Ein neuer Lebensabschnitt

Das Haus ist dunkel als ich um 17 Uhr zurückkomme, um die nötigsten Sachen zusammenzupacken. Ich drücke die Klinke runter, doch es ist abgeschlossen.  Ich bin froh, dass meine "Eltern"nicht zu Hause sind und ich nicht ihre verletzen blicke im Nacken spüren muss, oder mir einen Vortrag anhören muss, über meine undankbarkeit für all das, was sie für mich getan haben. Ich bin nicht undakbar für all die dinge, die meine Eltern für mich getan haben, ich möchte bloss endlich mein eigenes leben leben.Mit dem Gedanken hebe ich den Topf neben der Tür unter dem ein Ersatzschlüssel liegt. Ich öffne die Haustüre und rufe laut «Hallo?»nur um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich nicht zu Hause sind. Aber im Haus bleibt es still. «Komm wir gehen nach oben und packen bevor sie zurück kommen. »«Na dann los, aber zünde Licht an, nicht das wir umfallen.»antwortet Katha. Ich habe schnell gepackt. Ich werfe die Kleider einfach in die Reisetasche, mein Lieblingsstofftier, eine Schildkröte mit dem Namen Suki werfe ich oben drauf und auf Suki werfe ich meine drei Lieblingsbücher. Katha hat meine Pflegeuntersilien zusammengepackt und wir können gehen. Ein letztes mal sehe ich mich in meinem Zimmer um, dass fast 18 Jahre mein zu Hause gewesen war. Doch das ist vorbei und ich lösche entschlossen das Licht. Es ist schon ein komisches Gefühl zu wissen, das du nach 18 Jahren hier nur noch für einen Besuch herkommen wirst. Aber irgendwann kommt die Zeit, wo man loslasssen muss. «Katha warte bitte draussen. Lass die Haustüre offen und ruf mich, falls sie zurückkommen.»bitte ich Katha. Katha geht aus der Küche, ohne nachzufragen, was den noch ist. Ich glaube, sie spürt, dass ich noch einen Moment brauche, dass es mir schwerer fällt als gedacht loszulassen. Ich hole mir Papier und Kugelschreiber, in der letzen oberen Schublade des Küchenthresen.
Liebe Mama Lieber Papa
Ich nenne euch so, auch wenn wir, rein biologisch betrachtet nicht miteinander Verwandt sind.  Doch ihr wart 18 Jahre lang, immer für mich da und habt mir Liebe und geborgenheit geben. Nicht alles in meiner Kindheit war schlecht, ich Erinnere mich an so viele, tolle Momente, die ich in meiner Kindheit bei euch erlebte. Die Filmabende, bei denen wir immer vor lachen vom Sofa gefallen sind, die Spielabende, bei denen Papa immer geschummelt hat, weil er einfach nicht verlieren kann. Oder wie Papa Tim Koblenz fast eine reingehauen hätte, weil er mich küssen wollte, als ich 5 Jahre alt war. Aber ihr habt mich mit euerer fürsorge erdrückt, ihr habt mir nie Luft zum atmen gegeben. Alle entscheidungen habt immer ihr gefällt, ich wurde nie gefragt, ob es für mich ok ist Jura zu studieren, oder ob ich dieses Kleid tragen möchte, dass Mama mir rausgelegt hat. Ich bin 18 Jahre alt und es wird für jedes Kind irgendwann Zeit, mehr entscheidungen treffen zu können und auch mehr Freiheiten zu bekommen. Es kann nicht sein das eine 17 Jährige von der Mutter  eingekleidet wird und die Mutter bestimmt, was sie an welchem Tag trägt. Irgendwann seit ihr auch nicht mehr hier und was hätte ich dann gemacht? Ich hätte keine Ahnung vom Leben gehabt und wäre verloren gewesen.
Irgendwann ist es Zeit loszulassen und die Brut ihren eigenen Weg finden zu lassen. Man kann als Ratgeber zur Seite stehen, aber die Brut muss die endgültige entscheidung fällen.
Hab euch lieb
Elena
Ich lege den Brief auf den Küchentisch und gehe, ohne ein einziges mal zurückzublicken.
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

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