Endlich zu Hause...

Je näher die Grenze kam, desto trockener wurde die Fahrbahn. In dem schweren ML merkte man das Tempo kaum und Peter ließ ihn schon das eine oder andere mal knapp über 200 laufen, was die Fahrzeit erheblich verkürzte. Ricarda war eingeschlafen und merkte nicht, mit welchem Tempo sie sich dem Walserberg näherten. Danach musste Peter etwas drosseln. In Österreich sind nur 130 km/h erlaubt, aber solange man unter 150 bleibt, hat man kaum Probleme. Die Müdigkeit war einer Konzentration gewichen, in der Peter nur noch präzise sein Fahrzeug dem Ziel entgegen lenkte, so wie er das schon so oft getan hatte. Hunderttausende von Kilometern hatte er seit seiner Lehrzeit schon abgespult und gerade in seiner Jugend, als es noch keine Handys gab, hatte er öfter angehalten wenn ein Wagen liegengeblieben war. Er war oft der rettende Engel gewesen wenn Leute eine Panne hatten. Aber ein solches Erlebnis wie heute Nacht war auch ihm völlig fremd.

 Noch knapp 50 Kilometer trennten ihn von seinem Haus im Salzkammergut.  Ricarda wachte auf. Als sie die Augen aufschlug, brauchte sie ein paar Sekunden, um zu realisieren, wo sie sich befand. Als sie Peters Gesicht im schwachen Licht der Armaturen erkannte lächelte sie. Sie war in Sicherheit. Sie wagte nicht, Peter anzusprechen, sie wollte ihn nicht erschrecken. Er lenkte konzentriert seinen Wagen Richtung Seengebiet. Sie beobachtete ihn eine Weile, was er spürte, denn er wendete sich ihr zu und fragte:" Na Kleine, gehts dir besser?" - "Oh ja, Peter! wie weit ist es noch?" Er setzte den Blinker und erklärte, dass sie bald ankämen. Noch ein paar Minuten. "Ricarda, hast du den Golf neu gekauft?" Sie hatte. "Dann hast du doch sowas wie eine Mobilitätsgarantie, oder?" Sie wusste es nicht.

 Nach ein paar Minuten kamen sie zu seinem Haus. Ein großes Tor hob sich vor ihnen und sie fuhren in die Garage. Ein Mercedes Cabrio aus den Neunzigern stand da neben dem ML aus dem sie gerade ausstiegen. "Gehört der etwa deiner Frau?" Belustigt hörte Peter die Enttäuschung in ihrer Stimme. "Wie kommst du darauf?" - "Naja... könnte ja sein. Dass du verheiratet bist, meine ich." Ihre Wangen röteten sich.  "Bin ich aber nicht. Der SL ist ein Hobby. Ich hab ihn schon lange und ich will auch keinen Neuen." - "Und bist du...?" - "Was? Vergeben?" Peter fand ihre Neugier lustig. "Nein bin ich nicht!  Aber was nicht nicht ist, kann noch werden. Komm mit ins Haus!" Eine Tür führte in den Flur, von dort kam man in eine gemütliche Wohnküche. Peter aber ging in das andere Zimmer, ein großes und ebenso gemütliches Wohnzimmer und bedeutete Ricarda, sich zu setzen. "Wir rufen jetzt den ADAC an, die sollen dein Auto von der Bahn in die nächste VW-Werkstatt bringen. Der Wagen wird sowieso abgeschleppt, dann soll er gleich in die Werkstatt, damit ihn auf der Bahn niemand mehr beschädigt oder ausschlachtet. Den Transport musst du sowieso bezahlen. Ich helfe dir, bis du wieder an dein Geld kommst. Die Kaution solltest du ja wiederkriegen, zumindest den Großteil davon." Ricarda hatte gar nicht mehr daran gedacht. "Außerdem verlässt du die Firma ja nicht freiwillig sondern aus einem unzumutbaren Grund. Da musst du dich noch erkundigen, ob du da was rausschlagen kannst." Mit einem kurzen Telefonat regelte Peter den weiteren Vorgang um Ricardas Wagen. 

 "Peter... Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll!" - "Ricarda, du kannst ja jetzt mal bei mir bleiben und wenn du den Saustall in meinen Unterlagen beseitigen und ein paar Rechnungen für mich schreiben möchtest, wäre mir auch geholfen. Den Großteil meiner Außenstände verdanke ich meiner Faulheit beim Schreiben von Honorarnoten und Rechnungen, musst du wissen. Und da du doch Bürokauffrau oder sowas bist..." - "Ja natürlich mach ich das für dich!" - "Schön! Dann werde ich das Gästebett für dich beziehen und dann haben wir uns eine Mütze voll Schlaf verdient."  Ricarda stand auf und ging ihm nach. Er ging in sein Schlafzimmer und holte Bettzeug aus dem Schrank. Damit ging er die Treppe hoch in ein kleines sehr edel eingerichtetes in Kirschholz möbliertes Zimmer und begann das Bett zu beziehen. "Aber das kann ich doch selbst machen, Peter!" - "Dann bin ich auch nicht beleidigt, weil ich hasse das!" lachte er. "Wenn du Hunger oder Durst kriegen solltest, du weißt wo die Küche ist. Da ist ein kleines Badezimmer mit Klo und wenn du Angst kriegen solltest, weißt du ja, wo ich schlafe. Du hattest ein traumatisches Erlebnis, Ricarda! Wenn du wirklich Angstzustände oder Albträume haben solltest, scheue dich nicht, zu mir zu kommen! Ich würde dir niemals etwas tun, das du nicht selbst willst! Ok? Obwohl du eine sündhaft schöne Frau bist, das wollte ich dir noch sagen..." Sie umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Danke Peter! Danke für alles!"

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