Es war einmal ein junger Wissenschaftler.
Dieser war ganz besessen davon, die Formel des ewigen Lebens zu entdecken, denn obwohl er wusste, dass jedermanns Zeit zu sterben einmal kommen würde, so konnte er sich doch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass eines Tages nichts mehr von ihm über sein würde als ein Haufen Asche und ein wenig Erinnerung.

So schuftete er Tag und Nacht in seinem Keller und ließ nichts daran ungetan seinem Streben nachzukommen. Es strichen viele Sommer ins Land und seine Arbeit trug keine Früchte.
Er ließ sich stets die frischesten Blumen für seine Versuche bringen, um vorerst nur ihre Schönheit mit seinen Mitteln für ewig erhalten zu können.
Eines Tages im Frühling nun ergab es sich, dass die junge Bauerstochter dem Wissenschaftler einige Tulpen brachte, die von solcher Schönheit waren, dass der Wissenschaftler verkündete :"Schönes Mädchen, diese Blumen in ihrem Glanz sind mir zu schade, um sie in meinem Keller zu bewahren. Ich will sie pflanzen und jedes Jahr in ihrer Blüte werden wir danebenliegen und uns des Lebens erfreuen, bis ich mich wieder an die Arbeit machen werde."

Die schöne Bauerstochter zeigte sich erfreut und wünschte sich sehnlichst die nächste Blüte, dass sie im Grase neben des Mannes Schulter einschlafen könne.

Doch waren diese Momente selten und die schöne Tochter wurde älter,
so dass sie eines Jahres zum Mann sagte :"Ooh Liebster, jedes Jahr habe ich nur eine kurze Woche neben dir liegen dürfen und sehne mich nach einer Familie", worauf er sagte :" Liebes Kind, wir werden ewig Zeit für eine Familie haben und brauchen uns nicht zu beeilen, da wir die Kraft haben werden ewig zu leben."

Das Mädchen, welches mittlerweile zur Frau geworden, wart nicht überzeugt und versuchte es noch oft, ihn umzustimmen.

Eines Morgens dann, sie brachte ihm immer noch die frischesten Blumen von ihres Vaters Hofe. öffnete ihr der Pfarrer, welcher sie wohlwissend, dass sie des Mannes angetrautes Eheweib sei, hereinbat.
Ohne Ausblick auf bessere Zeiten erklärte er ihr, dass ihr Mann sich an seinem eigenem Serum vergiftet habe, und es um sein Leben nicht gut stünde.
Nach vielen Monaten der Trauer blühten die Tulpen im Garten des Mannes in ihrer schönsten Pracht und die Bauerstochter beschloss in ihrer Verzweiflung und in der Gewissheit, ihr Mann würde bald von ihr gehen, die Blumen zu pflücken, und sie ihm ans Bett zu stellen.
Somit würde sein letzter Gedanke stets der Gedanke an ihre glückliche Liebe sein.

Doch als die Blumen an seinem Bette standen schien er zu genesen.
Wenige Sonnen mussten untergehen, bis er mit seiner Frau vor dem Hause sitzen konnte und sagte :" Meine Liebste, ich habe meinen Fehler begriffen! Schon allein dem Leben nachzulaufen ist wie es zu verschenken! Wir sollen es leben und lieben wie es ist. So lasse es uns genießen und dafür sorgen, von unseren Kindern und Kindeskindern gut in Erinnerung gehalten zu werden."

So geschah es fortan und dort, wo einst die Tulpen standen, welche dem Forscher zu neuer Kraft verhalfen, pflanzte das Paar nun einen Apfelbaum. Und in jedem Jahr wuchsen mehr und mehr zuckersüße Äpfel daran, an welchen sich die Kinder der Eheleute erfreuten.
Als dann der Mann und seine Frau friedlich in ihrem Bette die ewige Ruhe fanden bereute es keiner der Beiden.
Sie werden ewig in den Herzen ihrer Kinder eingeschlossen sein, welche ihnen aus Liebe ebenfalls zu jeder Hochzeit einen Baum pflanzten und die Geschichte des Forschers und seiner Frau stets in aller Ehre wiederrum ihren Kindern weitererzählten.  

Kommentare

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    Eigentlich bin ich kein großer Fan von Märchen und lese deshalb auch selten welche. Deines hat mir aber gut gefallen, vor allem auch der Gedanken, den du darin aufnimmst.

beta
Feenstaub

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