Ein Funken Wahrheit

Nach dem Essen ging ich hoch auf unser Zimmer. Als ich in meins hinein kam, bemerkte ich mein Handy, dass achtlos auf dem Boden lag. Der Schock legte sich, als ich sah das es heil war. Vor Erleichterung gab ich ihm einen Kuss und steckte das andere Ende des Aufladekabels in die Steckdose. Für ein paar Sekunden starrte ich die verwirrende Decke an, doch dann wurde es mir zu langweilig und ich begann ahnungslos auf meinem Handy herumzutippen. Ich wurde urplötzlich aus meiner Langweile gerissen, als ich ein Klopfen an der Tür vernahm.
"Herein.", murmelte ich kurz, richtete mich auf und strich meine verlegenden Haare zurecht. Die Tür öffnete sich und ein breites Grinsen stach mir entgegen. Es war der Kutschfahrer der in seinen Händen zwei unserer koffer hielt. schnell sprang ich auf und nahm ihm die Ersten entgegen.
"Wie haben sie die aus dem Auto bekommen?", schoss es mir in den Kopf.
"Ich habe deine Eltern unten getroffen und sie haben mir ihren Autoschlüssel gegeben." Verdammt hatte ich gerade laut gedacht? Ich hätte schwören können...
"Ich hole noch die anderen drei Koffer, also bis gleich."
Mit einem lauten Rums schloss er die Tür hinter sich und ich war wieder allein. Ich hiefte meinen schweren Koffer auf mein Bett und begann ihn auszupacken.
Nur ein paar Minuten später klopfte es erneut und Toni brachte die restlichen Koffer.
"Dann noch einen schönen Tag, Miss.", sprach er schnell und wollte durch die Tür verschwinden, aber ich rannte zu ihm und brachte ihn damit zum Stehen.
"Wissen sie wo meine Eltern hin wollten?"
"Oh ich muss dich leider enttäuschen, aber sie sind in Richtung Wald abgebogen, vielleicht wollten sie spazieren gehen?"
"Hm, ja vielleicht okay danke dann noch einen schönen Tag, Ihnen.", antwortete ich und schloss die Tür hinter ihm. Nachdem ich mit meinem Koffer fertig war, war nicht gerade viel Zeit vergangen und ich beschloss durch die Anlage zu laufen. Doch schon nach 15 Minuten wurde es mir zu kalt und ich verschwand wieder nach Drinnen. Erneut starrte ich auf die Uhr und musste vergebens feststellen das immer noch nicht viel zeit vergangen war.

Ich hatte keine Ahnung wo meine Eltern waren und wusste daher auch nicht wann sie wieder kommen würden.
"Ich langweile mich hier noch zu Tode!", murmelte ich unbegeistert vor mich hin. Was sollte ich hier auch tun? Der Fernseher funktionierte sicher nicht und die Gegend lud nicht gerade zu einem gemütlichen Spaziergang ein, wie ich schon selbst feststellen musste. zudem war es viel zu kalt! Außerdem was könnte mich hier reizen? Es gab ja nicht einmal einen Supermarkt und um ehrlich zu sein, fand ich den Friedhof jetzt nicht gerade schön. Ich schaltete Musik auf meinem Handy an und begann durch die Gegend zu tanzen. Ich erwischte mich wie ich die Musik immer lauter aufdrehte, aber meine Nachbarn konnte ich damit bestimmt nicht stören. Erstens war es gute Musik und zweitens hatten wir keine Nachbarn. Weil ich gerade dabei war, packte ich auch die Koffer meiner Familie aus. Als ich gerade das letzte Oberteil aus Mia's koffer fein, säuberlich in den Schrank legte, viel mein Blick auf die schwarze Uhr über der Tür. 16 Uhr?

Wie lange hatte ich geschlafen? Wie lange hatte ich wohl ausgepackt? Egal, je schneller die Zeit vergehen würde, umso schneller könnte ich wieder nach Hause. Nein! Jetzt hörte ich mich schon wie meine Mutter an, dieser Urlaub war echt nicht gut für meine Charakterbildung!

Ich ging die Treppe runter um mir den Garten anzusehen, die Anlage oder was auch immer sie darunter verstanden. Ich wusste nicht wann sie dachten wieder zu kommen und das war sicher besser, als nur dumm herum zu sitzen. Mein Handy war eh noch nicht aufgeladen und warum auch immer, irgendwie hatte ich gar keine Lust etwas damit zu machen. Empfang hatte ich sowieso nicht und die paar Spiele, wurden spätestens nach einer halben Stunde langweilig.

Ich lief die knarrenden Treppenstufen hinunter, wobei ich mittig stehen blieb. Ich spürte wie mich die Bilder fast magisch anziehen wollten. Und auf einmal wurde mir bewusst, dass mein Traum echt war. Das was ich glaubte geträumt zu haben. Das Mädchen wie es den Ball geworfen hatte und wie es grausam zugerichtet hinter mir gestanden hatte. Alles war echt! Umso mehr ich mich mit dem Gedanken anfreundete, desto mulmiger wurde mir.

Ich wurde immer neugieriger und irgendwann entschloss ich mich dazu, mir die Bilder erneut anzusehen. Es war hell im Haus, daher rechnete ich mir bessere Chancen aus, etwas zu finden. Ich schaute nach links, dann nach rechts und stellte voller Begeisterung fest, dass ich alleine war. Ich hob das Bild des Grafen's noch einmal an. Wieder musste ich mich so weit über das Geländer hängen, dass mein nackter Bauch die Treppen Lehne berührte.

Doch plötzlich fasste mich eine eiskalte Hand an der Schulter an. Noch mehr Kälte durchströmte meinen Körper. Ich wollte schreien doch in mir kam der Gedanke hoch, dass ich keinen Grund dazu hätte. Ich drehte mich um und blickte dem Jungen von der Rezeption entgegen. In dem viel zu hellen Licht, glitzerten mich seine Augen an. Seine schwarzen, schulterlangen Haare wehten im Wind... Moment Mal Wind? In einem Haus wo die Tür geschlossen war? Dann eben in einer Klimaanlage... In einer Klimaanlage? Ich sah mich um und tatsächlich sie hatten eine Klimaanlage! Anscheinend waren sie doch nicht im letzten Jahrhundert stecken geblieben. Allerdings fragte ich mich jetzt wo für sie eine Klimaanlage benötigten. Der Ort war so trist, kalt und wirkte als hätte ihn jegliche Wärme verlassen...

Dann wehten seine Haare eben nicht im Wind sondern in einer Klimaanlage, ist doch das selbe. Und er hatte so schöne eisblaue Augen... sie faszinierten mich immer wieder auf's Neue. Ich schien wie hypnotisiert von ihnen zu sein. Sein Gesicht glich dem des Kutschfahrers. Rundlich, aber zu gleich perfekt. Seine Haut war samtig, aber ein paar Sommersprossen waren rund um seine Nase verstreut. Für ein paar Sekunden war es so ruhig, dass ich glaubte seinen schnellen Atem hören zu können, der direkt neben meinem Ohr zu sein schien.

"Hallo?" Was hatte er etwas gesagt? Meine Blicke wanderten zu meinem Handgelenk, an dem sich der Druck verstärkte. Als ich realisierte, dass er mich festhielt, begann ich mich loszureißen und entgegnete ihm mit vorwurfsvollen Blicken.

Dabei trat ich neben eine der Treppenstufen und viel. Als würden aus Sekunden Stunden werden, viel ich ganz langsam und als ich dachte, ich würde mit einem lauten Rums auf den harten Treppenstufen aufkommen, spürte ich kalte Hände auf meinem Rücken und in null Komma nichts, lag ich in seinen Armen. Sein Gesicht, war nun ganz nah an meinem und ich merkte, wie ich mich nicht mehr rühren konnte. Mein Herz schlug schneller, als mir der Gedanke kam, dass ich ihn fast geküsst hätte. Er stellte mich behutsam wieder hin und strich mir dabei zärtlich über den Rücken.
„Halt dich vom Grafen fern, ich werde dich jedenfalls nicht retten wenn du blutüberströmt auf dem Boden liegst und stirbst.", meinte er kalt und drehte sich weg von mir. Wie konnte man nur so Taktlos sein? Ich sah ihn verwundert an und bemerkte wie ich meine Blicke von seinen Augen einfach nicht abwenden konnte.
„Wie soll man denn wegen einem Bild sterben?" Meine Frage war dumm, denn ich wusste natürlich, dass er den Grafen auf dem Bild meinte. Vermutlich wollte ich unsere Konversation noch etwas verlängern, denn aus seinen Bewegungen konnte ich schließen, dass er jede Sekunde weiter gehen wollte.

„Vertrau mir einfach.", sagte er abwertend, als würde ich ihn nur aufhalten.
„Ich soll jemanden vertrauen der mich vor einem Bild warnt und völlig ausflippt weil er einen Menschen sieht? Guter Plan, wirklich guter Plan!" Nachdem ich das letzte Wort ausgesprochen hatte freute ich mich insgeheim, dass ich so schlagfertig war. Wir beide schwiegen, doch dann unterbrachen seine lauten Schritte die Stille zwischen uns.
„Ist das jetzt dein ernst?" Er rammte mich und ging die Treppe hoch. Und schon wieder musste ich mit den Armen wackeln, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mussten die denn immer so übertreiben?
„Ist das vielleicht die Treppe des Ignorieren?", fragte ich ziemlich aufgebracht, denn auch er tat das. Im Nachhinein aber ärgerte ich mich das gesagt zu haben. Denn so bekam er die Bestätigung mich erfolgreich verwirrt zu haben und das sollte er auf keinen Fall bekommen!

Aber eigentlich konnte er mir egal sein, ich hatte einen Freund und ich liebte ihn, oder? Auf jeden Fall hatte ich ihm versprochen, dass ich nicht Fremd gehen würde, was bei diesen Augen allerdings ziemlich schwierig werden könnte. Ich schreckte zusammen, als der Rest meiner Familie mit einem lauten Tür Knall hereinkam. Es schien ziemlich zu regen, denn sie kamen alle vier mit durchnässten Kleidungsstücken herein und meine Mum murmelte verärgert: „Solch ein Mistwetter, dann müssen wir eben etwas spielen." Sie hatten mich noch nicht gesehen, also rannte ich die Treppe hoch. Eigentlich wollte ich den Jungen finden, was ich ihm sagen wollte, schob ich allerdings in den Hintergrund.

Doch er war weg, wie vom Erdboden verschluckt. War ja mal wieder klar. Vielleicht hatten die hier ja auch so eine Art Teleporter,... unwahrscheinlich. Manchmal war ich wirklich verwundert, was für Gedanken in meinem Hirn herumspuckten ! Ich sah mich überall um und schaute selbst im Klo nach, fand aber nur 3 Spinne, die mir mehrere Schreianfälle bescherten. Ich ging schließlich enttäuscht in unser Wohnzimmer, setzte mich dort auf die Couch und schaltete den Fernseher ein, als hätte ich den ganzen Tag nichts Anderes gemacht. Ich wollte keinen Verdacht schöpfen und zudem war dies eine gute Möglichkeit den Fragen meiner Mutter aus dem Weg gehen zu können. Bei meinem Glück hatte sie den Jungen bemerkt und konnte es nun kaum erwarten mehr über ihn in Erfahrung bringen zu können. Mum, Dad, Mia und Tomi kamen mit einem lauten Poltern herein und das Erste was mein Dad kommentierte war:
„Musst du schon wieder fernsehen? Kannst du nicht einmal ohne Technik auskommen?" Erst bei seinen Worten viel mir auf, dass der Fernseher tatsächlich funktionierte. Dabei schob ich die Tatsache, dass nur ein schwarz-weiß Bild vorhanden war, erfolgreich in den Hintergrund.

„Was soll ich denn sonst hier machen? Vielleicht ein bisschen auf dem Friedhof spazieren gehen?" Ich zog meine Augenbrauen hoch und fühlte mich im Recht. Mein Dad kam nicht dazu etwas zu sagen, denn meine Mum unterbrach ihn: „Spiel doch mit uns "Mensch ärgere dich nicht."
"Ich spürte wie sie selbst von ihrer Idee nicht begeistert war, aber Tomi konnte das getrost ignorieren. Ich schaltete den Fernseher lustlos aus und setzte mich an den Tisch.




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