolle, weißt du überhaupt was das ist?"

Die Ruinen der einst so prächtigen Stadt Osilia taten sich aus dem wirbelnden Rauch des verfluchten Schlachtfeldes auf.
Die noch nicht zerstörten  Spitzbögen und vielen Verzierungen der steinernen Gebäude ließen den früheren Glanz erahnen, hinter der Stadt ragte ein gewaltiger Berg in die Höhe, massiver, schwarzer Stein.
Sie hatten es geschafft, sie hatten Osilia lebend erreicht.
Shanora warf einen Blick auf ihre beiden Gefährten.
An Allisters Mundwinkel konnte sie eine Blutspur ausmachen, sein Körper war am Ende.
Yalhan keuchte, seine Beine zitterten und kurz fürchtete Shanora er würde zusammenklappen. Aber er hielt sich wacker.
"Shanora, etwas stimmt hier nicht", Allister spuckte einen Schwall Blut aus. Er hatte beim entschärfen der Fallen Gift eingeatmet, da war sie sich mittlerweile sicher.
Aber der Schutz von Yalhan und ihr hatte all seine Kräfte gekostet, er schien nicht mehr in der Lage sich selbst zu heilen.
Shanora wusste, dass sie dringend Hilfe brauchten, sie würden keinen Angriff mehr überstehen.
Ein dumpfes Horn ertönte aus den Ruinen im Nebel, den Klang kannte Shanora nicht. Im selben Moment schien die Erde leichten Erschütterungen ausgesetzt zu sein.
Aus dem dichten Nebel lösten sich gepanzerte, bewaffnete und abscheuliche niedere Dämonen. Ihre Zahl war so beachtlich, das sie den Boden unter ihren Füßen mit ihrem Marsch zum beben brachten.
Shanora schluckte schwer, es war aussichtslos.    

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