Eine Tür aus Ebenholz


Es war Anfang Juni und die Sommergewitter hatten in einigen Teilen Europas mit besonderer Wucht zugeschlagen. Den ganzen Tag schon zogen die schwarzen Wolken an den Fenstern vorbei, erst am frühen Abend riss die dunkle Wolkenwand auf und gleißendes Sonnenlicht drang durch bis hinunter auf den Erdboden. Kathy nutzte die Gelegenheit um frische Luft zu schnappen, als sie von ihrem kleinen Ausflug wiederkehrte, bemerkte sie, dass jemand einen Brief in den Briefkasten gesteckt hatte. "Seltsam, für Post ist es doch jetzt zu spät?", verwunderte sich die junge Autorin als sie das weiße Kuvert aus dem Kasten zog. Behutsam öffnete sie den Brief und holte den Zettel heraus, welchen der Umschlag behütet hatte. Das weiße Blatt Papier, war wie der Brief, ganz umbeschrieben. Ganz? Nein, ein kleiner Teil des Papiers weigerte sich der Unbeschriebenheit durch das weiß statt zu geben. Allein ein oranges Fragezeichen stand auf dem Papier geschrieben. Kathy ahnte wer ihr den Brief gesendet hatte und so machte sie sich auf in den Orangen Raum.

 

*

 

"Felix?", rief Kathy als sie den Raum betreten hatte, doch von dem Biologen kam keinerlei Antwort, er schien nicht da zu sein. Etwas missmutig ließ Kathy ihre Augen durch das Zimmer wandern bis sie am Tisch abrupt stoppten. Auf diesem stand ein Fläschchen. Ein Fläschchen das ihr bekannt vor kam, aber nicht mehr existieren konnte. Kathy näherte sich der Flasche nahm sie und wiegte sie in der Hand. Es war wirklich eine Flasche in cerebrum, genau so eine Flasche hatte sie Felix vor einem Monat geschenkt, damit dieser einen Ausflug durch ihr Hirn machen konnte.

Warum aber stand nun eine ungeöffnete Flasche in cerebrum auf dem Tisch?, stellte sich Kathy die eine Millionen Eurofrage. Als sie die Flasche wieder auf den Tisch abstellen wollte, entdeckte sie einen himmelblauen Briefumschlag. Schnell öffnet sie den Umschlag und zog das ebenso blaue Blatt Papier heraus: Auf ihm stand einzig ein weißes Ausrufezeichen. Mit Flasche und Brief machte sich Kathy auf in den blauen Raum.

 

*

 

Leise schloss sie hinter sich die Tür als sie in die blauen Gemächer schritt, doch Felix hatte sie schon bemerkt. Ohne aufzusehen sagte er: "Ich hatte dich früher hier erwartet, aber wahrscheinlich hast du dir am Fluss mehr Ruhe gegönnt."

Ohne Felix Zustimmung für seine korrekte Äußerung zu geben, hielt Kathy ihm die Flasche in cerebrum vors Gesicht und fragte: "Wieso stand diese Flasche im orangen Raum und was sollte diese Schnitzeljagd?"

"Na was glaubst du denn? Das Fläschchen ist wie du siehst in cerebrum. Dass es aus dem Sexy Little Horror Shop kommt, brauch ich dir ja nicht zu erklären. Wie es funktioniert solltest du ja wissen, Meg hat es ja mit dir damals erstmalig entwickelt. Sie hat auch diesmal bei der Herstellung geholfen."

"Aber warum?", fragte Kathy die ihre Fragen nach wie vor nicht beantwortet wusste.

"Weil ich mich revanchieren wollte.", zwinkerte Felix der Historikerin mit einem schelmischen Lächeln zu. Mit demselben Lächeln welches sie einst ihm zeigte als sie ihm das Fläschchen schenkte.

"Und die Schnitzeljagd?"

"Ach das war nur für meine theatralische Strömung."

Kathy seufzte, sie hatte sich schon Sorgen gemacht das Felix etwas passiert sein könnte und dabei hatte er sie nur zu seiner Belustigung durch die Gegend geschickt.

"Ich empfehle dir das gute Getränk unten am Fluss an der großen Eiche einzunehmen, dort habe ich auch damals meinen Ausflug begonnen."

Sich seinen Sherlock Holmes Büchern zuwendend beendete Felix das Gespräch und Kathy machte sich auf zu besagter Stelle.

 

*

 

Kathy setzte sich in das von der Sonne trockengewärmte Gras und lehnte ihren Rücken an die mächtige Eiche. Sie entkorkte die Flasche und nahm einen kräftigen Schluck der silbrigen Flüssigkeit die ihr kühl die Kehle herunter brannte. Felix hatte ihr nach seinem Ausflug ausführlich beschrieben, wie es war das in cerebrum anzuwenden und auch Kathy spürte dieselben Symptome. Die Wärme durchdrang immer schneller ihren Körper und die Welt begann sich zu drehen, schneller und hektischer. Langsam wurde ihr von den Wirbelungen schlecht, doch ehe sich das Gefühl zu einer Handlung intensivieren konnte wurde es schwarz vor ihren Augen und ihre Sinne schwanden. Ein dunkler Wind umschlang sie und versetzte sie in absolutes Dunkel.

 

 


*

 

Langsam erwachten Kathys Augen. Sie blinzelte. Sie war nicht mehr am Fluss unter der mächtigen Eiche: Sie stand in einem Vorgarten. Ein Steinweg führte zu einer Tür aus dunklem Ebenholz. Schnell schritt sie zu der Tür, denn eisiger Wind umschlang ihre Beine und der Schneefall wurde stärker. Sie hasste Winter, aber noch mehr, wenn sie in Sommerkleidung durch Schnee stapfen musste. An der Tür angekommen ergriff sie den Haken des goldenen Türklopfers, der einen Löwenkopf darstellte, und pochte damit dreimal kräftig an die Tür. Nur wenige Sekunden später öffnete ihr jemand die Tür. Ehe die Person ein: "Komm doch rein." oder ähnliche Begrüßungsformeln aussprechen konnte, stürzte Kathy in den wohlig warmen Hausflur.

Ein Unmutslaut entfloh ihr: "Gott war das kalt."

"Du brauchst ihn nicht anbeten, nur weil es sein Gehirn ist.", kommentiert der junge Mann trocken.

"Danke fürs hereinlassen.", bibberte Kathy. Der junge Mann mit den blaugrauen Augen und der braunen Kurzhaarfrisur kam ihr bekannt vor. Er hatte etwas Vogelartiges an sich, vielleicht etwas Falkenhaftes?

Ohne auf ihren Dank einzugehen, schloss er die Tür und Kathy konnte sehen wie der Schnee sich unter einem Tosen in nichts verwandelte und verpuffte.

"W...Waa...Waaasss war das denn?", fragte sie erschrocken mit großen Augen.

"Das wäre mit dir passiert, wenn du nicht rechtzeitig ins Haus gekommen wärst. Desto größer der Schluck, desto weiter weg von der Tür und naja zu weit weg ist gleich bedeutend mit dem Verschwinden. Ob es ein absolutes Verschwinden ist oder dich Felix nur vergessen würde, kann ich dir nicht sagen.", zuckte der Unbekannte mit seinen Achseln, "Aber bevor mich man jeglicher Unhöflichkeit einer Dame gegenüber maßregelt, stelle ich mich vor. Ich heiße Stephen Kiel, meines Zeichens Detektiv."


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Nochmals Danke Kathy für die Tage in deinem Gehirn. Hoffe du verbringst genauso schöne in meinem. ;) 

 

Kommentare

  • Author Portrait

    AAHHHHHHHHH!!! Felix Hirn!! Geez ich hab den ganzen Tag drauf gewartet, es lesen zu können XD Freue mich schon auf mehr und deine Tage in meinem sind ja noch lange nicht gezählt ;)

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Feenstaub

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