Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Der diesjährige Schulsprecher, ein Ravenclaw namens Roger Davis, erhob gewichtig, a la Percy, seine Stimme: „Chrchrrm, schön, dass ihr alle hier seid!" So riss ich mich aus meinen Überlegungen und meiner Betrachtung los und steuerte einen Platz zwischen den Sechstklässlern an. Nun achtete ich mehr darauf, oder fiel es mir mehr auf, ich weiß es nicht, aber es kam mir so vor, als würden mir die Jungen, oder sollte ich sagen einige der jungen Männer, aufmerksame, musternde und einschätzende Blicke zuwerfen. Hatte ich mich körperlich für sie so verändert, oder war mein Auftreten so anders?

Auf alle Fälle hatte sich etwas verändert, was mir somit ihre Aufmerksamkeit einbrachte, ähnlich die auch von Malfoy! Na denn, so besonders war mein schwarzes Sommerkleid auch nicht. Es hatte kleine Ärmchen, die meine Schultern bedeckten und einen Empireschnitt. Unter der Brust fiel es weit und endete bei meinen Oberschenkeln, dann trug ich noch den Seidenschal, der kunstvoll drapiert war, damit aber auch wirklich niemand meinen gequetschten und geschundenen Hals sah.

Ansonsten, ja ich trug heute ein bisschen Schminke, um nicht gar so tot auszusehen, wie ich mich innerlich gerade fühlte, aber das konnte es nicht sein. Mein Körper, ja, er hatte sich verändert und das sah man auch bestimmt, denn es war nun ein durchtrainierter Frauenkörper, an ihm war nichts kindliches mehr zu finden.

Und so ließ ich mich mit einem innerlichen aber auch überheblichen Lächeln nieder und lauschte Davies ausschweifenden Monolog. Das war die bösartigste Folter, die man sich vorstellen konnte. Roger Davies konnte sich in ernsthafte Konkurrenz zu Binns begeben. Er hatte eine so leiernde Stimme und gab null Inhalt von sich, der hier von ihm transportiert wurde. Er brachte sogar mich fast dazu einzuschlafen. Ein Blick zu Ron, der es sich bei den Hufflepuffs gemütlich gemacht hatte, ja wie angenommen, er schlief zusammen mit Ernie. Ich hätte ja gelacht, wenn es nicht so traurig gewesen wäre. Die meisten taten etwas anderes und so schaute ich gelangweilt umher und siehe da, Parkinson unterhielt sich mit Carola Graham, einer Sechstklässlerin aus Slytherin und Draco Malfoy fokussierte mich nach wie vor. Ich runzelte meine Stirn, was soll das und behielt ihn ebenfalls unauffällig im Visier. Was sah er oder dachte er zu sehen, dass er mir, dem Mudblood, so viel unangebrachte Aufmerksamkeit schenkte.

„… so das waren dann eure Aufgaben im Detail!“, strahlte Davies in die Runde, nachdem er seinen ausschweifenden Monolog beendet hatte. Aufgrund der eintretenden Stille, schraken viele aus ihrem Schlaf hoch. „Und nun bitte ich euch auf die Kontrollgänge zu gehen und den Erstklässlern zu helfen!“, bestimmte er salbungsvoll und so schnell konnte er gar nicht schauen kam Schwung in die Leute. Alle erhoben sich rasant. Ich hatte mich ja weit hinten hingesetzt und hatte nicht vor so schnell aufzustehen, denn das Sitzen tat zu gut, also ich versuchte mich so gut wie unsichtbar zu machen. An sich wollte ich nur Ruhe haben und vergessen was mir passiert war. Ich konnte beobachten wie mich Ron suchte, es aber dann aufgab und Padma folgte. Das Abteil lehrte sich schnell. Die meisten wollten wohl schnell zu ihren Freunden und über die Ferien plaudern, somit hatte ich hier eine wunderbare Entschuldigung, warum ich nicht sofort zu den anderen eilte. Als auch der letzte zur Tür raus war, richtete ich mich wieder auf, schloss erschöpft meine Augen und atmete erleichtert auf.
Allein! Wie gut das tat!

Ich freute mich Vertrauensschüler geworden zu sein, denn es verschaffte mir Vorteile und wie sagte ich so schön, ich nahm's wie's kam. Auf einmal hörte ich zu meiner Überraschung wie die Tür bestimmt geschlossen wurde. Ich drehte mich ruckartig um und sah wie ein nonverbaler Colloportus, gesprochen wurde und keuchte nicht nur vor Empörung, sondern auch weil die unbedachte Bewegung gefährlich in meinen Eingeweiden zog. Wer? Ah… was er wohl noch hier wollte? Ich meine, gut er durfte genauso hier sein wie ich, aber mit mir? Und warum schloss er uns ein? Sollte ich mich bedroht fühlen? Ich sagte immer noch nichts, hatte mich aber erhoben, sah ihn nur an. Er tat dasselbe, nur, dass er langsam, mit geschmeidigen Schritten näher kam.

War das ein Spiel, wer zuerst was fragt hat verloren?

Ich wusste, ich war gut im Spielen, aber ich wusste auch, dass er auch gut war, war es schon immer gewesen. Auch war ich nicht hundertprozentig auf der Höhe, denn ich konnte nur zu deutlich ein leichtes Pochen in der Seite spüren. Im Zurückweichen wurde ich plötzlich abrupt von der Führerwagentür gestoppt, konnte also nur noch zusehen wie er höhnisch lächelnd auf mich zuschritt, so als hätte er schon gewonnen. Er zeigte sich sehr überheblich. Ich schaute direkt in seine hellgrauen Augen, wartend was das werden sollte, bis er sehr nah vor mir zum Stehen kam. Er war unerwartet nah, so nah, wie noch nie. Stopp, einmal in der dritten Klasse, als ich ihm den Kinnhaken verpasst hatte, da waren wir uns schon mal so nahe gekommen, aber das war schnell vorbei gewesen. Jetzt standen wir uns gegenüber und beobachteten und belauerten uns und keiner bewegte sich.

Während seine Augen aufmerksam über mein Gesicht huschten, legte er seinen Kopf schief, verzog den rechten Mundwinkel nach oben und inspizierte mich weiter. War das so ein Trick, den er von seinem Vater und oder Snape gelernt hatte, wenn dieser Leute verunsichern wollte, funktionierte vielleicht, um unsichere Menschen bis ins Mark zu ängstigen, aber bei mir? Ich musste sagen, ich fühlte mich nicht wirklich unsicher, vielmehr neugierig was er von mir wollte. Und nach gestern würde viel passieren müssen um mich noch zu erschüttern. Um ihm zu vermitteln, dass er mit der Masche bei mir so was von nicht weiter kam, imitierte ich ihn mal wieder. Was du kannst kann ich schon lange, Junge. Ich sah es in seinen Augen kurz aufblitzen, aber ansonsten verzog er keinen Muskel. Er war gut.

„Mudblood!“, ertönte es kalt, klirrend vom ihm. Er kam noch näher. Nur dieses eine Wort und seine sehr gerade Haltung, so wollte er vermitteln, dass er der uneingeschränkte Boss war.

„Pureblood?“, erwiderte ich frech und reckte mein Kinn aggressiv vor. Wie du mir, so ich dir.

„Was soll der Ausdruck!?“, spuckte er mir bösartig ins Gesicht und zeigte eine höhnende Miene.

„Was… ich dachte, da dein erstes Wort an mich mein Blut betraf, erweise ich dir die gleiche Ehre. Ich nahm an, du bist auf das Pure so stolz?“, meinte ich verächtlich und sah ihn mit großen, rehbraunen Augen unerschütterlich an. Er machte mir keine Angst, denn ich hatte zwei Zauberstäbe und meine heißgeliebten Dolche.

„Dass du das nur nicht vergisst, Mud… Blood! Jetzt sag mir, was schaust du mich so an, sind Potter und Wiesel so unsäglich hässlich, dass du deine Augen nicht von mir nehmen kannst?“, ätzte er giftig und blickte mich aus kalten Augen verächtlich an.

„… mhmh, ach du bist gar nicht eingebildet oder… ?“, meinte ich ironisch und rollte mit den Augen.

„Granger“, betonte er misslaunig, aber er zeigte sich beherrscht. Wir stritten nicht, noch schrien wir uns an, erstaunlich.

„Was? Was willst du hören? Ich bin noch ganz benommen, dass du hierher zurück bist… nur weil ich dich mal angeschaut habe,… könnte meinen, dir hätte es gefallen!“, kam es sehr zynisch von mir. Ich hob meine Hände und wollte ihn von mir schubsen, um endlich wieder freier atmen zu können.

„Was fällt dir ein, du… wertloses…“, fauchte er aufgebraucht und wich vor meinen Händen geschickt zurück, so dass sie ihn nicht berührten.

„Was, warum bin ich denn so wertlos? Bin ich für dich wirklich so wertlos? Du redest hier mit mir und drängst mich an die Tür, machst du das nur, um mich zu ärgern oder willst du mich bedrängen?“, fauchte ich ihn nun empört an. Er brauchte nicht so rumtun als wäre ich schmutzig.

„Du unverschämtes Miststück, weißt du nicht mit wem du redest? Was bildest du dir ein? Du bist ein Nichts…“, zischte er sehr leise und eindringlich, während er mich nicht aus den Augen ließ.

„Ja, ja, ja und ich rede mit dir Draco…“, meinte ich abwertend, doch da unterbrach er mich wütend.

„Was fällt dir ein mich bei meinem Vornamen anzusprechen, Mudblood?“, schrie er aufgebracht und seine Augen nahmen ein intensives Sturmgrau an.

„Du dürftest auch Hermione zu mir sagen, wenn du möchtest“, flüsterte ich leise und hatte dabei meinen Kopf gesenkt, als ich ihm aus heiterem Himmel dieses Angebot unterbreitete. Mir kamen meine vorhergehenden Gedanken in den Sinn, dass ich Malfoy eine Chance geben wollte sich zu erklären bzw. zu zeigen, dass nicht alles so war wie es schien, dass auch er ein Mensch mit Gefühlen und Ängsten war und nicht nur ein arroganter und selbstverliebter Malfoy und das setzte ich gerade in die Tat um. Er verstummte schlagartig.

„Wer bist du und wo ist Granger?“, kam es wieder emotionslos von Draco. Er hatte nun seine Arme vor der Brust verschränkt, sein Gesichtsausdruck war maskenhaft leer. Ein Lachen stieg in meiner Kehle auf. „Du kannst lustig sein. Vor dir und ich bin Hermione, wie sie leibt und lebt!“, meinte ich amüsiert und grinste ich nun offen an.

„Das kann ich nicht glauben, warum lachst du so doof?“, zeigte er mir einen abwägenden Blick aus misstrauisch verengten Augen.

„Ach... D… Draco?“, kam es vorsichtig über meine Lippen. Ich blickte ihn von unten herauf vorsichtig an, wartete auf seine Reaktion.

„Ich lach nicht doof, ich baue Stress ab!“, erklärte ich ehrlich weiter, da keine weitere Reaktion darauf kam, dass ich ihn Draco genannt hatte. „Ich… ich hab in den Ferien viel nachgedacht,… erlebt und ich denke du und ich, also wir beide, wir könnten uns vielleicht helfen, wenn… wenn du möchtest, natürlich nur. Und ich dachte, wenn wir uns respektieren, dann könnten wir uns beim Namen… ach, vergiss es. Ich wollte…arrh musst du hier wie ein Zinnsoldat stehen und mich niederstarren?“, fragte ich aufgebracht und wusste selbst nicht warum ich so rumstotterte. Jetzt hatte ich die Hände erhoben und gestikulierte wild, während er mich argwöhnisch betrachtete.

„Ach vergiss es, ich wollte dir anbieten, dass wir uns helfen“, gab ich aufgebend zu und stöhnte frustriert auf, weil mich seine grauen Augen derart aus dem Konzept brachten.

„Ich brauche Potter nicht!“, spuckte er regelrecht aus und verzog angewidert seine Züge zu einer Fratze.

„Wer redet denn von Harry?“, ich war verwirrt und runzelte irritiert die Stirn.

„Was meinst du dann, wir könnten uns helfen…?“, mit gerunzelter Stirn fragte er nach, dabei wirkte er perplex.

„Na, das was ich sagte, du und ich… sonst niemand! Glaubst du, Harry würde das hier gut heißen?“, fragte ich ihn zweifelnd, zeigte auf ihn, mich und den leeren Raum in einer fragenden Geste.

„Weiß nicht, sag du es mir?“, meinte er argwöhnisch, ja spielen konnte er, eindeutig!

„Nie und nimmer, er… er mag dich nicht wirklich!“, beschied ich ihm bestimmt.

„..aber du, du magst mich… nicht wahr, Granger?“, kam es so sarkastisch hauchend von ihm, dass
es mir kalt den Rücken runterlief und er stieß abwertend die Luft aus.

„Nun ja, ich kann jetzt nicht sagen, dass ich dich hasse!“, meinte ich lapidar. Ein leicht ungläubiger Blick glitt über sein Gesicht, der schnell verschwand aber ich hatte es registriert, dass ich ihn überrascht hatte.

„Wie, das kann nicht dein ernst sein!!“, der Unglaube in der Stimme war deutlich herauszuhören.

„Was? Warum? Ich soll dich hassen, weil du mich Mudblood nennst, ich bitte dich!“, ich zuckte mit den Schultern. „Dann wär ich aber sehr oberflächlich. Ich weiß zwar nicht, was du dir von diesen Beschimpfungen erhoffst, aber deswegen hasse ich dich nicht, das höchste ist, dass ich denke, dass es unreif ist…“, zog meine Unterlippe durch meine Zähne und blickte ihn gespielt unschuldig an.

„Warum solltest du mir helfen wollen?“, wisperte er vorsichtig und lauernd. Er vertraute mir kein Stück und dachte bestimmt, dass dies ein Trick von uns war, um ihn aus der Reserve zu locken.

„Warum nicht, wenn du mir hilfst, bin ich eine gute Vertraute, auch eine gute Verbündete und ich glaube, dass die Ferien nicht spurlos an dir vorbei gegangen sind!“, meinte ich keck und offenbarte meine Beobachtung, aber ahnend, dass er mir sonst nie entgegen kommen würde, dafür war er gerade zu vorsichtig.

„Aha, was du nicht alles glaubst… vor allem bist du eine Gryffindor. Was willst du eigentlich genau, was bietest du hier an, muss ich daran erinnern, dass du die brave Streberin bist! Du bist Hermione Granger!“, kam es eindringlich, spöttisch und abwertend alles in einem von ihm.

„Haha, du hast es gesagt!“, rief ich triumphierend und klatschte mir erfreut in die Hände.

„Oh... bilde dir drauf mal nichts ein!“, kam es resigniert von ihm. Er schüttelte leicht abwehrend den Kopf, dass er nun doch mein Angebot angenommen hatte, wenn auch unabsichtlich.

„Natürlich nicht, Draco?“, blickte ihn ernst an und stimmte ihm ironisch nickend zu.

„Mein Angebot, ich dachte nur, in diesen Zeiten in denen wir leben, ist es immer gut Freunde zu haben, auch du kannst den einen oder anderen mehr brauchen! Was… sieh mich nicht so an, mir ist der Ausdruck in deinen Augen nicht entgangen. Ich weiß nicht was du in den Ferien erlebt hast, aber ich tippe jetzt einfach mal, dass es nicht die Schönsten waren, die du bisher hattest“, erklärte ich sehr sicher, dabei lehnte ich mich etwas entspannter an die Tür hinter mir. Er war halt leider größer als ich, waren irgendwie die meisten Männer. Ich mit meinen läppischen 1,63 Metern musste fast immer zu ihnen aufschauen, ein deprimierender Umstand.

„Wow, jetzt bin ich entsetzt, übst du so was? Potter und Wiesels Gryffindor-Prinzessin will… was? Meine… Freundin sein? Bin ich im falschen Bild, oder was? Und was bildest du dir eigentlich ein zu wissen? Du hast keine Ahnung!“, spuckte er fies aus und strafte mich mit eisigen Blitzen, die er aus seinen Augen zu mir schoss.

„Das weiß ich doch, dass ich nichts weiß. Ich wollte dir auch nur ein offenes Ohr anbieten. Überleg's dir, Draco!“, erwiderte ich wacker, dabei stieß ich mich ab und wollte mich an ihm vorbei drängen, weil ich durchaus erkannte, dass er mir nicht glaubte, was zum Teil durchaus verständlich war. Aber er ließ mich nicht, da er sich in dem schmalen Gang zwischen den Bänken breit machte.

„Wo denkst du gehst du hin?“, flüsterte er zischend.

„Kontrollgang, zu Harry und Co., deine Pansy und Dick und Doof werden dich sicher auch schon vermissen und sag mir jetzt nicht, du willst noch mehr deiner kostbaren Zeit mit mir, dem Mudblood, verbringen!“, zischte nun ich erbost zurück und versuchte hin und her tretend einen Weg zu finden an diesem Slytherin vorbeizukommen.

„Denk nicht so viel, lass das mal meine Sorge sein und halt still und hör auf so herum zu zappeln“, bedrängte er mich und kam näher, wobei er arrogant wie eh und je klang. Die Welt blieb für mich stehen, als er mich berührte. Zum ersten Mal seit wir uns kannten hatte mich Draco Malfoy angefasst und seine Hände mit mir beschmutzt. Ich war baff und erstarrte. Er packte mich gerade an meinen Schultern und drückte mich wieder bestimmt an die Tür, nicht vorsichtig, nicht zärtlich, sondern einfach nur bestimmt und ich unterdrückte ein ersticktes Stöhnen.

„Granger, Granger, hab ich gesagt, dass du gehen darfst?“, flüsterte er mir nun heiser in mein Ohr. Sein Atem strich heiß darüber und ließ mich fast erzittern, nur erlaubte ich mir dieser Schwäche nicht. Alles an seinem Verhalten war enorm provokant.

„Musst du dich jetzt nicht waschen?“, fragte ich ihn spöttisch ansehend und meine innere Unruhe über diese Nähe überspielend.

„Sei nicht lächerlich!“, er verdrehte sichtbar seine Augen. „Ich weiß nur gerade gar nicht, was ich von dem Ganzen hier halten soll? Da du mich vorher so schön analysiert hast, dachte ich, du bist auch an meinen Beobachtungen interessiert!“, meinte er gehässig, dabei sah er mich fragend an, aber sein Ausdruck zeigte, dass er nur rhetorisch Fragte.

„Ich hab heute auch nicht schlecht gestaunt, als du mit Wiesel das Abteil betreten hast! Ich sah eine junge, erwachsene Frau, nicht wie diese kindischen Mädchen hier! Mhm ich fragte mich, was passiert ist? Sie hat alles Kindliche verloren und ich weiß, es gab keine direkte Gefahr, keine Angriff auf dieses Mädchen, sorry… auf diese Frau. Was also ist passiert? Auch ihr Aussehen ist anders, nicht nur ihr Auftreten! Sie sieht gut aus, noch besser. Bild dir jetzt bloß nichts drauf ein, Mudblood! Auch ich kann in ihren Augen sehen, dass sie Sachen gesehen und auch erlebt hat, die dem Wiesel anscheinend nicht widerfahren sind, da er immer noch einen idiotisch seligen Ausdruck in seinen hat“, resümierte er geschickt, dabei legte er den Kopf leicht zurück und grinste mich nun überlegend, fies lächelnd an und eins musste ich ihm lassen, er musste einen fantastischen Lehrer gehabt haben.

Er hatte viel erkannt und erraten, viel mehr als meine Freunde, die ich die meiste Zeit um mich hatte. Wie kam es, dass ein Malfoy so einfühlsam und aufmerksam war? Er überraschte mich sehr.
Oh, er war gut, das hatte ich schon immer gewusst. Als Kind, früher war er ein streitbarer und versnobter Kindskopf gewesen, aber seit zwei Jahren entwickelte er sich. Anscheinend zeigte die Erziehung seines Vaters Wirkung und diese Ferien schienen ihm den Rest gegeben zu haben, um ebenfalls erwachsen zu werden, denn das, wie ich nun erkannte, war er tatsächlich geworden. Wo Harry und Ron noch Kinder waren, war Draco hier ein Mann geworden. So beobachtend, so überlegt hätte ich nie gedacht, dass der arrogante, verwöhnte und selbstverliebte Bengel einmal werden könnte.

„Seit wann fällt dir was auf? Und findest du es nicht sonderbar, dass wir eine relativ zivilisierte Unterhaltung führen?“, fragte ich zaghaft überrascht.

„Ich war schon immer zivilisiert!“, kam es arrogant wie eh und je von ihm, während er mich mit einem amüsierten Funkeln in den Augen taxierte.

„Ach und was war ich, ein Neandertaler?“, meinte ich sehr zynisch und schnaubte auf.

„Nein, aber immer in den Fängen von Potter und Wiesel und das ist hier die große Frage, warum bist du hier und hängst nicht an dem Zipfel dieser beiden Hornochsen?“, fragte er wirklich interessiert, das konnte ich sehen, unterdessen hielt er mich immer noch gefangen, die Hände waren weiterhin an meinen Schultern.

„Hör auf Harry zu beleidigen, er ist nicht so und du warst nicht zivilisiert, sondern arrogant, eingebildet und selbstverliebt!“, zischte ich aufgebracht und haute ihm meine Gedanken um die Ohren.

„Tststs… ich hoffe dir ist aufgefallen, dass du mir in Sachen Rotschopf nicht widersprochen hast und ich war nicht arrogant, ich bin ein Malfoy!“, kam es selbstherrlich von ihm.

„Hmpf“, grummelte ich vor mich hin, wo er die Wahrheit sprach, konnte ich nicht guten Gewissens widersprechen. Draco unterdrückte ein lautes Lachen. „Das ist zu lustig, Granger!“, er sah mich überlegend an „Was machen wir jetzt… in dieser neuen Eintracht?“, forschte er interessiert, aber auch skeptisch nach.

„Willst du das überhaupt, Draco? Dich mit mir normal unterhalten, steht ein Malfoy nicht über allem, und noch viel weiter über mir, dem Mudblood?“, sprach ich neugierig und war selbst erstaunt wie leicht mir sein Name über die Lippen kam, aber es fühlte sich richtig an.

„Uhuhu, du kommst zur Einsicht, wie ich sehe… schön… und wie es scheint, gefällt dir mein Name? Wobei ich dir immer noch nicht erlaubt habe mich so zu nennen!“, kam es abfällig von ihm.

„Was heißt hier immer noch, höre ich da heraus, dass du es noch tun wirst,… Draco?“, ließ ich mich nicht in Bockshorn jagen und spielte ihn gekonnt aus. Er zog eine leichte Grimasse und stieß sich von der Tür ab und ragte nun wieder vor mir auf.

„Du bist wirklich zu schlau geworden für ein Mudblood, wirklich zu schlau und dass du eine interessante Gesprächspartnerin sein könntest, hatte ich schon immer gedacht! Wissen sie es zu schätzen?“, zog er die Augenbraue skeptisch nach oben, als er plötzlich diese letzte Frage stellte. Wobei mir das vorhergehende Kompliment durchaus schmeichelte und ich fragte mich schon, wer der junge Mann hier vor mir war. Ich zuckte mit den Schultern. Wussten Ron und Harry meine Gedanken zu schätzen? Harry manchmal, mit Sicherheit, Ron wohl eher weniger.

„Kannst du dich denn mit deinem Gefolge austauschen?“, gab ich eine Gegenfrage als Antwort.

„Mit einigen wenigen, ja… ein… zwei!“, kam es von ihm abwägend. Jetzt beugte er sich wieder richtig nah zu mir, sein Duft stieg mir in die Nase, Sandelholz, und flüsterte: „Dick nicht, aber Doof und auch Pansy sind davon leider ausgeschlossen!“, resümierte er wenig nett. Ich war baff, hatte mir gerade Draco das Zugeständnis gemacht und seine Anhängsel vor mir diskreditiert. Ich sah ihn mit großen Augen an und legte meinen Kopf leicht in den Nacken.

„Tja, auch meine Auswahl zum Austausch wirklich interessanter Informationen ist begrenzt, wenn ich nicht will, dass alle einschlafen“, gestand ich ihm resignierend mein Leid. Was ihn zu einem leichten, seichten Lächeln veranlasste. Wir spielten hier wie Katz und Maus.

„Ich weiß ja nicht was du machst, aber ich nehme meinen Auftrag als Vertrauensschüler ernst und werde jetzt meiner Pflicht nachkommen, man sieht sich Mudblood!“, kam es ungewohnt jovial von ihm.
„Man sieht sich Pureblood!“, erwiderte ich geistesgegenwärtig. Ich glaube, das könnte sich zu einem internen Witz entwickeln.

Draco schien sich wirkliche in den Ferien verändert zu haben. Ich hatte es nie so geplant gehabt, aber wenn ich es schaffen konnte mit ihm eine… tja… was, eine Beziehung wäre zu hoch gegriffen, eine Basis schaffen zu können, ohne Bösartigkeit, warum nicht, man konnte nie wissen wofür es gut war. Ich hatte schon früh vermutet und heute war ich überzeugt davon, dass er damals nur angefangen hatte mich mit Mudblood zu beschimpfen, um Ron und Harry zu ärgern, denn ich stand über so was. Aber er hatte Recht, ich musste nun zu den anderen, sonst würden sie sich noch wundern wo ich abgeblieben war. Ein Gespräch mit Malfoy, ich glaub ich spinne! Es war unglaublich, was sich alles ändern konnte wenn ein Dark Lord wieder geboren wurde.

Als ich unser Abteil betrat, konnte ich sehen, dass Harry mit Ron, Neville, Ginny und Luna eine nette Gemeinschaft gegründet hatten. Ich fühlte mich in dieser verträumten, ausgelassenen Runde wieder so fehl am Platz. Da fühlte ich mich, so unmöglich es sich auch anhörte, aufgrund von unseren augenscheinlich ähnlichen Erlebnissen, Draco näher als meinen Freunden.

„Wo warst du denn? Ich musste alles ohne dich machen!“, nervte Ron sofort quengelig los.

„Sorry, hab dich aus den Augen verloren, aber du hast deine Aufgabe sicher gut gemacht! Hallo Neville, Luna wie waren eure Ferien?“, fragte ich ablenkend. Neville saß in seinem Sitz Ron gegenüber. Er sah gut aus, hatte einiges an Gewicht verloren. Er sah jetzt definitiv besser aus und hielt auf seinem Schoss eine potthässliche Topfpflanze.

„Sie waren schön, danke Hermione, dass du fragst. Ich habe diesen tolle Mimbulus Mimbeltonia, zum Geburtstag geschenkt bekommen, das ist eine ganz tolle Pflanze!“, erzählte er sehr aufgeregt und enthusiastisch, aber in diesem Moment, als wir uns alle dieses Ding aus der Nähe anschauten, da Neville sie uns hinstreckte, beschloss die Pflanze sich angegriffen zu fühlen und beschoss uns alle mit einer Ladung eines ekelig stinkenden, grünlichen Saftes.

„Bäahhh…“, erschallte es. „Igitt, wie ekelig!“, und das war es wirklich.

„Oh,… Entschuldigung, das tut mir so leid!“, stotterte er beklommen, dabei wurde er knallrot im Gesicht. Alles schien sich doch nicht geändert zu haben, dachte ich resigniert, da er beschämt und schüchtern wie immer auftrat. Ich zuckte zurück wie alle in unserem Abteil instinktiv zurückwichen. Auweia! Das hatte weh getan, diese abrupte Bewegung hatte gefährlich an meiner Naht geziept, hoffentlich war nichts passiert. Und da konnte ich aus dem Augenwinkel wahrnehmen, wie Cho Chang gerade in unser Abteil geschaut hatte und sich jetzt schnell, peinlich berührt zurückzog. Dieses Mädchen war schon immer komisch gewesen. Ich wusste nicht, was Cedric damals an ihr gefunden hatte. Und was Harry an ihr fand, hatte sich mir auch noch nicht so ganz erschlossen, aber selbst ich war zu der Erkenntnis gelangt nicht alles wissen und verstehen zu können, oder auch zu wollen.

Ach armer Harry, er tat mir so leid in dieser Hinsicht, da er einfach zu schüchtern war, wenn doch Sirius nur ein paar Jahre eher mit Harry zusammengelebt hätte, wäre dieser heute bestimmt der Casanova der Schule, aber so war er sehr unsicher und Ron war ihm in dieser Hinsicht bestimmt keine Hilfe. Und meine Hilfe konnte ich Harry auch nicht wirklich anbieten, wenn ich nicht wollte, dass er von meinen bisherigen Affären erfahren würde und sahen wir mal alle den Tatsachen ins Auge, meine Liaison mit Sirius würde er nie und nimmer gutheißen und von Snape wollte ich mal gar nicht reden, das wusste der schließlich nicht mal selbst. Was für ein Wirrwarr.

„Macht doch nichts Neville, alles halb so schlimm“, tat ich sein Missgeschick lässig ab und zog meinen Schulzauberstab, dann sprach ich einen starken Reinigungszauber auf das Abteil und uns und schon war das Schlamassel behoben. Wofür waren wir schließlich Zauberer und Hexen.

Ich verabschiedete mich, verwies auf meine Pflichten, da ich ein ungutes Gefühl hatte, als wäre bei der zurückweichenden Bewegung doch irgendwas gerissen! Ich musste nachsehen und auf dem Weg kam ich am Abteil der Twins vorbei und da dachte ich mir, schlage doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn ich brauchte bei einer ganz bestimmten Sache ihre Hilfe. So trat ich zielstrebig vor ihre Abteiltür und schaute in das Innere. Ich konnte sie, Lee, Alicia und Angelina sehen. Alle schienen sich großartig zu amüsieren, da die Twins ihnen viele ihrer neuen Produkte vorführten, wobei mir der leicht biestige Blick, den Fred Angelina schenkte, durchaus auffiel. Tja, diese traute Runde würde ich nun unterbrechen. Ich hob die Hand und klopfte bestimmt an das Glas, machte ein ernstes, missbilligendes Vertrauensschüler-Gesicht über diese sogenannten Scherzartikel der Red Devils.

Sofort hoben alle alarmiert den Kopf. Die Twins atmeten erleichterte aus, als sie mich wahrnahmen, da sie wussten, von mir hatten sie nichts zu befürchten, aber die anderen kannten mich nicht wirklich gut und sahen leicht ängstlich zu mir, da mir ein sehr regelgetreuer Ruf vorauseilte. Ich stand noch immer vor der geschlossenen Tür und schaute eindringlich, wartend zu den Twins. Den Zeitpunkt als es bei ihnen Klick machte konnte ich richtig regelrecht erkennen, da ihre Augen sich weiteten, dann sprangen sie gleich auf und sagten irgendetwas zu ihren Freunden und gestikulierten wild. Ich trat zurück und wartete. Sie traten mit ungewohnt ernsten Gesichtern auf mich zu und ich zuckte wortlos mit dem Kopf und so folgten sie mir. Wir bahnten uns unseren Weg an den Schülern vorbei, was mühselig war, da die meisten Türen offen waren und die Wiedersehensfreude bei vielen riesig, wie es schien, staute es sich gefährlich im Gang und wir mussten warten.

„Was gibt es Schönste, ist etwas passiert?“, fragte George besorgt, leise flüsternd.

„Ich brauch euer Hilfe, meine Red Devils!“, bat ich genauso auf eine wispernde Stimme bedacht.

„Erfahren wir dann auch was gestern passiert ist? Was hast du wieder böses angestellt, Schönste?“, erst jetzt fiel mir auf, das wir diese kompromittierende Unterhaltung genau vor dem Slytherinabteil geführt hatten. Besorgt blickte ich hinein und traf auf interessiert schauendes Hellgrau. Mist, da hatte er mal gleich mitbekommen, dass ich mit den Twins vertrauter war als alle dachten. Ich musste vorsichtiger sein. Ich nickte unwirsch und führte sie gezielt weiter zu den Toiletten und winkte sie in das große und zum Glück leere Vertrauensschüler-Toilettenabteil.

„Puh, der Zug wird auch immer mehr zu einem Tollhaus!“, meinte Fred affektiert und wischte sich eine vorwitzige, rote Strähne aus seinem sommersprossigen Gesicht.

„Wer daran wohl schuld hat!“, meinte ich hämisch resigniert, was mir ein strahlendes Grinsen von beiden einbrachte. „Unsere Produkte sind gut, oder?“, kam es selbstgefällig von ihnen und sie klatschten sich gegenseitig ab.

„Dass ihr kleine Erfindergenies seid, wisst ihr doch selbst!“, bescheinigte ich ihnen und lehnte mich erschöpft an die Wagonwand. „Ich muss euch um einen Gefallen bitten, der keinen Aufschub duldet.“

„Schönste, immer, du musst nie bitten, du nie! Wir würden alles für dich tun“, sagte Fred hochtrabend, aber er meinte es durchaus ernst und deswegen lächelte ich ihn dankbar an.

„Ich brauche die Karte der Rumtreiber, bittet Harry sie euch heute Abend zu leihen“, bat ich mit müder Stimme.

„Wa… geht klar, ist so gut wie erledigt“, hatte George sich seine Neugierde gerade noch verkniffen.

„Ich muss eine kleine Veränderung an ihr vornehmen und bei euch mach ich dasselbe, das seht ihr dann heute Abend. Treffen um ein Uhr morgens im Gemeinschaftsraum?“, fragte ich nach.

„Zu Befehl, my Lady!“, salutierte Fred, der Spaßvögel, vor mir und entlockte mir ein kleines Lächeln.

„Sagst du uns jetzt, was gestern los war? Die Elster, das warst doch du! Oder? Nun, du bist Sirius' Geliebte und nennst ihn doch Casanova, auch wenn wir deine Stimme nicht erkannt haben“, plapperte George nervös und mit einem unglücklichen Gesichtsausdruck. Nur ob ich ihnen alles sagen wollte, war so eine Sache.

„Ich wusste schon immer, dass ihr gut kombinieren könnt, ja alles richtig!“, erklärte ich und hoffte, dass ihr Verhör bald vorbei war, denn meine Wunde ziepte gefährlich.

„Wow, großartig! Du kannst einen Patronus, voll krass, den lernen wir erst dieses Jahr im Unterricht!“, meinte George begeistert und beeindruckt.

„Lieb von euch, lasst uns heute Nacht weiter reden, sonst wundern sich eure Freunde wo ihr bleibt und denken ich bestrafe euch bis zum Schulende mit Strafarbeit!“, meinte ich abwehrend, da ich immer mehr ein unangenehm nasses Gefühl auf meiner Haut hatte und die Gunst nutzte ihnen nicht alles erzählen zu müssen. Beide nickten mir zu und verzogen sich winkend. Jetzt stand ich allein in der Vertrauensschülertoilette und atmete tief durch, trat an die Waschtische, über denen ein Spiegel hing, und zog mir mein Kleid hoch. Ich streifte es mir ab, so dass ich nur noch meine schwarze Unterwäsche und den Seidenschal trug. Um meine komplette Mitte wand sich ein strahlend weißer Verband. Ich betrachtete mich forschend im Spiegel und drehte nun leicht meinem Körper um mich im Spiegel von der Seite ansehen zu können und siehe da, wo die Naht sitzen musste, verfärbte sich das Weiß des Verbands rot. Shit, die Wunde war etwas aufgerissen. Ich würde das jetzt flicken müssen, denn die Fahrt würde noch fast fünf Stunden dauern und dann noch das Festessen, bis ich dann bei Snape war… hätte ich zu viel Blut verloren, vor allem da ich nicht wusste, wie schlimm es war. Ich schnaufte ärgerlich auf, war ja so klar gewesen, dass das mir passieren musste. In diesem Moment schlug die von mir magisch verschlossene Tür mit einem lauten Knall auf.

Ich keuchte auf, denn das durfte niemand sehen. Ich meinte den Verband, die Verletzung und ja, auch dass ich hier fast nackt stand!

Wer?

Unglaublich, ich riss mir mein vor mir auf dem Waschtisch abgelegtes Kleid schützend vor meinen Körper und drehte mich vom Spiegel weg, dann blickte ich empört zu dem Eindringling. Jetzt trat der Störenfried selbstgefällig ein, warf mir einen kalkulierenden Blick zu, erfasste die Situation, dass ich mehr oder weniger Unbekleidet war und reagierte schnell, indem er die Tür schloss und wieder magisch versiegelte. Als nächstes trat er mit einem wirklich schrecklich fiesen, überheblichen und überlegenen Lächeln auf mich zu.

„Granger, Granger, dass du dir gleich dein Kleid für mich vom Körper reißt, hätte ich jetzt echt nicht erwartet“, zog er mich spöttelnd auf.

„Malfoy!“, zischte ich stockwütend.

„Hey, was ist mit… Draco!“, beschwerte er sich nicht ernsthaft, sondern eher gehässig und machte sich über mich lustig.

„Leck mich!“, fauchte ich wütend.

„Ein Mudblood, nein danke!“, näselte er überheblich und warf eine seiner blonden Strähnen arrogant zurück.

„Hattest du hier was mit den Feuermeldern am Laufen?“, fragte er gar nicht neugierig und betont neutral, dabei trat er interessiert immer näher.

„Verschwinde! Hältst du keine fünf Minuten mehr ohne mich aus?“, versuchte ich ihn zu reizen.

„Denk nicht dran“, erwiderte er und zeigte mir dabei seine gefletschten Zähne. Ich ließ den Kopf deprimiert sinken. Mussten alle Slytherins dieser Welt mich fast nackt sehen? Zuerst Snape, nun Draco, jemand da oben musste mich echt hassen. Ich presste mein Kleid vor meinen Brüsten fest an mich und tat mir einfach leid.

„Wenn du nicht sofort freiwillig verschwindest, verpass ich dir einen Obilviate, ich mein das ernst!“, drohte ich nun bösartig und aggressiv und hob ihm meinen eiskalten Blick entgegen.

„Oh, als würde die Gryffindor-Prinzessin so gegen die Regeln der Schule verstoßen!?“, zeigte er sich süffisant.

„Versuchs?“, meinte ich provozierend und zeigte ihm ein eiskaltes Lächeln. Er erstarrte kurz, schien zu überlegen ob er mich unterschätzte. Oh ja mein Lieber, das tust du. Du hast keine Ahnung zu was ich fähig war, oder vielleicht doch? Ich fand ihn heute sehr schwer einzuschätzen. Dann fiel sein Blick in den Spiegel, in meinem Rücken und seine Augen weiteten sich vor Überraschung und wurden groß.

„Scheiße Granger, du blutest. Ich hatte also doch Recht, du hattest Schmerzen!“, klang er von einer Sekunde auf die nächste ganz anders. Ich sah ihn absolut überrumpelt an. War das da Sorge, die aus seiner Stimme zu hören war? Nun war ich mehr als perplex! Ich war verwirrt? Wo war der Eisprinz von Slytherin hin? Wo die überhebliche Arroganz?

„Als würdest du mir damit was Neues erzählen“, meinte ich trocken. Jetzt hatte er gesehen was ich absolut nicht wollte, dass er es sah. Er hatte nun alles Spielen aufgegeben und war rasch auf mich zugetreten, stand direkt, unglaublicherweise besorgt aussehend, vor mir.

„Dreh dich um!“, forderte er in einem ernsten, fast fürsorglichen Ton, wie ich es noch nie von Malfoy gehört hatte.

„Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass ich dir den Rücken zudrehe, damit du mir ein Me…“, ich schluckte den Kloß herunter, das hatte ich wohl doch noch nicht so souverän verarbeitet. Denn das Wort Messer hatte ich dann doch nicht aussprechen können, ohne dass die Bilder in der Gasse wieder sehr präsent in meinem Geist auftauchten.

„Granger, es ist zwar unter meiner Würde als Malfoy, aber ich verspreche, ich werde nichts versuchen, um dich zu verletzen!“, bot er mir ernst an und zu meinem Entsetzen sagte mein Instinkt, dass ich ihm glauben konnte.

„Und wenn ich es nicht tue?“, gab ich nicht so leicht auf, denn unsicher war ich trotzdem. Er stieß ein Schnauben aus. „Ich glaube nicht, dass Potter und Wiesel wissen, dass du… das hier hast! Was glaubst du denken sie, wenn ich jetzt zu ihnen geh und von dem hier berichte?“, meinte er erpresserisch provozierend, dabei deutete abwertend auf den Siegel in meinem Rücken und erpresste mich eiskalt.

„Dann schneidest du dir ins eigene Fleisch! Du zusammen auf der Toilette mit dem Mudblood“, hielt ich dagegen. „Was machst du überhaupt hier?“, er verzog sein Gesicht, als hätte er etwas schlecht Riechendes unter seiner edlen, feingeschnittenen Aristokratennase.

„Was wohl, nach dir schauen? Was mich interessiert ist, was du mit Wiesels Brüdern so alleine wolltest?“, bekannte er seine Neugierde, aber auch ein ungeduldiger Zug hatte sich in seiner Mimik gegraben.

„Und schlauer…?“, fragte ich stichelnd.

„Nein, noch neugieriger!“, kam es rau von ihm und das bescherte mir doch glatt eine Gänsehaut.

„Dürfen Malfoys das sein? Neugierig, das passt nicht zu der gleichgültigen Maske“, kam es sehr sarkastisch von mir. Nur mit meinem Kleid vor meiner Brust fühlte ich mit etwas deplatziert, so unterlegen, vor ihm hier, dem Chef des Hauses Slytherin, denn das war er, leider.

„Muss ja nicht jeder mitkriegen!“, grinste er nun überlegen, süffisant.

„Ach, aber ich darf?“, ich riss geschockt die Augen auf. Zuerst gab er zu, dass Pansy und Doof nicht wirklich helle waren und nun erklärter er, dass er durchaus neugierig sei. Was war geschehen, dass ihn augenscheinlich so verändert hatte, oder wer? Jetzt war ich neugierig!

„Granger, du kannst zwar versuchen mich zu Tode zu quatschen, das wird aber nicht verhindern, dass du dich umdrehst!“, kam es entscheiden von ihm, dabei hatte er sich drohend aufgerichtet. Er streckte die Brust raus. Seit wann war er so groß? „Hab Vertrauen…“, meinte er plötzlich in einem anderen, einem einfühlsamen Ton und ich bekam große, ungläubige Augen. Dies aus Dracos Mund!

Das… was war das? Ein Zugeständnis an meine Angst? Hab Vertrauen! In einen Malfoy?

Das war nicht Malfoy, oder doch? War er das vielleicht eigentlich schon immer gewesen? Das war ein interessantes Rätsel, wenn es nicht gerade auf meine Kosten gehen würde! Ich stelle mich nun gerade hin. Warum musste ich immer reagieren, wenn mich jemand herausforderte, an meinen Mut appellierte tapfer zu sein? So war ich immer noch mit meinem Kleid bewaffnet und drehte ihm schwungvoll meinen Rücken zu. Das war wirklich eine Überwindung für mich, besonders da er kein Freund war… eigentlich der Feind.

„Na bitte, war doch gar nicht so schwer…“, murmelte er erstaunlich zufrieden. Ich konnte ihn hinter mir im Spiegel aufragen sehen. In der relativ tristen Umgebung leuchtet sein weißblondes Haar wie eine helle Sonne. „Dann schauen wir mal. Ich werde den Verband nun abnehmen“, informierte er mich ungewohnt fürsorglich. Ich legte nun beide Hände geschlagen an den Waschtisch und beugte mich ergeben leicht vor. Mein Kleid sank damit herab, doch das war mir grad egal. Ich stand vor Draco Malfoy in Höschen und BH im Hogwarts Express. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passieren konnte? Die nächste Frage war, würde ich dies zu meinem Vorteil nutzen können, oder würde nur Draco aus dieser Situation und dem Wissen hiervon Nutzen ziehen?

Hey, er war ein Slytherin. Aber ich hatte mich geschlagen gegeben, denn es schmerzte schon sehr und ich musste endlich versuchen den Schaden zu beheben, also begann er den Verband abzuwickeln. Er war unerwartet sanft und zu meinem Erstaunen zeigte er keine Scheu mich zu berühren, bis der Verband von meinem Körper glitt.

„Wow Granger, was hast du da gemacht, das sieht echt fies aus,… falls es dich interessiert, es ist an der Naht ein bisschen aufgeplatzt“, beschied er erstaunlich unberührt von meiner Wunde. Ich reagierte mal so was von nicht, denn ihm würde ich nichts sagen, pah! Ich verkrampfte mich, da ich den Instinkt stark unterdrücken musste meine Waffen zu ziehen und ihn anzufallen, als er aus seiner Jacke seinen Zauberstab zückte und damit auf die Wunde in meinem Rücken zielte.

Er begann dieselben Heilsprüche wie Snape zu rezitieren, nun war mir so was von klar wer ihn ausbildete. Ich würde meine Unterwäsche darauf verwetten, dass der Liebe Professor seinen kleinen Liebling in den Ferien unterrichtete. Und anscheinend schien Snape auf Draco abzufärben. Er versteckte es zwar gut hinter seinen Masken, aber so wie er mir jetzt hier half, erinnerte er frappant an Snape und dieser war zwar ein Death Eater, aber kein ganzer, oh ja, da gab es mit Sicherheit Abstufungen und diese schienen dank des Einflusses vom Professor bei Draco Wirkung zu zeigen. Wobei ich mir nicht anmaßte, zu denken, dass ich wusste wo Malfoy Senior stand. Als Draco seine Arbeit gewissenhaft beendete, hatte sich ein leichter Schweißfilm auf seiner Stirn gebildet, denn heilen strengte immer an und ich selbst war dankbar, dass die schmerzhafte Anspannung etwas aus meinem Körper wich. Also beschwor er neues Verbandszeug und legte es mir wieder erstaunlich zärtlich an. Bis jetzt war kein Wort mehr zwischen uns gefallen. Als er mich fertig verbunden hatte, trat er einen Schritt zurück und betrachtete meine Kehrseite interessiert. Ich drehte mich immer noch nicht um, sondern sah ihn weiter im Spiegel an.

„Danke, Draco!“, hauchte ich und leckte mir über meine mittlerweile trockenen, spröden Lippen. Das war gar nicht einfach.

„Willst du dich nicht umdrehen, Granger?“, er wirkte vollkommen gleichgültig, wie er da stand mit verschränkten Armen vor mir. „… oder hast du Angst…?“ Er tat es schon wieder, er forderte mich heraus. Mist, bei so was würde ich mich natürlich umdrehen, denn wofür sollte ich mich schämen? Er sah nichts was er nicht kannte und ich war immer noch genügend verhüllt. So würde ich mir schnell mein Kleid überstreifen können, dann wären wir wieder gleichgestellt, ja genau, guter Plan. Ich drehte mich um, mein Kleid im Anschlag, stand ihm nun Angesicht von Angesicht gegenüber und zog unter seinen interessierten Blicken mein Kleid über den Kopf. Als ich wieder auftauchte, zierte sein Gesicht ein fettes Grinsen seine Augen glitzerten belustigt.

„Du bist echt lustig, Granger. Glaubst du wirklich, ich würde dir was abschauen, einem Mudblood?“, feixte er süffisant.

„Ja, natürlich, du bist ein Mann! Pure-, Half-, Mudblood oder Muggel, so lange sie die Beine breit machen können, ist euch das doch im Grunde völlig gleich, sei realistisch!“, meinte ich desillusioniert hart, da dies meine wirkliche Meinung war. Er zeigte ein überraschtes Gesicht über meine pessimistische Einstellung.

„Das kling hart und ordinär!“, kam es verächtlich von ihm, dabei tippte er sich überlegend mit dem Zeigefinger auf seine Lippen. „Aber ich bin bereit dir… mhmh zuzustimmen, das vorhin im Abteil hat schon mein Interesse geweckt, jetzt das hier erst Recht! Hast du dein Angebot vorhin ernst gemeint?“, fragte er ehrlich meinend nach und schenkte mir einen unerwartet offenen Blick aus seinen hellgrauen Augen.

„Natürlich, das Angebot steht und auch du weckst mein Interesse gerade von Sekunde zu Sekunde mehr!“, gab ich offen zu.

„Dann ist es ja gut! Wirst du mir sagen, was das da verursacht hat?“, fragte er kalkulierend mit skeptisch erhobener Braue.

„Mhm nein, ich denke nicht, oder noch nicht! Ich weiß nicht, kann ich dir vertrauen?“ Slytherins taten nichts umsonst, es ging immer um den Austausch, ganz nach dem Motto, gib du mir was, ich gebe dir was.

„Du weißt jetzt etwas von mir was keiner weiß und wissen darf, nun bist du dran, gib mir etwas, was keiner weiß! Etwas, was mir zeigt, dass auch du mir vielleicht bis zu einem gewissen Grad traust“, bot ich ihm an. Dass wir uns so schnell auf eine Basis zubewegen könnten, hätte ich nicht gedacht, aber eventuell suchte auch er jemanden, der besser und mehr verstand als die anderen. So sehr mich auch die Erkenntnis entsetzte, aber irgendwie herrschte jetzt schon eine Art stillschweigendes Verstehen zwischen uns, das ich nie für möglich gehalten hätte.

Wir blickten uns plötzlich richtig tief in die Augen. Braun traf auf Grau, unsere Blicke verhakten sich ineinander! Es zog mich wie in einem Strudel immer tiefer und tiefer hinein, bis es mir vorkam, als würde ich seine Seele sehen, so dass ich die verbogensten, geheimsten Gefühle sah und plötzlich war es so, als würde ich ein aufrichtiges, ernsthaftes Verständnis erkennen. Wir waren uns ähnlich. Wir verstanden einander. Ihm schien das gleiche bei mir passiert zu sein. Das Erstaunlichste war, wir hatten keine Legilimentik verwendet, es war auch nicht das durchsuchen und ausspionieren des Geistes, nein es war das Erkennen einer gleichen, ähnlichen Seele.

Draco riss ruckartig sein Gesicht weg, unterbrach den Blickkontakt abrupt und somit auch diese tiefe Verbundenheit. Er hatte einen absolut entgeisterten Ausdruck, richtiggehend geschockt. Auch ich musste aussehen wie eine totale Idiotin, nachdem er den Kontakt so rüde unterbrochen hatte, lehnte ich mich erschöpft mit meinem Hintern an das Waschbecken. Was war hier passiert? Das war Draco Malfoy!

„Tja, beweg dich nicht ruckartig Granger, man sieht sich Mudblood!“, meinte er selbst noch etwas unsicher, dann wandte er sich jäh ab. Oh, er war gut, denn innerhalb von Sekunden hatte er sich gefangen und war wieder der eiskalte, gleichgültige Schönling.

„Danke Pureblood!“, dass ich aber auch immer das letzte Wort haben musste, nicht nur du bist gut!
Als ich wieder alleine war, drehte ich mich wieder zum Spiegel und betrachtete mein Gesicht. Erstaunlich, es sah völlig normal aus, keine roten Wangen, auch sonst nichts was auf diese peinliche, ungewöhnliche Situation hindeuten hätte können. Ich fand mein Gleichgewicht wieder und begab mich erneut durch den viel zu hellen, viel zu lauten Zug. Eine neunstündige Zugfahrt zog sich echt ewig. Ich hatte die restliche Zeit lesend in unserem Abteil verbracht, aber so langsam näherten wir uns dem Ziel. Alle begannen nun sich ihre Uniformen anzuziehen. Als sich auch schon die Abteiltür öffnete und der jährliche Besuch von Malfoy bei Harry anstand, er schenke mir ein schnelles Lächeln und legte los.

„Ah, wie ich sehe haben es Potter und das Wiesel wieder nach Hogwarts geschafft, schade!“, vor Unglauben hätte sich beinahe mein Mund geöffnet. Zum Glück war ich sehr beherrscht und diszipliniert, aber Draco hatte es gerade sein lassen und mich nicht mit beleidigt.

„Verzieh dich Malfoy, du bist hier nicht erwünscht“, hisste Harry böse.

„Ja, hau ab!“, meinte Ron aggressiv und wollte aufstehen.

„Ruhig Blut, ihr heißblütigen Gryffindors bin schon weg, aber glaub bloß nicht, dass ich dir nicht auf den Fersen bleibe, wie ein Hund, Potter!“, spuckte er Harry zu und ließ unser Abteil in einem erstarrten Schweigen und geschockte Gesichter zurück. Ich hob ruhig eine Braue und sah ihn fragend an und er schenkte mir ein knappes Nicken, was keiner bemerkte.

Ich verstand, dass er uns sagen wollte, dass Lucius, Sirius' Hundeanimagusform erkannt hatte. Das hatten anscheinend Harry und Ron auch richtig kombiniert, da beide mit blassen Gesichtern entsetzt schwiegen, aber sie konnten nicht wissen was Draco mir damit wirklich sagen wollte. Er hätte uns das nicht sagen müssen, dass sein Vater Sirius anscheinend auf dem Bahnhof erkannt hatte.

Er kam mir entgegen, Draco Malfoy kam mir, Hermione Granger, entgegen und nahm mein vorhin ausgesprochenes Angebot an. Er gab etwas, was nur er wusste, nun an mich weiter und zeigte mir dadurch ein klitzekleines bisschen Vertrauen. Er würde eines Tages vielleicht ein guter Machiavelli sein. Dieser Hickhack machte Spaß. Er gab mir was in die Hand, ich gab ihm was in seine. Schön, anscheinend waren wir im Spiel. Mit Snape war es ganz anders. Hier, bei Draco, fühlte ich mich eher gleichberechtigt. Draco und ich standen uns ebenbürtig gegenüber. Wo ich bei Snape stand oder eher stehen konnte, wusste ich noch nicht, dort war er aber eindeutig der Anführer.

Aber dafür würde ich ihm, also Draco, so bald wie möglich persönlich danken, denn diese Info mussten wir an Sirius weitergeben. Es bedeutete, dass er als Hund auch nicht mehr auf den Straßen sicher war. Schon schloss sich die Abteiltür geräuschvoll und weg war er.

„Boah, was bildet sich dieses eingebildete Frettchen nur ein?“, wütete Ron.

„Äh, ich glaube…Sirius…“, meinte Harry unsicher und schluckte schwer.

„Ja, vollkommen richtig, ich denke die Malfoys haben Sirius auf dem Bahnsteig erkannt, spätestens jetzt müssen sie von Wormtail erfahren haben, dass Sirius ein Hund ist und bewusst oder unbewusst Malfoy hat uns gerade gesagt, dass sie es wissen! Harry, wir müssen Sirius sofort sagen, dass er in seiner Animagusform nicht mehr sicher ist und wirklich immer im Haus bleiben muss!“, fasste ich schnell alles zusammen. Ron starrte mich mit offenem Mund erstaunt an. Er hatte Ähnlichkeit mit einem Fisch, nicht ansprechend und Harry war immer noch sehr blass, nickte aber bestätigend.

„Ich werde noch heute Hedwig zu ihm schicken!“, meinte er bestimmt und schon mussten wir uns erheben und den Zug verlassen, denn nach endlosen neun Stunden Zugfahrt waren wir endlich in Hogsmeade angekommen.

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