Nachrichtensprecher: Und nun ein Beitrag aus dem Kulturmagazin. Überraschenderweise hat der Starautor, dessen Namen niemand kennt, sein Thema geändert. Er hat nur im Nebensatz erwähnt, was das Hauptthema der letzten Talkrunde sein sollte. Bei ihm stand die Kritik in Vordergrund. Sehr lehrend, aber wie immer, so die Kritiker, sehr gut gestaltet und erfreut, dass auch mal dieses Thema angesprochen wird. Hier ein Ausschnitt:

Moderator: Und nun, kommen wir zu einem der Experten in der literarischen Welt. Er ist der Star und weltweit reißen sich die Kritiker um seine Werke. Harmlos und dennoch aggressiv. Er selber, sehr zurückhaltend, sachlich und dennoch rhetorisch versiert.
Er betritt die Bühne.
Moderator: Guten Abend. Ich darf sie sehr herzlich begrüßen.
Er: Danke für die Einladung.
Moderator: Und nun wollen wir alle lauschen.
Er nimmt sich den Stuhl, dreht ihn um, setzt sich breitbeinig hin und stütz die Arme auf der Lehen auf.
Er: Viele fragten mich, wieso eine Geschichte gut wird. Da antworte ich immer unfreundlich mit einer Gegenfrage die so lautet: Warum fragt ihr mich? Und sie antworten: Weil du das meisterlich perfektionierst. Und das weiß ich nie was ich darauf antworten soll, denn ich weiß nicht warum ihr mich sowas fragt. Ich selber habe immer mit der Kritik gerungen. Ich war mal auf einem Forum und da habe ich immer versucht gute Kritik zu schreiben, neben meinen eigenen Kinderschuhen und habe aber nie bzw nur punktuell mal was wiederbekommen. Der Rest war wie eine Wand und das ist ungerecht. So dass ich mich dann bei einer Klassenkameradin ausgeheult habe. Ich weiß das wird jetzt sehr persönlich aber das ist jetzt halt so. Sry. Aber was ich eigentlich sagen möchte. Um sich zu verbessern muss man viel einstecken. Ich war zwar nicht immer höflich, aber dennoch rechtfertigt das nicht dass ich ignoriert werde. Bzw. nur einer sie ließt und sporadisch mir was zurückgibt. Dennoch bin ich ihr sehr dankbar. Sehr, sehr dankbar. Ich hoffe sie hört das nicht oder nimmt das nicht zu sehr ernst. Aber gut. Ich wurde ignoriert. Wie fühlt man sich, wenn du siehst dass fünfzen menschen das gelesen haben du aber kein feedback bekommst. Nicht mal ein Top oder Flop.
Ich gebe euch einen gut gemeinten Rat: Kritisiert und zwar so, dass man selber was daraus lernt. Ein Top oder Flop ist zwar besser als nichts aber das noch ausformuliert ist dann perfekt, so wie meine Werke zu schein sein.

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Kommentare

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    Ich möchte gerne wissen: Welche Art Kritik sucht der Autor, also vermutlich du? Sprachliche? Inhaltliche? Ich finde es gut und mutig, dass du diese Frage - keck, auf dem umgedrehten Stuhl - in den Raum stellst!

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    Schliesse mich meinen Vorrednern gerne an. Doch die Frage lautet dennoch: Muss es mir gefallen? Oder geht es nur darum eine rein fachlich fundierte Kritik zu schreiben? ;-)

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    Da der Text geradezu auffordert, eine Kritik zu verfassen, werde ich dazu ein paar Worte widmen: Zuallererst finde ich den gewählten Einstieg sehr gut, rein von der Situation betrachtet. Die Form des (Nachrichten-)Beitrags wird nicht häufig gewählt. Was mir allerdings negativ ins Auge fällt, sind die Rahmenaspekte. Einen weltbekannten Autor, dessen Name niemand kennt, gibt es nicht. Es gibt mindestens ein Pseudonym, unter welchem er bekannt ist. In diesem Fall kann es dann auch sein, dass der Autor seinen Namen nicht bekannt gegeben hat. Doch nun weiter im Text: "Harmlos und dennoch aggressiv" gibt es für mich nicht. Ich finde, da sollte etwas näher darauf eingegangen werden. Einen Moderator, der "Und nun wollen wir alle lauschen." zu seinem Gast und "Starautor" sagt, kenne ich nicht. Da kommt immer (!) eine Frage. Und mit einer solchen ließe sich auch ganz einfach das danach ausgeführte Thema aufgreifen. Wenn sich ein Mensch verkehrt herum auf einen Stuhl setzt - und das in einer Talkshow oder ähnlichem - ist das für mich ein relativ junger und selbstbewusster Mensch. Und dann frage ich mich aber wieder, warum niemand den Namen dieses Autors kennt. Das passt für mich nicht zusammen. Inhaltlich finde ich den Autoren-Monolog gut, nur sprachlich nicht ganz so. Denn über den Autor wird nicht viel bekannt. Außerdem passt der Ausdruck des Autors nicht wirklich dazu, dass er ein "Starautor" sein soll - finde ich. Wie Luiselotte schon meinte, wird der Text kurz vor Schluss sehr deutlich. Das finde ich aber nicht so schlimm. Insgesamt finde ich den Text inhaltlich gut, jedoch von den Rahmenbedingungen und dem sprachlichen her ausbaufähig.

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    Spannendes Thema, das du da ansprichst und ja ich glaube du hast recht, nur durch differenziertes Feedback kann man sich wirklich verbessern. Und weil du ja förmlich darum bittest: Ich finde den Text ziemlich gut, die Intention ist gut heraus gearbeitet, aber vielleicht schon fast zu gut. Ich glaube du musst die Dinge gar nicht immer so direkt aussprechen, lass dem Leser ruhig mehr Platz für eigene Interpretationen. Gerade kurz vor Ende bist du fast zu direkt. Das Ende selbst bingt die Intention aber dann sehr schön auf den Punkt. Außerdem würde ich an deiner Stelle Abkürzungen in Fließtexten meiden, du kannst sie bewusst einsetzen, aber oft stören sie den Lesefluss, vielleicht ist das aber auch einfach nur mein persönliches empfinden. Abschließend muss ich sagen: Du hast recht mit deiner Kritik, an der oft nicht vorhandenen Kritik. Ich finde deinen Schreibstil sehr besonders, was durchaus positiv gemeint ist und die Situation in die du deine Problemstellung einbaust erscheint mir größtenteils schlüssig und rund, man sieht den Mann fast da sitzen verkehrt herum auf seinem Stuhl in einer Talkrunde... Sehr schön! Ich hoffe meine Kritik war dir nicht zu sporadisch und differenziert genug...

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