endlich Wochenende

Der Kochunterricht an sich ist gar nicht mal so schlecht, blöd ist nur, dass mich alle die ganze Zeit nachahmen.

Die Lehrerin scheint das nicht einmal zu bemerken und liest fröhlich ihre Zeitschrift, nachdem sie allen ein Rezept gegeben hat.

Zu meinem Glück brauche ich nur eine Partnerin.

Nur die Auswahl läuft ein wenig kompliziert ab.

Ich will eigentlich ein unscheinbares Mädchen nehmen, aber die Anderen regen sich furchtbar auf und am Ende losen sie es doch aus.

Ich kann nichts anderes machen als sprachlos daneben zu stehen.

Ein Mädchen, das einzige Mädchen wie mir scheint, dass eigentlich nicht meine Partnerin sein will, gewinnt.

Ich finde das toll, so bekomme ich wenigstens meine Ruhe.

Das Mädchen hat grüne Haare und ist ziemlich klein.

Irgendwie ist sie mir sympathisch.

Zudem ist sie wirklich gut in Kochen.

Heute wollen wir eine einfache Suppe kochen, leider habe ich gar keine Erfahrung im Kochen.

Die ganze Stunde über habe ich das Gefühl, dass mich jemand beobachtet.

Natürlich ist das auch so, denn hinter meinem Rücken beobachtet mich mein Gesamter Fanklub.

Zum Glück gehen die Stunden schnell vorbei und ich kann auch schnell genug verschwinden.

Sonst hätten mich die Mädchen sicherlich in mehrere Teile gerissen.

Nolan wartet auch schon am Auto auf mich.

„Da jetzt Wochenende ist, können sie so lange schlafen wie sie möchten. Essen gibt es allerdings nur zu den angegebenen Zeiten.“

Ich finde es schade, dass er wieder mit dem Siezen anfängt, nicke aber trotzdem.

Das Ganze, wirklich das ganze Wochenende über langweile ich mich.

Ich habe ja auch nichts weiter zu tun, also beschließe ich mich auf die Suche nach meinen Geschwistern zu machen.

Wenn ich Glück habe, sind sie alle so cool wie Helia. Ich hoffe es wirklich.

Unterwegs öffne ich jede Tür die sich öffnen lässt, aber ich treffe keines meiner Geschwister.

Einmal läuft mir eine kleine schwarze Babykatze über den Weg, aber mehr Lebewesen treffe ich nicht.

Als mir auch diese Sucherei langweilig wird, gehe ich wieder in mein Zimmer zurück.

Dort sitze ich aber auch nur faul rum.

Nach etwa einer viertel Stunde fasse ich einen Entschluss.

Ich gehe raus.

Die Landschaft ist perfekt für Spaziergänge. Rund ums Haus stehen Bäume, ein richtiger Wald ist es allerdings doch nicht. Hinter dem Haus, wo ich noch gar nicht war, ist ein wahrer Traumgarten.

Ich frage mich, wer den wohl angelegt hat, mein Stiefvater bestimmt nicht.

Und um meine Frage gleich zu beantworten kommt Nala auf mich zugelaufen.

Sie trägt heute nicht ihre Hexenkluft, wie ich sie nenne, sondern ein schlichtes graues Kleid. Ihre Haare trägt sie offen und unter ihrem Arm hat sie einen ganzen Korb mit frisch geernteten Früchten. Sie kommt freundlich Lächelnd zu mir und deutet hinter sich.

Ich verstehe was sie meint und gehe an ihr vorbei. Auf dem Boden liegt eine Picknickdecke und darauf sitzen drei Personen.

Franzi, Laila und noch ein Mädchen, dass mir aber unbekannt ist.

Sie hat lange rot- orange Haare und hat einen Blumenstrauß in den Händen.

Sie lächelt mich freundlich an.

Ich lächle zaghaft zurück und frage:

„Wer bist du?“

Sie lächelt schief und sagt dann mit einem leichten französischen Akzent:

„Mein Name ist Estelle und deiner?“

Einen Moment überlege ich ob ich mich als Angel vorstellen soll, doch dann denke ich an die Reaktion von Blue und entscheide mich dann aber doch für Magrit.

„Mein Name ist Magrit.

Was macht ihr hier?“

„Wir wollten eigentlich ein Picknick machen, aber wir sind nicht an den Kühlschrank gekommen. Also sitzen wir hier nur rum und reden ein bisschen. Willst du dich nicht zu uns setzen?“

„Eigentlich wollte ich ja spazieren gehen, also wenn es euch nichts ausmacht...“

Laila nickt verständnisvoll und Estelle steht sogar auf und zeigt mir den schönsten Weg.

 

Der Weg ist wirklich wundervoll... und die Landschaft erst, wie in einem Märchen. Die Bäume stehen dicht an dicht und es fällt nicht sehr viel Licht durch ihre Blätter, aber es reicht um den Weg erkennen zu können.

Ich werde richtig ruhig und je weiter ich gehe, desto besser scheint es mir zu gehen.

Ich achte gar nicht darauf wie weit ich gehe, noch achte ich darauf wo lang ich gehe.

Ich fahre erschrocken zusammen als von oben eine Stimme fragt:

„Wer bist du und was zum Teufel machst du hier?“

Erst weiß ich gar nicht das ich gemeint bin, aber wer denn sonst? Außer mir ist niemand hier.

Aber wer hat dann gesprochen?

Ich sehe nach oben und merke, dass ich wohl doch nicht so alleine bin wie ich dachte.

Oben auch einem dicken Ast sitzt ein Mädchen und schaut zu mir hinunter.

Aber nur kurz, denn dann fesselt ein Schmetterling in ihrer Hand ihre Aufmerksamkeit.

Erst beim zweiten Hinsehen, fällt mir auf, dass es gar kein Schmetterling ist, sondern eine kleine Fee die auf ihrer Hand sitzt.

Moment eine echte Fee?!

Hinter ihr stehen Pfeil und Bogen an den Baum gelehnt.

Als ich ihr nicht antworte, springt sie vom Baum und landet leichtfüßig vor mir im Gras.

Also ist sie auch ein Engel, denn sonst hätte sie sich hundertprozentig was gebrochen. Da sie von etwa drei Meter runtergesprungen ist.

Nur weiß ich nicht, ob sie mich jetzt angreifen wird oder ob sie mich einfach in Ruhe lässt.

Sie macht aber gar nichts von Beidem. Sie sieht mich einfach nur fragend an.

Als ich mich wieder gefasst habe sage ich:

„Mein Name ist Margrit und deiner?“

Sie runzelt erst die Stirn und fragt mich dann misstrauisch:

„Ich kenne dich nicht, was willst du hier?“  

Patzig antworte ich:

„Ich wohne hier und du?!“

„Ich lebe hier. Und mein Name ist Sandra.“

Dann ist sie also auch eine meiner Schwestern, na toll.

Man kann ja nie genug Feinde haben, oder?

Ich nicke ihr einfach zu und gehe weiter.

Ich höre noch wie sie sich über mich bei der Fee beschwert und dann wieder auf ihren Baum klettert.

Ich laufe noch etwa eine Stunde so planlos wie zuvor durch den Wald, als es anfängt zu regnen und ich beschließe zurück zum Haus zu gehen.

Ich gehe in die Richtung in der ich das Haus vermute, treffe unterwegs aber ein kleines Mädchen.

Sie hält die Babykatze von vorhin auf ihren Armen und streichelt sie ruhig.

Das Mädchen steht einfach so da, mitten im Regen und sieht mich an.

Sie hat schwarze kurze Haare und trägt eine Art Matrosenanzug.

Ich gehe einfach schnell an ihr vorbei denn sie ist irgendwie unheimlich.

Aber warum auch immer ruft sie mir einen Namen nach,

wahrscheinlich ihren eigenen:

Moira.

Als ich endlich das Haus erreiche, bin ich pitschnass.

Da die Zeit fürs essen schon fast vorbei ist, renne ich schnell in die Küche und mache mir drei Salamibrote, die ich mir mit in mein Zimmer nehme.

Bevor ich meine Brote esse, gehe ich noch schön warm duschen.

Danach ziehe ich mir gleich einen Schlafanzug an, da es draußen schon dunkel wird.

Mein Knöchel pocht vom ganzen laufen, aber das ist mir eigentlich herzlich egal.

Meine Brote genieße ich vor dem Fernseher. Aber mit meinen Gedanken bin ich schon wieder bei Helia und meinen Übungsstunden.

Mit den geistigen Übungen kann ich ja auch eigentlich auch jetzt schon anfangen, oder nicht?

Ohne zu essen aufzuhören versuche ich wieder einen Gegenstand schweben zu lassen. Im Vergleich zu meinem ersten Versuch, bin ich schon richtig gut.

Es klappt schon nach dem zweiten Mal, nur mein Problem ist wieder, das ich nicht aufhören kann den Gegenstand schweben zu lassen.

Warum habe ich nicht schon früher daran gedacht?

Das hat mich beim letzten Mal an die Bewusstlosigkeit getrieben.

Zu meiner Verwunderung klappt es dieses Mal perfekt.

Ich gerate schon fast in Panik und plötzlich fällt der Gegenstand wieder zu Boden. Als ich mich wieder einigermaßen beruhigt habe, versuche ich es gleich noch einmal. Und auch dieses Mal klappt es wunderbar.

Der Gegenstand ließ sich wunderbar kontrollieren.

Ich mache das die ganze Zeit, bis ich müde werde und meine Kräfte aufgebraucht sind.

Was deutlich länger dauert als das erste Mal.

Danach gehe ich zu Bett, obwohl es erst zehn Uhr ist und morgen Sonntag ist.

Aber was soll`s.

Besser als zu spät zu Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen stehe ich schon um sieben auf, was ich sonst nie von alleine machen würde

Ich Dusche, ziehe mich an und putze mir die Zähne.

Erst danach gehe ich in die Küche und hole mir etwas zu essen.

Heute esse ich ausnahmsweise mal Cornflakes.

Während ich esse nehme ich mir vor, heute wieder spazieren zu gehen.

Und auf dem Weg kann ich ja auch gleich weiter üben.

Vielleicht bin ich ja heute noch stärker als gestern.

Einen Versuch ist es wert, und wenn nicht, dann weiß ich wenigstens wie stark ich bin.

Aber daraus wird leider nichts.

Nolan kommt mir entgegen und drückt mir einen Brief in die Hand.

Als ich ihn fragend ansehe antwortet er mir mit einem Schulterzucken, anscheinend hat auch er keine Ahnung von wem der Brief ist.

Ich setzte mich auf die Treppenstufen und öffne ihn.

Darin steht:

„Hallo Magrit,

Ich will dir Bescheid sagen, dass ich heute eine Party gebe und dich herzlich einlade. Sie beginnt um 17.00 Uhr und endet irgendwann mitten in der Nacht. Ich wohne in der Linkenstraße Nummer 42.

Meinetwegen kannst du auch Nolan mitbringen, wenn du willst. Mir wäre aber lieber er bleibt zu hause.

Marco.“

Warum auch immer muss ich anfangen zu lachen. Marco und Nolan haben echt was gegeneinander.

Aber wenn ich ehrlich bin, wäre es mir auch lieber, wenn Nolan nicht mitkommt, er ist immer so ernst.

Solche Leute nimmt man nicht mit auf Partys.

Nolan steht immer noch neben mir und wartet darauf, dass ich ihm sage was in dem Brief steht.

Ich stehe auf und sage ihm:

„Es ist eine Einladung zu einer Party. Kannst du mich eventuell hinfahren?“

Nolan runzelt die Stirn und überlegt angestrengt.

„Wann ist denn diese Party und wer veranstaltet sie überhaupt? Das würde mich wirklich mal interessieren.“

Erst will ich ihn anlügen, weil ich glaube er würde mich nicht zu der Party gehen lassen, wenn ich ihm sage das es Marco ist, der sie veranstaltet.

Ich überlege es mir aber anders, da es sowieso keinen Sinn macht ihn anzulügen.

„Marco veranstaltet sie in seinem Haus. Um 17.00 Uhr.“

Es scheint fast so, als würde es ihn nicht stören, hätten ihn seine Augen nicht verraten. Ich kann genau sehen, wie sie wütend funkeln.

Zwischen zusammen gebissenen Zähnen presst er hervor:

„Du darfst gehen, wenn ich mitkommen kann.“

Ich seufze und sage unglücklich:

„Okay.“

Es scheint ihn zu verletzen wie ich es sage, aber das ist mir im Moment egal.

Meine Gedanken schreien regelrecht:

„PARTY, PARTY, PARTY, PARTY!!!!”

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