Eisessen in Rom

Ich zog mich an und ging zurück in die Küche. 150 gramm Pasta sollten reichen. Notfalls hätte ich mir noch was außerhalb gekauft. Während die Pasta kochte ging ich ins Bad und bei einem Blick in den Spiegel erinnerte ich mich, was ich heute eigentlich vorgehabt hatte. Der Friseurbesuch. Meine Haare waren mal wieder total zerzaust, nicht zu bändigen. Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare und versuchte sie in Ordnung zu bringen. Nichts half. Also lies ich sie wie sie waren. Rasieren? Darauf hatte ich auch keine Lust, aber ich holte meine Maschine und versuchte wenigstens die Konturen etwas zu korriegeren.

Mist, die Pasta war zu weich. Ich schmiss sie schnell in den Sieb, kippte die Soße dazu und aß sie trotzdem . Das mit dem Multitasking musste ich nochmal üben.

Letzter Gang ins Bad und ich sprühte mir etwas Aftershave ins Gesicht.

Geldbeutel, Schlüssel, Handy und „Ding dong“ schon klingelte es an der Tür. 20:50. Ale war zu früh dran. Alle Italiener kamen immer zu spät, nur er nicht. Er kam immer zu füh. Ich musste grinsen. Hoffentlich passierte das nicht auch im Bett.

„Du bist ja schon fertig“ rief er aus, als ich die Tür öffnete. „Und du mal wieder zu früh“ antwortete ich. „Ich hatte nichts mehr zu tun und bin halt einfach los, rumsitzen macht auch keinen Sinn.“

Seine blonden Haare sahen schlimmer aus als meine, sie reichten ihm bis zum Kinn und waren von der Sonne geblichen. Er hatte einen Friseurbesuch sicher dringender notwendig als ich, aber die Frauen standen drauf. Er hatte einen Haargummi um sein Handgelenk. In letzter Zeit hatte ich ihn oftmals mit zusammengebundenen Haaren gesehen. Es war gewöhnungsbedürftig gewesen. Männer mit langen Haaren waren schon merkwürdig, Männer mit Zopf noch mehr. Aber ihm stand es.
Er trug eine zerrissene schwarze Jeans und ein blaues Poloshirt darüber. Seine vielen Lederarmbänder, die er während seinen vielen Urlauben gesammelt hatten, zierten sein rechtes Handgelenk. „Gehen wir?“ fragte ich. „Klar, Franziska hat gemeint, sie sei fast fertig. Aber so wie ich die Frauen kenne, bedeutet das, dass sie in einer halben Stunde fertig ist“ grinste Ale.

Wir liefen 10 Minuten, quatschten über das morgige Training und Giorgio rief in der Zwischenzeit an. Er sei unterwegs. Ich erinnerte ich an meine Lederjacke. Die hatte er Anna geliehen. Na toll. Wo lebte Anna eigentlich, fragte ich Ale. „Achja, sie ist momentan Gast bei Franziska. Also bei Julia“ „Aha, na dann weiß ich wenigstens wo ich meine Jacke wieder finde“.

Wir hielten vor einem großen, eleganten typisch italienischen Haus. Nein, kein Haus, eine große Villa mit Palmengarten. Ein ordentlicher wunderschöner Garten. Er erinnerte mich an den Garten wo Julia früher wohnte. Dieser war jedoch organisierter und kleiner. Ob sie dort wohl Hühner und Hasen hatte? Ich sah nicht den gesamten Garten, nur einen Teil davon. Als Ale klingelte hörten wir lautes Bellen. War es Runa? Nein, unmöglich, so alt konnte ein Hund doch nicht werden.

Ale grinste mich an, dachte er das Gleiche? Das Tor öffnete sich und uns sprang ein nicht mehr ganz so schwarzer Hund aufgeregt entgegen. Er wedelte glücklich mit dem Schwanz und beschnupperte uns.  „Runa“ versuchte es Ale und der Hund wedelte noch stärker mit dem Schwanz. Wir grinsten uns an, sie war es wirklich. Dann war sie mittlerweile 15 Jahre alt. Trotz ihres hohen Alters schien der Hund noch sehr aktiv und aufmerksam. Sie begleitete uns bis zur Tür und wartete brav, dass jemand öffnete. Mein Herz klopfte schneller, ich konnte es nicht glauben. Ich stand, wie auch vor 15 Jahren vor Julias Haustür. Das Haus war in einem hellen Gelbton gestrichen, hatte große schöne Fenster mit Marmorsims und eine beeindruckende große weiße Haustür aus Holz. Auf der Veranda standen zwei kleine Sofas mit weichen bunten Kissen und einem Tisch. Viele Rosensträucher wuchsen in diesem vorderen Teil des Gartens. „Ich komme“ rief Franziska aus dem Fenster in Englisch. Ale winkte ihr glücklich zu und setzte sich auf eines der Sofas. Ich fühlte mich etwas unbeholfen und wusste nicht so recht was ich machen sollte, ich wollte mich aber nicht hinsetzen. Zu groß war die Hoffnung, dass Julia jeden Moment vor der Türe stehen könnte. „Beruhig dich, wahrscheinlich ist sie gar nicht da“ sagte Ale kurz darauf. Blödmann. Wieso konnte er mich so gut durchschauen. „Wer?“ fragte ich scheinheilig. Ale schmunzelte, ich sah weg und hörte wie die Türe sich öffnete. Mein Herz stand kurz still, ich drehte mich um und sah hoffnungsvoll zu Tür.

Blond war sie, ja, aber es war Anna. Fertig angezogen aber wohl ungeschminkt. Nicht schlecht, dachte ich. Ohne Schminke gefiel sie mir eindeutig besser. „Ich muss mich noch schnell fertig schminken und komm gleich wieder. Franzi ist gleich unten“ sagte sie hektisch und rannte wieder ins Haus. Tja, das war’s dann wohl mit dem „ungeschminkt“. Was hatte sie eigentlich an? Es war mir nicht wirklich aufgefallen, zu sehr dachte ich an die bevorstehende Begegnung. Ich hatte versucht ins innere des Hauses zu blicken, sie hatte die Tür sperrangelweit offen gelassen. Ich versuchte etwas zu sehen aber sah nur den großen Gang der zu einer großen Wendeltreppe führte und in einem großen Raum endete. War das das Wohnzimmer? Die Küche? Rechts und links waren Türen aber man konnte nur erahnen, was sich dahinter befand.

Im Gang stand eine weiße Kommode mit einer großen schwarzen Schale, ein Kleiderständer und ein hoher Schrank im selben Stil der Kommode. Es sah nach Ikea aus aber ich war mir da nicht so sicher. Ich hatte meine Wohnung fast ausschließlich mit den schwedischen Modemöbeln eingerichtet. Günstig, praktisch und qualitativ in Ordnung. Mehr brauchte ich nicht.

Ich wartete, Alex grinste weiter vor sich hin. „Was?“ fragte ich Ale. „Ach nichts, ich muss nur daran denken, als wir manchmal gemeinsam vor Julias Tür standen und warteten, dass sie uns aufmachte. Da warst du immer genauso nervös wie jetzt gerade.“ „Blödsinn“

Er lächelte. „Ach komm, ich war dabei. Ich weiß wovon ich rede“ .

Ich ignorierte ihn und setzte mich letztendlich auf das gegenüberliegende Sofa. Das konnte ja noch dauern. Ich strich mir über den ungewohnt langen Bart und dachte nach. Wieso war sie nicht da? Wieso hatte sie nicht geöffnet? Ale beobachtete mich, es war mir unangenehm, aber Gedankenlesen konnte er glücklicherweise nicht.

„Here I am baby“ rief Franziska glücklich und wenige Sekunden später kam auch Anna dazu.

Sie waren beide sehr gut gekleidet. Franziska trug einen kurzen enganliegenden Hüftrock mit einem weit ausgeschnittenen Top. Hohe schwarze Riemchensandalen. Sie war stark geschminkt, ihre Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden. In der rechten Hand hielt sie eine pinke Tasche, die so gar nicht zu dem Outfit passen wollte. Aber dann fiel mir ihr pinker Lippenstift auf und ich wusste, warum sie die Tasche ausgewählt hatte. Meine Schwester tickte da genauso. Sie lief sofort zu Ale, küsste ihn auf dem Mund noch bevor er aufstehen konnte und stöckelte dann zu mir. Küsschen rechts, Küsschen links. Ganz so wie die Italiener. Sie hatte es sehr schnell gelernt und doch war sie erst seit zwei Wochen in Rom.

Ihr Perfüm war mir, wie schon am Vorabend, zu stark. Es bereitete mir fast Kopfschmerzen.
Anna dagegen hatte ein langes dunkelblaues schulterfreies Kleid an, sie sah gut aus. Sie hatte sich wohl umgezogen, sonst wäre es mir sicherlich vorhin an der Tür aufgefallen. Ihr Make up passte sich perfekt der Farbe des Kleides an. Hohe Sandalen konnte man unter ihrem Kleid erahnen, sie war etwas größer als Franziska, sie ging mir mit den Schuhen bis unters Kinn. Ihre Brust war auffällig voll, wahrscheinlich trug sie einen dieser Push-up Bhs darunter. Diese Dinger waren die größte Enttäuschung für einen Mann, wenn er eine Frau auszog. Ich hatte schon viele dieser Dinger gesehen, aus einem vollen B Körbchen wurde meistens ein halb leeres A Körbchen. Ich fühlte mich manchmal ein wenig verarscht, aber was sollte man schon dagegen tun.

Julia trug manchmal gar keine Bhs, überlegte ich. Und schon wieder Fabio, super. Jetzt hör doch einfach mal auf. Vielleicht benutzte man damals einfach keine Push ups. Quatsch, die gab es damals genauso. Aber ich hatte mich oft dabei erwischt auf Julias Brust zu starren und erkannte ihre Brustwarzen unter ihrer Kleidung. Ihr Busen bewegte sich bei ihren Bewegungen fast immer mit, dadurch konnte ich auch erahnen, dass kein Bh unter ihren T-shirts war. Aber sicher war ich mir da nie.

Zurück zu Anna. Sie trug ihre Haare offen, sie waren lang, gingen ihr fast bis zur Hüfte. Nun erkannte ich auch ihre Haarfarbe besser. In der Bar war es zu dunkel gewesen. Anna war rotblond oder vielleicht doch eher kupferblond. Ihre blauen Augen waren schwarz umrandet, sie trug einen roten Lippenstift, der ihren vollen Lippen betonten. Eigentlich fand ich sie scharf, aber irgendwas störte mich, ich wusste nicht so genau was es war. Vielleicht lag es daran, dass ich sie noch kein einziges Mal hatte lächeln sehen? Auch jetzt standen wir uns gegenüber, ich lächelte sie an und begrüßte sie wie Franziska. Doch kein Lächeln kam zurück. Mein Handy klingelte „Wo seid ihr, ich warte hier auf euch“ Giorgio. „Ja, wir sind unterwegs“ antwortete ich ihm kopfschüttelnd. Er hatte wohl Angst, dass ich ihm das Spielzeug wegnahm.

Mit den Mädels auf den Hohen Sandalen wurde der 5 Minuten Weg zu einer fast doppelt so lange Tortur in der Anna sich an mir festhielt, um nicht umzuknicken und Franzi neben Ale vor sich hin stöckelte.

 

 

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