Dimos Marktplatz

„Habt ihr schon gehört?“, ein kleines Mädchen sprach aufgeregt zu ihren Freundinnen und wippte hin und her. „Was denn?“, ein anderes Mädchen blickte es mit großen Augen an und wollte wissen was geschehen sei. „Gott hat uns ein Orakel geschickt!“, das kleine Mädchen tanzte fröhlich im Kreis. Yoichi blieb stehen und blickte zu ihnen, er musste anfangen zu kichern. Das Mädchen schaute ihn an: „ Wieso lachst du?“ Yoichi musste sich das Lachen verkneifen und es fiel ihm schwer etwas zu sagen. „Ein Orakel sagst du?“, Yoichis breites Grinsen war noch nicht mal hinter seiner Hand verdeckt. Dann fasste ihn jemand an die Schulter und sein Grinsen war schnurstracks verschwunden, denn es war Ryo der aufpassen sollte, dass Yoichi nicht irgendwo stehen und zurück blieb. „Keichi wartet!“, Ryo zog Yoichi unachtsam hinter sich her und dieser versuchte sich aus dem Griff des Riesen zu lösen, erfolglos. So schleifte Ryo Yoichi quer über den Marktplatz und jeder der zu ihnen blickte, hätte danken können sie seien verrückt. Die drei Mädchen mit denen Yoichi einige Augenblicke zuvor noch geredet hatte hielten sich die Bäuche vor Lachen. „Hey, das ist peinlich, Riese!“, Yoichi lief rot an und wollte Ryo wegzaubern, ein irrsinniger Gedanke, aber wahr. Plötzlich blieb Ryo stehen und drehte sich um. Yoichi sah respektierend zu ihm hinauf und konnte nicht glauben, was im nächsten Moment mit ihm geschah. Ryo hob ihn hoch und hing ihn über seine Schulter. Yoichi blickte ungläubig den Rücken von Ryo an: „Du Monster, lass mich runter!“, mehrmals schlug er mit seinen Fäusten gegen Ryos Rücken, keine Reaktion. „Halt den Mund, sonst wird’s noch schlimmer!“, Ryo brüllte mit einer lauten Stimme über den gesamten Platz, sodass ihn alle Leute anschauten. „Das ist der schlimmste Moment in meinem Leben“, Yoichi ließ seine Arme hängen und ergab sich.

„Da seid ihr ja…, Ryo, was machst du da mit Yoichi?“, Keichis Mimik änderte sich von glücklich auf erstaunt, und das in ein paar wenigen Sekunden. „Mir ist schwindelig!“, Yoichi taumelte als Ryo ihn wieder von seiner Schulter hob. „Anders wollte er nicht mitkommen!“, Ryo verschränkte die Arme und schaute Yoichi grimmig an. „Kein Problem, aber musst du ihn gleich so misshandeln?“, Keichi tetschelte Yoichi leicht den Kopf der noch immer sehr benommen schien. „Geht schon wieder…“, Yoichi rappelte sich auf, „das war unglaublich peinlich!“ Ryo nahm dieselbe Pose wie immer an.

„Frische Rumafrüchte!“, hörte man einen Mann an einem Stand rufen. Ryo lief das Wasser im Mund zusammen, als er vor einem Stand stehen blieb und der Duft von gekochten Airos in seine Nase drang. Airos, das waren straußenähnliche Vögel, deren Fleisch das Köstlichste in ganz Gyren war. „Keichi…“, Ryo setzte eine bettelnde Mine auf, um Keichi überreden zu können. Keichi drehte sich um und hielt ihm 2 Goldstücke hin. „Danke!“, Ryo rannte los. „Wow, du kennst ihn ja unglaublich gut!“, Yoichi lächelte verschmitzt. Keichi erwiderte das Lächeln und seufzte. „Hmm…was hast du denn?“, Yoichi schaute Keichi bedrückt an. „Ach, gar nichts…“, Keichi versuchte seine Melancholie zu verstecken und setzte ein unechtes Lächeln auf. Kurze Zeit später kam auch schon Ryo, schmatzend und laut kauend wieder. Yoichis Augen wurden kleiner und er blickte Ryo ein wenig wütend an. „Der Kerl ist doch nur peinlich, wie kann eine Person wie Keichi mit diesem Riesen befreundet sein“, dachte sich Yoichi.

„Alarm!“, ein Wachposten rief vom südlichen Wachturm herunter. Ryo hielt inne mit seinem Essen und schaute nach oben, wo der Wachposen stand. „Alarm?“, Yoichi wechselte den Blick verängstigt von Keichi zu Ryo. Über ihnen schwebten dutzende Luftschiffe und feuerten mit Feuerstrahlen auf die Stadt. Keichi schaute ernst zu Ryo, dieser verstand auch ohne Worte, was sein Freund ihm sagen wollte. Keichi öffnete seine Jacke und schmiss den Umhang weg. Yoichi schaute zu Keichi und sah, dass dieser zwei Schwerter gezogen hatte, hingegen Ryo ein riesiges Schwert. „Ryo, bring Yoichi weg von hier!“, Keichi brüllte und stürmte auf eine Kreatur die aus dem Luftschiff sprang zu. Er rammte dem Geschöpf eine Klinge in den Bauch und zog diese wieder heraus. Sofort löste sich die Kreatur auf und verschwand im nichts. „Homunkulis, ihr könnt Dimos nicht zum Fallen bringen, ich halte euch auf!“, schon begann er wild mit seinen Schwertern rum zu fechten und traf dabei mehrere Homunkulis, die sich daraufhin wie ihr Vorgänger auflösten und verschwanden. „Sie sind schwach, irgendwas stimmt da nicht!“, Keichi sprang auf den nächsten zu und trennte ihm den Kopf vom Hals ab. Der Homunkulus sackte zu Boden und löste sich auf. „Ich verstehe nicht…, warum sie sich auflösen!“, Keichi riss seine Schwerter aus einem anderen Homunkulus.

„Ryo!“, Yoichi war dem Riesen schon seit ein paar Minuten gefolgt als er bemerkte, dass der nördliche Wachturm zum Schwanken gebracht wurde. Ryo hielt inne und lauschte Yoichi. „Der Wachturm, er wird fallen!“, Yoichi deutete verängstigt auf den Turm, der direkt vor ihm in den Himmel ragte. Einen Herzschlag später brach das Fundament des Turmes und der Turm schwankte von rechts nach links, bis er letztendlich in Richtung Kathedrale kippte. Yoichi schrie und hob schützend seine Arme über seinen Kopf. Ryo rannte los und versuchte den Turm zu stoppen, doch vergebens, der Turm war bereits auf dem Boden aufgekommen und hinterließ Trümmer und eine riesige Staubwolke. „Yoichi!“, Ryo kniete sich hin und spähte durch die Staubwolke, er bemerkte ein Licht, es drang durch die Nebelschwaden und sah wie die untergehende Sonne am Horizont aus. Das Licht umhüllte Yoichi und dieser wurde bewusstlos aus den Trümmern von Ryo geborgen: „Gott sei Dank!“ Schnell hob er Yoichi hoch und lief in die Kathedrale, die zum Glück stehen geblieben ist und einzig und allein der Glockenturm Schaden genommen hatte. Dort legte er Yoichi auf den Boden und sah, dass er keine Verletzungen hatte. „Yoichi!“, Ryo rüttelte ihn mehrmals am Arm und hoffte, dass er aufwachte. Als Ryo schon aufgeben wollte, öffnete Yoichi langsam seine Augen und stand auf. „Un..unglaublich, du bist unverletzt!“, Ryo war fassungslos und zugleich sehr glücklich. Yoichi lief zur Kirchentür und spähte nach draußen, alles war verwüstet und zerstört. Langsam füllten sich seine Augen mit Tränen und er wurde wütend. „Erst mein Dorf, und jetzt Dimos, das Zuhause von Ryo und Keichi! Wie könnt ihr es wagen?“, Yoichi schlug mit der Faust gegen eine Wand. „Yoichi…“, Ryo erhob sein unheimlich großes Haupt und ging zu Yoichi. „Ich verstehe das nicht! Die Menschen haben den Homunkulis nichts getan!“, ein Licht leuchtete auf und Yoichi begann den Erdboden zu verlassen. Er schien in der Luft zu schweben und füllte die gesamte Kathedrale mit Licht. Ryo hielt sich zum Schutz die Hand vor die Augen.

Eine riesige Armee kam auf Keichi zu. „Ich werde Dimos verteidigen, auch wenn es vielleicht mein Leben kostet!“, von seinen Kräften beraubt hob Keichi seine Schwerter in Richtung Armee und murmelte einen Zauberspruch. „Tindóme“. Ein hellaufleuchtender Lichtstrahl kam aus den beiden Schwertern von Keichi und streckte die Homunkulis nieder. Unter dem Licht lösten sich die Homunkulis auf, als wären sie Dunkelheit, die, wenn man Licht in einen Raum brachte verschwand. Keichi keuchte und sackte zusammen. „Ich…habe es…geschafft!“, mit diesen Worten ließ er seine Schwerter fallen.

Das Licht um Yoichi verschwand und die Erdanziehungskraft gewann an Macht. Ryo fing ihn auf damit er nicht auf den Boden stürzte. „Was war das?“, Yoichi konnte nicht glauben was eben geschehen war und verwarf den Gedanken daran wieder. Ryo zuckte und schien sich an etwas erinnert zu fühlen: „Keichi!“ Voller Entsetzten und Angst, dass seinem Freund etwas passiert sein könnte preschte er aus der Kathedrale, über den Marktplatz zum Schlachtfeld vor dem Rathaus. „Keichi!“, verzweifelt rief Ryo nach ihm. Auch Yoichi suchte unter den Ruinen von Dimos nach Keichi. Sein Blick setzte sich an einer Mädchenleiche fest. Er wusste nicht, ob es der Schreck oder die Angst war, die ihm das Entsetzten brachte. Es war das Mädchen, dass er vorhin getroffen hatte und das von dem Orakel geschwärmt hatte. Sei es nicht genug gewesen, dass sie tot war, fehlte dem Mädchen auch noch ein Arm. Yoichi fing vor Angst an zu weinen und konnte seine Wut nicht mehr zurückhalten. „Warum?“, brüllte er in den Himmel und schien auf eine Antwort zu warten.

Keichi öffnete langsam seine Augen, vor ihm kniete Ryo. „Keichi, bist du verletzt?“, seine Sorge war groß gewesen und er war erleichtert, dass Keichi nicht tot war. „Wo ist Yoichi?“, Keichi blickte suchend nach rechts und links. Ryo suchte ebenfalls mit seinen Blicken. „Eben war er noch bei mir…“

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