Du solltest mal Luft holen

ELLA

Die Uni hatte endlich begonnen und ich hatte tatsächlich schon jemanden kennen gelernt. Anna studiert Medizin und ist ebenfalls im ersten Semester, sie hatte mich angesprochen nachdem ich etwas verloren durch die Gänge irrte um den Vorlesungssaal zu finden und Jan, tja den gab es im Anna-Paket gratis dazu, die beiden sind zusammen zur Schule gegangen. Jan studiert Zahnmedizin, dadurch hatten wir viele Vorlesungen zusammen. Heute wollten wir nach der Uni zusammen durch die Geschäfte ziehen, na ja Shopping war nicht gerade eins meiner größten Hobbies aber Anna hatte mich überredet, sie fand meine Kleidung unpassend. Sie hatte versucht es nett zu umschreiben, das ich nicht dem Trend entsprach, aber ich legte auch nicht besonders viel Wert darauf ich mochte meinen lockeren Look. Mir war klar das sie damit recht hatte, aber ich machte mir nicht wirklich viel aus Mode ich mochte es lieber einfach und bequem. Anna dagegen ist hübsch mit ihrem perfekt geschnitten Bob und dem dezenten Make up. An Anna sah jedes Kleidungsstück so aus, als hätte man es extra für sie entworfen. Sie könnte durchaus vom Cover einiger Hochglanzmagazine lächeln. Jan hatte heute Fußballtraining, also gingen wir allein in das Shoppingcenter, ich beneidete ihn fast um die Sporteinlage obwohl ich Sport hasste. Am Ende war es gar nicht so schlimm gewesen, wir hatten eine Menge Spaß und ich fand tatsächlich ein paar Sachen die sowohl mir als auch Anna gefielen. Als wir zum Café fuhren waren meine Gedanken irgendwie wieder bei Alexander gelandet, ich hatte mich wirklich bemüht mich von ihm abzulenken. Wie es ihm wohl geht, erinnert er sich an mich? Ob er sich vollständig erholt? Ich habe ihn nachdem er auf gewacht war nicht wieder gesehen und ärgere mich über mich selbst das ich nicht den Mut aufgebracht hatte noch einmal zu ihm zu gehen. Mittlerweile war es zu Spät, da er bereits das Krankenhaus verlassen hatte, das wusste ich von Hilde. Okay Ella, was ist los?" sie merkte auch alles! Wir setzten uns in ein Café und ich erzählte ihr von Alexander und von meiner Arbeit im Krankenhaus. Mm, du weißt nicht wo er jetzt ist. Vielleicht kannst du übers Krankenhaus erfahren, wo er wohnt." Anna freute sich sicher schon auf eine Runde Sherlok Holmes "Oh nein das werde ich nicht tun, ich weiß gar nicht was ich ihm sagen sollte" erwiderte ich und starrte auf meine Kaffeetasse. Wenn du kein Interesse an ihm hast dann solltest du aufhören dir Gedanken darüber zu machen und ihn vergessen, oder du unternimmst etwas". Das stimmt wohl, das sollte ich wirklich tun und es ist ja auch nicht so das ich das nicht bereits versucht hätte, also ihn zu vergessen.

Nach fünf Stunden Shoppingtour, platten Füße und beiden Händen voller Tüten kam ich völlig erschöpft zu Hause an, Mary öffnete mir die Tür und lachte Das sieht nach einem erfolgreichen Tag aus" ich lachte ebenfalls und folgte ihr ins Haus. Mary wirkte heute noch fröhlicher als sonst nach einem kurzen Smalltalk, wollte ich die schweren Tüten in mein Zimmer bringen. Mary sagte das sie gerade Essen kocht und das sie ungefähr in einer halben Stunde fertig wäre und ich dann runter kommen sollte. Irgendwie hatte ich das Gefühl Das diese Frau permanent am Herd stand. Ich raffte meine Tüten zusammen und ging die Treppe hinauf, dabei sah ich konzentriert auf die Treppenstufen um nicht zu fallen und versuchte mein Gleichgewicht zu halten. Plötzlich krachte ich gegen etwas hartes und verlor mein Gleichgewicht dann doch, vor Schreck ließ ich meine Einkäufe fallen, die nun die Treppe herunter kullerten und ihren Inhalt auf den einzelnen Stufen verteilten, na toll! Mist" fluchte ich vor mich hin während ich wild mit den Armen rundete um mein Gleichgewicht wieder zu finden. Ich spürte wie mich etwas fest hielt, es strahlte eine angenehme Wärme aus und roch unglaublich gut. Vorsichtig sah ich auf und blickte in zwei tiefblaue Augen, ich war wie erstarrt meine Beine gaben leicht nach, es waren Alexander's tiefblaue Augen die mich belustigt anschauten. Geschockt wich ich einen Schritt zurück und trat ins leere, doch er zog mich mit einer schnellen Bewegung an sich und presste mich an seine Brust. Nun konnte ich deutlich seine angespannten Muskeln spüren und sein Atem kitzelte meine Schläfe. Was ist denn hier los? Alexander? Wie kommt der denn hier her, erinnerte er sich an mich und hatte mich gesucht? Ich starrte ihn einfach nur an unfähig auch nur irgendeine Reaktion zu zeigen. Er stand wirklich vor mir "Du solltest mal Luft holen" sagte er und lächelte mich an mit einem Lächeln das sofort meinen Puls durch die Decke schießen ließ, erst jetzt bemerkte ich das ich mal wieder die Luft anhielt und seine raue, tiefe Stimme verursachte bei mir eine Gänsehaut bis in die Zehenspitzen. Ich senkte meinen Blick, ich wusste nicht was ich sagen sollte ohne das es bescheuert klang. "Ich wollte dich nicht erschrecken, ich hab dich einfach nicht gesehen, ich bin Ben und du?" fuhr er fort. "Ella" sagte ich knapp mit zittriger Stimme, löste mich von ihm und rannte schnell die Treppe hoch ohne an meine Tüten zu denken die immer noch auf der Treppe verteilt lagen. In meinem Zimmer angekommen verriegelte ich die Tür und fragte mich was das gerade war und wie Alexander hier her kam und was tat er bitte hier? Vielleicht werde ich langsam verrückt und habe mir das nur eingebildet ich meine ich habe in letzter Zeit viel Stress in der Uni und auf Arbeit. Das wird es sein, versuchte ich mir selbst die Situation zu erklären. Er konnte einfach nicht hier sein, das war unmöglich.

Nachdem ich geduscht und mich umgezogen hatte beschloss ich zu Mary in die Küche zugehen, das Essen war bestimmt schon fertig. Ich würde einfach Mary fragen was hier los war. Als ich die Treppe nach unten ging, fielen mir meine Tüten auf, sie standen ordentlich nebeneinander auf der untersten Stufe. Mary hatte wohl alles eingesammelt, ich betrat die Küche und es roch wie immer herrlich. Ich setzte mich auf den Barhocker, der am Küchentresen stand. "Danke" sagte ich "Wofür?" fragte sie und sah mich mit großen Augen an. "Dafür, das du meine Sachen von der Treppe aufgesammelt hast" erklärte ich ihr "aber das war ich nicht" meinte Mary und zuckte mit den Schultern. "Das war ich" sagte eine raue Stimme hinter mir, ich drehte mich zur Tür und wäre fast vom Barhocker gefallen ich sah direkt in Alexander's Gesicht und mein Blick blieb an seinen vollen Lippen hängen, ich ertappte mich selbst beim starren, drehte mich schnell wieder um und wurde sofort rot. Ich hatte ihn mir also nicht eingebildet, er war tatsächlich hier. Aber warum? "Oh, Ben schön das du wieder da bist, hattest du eine schöne Reise? Ich habe vorhin bereits dein Gepäck von Karl in dein Apartment bringen lassen" schoss es aus Mary heraus und sie wirkte sichtlich erfreut ihn zu sehen. Wie bitte? Hatte sie gerade Ben gesagt, der Ben? Der Ben der hier wohnt der Sohn von Dads Exfrau? Aber warum nennt sie ihn Ben? Und wieso Reise, wusste Mary denn nicht das er im Krankenhaus war. Alexander's Stimme holte mich aus meinen Gedanken zurück "Hallo Mary, ich freue mich dich zusehen meine letzte Reise war wirklich interessant" er ging auf sie zu und küsste sie auf die Wange. Die beiden schienen sehr vertraut miteinander, sie wirken fast wie Mutter und Sohn. Das konnte alles nicht wahr sein, vielleicht hatte ich mir irgendwo den Kopf angestoßen und habe es nicht bemerkt und nun halluzinierte ich, ja das wäre durchaus eine Erklärung für diesen merkwürdigen Film der hier gerade ablief. Ich versuchte mich auf den Teller zu konzentrieren der vor mir stand und dessen Inhalt einfach köstlich aussah. Das gelang mir allerdings nicht, da Alexander sich genau auf den Barhocker der rechts von mir stand setzte. Er schien ein ganzes Stück größer zu sein als ich und der Duft von seinem leicht herben Parfüm ließ sich auch nicht ignorieren. Er machte mich nervös und das gefiel mir ganz und gar nicht, die Theorie mit dem angeschlagenen Kopf war vom Tisch. "Also du bist Ella, richtig?" fragte er mich, ich nickte nur kurz "und besonders gesprächig bist du auch nicht, oder?" ich spürte das er mich ansah, aber ich hielt meinen Blick fest auf dem Teller vor mir. Wenn ich ihn ansah würde ich wahrscheinlich wieder auf seine vollen Lippen starren, oder rot anlaufen wie eine Tomate. "Danke" murmelte ich, kaum hörbar und biss mir auf die Unterlippe. "Danke, das du meine Sachen aufgelesen hast" versuchte ich es erneut. "Gern geschehen, ich habe dich ja auch über den Haufen gerannt, was mir wirklich Leid tut. Du bist also die Tochter von Sam?" sagte er, ich beneidete ihn um seine lockere Art einfach so ein Gespräch zu eröffnen ihm schien das hier in kleinster Weise unangenehm zu sein, ich hingegen würde am liebsten im Boden versinken. "Ähm...ja" mehr gab ich nicht von mir, mein Dad hieß eigentlich Samuel aber alle nannten ihn nur Sam, ich finde das passte besser zu ihm. Irgendwie fühlte ich mich hier unwohl und war verwirrt und völlig überfordert mit der Situation, ich verabschiedete mich und hoffte das er mich jetzt nicht für unhöflich hielt, weil ich mich aus dem Staub machte.

Ich nahm mir eins meiner Bücher für die Uni und versuchte zu lernen. Aber meine Gedanken waren mal wieder bei Alexander. Er ist also der Ben der hier wohnt, aber warum wusste niemand das er im Krankenhaus war und warum hatte ihn niemand besucht? Und warum war er so verflucht nett und so verdammt sexy. Das hier war der reinste Alptraum und hat nichts mit einem Aschenputtel Märchen zu tun! Ich beschloss ins Bett zugehen um eine Nacht darüber zu schlafen vielleicht klärt sich ja alles von selbst. Ich hoffte es jedenfalls. Mit diesem Gedanken schlief ich ein und hatte einen verrückten Traum von Alexander welcher keinerlei Sinn ergab. Der mich mitten in der Nacht aufschrecken ließ und mich anschließend hellwach in meinem Bett liegen ließ ohne jede Chance wieder einzuschlafen. Ich werde einfach versuchen ihn aus dem Weg zu gehen, das sollte in diesem riesigem Haus ja nicht so schwer sein.


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