Es ergab sich zu einer Zeit des Glücks. Im Norden, hinter den Bergen, im Osten in den endlosen Wäldern, im Süden in den großen Hafenstädten und im Westen mit den endlosen Felderlandschaften, feierte das Volk die baldige Hochzeit des geliebten Königs mit seiner wunderschönen ihm versprochenen Frau.

Am Tage der prunkvollen Hochzeit reiste jeder der konnte zum Schloss des Königs, um diesen Moment mit zu erleben.
Als dann die Zeremonie beendet war und das Königspaar vom Volk gefeiert zum Schloss fuhr, sagte der König zu seiner Frau: "Meine geliebte Königin, immer werden wir zwei beieinander bleiben und ruhmreiche Taten für unser Land vollbringen, dass man sich ewig an uns erinnert."

Eine Woche lang waren die zwei ein glückliches Paar, bis dann die Königin krank wurde und ein paar Tage später im Licht des aufgehenden Mondes starb.
Auf diesen Schicksalsschlag zog sich der König immer weiter zurück und mied es, vor sein Volk zu treten.
Die Tage der Freude und Ausgelassenheit waren vorbei, ein dunkler Schatten legte sich über das ehemals so freudenerfüllte Königreich.

Der Hofstaat, der dem König immer treu zur Seite stand, litt mit der Trauer des Königs so sehr, dass beschlossen wurde, sich auf die Suche nach einem Zauberer zu begeben, der den König wieder glücklich machen sollte.
Man habe von einem Zauberer im großen Wald gehört, der die Zeit zurück drehen könne.
Und so machte sich ein Trupp von Reitern auf den Weg, um den Zauberer zu suchen, und kamen einige Wochen später mit einem kleinen Männchen mit fiepsiger Stimme zurück und sprachen:
"Wir haben den Zauberer gefunden! So lasst ihn nun zum König und er soll seines Amtes walten!"

So geschah es. Man brachte den Zauberer in die Gemächer des Königs, welcher seit Neuem in seinen Träumen in der Trauer sprach.
Der Zauberer hörte ihm im Schlaf zu, doch sagte nichts.
Als der König aufwachte, war er erzürnt über die Schaar an Untertanen in seinem Schlafgemach und  jagte sie fort.
Am nächsten Morgen wiederholte es sich, der Zauberer hörte dem König wieder im Traume zu und als der König aufwachte, jagte er wieder alle fort.
Am dritten Tage jedoch, als der König aufwachte, saß nur der kleine Zauberer da und der König sprach: "So sag doch, kleiner Mann, du musst ein Zauberer sein. Wie kämst du sonst hier hinein!
So hilf' mir doch in meinem Leiden!"
Und der Zauberer sprach:
"Ich will dir helfen! So lass dir helfen!"
Ich drehe die Zeit für dich zurück, doch muss man mich bezahlen."
Der König antwortete : "Wenn du für mich die Zeit zurück drehen kannst, will ich dir die Hälfte meines Goldes geben und du wirst im ganzen Reich gefeiert werden."

So geschah es, der Zauberer ließ den König wieder einschlafen und als er wieder aufwachte, fand er sich neben seiner lebendigen Frau am Tage ihrer Hochzeit wieder.
Abermals feierte das unwissende Volk eine großartige Hochzeit und bejubelten das glückliche Paar.
Doch auch dieses Mal fand die Königin nach einer Woche den Tod und der Zauberer saß wieder neben dem trauernden König. Er sprach: "Ich will helfen! So lass dir helfen!"
Ich drehe die Zeit für dich zurück, doch dieses Mal wird es dich deinen Hof und die Gärten kosten!"
Der König willigte den Handel ein und fand sich, da er sein Schloss verloren hatte, nach einer weiteren Nacht mit seiner Geliebten auf einer Wiese wieder.
Sie feierten erneut ihre Hochzeit und ließen sich vom Volke bejubeln, doch kehrten sie anschließend nicht in ihr Schloss zurück, sondern reisten zu einem alten Freund des Königs , welcher sie herzlich in Empfang nahm.
Doch auf dieses Mal starb sie Königin nach einer weiteren Woche und das Volk versank mit dem König in tiefer Trauer.
Als dann der Zauberer ein drittes Mal neben dem König saß, forderte er das ganze Land und stellte dem König lediglich ein Leben als Mann in seiner Gunst in Aussicht.
Aus tiefer Verzweiflung und Liebe zu seiner verstorbenen Frau willigte der König auch bei diesem Handel ein.
Er hatte alles verloren und die Geschichte wiederholte sich abermals.
Einige Jahre später, in denen der Zauberer das ehemals wohlhabende Land in den Ruin geführt hatte, saß er ein letztes Mal neben dem alten König, welcher sich mittlerweile mit einem bescheidenen Leben auf dem Land abgefunden hatte, auf einer Bank auf seinem Hof.

Der Zauberer schlug ihm einen letzten Handel vor:
"Höre zu alter Mann," sagte er. "Ich bin nicht als König geboren und fühle mich nicht wohl als König. Ich drehe dir die Zeit zurück und alles wird ungeschehen sein!"
Doch sagte der König: " Ach du kleiner Zauberer, ich habe alles verloren und habe begriffen, dass wir uns nicht zwischen die Zeit stellen können.
Du hast mir alles genommen und somit auch die Verantwortung.
Du hast nun alles und mir bleibt nur die Sehnsucht.
So möge auch dir die Zeit nicht mehr bringen als Kummer!"

Mit diesen Worten löste sich der Zauberer vor dem alten Mann auf und wart nie mehr gesehen.
Ein anderer Mann wurde König und führte das Land in alte Blüte zurück. Der alte König erlebte allerdings nichts mehr von der bald wieder einkehrenden Ausgelassenheit des Volkes. Er starb als gebrochener Mann auf seinem Hof und gesellte sich zu seiner geliebten Frau.
Und so führte ihr Weg doch noch zusammen: zusammen in eine glückliche Zukunft über dem Rest der Welt.

Kommentare

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    toll!

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    Wunderbar traurig-schön. Toll geschrieben!

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    Wunderschön!

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    Beeindruckend! Könnte ein Klassiker werden! Es gibt so viele (eigentlich blöde Märchen) Dieses hier zähle ich zu den besonders Gelungenen! 5/5

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    Ein wunderschön geschriebenes Märchen! Wenn auch sehr traurig! 5/5 von mir.

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    Na wenn das mal keine Eins wird :D Nur der Satz "...lediglich ein Leben als in seiner Gunst in Aussicht." kam mir etwas komisch vor, hast du da eventuell ein Wort vergessen? Ansonsten ein recht schönes Märchen!

beta
Feenstaub

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