Eine Bombe platzt

Die Stunden vergingen gefühlt schneller als normalerweise. Doch die Zwillinge saßen in jeder Stunde vor Avery. Nach der dritten Stunde war die erste längere Pause, die auf dem Pausenhof stattfand. Avery lief wieder zu ihrem gewohnten Platz, in der hintersten Ecke des Schulhofs. Dort stand eine große, alte Eiche, die aber leider keine Blätter mehr trug. Sie verweilte ihr bestimmt schon seit über 60 Jahren. Ihr Holz war so morsch, dass man glauben konnte, sie würde bald umfallen. Da aber das Schulhaus weiter weg stand und es auch keine nahen umliegenden Häuser gab, hatte die Schule beschlossen, sie stehen zu lassen, biss sie eines Tages dem Laufe der Zeit ausgesetzt war. 

Avery liebte diesen Baum, auch wenn nichts schönes mehr an ihm lag. Alle anderes Schüler mieden ihn, vor allem, weil hier viele Insekten lebten. Hin  und wieder machte sich einer der Jungs einen Spaß daraus, diese auf einen kleinen Ast zu schieben und die Mädchen damit zu jagen. Die rannten dann immer schreiend um ihr Leben, als wären sie auf der Flucht vor einem Massenmörder. 

Gerade war Avery hinter dem Baum angekommen als die Zwillinge sich zu ihr gesellten. Verwirrt starrte sie die Beiden an, die ihren Blick erwiderten, aber eher erstaunt. "Warum schleichst du dich hier nach hinten wo keiner ist?" fragte Kelsey. 

Wieder konnte Avery nur blinzeln und schwieg. Kelsey und Nate tauschten einen kurzen Blick, bevor sie sich wieder ihr zuwandten. Kelsey wäägte ganz offensichtlich ihre nächsten Worte ab, denn ihr Augen flogen mal hier mal dahin und zwischendurch zu Avery.  Diese wusste genau, dass sie wie jeder andere auch, fragen würde, ob sie den sprechen könne, wenn sie denn mal einer bemerkte. Ohne es kotrollieren zu können schüttelte sie den Kopf. "Nein... Nein ich bin nicht stumm!" Ihr Stimme war zittrig und rau, als hätte sie sie noch nie benutzt. Eigentlich hatte sie auch noch nie wirklich was zu sagen gehabt. Aber die Zwillinge hatten eine merkwürdige Ausstrahlung, die sie zu allem zwingen könnte, auch wenn sie es nicht wollte. Nate fing an zu grinsen. "Tja Kels, ich denke deine Frage hat sie erübrigt." Böse funkelte sie ihn an, beäugte dann aber wieder Avery.

 "Also...," sie brach unmittelbar ab, "warum bist du immer hier alleine?" beendete Nate den Satz. Avery zuckte mit den Schultern. "Ich war schon immer auf mich gestellt. Ich kenne es nicht anders." Eine kurze Pause trat ein. "Moment... Wieso eigentlich IMMER? Ihr kennt mich doch noch nicht mal!" Wieder tauschten die Zwillinge einen Blick. "Naja... dass ist etwas kompliziert." druckste Kelsey rum. "Ist es komplizierter als sein ganzen Leben lang schon alleine rumzugammeln und niemanden, wirklich niemanden zu reden zu haben?" Avery hatte das Gefühl, sie könnte es nicht mehr aushalten. Jahrelang hatte sie die meiste Zeit nur geschwiegen und jetzt waren da diese zwei Personen, die sie dazu brachten einfach alles raus zu lassen, was sie schon immer mal sagen wollte.


 Sie könnte schwören, dass sie die beiden schon ihr Leben lang kannte, wenn sie nicht, vor nicht mal einem Tag erst, in ihr Leben getreten wären.


OoOoOoOoOoOoOoO          


Noch während der Pause hatte Kelsey sie dazu überredet, dass sie nach der Schule mit ihnen nach Hause ging, um ihr ein paar Sachen zu erklären. Nun stand sie vor dem Haus der Zwillinge und konnte ihren Augen nicht trauen. Sie mussten eine ganze weile mit den Bus fahren, bevor sie vor einem riesigen Palast ausgestiegen waren. Und wahrlich, man könnte meinen man stände vor einem Schloss. 

Ein schneeweißes Schloss mit einer gläsernen Tür, tausenden von Fenstern, einem gigantischen Garten voller Blumen und ohne Turm. Beide hatten die ganze Fahrt über nicht ein Wort gesagt. Hatten nur die ganze Zeit Blicke getauscht. 

Avery schaute weiter perplex nach oben und bewunderte das Gebäude. Währenddessen hatten Kelsey und Nate den Weg durch das schmiedeeiserne Tor begonnen. Nate drehte sich auf halben Weg durch den Garten um. "Hey Av, willst du Wurzeln schlagen?" Avery schüttelte den Kopf, um sich wieder in die Wirklichkeit zu holen. Langsam folgte sie ihm und begutachtete die vielen verschiedenen Blumen und Sträucher die hier wuchsen. Erst kurz vor der Eingangstür stellte sie fest, dass Nate ihr gerade einen Spitznamen verpasst hatte. So etwas hatte sie noch nie gehabt und obwohl es etwas so banales war, freute sie sich unbändig darüber.

Die Eingangshalle war wie zu erwarten groß und weiß. Im Großen und Ganzen schien hier alles weiß zu sein. Die Wände, die Fließen, der Kleiderständer und die Schuhbank. Sogar der Teppich, der sich so kaum vom Boden abhob war weiß. Kelsey konnte offenbar Gedanken lesen: "Unsere Eltern sind Ärzte. Sie mögen es steril weiß." "Ja... Ein Wunder dass sie überhaupt die Möbel erkennen." stimmte Nate ihr zu. 

Kelsey nahm ihr die Jacke und die Tasche ab, dann schnappte sie sich Avery Hand und zog sie in den nächsten Raum rechts vom Eingang. Es war die Küche. Sie führte Avery zum großen, natürlich weißen, Tisch, an den locker 20 Personen platz gefunden hätten. An den Schultern drückte sie Avery auf einen Stuhl, lief um den Tisch herum und setzte sich auf den ihr gegenüber. Nate kam gemächlich hinterher und platzte neben seiner Schwester. Nun sahen sich alle drei an. Nate räusperte sich: "Am besten wir reden nicht lange um den heißen Brei herum. Avery! Du bist eine Hexe!"   

Kommentare

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    Oh, ich habe so gespannt auf dein neues Kapitel gewartet! Und es wurde belohnt. Ich war erst ziemlich skeptisch, was es mit den Zwillingen auf sich hat, doch zumindest bis jetzt wirkt es so, als ginge von ihnen keine Gefahr aus. Und ich bin schon sehr gespannt, was in deiner Geschichte bedeutet, eine Hexe zu sein! Als kleiner Tipp noch, du könntest hier und da noch mehr Absätze einfügen, längere Abschnitte ohne Absatz lesen sich nicht so gut. Nach einem Dialog zum Beispiel ist es immer gut, einen kleinen Absatz zu haben. Ich bleibe gespannt dran und freue mich auf mehr!

  • Author Portrait

    Oho, jetzt geht's so richtig los... o.o Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel. ^^ Viel Glück bei deinen Prüfungen, falls du noch welche hast!

beta
Feenstaub

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