Erinnerungen

Laut dröhnte die Musik in meine Ohren. Ich spürte den Bass in meinem gesamten Körper. Ich konnte meine eigenen Worte nicht verstehen, als ich versuchte mit Ale zu kommunizieren. Giorgio kam auf uns zu, im Schlepptau zwei heiße Blondinen. Nur er konnte in so weniger Zeit zwei Frauen aufreißen. Wir waren erst seit einer Viertelstunde da. Ales Vorfreude stand ihm ins Gesicht geschrieben, Giorgio grinste uns an und hob ein paar Mal die Augenbrauen was soviel hieß wie „War ich nicht gut?“. Manchmal kam er mir wie ein stolzer Hund vor, der seinen Herrchen das Stöckchen gebracht hatte und nun ein Leckerli wollte. Ich musste lachen. Die beiden Blondinen kamen auf uns zu und lächelten. Giorgio fuchtelte mit den Händen in der Luft herum und versuchte sie uns vorzustellen. Wir verstanden fast nichts. Eine der beiden kam näher zu mir und stellte sich in Englisch vor. Sie hieß Anna oder Anja, ich hatte es nicht verstanden. Die Musik war einfach zu laut. Anna roch gut, ich konnte sie aber in dem dunklen Licht nicht so gut erkennen. Sie sah ganz hübsch aus, glaube ich. Sie war deutsche, sagte sie mir. Genauso wie ihre Freundin, Francesca? Franziska? Ja, Franziska hieß die andere.
Ich kramte in meinem Hirn und holte ein Paar Sätze auf Deutsch heraus. Anna kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Selten hatte sie Italiener so gutes Deutsch sprechen hören, sagte sie. Ja klar, du Schleimerin, dachte ich mir. So gut war es sicherlich auch nicht mehr. Vielleicht war es das mal... aber sicher nicht besonders gut. Ale unterhielt sich mit der anderen Blondine, Giorgio bestellte eine Runde für alle und rieb sich die Hände. Er wusste schon welche er wollte, das sah man ihm an. Und das war mit Sicherheit die langhaarige Anna. Ich entschuldigte mich kurz bei ihr und ging auf die Toilette. Anna sagt mir noch kurz ins Ohr „ich warte hier auf dich“. Klar, dachte ich, du gehörst heute aber Giorgio und nicht mir. Das war schon abgemachte Sache, dafür reichte ein Blick zu seinem besten Kumpel.

Meine Deutschkenntnisse hatte ich der deutschen Nachhilfelehrerin aus meiner Teenagerzeit zu verdanken. Nur ihretwegen hatte ich nach der Mittelschule noch einige wichtige Regeln im Kopf. Immer wieder gerne erinnerte ich mich an sie zurück.

Meine Noten waren eher schlecht in Deutsch, sowie auch in Englisch.

Wie die meisten Jungs in meiner Klasse hatten wir andere Prioritäten mit 13 Jahren als uns auf die Schule zu konzentrieren, es gab für uns einfache wichtigere Aktivitäten. Vor allem nachmittags. Fast niemand von uns Jungs saß gerne im Deutsch Unterricht und ließ sich von der biederen Deutschlehrerin ständig ermahnen, korrigieren und schimpfen.
Wir waren eine wilde Bande. Die meisten Mädchen waren etwas besser dran, sie lernten anständig, konnten sich die Regeln dieser komplizierten und langweiligen Sprache merken. Damals interessierte mich Deutsch einfach nicht. Genausowenig Englisch.
Meine Noten wurden immer schlechter, bis meine Mum irgendwann einen Brief erhielt in welchem stand, sie solle doch bitte zur nächsten Elternsprechstunde kommen.
Meine Mum war eine liebevolle Mutter und Hausfrau, hatte aber keinen Schulabschluss, konnte weder Englisch noch sonstige Sprachen. Bei meinen Hausaufgaben war sie mir niemals eine große Hilfe gewesen. Ich musste mich schon selbst arrangieren. Und anfangs lief es auch ganz gut. Oft lernte ich einfach mit meinen Freunden zusammen.
Ich war in keinem Fach besonders gut, außer in Sport. Sport war, wie für viele Jungs, mein Lieblingsfach. Ich spielte leidenschaftlich Handball und Fußball. Seit kurzem auch amerikan Football. Natürlich kam durch den vielen Sport das Lernen etwas zu kurz und das wollte meine Mum ändern. Sie meldete mich beim Fußball ab. Und auch nur, weil es die meisten Nachmittage in Anspruch nahm. Ich durfte weiterhin Handball und american Football spielen. 4 Nachmittage die Woche sollten reichen meinte sie. Ich war nicht wirklich damit einverstanden, aber was sollte ich schon tun? Sie war der Boss. Mein Dad war natürlich einverstanden. Was auch sonst. Er arbeitete die meiste Zeit und konnte sich nicht um meine Hausaufgaben kümmern. Ich fand mich also mit dem Gedanken ab, mehr für die Schule tun zu müssen und versuchte es auch. Leider erfolglos.
Deutsch war einfach zu schwierig, ich verwechselte die Sprachen ständig. Wieso musste ich auch beide Sprachen lernen? Reichte nicht einfach Englisch? Weshalb auch Deutsch? Was sollte ich damit machen?

Ich hatte sowieso nicht vor die Sprache weiterzuführen, ich brauchte sie einfach nicht in meiner Zukunft.

Meine Mum suchte mir eine Nachhilfelehrerin. Meine Noten wurden einfach nicht besser, die Deutschlehrerin war der selben Meinung meiner Mum. Sie wurde auch schnell fündig. Mein Schulfreund Federico ging regelmäßig einmal die Woche zur Deutschnachhilfe, sagte sie mir. Eine deutsche Frau, die Nachmittags Zeit hatte und Nachhilfe in Deutsch und Englisch gab.

Na toll, dachte ich. Die würde ich nie verstehen, sicherlich war sie uralt, unsympatisch und stank. Davon erzählten mir meine Schulkameraden immer, von langweiligen, stinkenden, alten Nachhilfelehrern, die einfach nur an der Kohle interessiert waren und ihnen nicht wirklich weiterhalfen.  

Etwas unzufrieden machte ich mich die Woche darauf mit meiner Mum auf den Weg zu Julia. Wenigstens klang der Name jung und frisch. Ich machte mich auf die langweiligste Stunde meines Lebens bereit. Wir kamen vor einem großen Haus an, einer mintfarbenen Villa mit wunderschönem großen Garten voller Blumen, Palmen, Kakibäumen und anderem Gestrüpp. Ich kann mich nicht an die Einzelheiten erinnern, jedoch weiß ich noch, dass zwei Hasen frei herumhoppelten, ein schwarzer großer Hund sich in der Sonne räkelte, eine Gruppe Hühner in der Nähe vom Zaun rumliefen und eine faule dicke rote Katze, mit sehr langem Fell sich gemächlich ihre Pfoten im Schatten unter einem Baum leckte. Sicherlich lebte hier eine alte Frau. Nur alte Frauen besitzen so viele Tiere.

Meine Mum klingelte und wir warteten. Eine alte Frau hielt den Kopf aus dem Fenster, eine uralte Frau mit grauem kurzen Haar. Sie sah etwas zwieder aus und als würde sie keinen Besuch erwarten. „Jaaaaaaa?“ rief sie zu uns runter. „Ist Julia hier?“ antwortete meine Mum. Das ist sie doch bestimmt, wunderte ich mich und musste den Kopf schütteln.
„Ja moment ich rufe sie“ schrie die alte Frau hinunter. Ach, sie war es doch nicht wunderte ich mich. Der Name passte auch nicht, Julia hörte sich doch eher jung an. Aber woher sollte ich das in meinem Alter schon wissen. Julia hätte auch eine alte Frau heißen können.
Während ich darüber nachgrübelte kam auf einmal eine sehr junge Frau, ich hätte sie sogar noch Mädchen genannt, um die Ecke des Hauses direkt auf das Tor zugesteuert.
Mir stoppte das Herz, der Atem, mein Hirn war wie vernebelt. Ich konnte mich nicht von der Stelle rühren, als sie mit einem wunderschönen offenem Lächeln auf mich und meine Mum zukam. Sie war groß, größer als ich und meine Mum. Schlank aber kurvig, ich kann mich noch an ihren wohlgeformten Po erinnern. Er war rund, voll und fest.
Sie trug eine kurze zerrissene Jeanshose, hatte lange braungebrannte Beine, die in diesen hässlichen Birkenstock Sandalen endeten aber trotzdem wirkte sie elegant.
Ein weites lockeres weißes Tshirt zeigte nicht viel von ihrem Oberkörper. Ihre langen goldblonden Haare waren gewellt, etwas zerzaust und bedeckten ihre Brust. Ihre hellen Augen, die ich jahrelang ansah und bis heute nicht über ihre Farbe sicher bin lächelten mich an. Sie hatte volle hellrote Lippen, sie waren wunderschön geschwungen und ihr gebräuntes Gesicht war weich und freundlich.
Sie sprach mich an, keine Ahnung, was sie sagte, keine Ahnung in welcher Sprache sie es sagte. Meine Mum stupste mich an. Achja, ich sollte mich vorstellen. Fabio, sagte ich. Sie schüttelte meine Hand, sie hatte einen festen Handgriff, meiner war verschwitzt und labbrig. Ich war jung. Und verliebt. Verliebt auf den ersten Blick. Ich verliebte mich in ihre Haare, in ihre Augen, in ihre Lippen.
Julia war zu schön um wahr zu sein und sollte meine Nachhilfelehrerin sein. Damals war es für mich das Paradies. Heute weiß ich, dass sie nicht nur schön, sondern auch äußert klug und liebevoll war.

Sie bat mich und meine Mum hinein, doch letztere musste gehen, meine Schwester vom Kindergarten abholen. Achja, meine Schwester. Das hatte ich schon längst verdrängt. Also ließ sie uns mit dem Versprechen, mich in einer Stunde wieder abzuholen, alleine. Sie bat mich, ihr zu folgen. Wir gingen um das Haus, in eine kleine Wohnung unter der großen Villa. Sie lebte unter ihrer Großmutter, erzählte sie mir, die Tiere gehörten alle ihr, auch die Hühner. Runa, der große schwarze Hund war aufgesprungen und beschnupperte mich, sie wollte spielen. Das wollte sie jedes Mal wenn ich kam. Wer weiß, was aus dem Hund geworden ist. Es war ein Jungtier, gerade mal 7 Monate alt, wahnsinnig verspielt. Ich hatte eigentlich Angst vor Hunden, aber dieser war mir von Anfang an sympathisch. Vielleicht lag es an Julia und ihrer Art, wie sie mit dem Tier umging. Sie streichelte ihn zärtlich und gab ihm Befehle auf Deutsch. Runa horchte und lies mich in Ruhe. Julia hatte wohl gemerkt, dass ich kein großer Hundefreund war.
In ihrer Wohnung bot sie mir zu trinken an. Nein danke, ich wollte nichts.
Wir fingen mit der Deutschstunde an. Ich kann mich nicht an Genaueres erinnern, zu viele Jahre sind vergangen. Jedoch weiß ich noch, dass ich Julia die ersten Wochen nur anstarrte und kaum etwas davon mitbekam, was sie versuchte mir zu erklären.

10€ pro Stunde, das war ihr Preis. Sie war günstig im Gegensatz zu vielen älteren Nachhilfelehrern. Aber es lag wohl daran, dass sie schon teilzeit arbeitete und noch studierte. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht mehr was sie studierte. Warscheinlich Jura, BWL oder VWL oder ähnliches. Es war auf jedenfall etwas langweiliges und aufwändiges und sie lachte darüber, weil ich es mir nie merken konnte. 15 Jahre später weiß ich immer noch nicht was es genau war.
Julia kleidete sich einfach, sie war 25 Jahre alt. Wenige Jahre jünger als ich heute.
Als ich mit 17 aufhörte zu ihr zu gehen hatte sie ihr Studium schon längst beendet und arbeitete Vollzeit. Sie zog auch um, mit ihrem damaligen Freund. Wir trafen uns nur noch nach 18:00 Uhr. Manchmal auch samstags. Mir war es recht, ich hätte alles getan, um weiterhin zu ihr zu gehen. Ich wäre auch am Sonntag gegangen. Ungern verschob ich unsere Stunden und war immer wieder enttäuscht, wenn sie aus irgendeinem Grund die Stunden verschieben oder ausfallen lassen musste.
Meine Mum merkte es mir die ersten Jahre glücklicherweise nicht an.

Die ersten Wochen befasste ich mich also damit mir ihre Gesichtszüge einzuprägen, ihre Augenfarbe zu studieren. Sie waren groß, umrandet von schwarzen Wimpern. Sie trug immer etwas Maskara, welche ihre Augen noch größer und tiefer wirken ließ. Schön geschwungene hellbraune und volle Augenbrauen verliehen ihr noch leuchtendere Augen.
Die Farbe wirkte manchmal silbrig, sie wechselte ständig. Manchmal waren sie grün, manchmal blau und an einigen Tagen gemischt. Ab und zu mischte sich auch ein grau darunter. Sie hatte keine eindeutige Augenfarbe. Ich wunder mich heute noch was wohl auf ihrem Ausweis stand. Blau? Grau? Grün? So eigenartige und wunderschöne Augen hatte ich nie wieder in einem Menschen gesehen.

Der Durchschnittsitaliener hatte sowieso braune Augen und dunkle Haare. Julia war wirklich ein Augenschmauß.

Wie konnte sich nur Federico bei ihr konzentrieren? Seine Noten waren besser geworden, er traf sich zweimal die Woche mit ihr.
Etwas Eifersucht stieg in mir auf, wenn er von ihr sprach. Zwar hatte er kein Interesse an ihr und schwärmte nicht von ihr, doch es störte mich trotzdem. Nach einigen Monaten kam ein zweiter Schulfreund dazu, Ale, er war sogar noch schlechter als ich in  Englisch. Jetzt waren wir schon zu dritt, alle drei gingen wir zu Julia, sie sollte uns aus unserer Misere befreien und schaffte es auch irgendwie. Ich kann mich nicht erinnern, wann genau der Moment eintraf, dass meine Noten sich verbesserten, aber meine Mum war zufrieden, mein Dad auch und vor allem meinen Lehrerin lobte mich nach einigen Monaten.

Was wollte ich mehr? Ich saß zwei Stunden in der Woche der schönsten Frau auf Erden gegenüber und meine Noten wurden besser. Mein Interesse für die deutsche Sprache wuchs aber erst nach fast drei Jahren.

Julia half mir manchmal auch in anderen Fächern, Mathe, Italienisch, Geschichte. Sie wiederholte mit mir die Fächer bis zum umfallen, meine Noten wurden immer besser, meine Zeugnisse machten meine Eltern stolz. Doch mein einziges Interesse galt in Wahrheit ihr, ich wollte sie beeindrucken und ihr zeigen, wie gut ich sein konnte.

Julia war natürlich auch stolz, drückte meine Schultern und lächelte mich an wenn ich ihr von einer guten Note berichtete. Ihr Lächeln machte mich süchtig, ich mochte es, sie lächeln zu sehen und konnte nicht genug davon bekommen.
Wir sprachen auch viel über dieses und jenes, nicht nur über die Schule, sondern auch über meine Zukunft. Ich war wohl noch zu jung, um ihr interessante Fragen über sie zu stellen und von sich aus erzählte sie recht wenig. Ich wusste von einer jüngeren Schwester mit einem Kind, sie hatte einen Freund mit rotem Bart und breiten Schultern. Er spielte auch Football. Mehr wusste ich über ihn nicht, sah ihn aber auch kaum. Er kam recht spät von der Arbeit, meist wenn ich schon weg war.

Julia war gebürtige Deutsche, war zweisprachig aufgewachsen und lebte nun bei ihrer Großmutter in Italien.

Manchmal trug sie enge Shirts mit einem etwas tieferblickenden Ausschnitt. Sie merkte es sicherlich nicht, dafür war sie zu sehr auf meine Texte konzentriert und ich auf ihren Ausschnitt. Ich sah ihre runde weiche und weiße Brust, stellte sie mir nackt vor. Da war ich schon 15. In dem Alter spielten meine Hormone verrückt. Ich begann immer mehr über sie nachzudenken. Julia war älter geworden, aber die 2 Jahre sah man ihr nicht an. Sie wirkte immer noch jung, meine Mum schimpfte darüber, wie jung sie aussah. Dachte immer, sie sei erst 21 oder 22 und konnte sich einfach nicht vorstellen, wie man mit 27 einfach so jung aussehen konnte.

Ich wuchs, mit 16 war ich so groß wie sie. 1,70m. Ich wuchs weiter und überragte sie mit 17 um einen Kopf. Ich war schlaksig und groß. Fast 1,90. Sie musste zu mir Aufsehen und ich stellte mir so einige nicht jugendfreie Dinge mit ihr vor. Glücklicherweise konnte sie keine Gedanken lesen und hinter meiner Stirn spielten sich Szenen ab, die ich in den vielen Pornos gesehen hatte, die meine Freunde und ich uns immer wieder am Wochenende Nachts ansahen. Damals war das einfach so, wir trafen uns zum Zocken, auf ein Bierchen und schauten Nachts vorm Schlafengehen noch ein Paar Pornos. Die meisten meiner Freunde hatten schon eine Freundin, ich war einer der wenigen, die noch keine hatten. Ich hatte schon einige Mädchen rumgekriegt und mit ihnen rumgeknuscht und rumgemacht. Sex hatte ich noch keinen. Da war ich aber wohl auch einer der wenigen, denn die anderen prahlten mit ihren Sexgeschichten, ich musste es mir immer vorstellen. Mit Julia. Ja, ich stellte sie mir in unserem letzten Jahr immer wieder nackt vor. Unter mir, über mir, vor mir auf allen vieren. Sie war damals schon 29, verlobt und es fehlte nicht lang zu ihrer Hochzeit. Und trotzdem stellte ich mir vor, wie ich sie am langen goldenen Zopf packte, und von hinten in sie stieß. Ihren großen Prachthintern träume ich manchmal heute noch, er war so fest und so rund. Zwar hatte ich niemals die Gelegenheit ihn auch nur versehentlich zu streifen, aber wenn sie vor mir lief trabten meine Gedanken vor sich hin. Ich hatte in der zwischenzeit, in den letzten 11 Jahren, viele Frauen in meinem Bett, doch keine kam auch nur annähernd an ihren wohlgeformten Körper ran. An ihr stimmte einfach alles.

Julia hörte kurz vor ihrer Hochzeit mit den Stunden auf, ich konnte nicht mehr zu ihr. Ich hatte es wahrscheinlich auch nicht mehr nötig. Meine Mum versuchte immer wieder mich zu überreden aufzuhören, meine Noten waren doch sowieso gut. Es wäre weggeschmissenes Geld. Manchmal ging ich zu Julia und zahlte aus eigener Tasche, mein Taschengeld übergab ich ihr, statt ins Kino zu gehen oder mit meinen Freunden auszugehen. Als sie umzog, folgte ich ihr und fuhr mit meinem Rad die 6 km zu ihr nach Hause. Meine Mutter wusste nicht immer davon, sie ging meistens davon aus, dass ich mit meinen Freunden unterwegs war.

Ich schwärmte selten von ihr, war zu eifersüchtig, ich wollte sie nicht teilen und mir war es schon zu viel wenn ich andere Nachhilfeschüler bei ihr sah. Meine Schulfreunde entdeckten später auch die hübschen Seiten an ihr. Sie wurde für uns alle ein Erotiksymbol, wer weiß, was sich die anderen vorstellten. Ich wollte es nicht wissen. Sie gehörte in meiner Welt nur mir. Es gab keinen Verlobten, keine anderen Schulfreunde sondern nur mich und sie.

Julia tat es Leid, als sie die Stunden unterbrechen musste. Ich meldete mich ab und zu bei ihr, bis der Kontakt irgendwann komplett abbrach.

Ich traf sie auch nie. Mit 18 machte ich mein Abitur, in Deutsch und Englisch schrieb ich jeweils eine 2 und eine 1. Meine Mutter war stolz, ich noch mehr. Mein Deutsch war natürlich nicht fließend, aber mein Englisch dagegen war sehr gut, meine Aussprache dank Julia besser als das vieler anderen. Ich übte natürlich weiterhin, schaute mir Tv Serien auf Englisch an, so wie sie es mir geraten hatte. Laß Bücher und Comics auf Englisch und Filme sah ich mit Englischem Untertitel an.
Meine Lehrer waren begeistert, von einer 5 war ich in 4 Jahren auf eine 1 gekommen.

Trotzdem studierte ich was ganz anderes. Maschinenbau in Mailand. Englisch war natürlich von Vorteil.

Deutschkenntnisse waren das Sahnehäubchen und ich hatte nach meinem Studienabschluss sofort einen festen Job gefunden, in denen beide Sprachen gefragt waren. Ich arbeitete 3 Jahre lang in Mailand, fand dann eine Stelle in meiner Heimatstadt Rom. Mit 26 lebte ich wieder in der italienischen Hauptstadt, in meiner eigenen kleinen Wohnung, direkt im Zentrum.

11 Jahre waren seit unserer letzten Stunde vergangen und immer noch teufelte Julia mit ihrem Wahnsinnslächeln und ihrer lockeren Art in meinen Gedanken herum. Immer wieder dachte ich an sie und was sie in ihrem Leben erreicht hatte. Hatte sie Kinder? Wie viele? Wie waren sie?

Wo lebte sie? Immer noch in Italien in der großen Wohnung mit ihrem Mann?

War sie noch mit ihrem Mann zusammen? Wie sie wohl heute aussah?

Fragen, die immer wieder auftraten. Ich versuchte sie auch, auf Facebook ausfindig zu machen, jedoch kannte ich ihren Nachnamen nicht. 4 Jahre, hunderte Stunden gemeinsam und ich kannte ihren Nachnamen nicht.

Er war deutsch, das wusste ich noch, aber mehr auch nicht. Er kam ein-vielleicht zweimal zur Sprache, doch konnte ich mich einfach nicht erinnern.

Meine Schulfreunde wussten es damals auch nicht, mit einigen bin ich heute noch befreundet, aber ich habe sie nie wieder darauf angesprochen. Es war mir zu peinlich und jetzt wäre es absurd. Nicht einmal Ale, meinen heutigen besten Freund hatte ich jemals danach gefragt. Sie wäre jetzt 40. Immer noch die selben 12 Jahre Altersunterschied.

Ich stellte mir eine gutaussehende in die Jahre gekommene Julia vor, mit Falten im Gesicht, vielleicht etwas schlaffer Haut und nicht mehr ganz so hübsch wie damals. Das machte es mir leichter nicht immer an sie zu denken.
Viele Frauen hatte ich hinter mir, 4 Beziehungen, alle scheiterten. Jede einzelne merkte, dass ich sie mit jemanden verglich auch wenn es absolut nicht meine Absicht war.

Ich konnte es aber einfach nicht abstellen. Ich verglich die Form ihrer Hintern, den Busen, die Haare. Die meisten Frauen, die ich hatte waren jedoch Julias Gegenteil. Klein, dunkelhaarig mit dunklen Augen. Sie waren erstens einfacher zu finden hier in Italien als großgewachsene echte Blondinen und ich musste sie nicht mit ihr vergleichen.

Keine hätte ihr das Wasser reichen können. Und nicht nur was das Aussehen anging.

 

Nun stand ich hier, in der Toilette einer Bar und sah mich im Spiegel an. Die kurze Unterhaltung draußen mit den deutschen Mädchen war gut verlaufen, aber sie weckten weder mein Interesse noch meine Lust auf Sex. Sie waren hübsch, blond mit blauen Augen, sowie sie. Wie Julia. Und doch fehlte das Strahlen in ihren Augen. Meine Kumpels hatten die beiden übernommen, sie hatten wohl ein Auge auf mich geworfen, vor allem die kleinere der beiden. Wie hieß sie noch mal? Anna? Anja? Unwichtig, sie interessierte mich nicht.

Ich begutachtete mein Gesicht im Spiegel. Man sah mir meine 28 Jahre mittlerweile an. Kleine Fältchen um die grünen Augen, mein dunkler Bart hatte es dringend nötig mal wieder rasiert zu werden. Aber der Stress in der Arbeit machte es mir unmöglich mich abends zum rasieren vor den Spiegel zu stellen und so hatte ich ihn zwei Wochen lang wachsen lassen. Ich sah älter aus. Erwachsener. Meine braunen Haare standen in alle Richtungen, ich hätte mich eigentlich kämmen können bevor ich herkam. Aber Giorgio und Ale rissen mich aus der Wohnung, ich hatte gerade einmal Zeit meine Arbeitsklamotten mit einer ausgewaschenen Jeans und einem schwarzen T-shirt einzutauschen. Meine Lederjacke hatte ich in Giorgios Auto gelassen. Mittlerweile war es einfach zu warm. Wir hatten 27 grad im Juli. Warum hatte ich die Jacke auch mitgenommen? Wahrscheinlich war die Müdigkeit Schuld.
Das Shirt lag eng an, meine Brustmuskeln waren darunter gut zu erkennen. Ich trainierte auch regelmäßig, jedoch prahlte ich ungern damit. Das Training war für mich befreiend und eine der wenigen Möglichkeiten nach der Arbeit richtig abzuschalten.

Nur noch zwei Wochen und ich hatte endlich Urlaub, konnte mich mit meinen zwei Kumpels entspannen. Drei Singles in Thailand, drei Wochen Urlaub. Sicherlich erwartete uns eine Menge Spaß und Abenteuer.

Ich wusch meine Hände, trocknete sie an der Jeans ab und ging wieder nach draußen.
Die laute Musik und der starke Basse pochten in meinen Ohren. Ich war einfach nicht mehr im richtigen Alter dafür, hatte ich das Gefühl. Ich war müde, ausgelaugt, der Krach nervte micht. Aus dem Augenwinkel konnte ich Giorgio erkennen, mit seinen 1,90 war er genauso groß wie ich, wir waren so ziemlich die größten im Lokal. Er tanzte mit einer der beiden Deutschen. Ich konnte nur nicht erkennen mit welcher der beiden. Giorgio hatte es einfach drauf, er war, sowie ich, durchtrainiert, hatte schwarze Haare und braune Augen. Seine Arme waren komplett tätowiert, er hatte immer ein spitzbübisches Grinsen im Gesicht und wickelte die Frauen um seinen Finger, wie nur er konnte. Er arbeitete in der Medienbranche und kleidete sich Stilvoll. Seine Leidenschaft waren Sex und American Football.

Ale dagegen war der ruhige Typ, blond mit braunen Augen. Etwas kleiner als wir, 27 Jahre alt und auch er spielte in unserer Football Mannschaft. Er war jedoch eher der Surfertyp, kein Draufgänger, verliebte sich oft und wurde schnell wieder verlassen und vergessen. Surfen und Psychologie waren seine Leidenschaft. Und natürlich schöne Frauen.

Wir hatten uns auf einen ruhigen Abend geeinigt, wollten spätestens um 2 wieder daheim sein.

Ich winkte Ale kurz zu, er war in einem Gespräch mit der anderen Deutschen vertieft. Als er mich sah winkte er mich zu sich. Eigentlich wollte ich an die frische Luft, mir wurde es hier drin zu stickig. Der Laden hatte sich gefüllt, man kam kaum durch die Menschenmenge hindurch. Ich kämpfte mich bis zu Ale und lächelte die Deutsche an. Sie lächelte frech zurück, ich wusste was in ihren Augen stand. Aber das konnte sie heute vergessen. Sollte sie doch Ale verspeisen, ich wollte einfach nur ins Bett und schlafen. Das versuchte ich Ale zu sagen, es war mittlerweile schon halb 1 und die beiden waren sowieso anderweitig beschäftigt. Ich konnte mich auch abseilen und mir ein Taxi rufen. Ale verstand mich erst nicht „Ich fahr Heim, bin zu müde“ „........Julia.....“ Den Rest verstand ich nicht. „WAS?“ versuchte ich zu schreien. Die Musik war einfach zu hoch. Ich hatte nur Julia verstanden, hatte mich aber sicherlich verhört.

Oder vielleicht hieß die Kleine Julia? Sie war Deutsche, der Name nicht ungewöhnlich und wahrscheinlich hieß in Deutschland jede zweie Frau Julia, sowie hier Giulia. Aber ich hatte das Gefühl, dass Anna oder Anja einen anderen Namen genannt hatte.

Ale kam näher und versuchte es nocheinmal „Ich hab grad rausgefunden, dass die beiden Mädels Julia kennen“. „Julia wen?“ fragte ich neugierig. Mein Herz hatte kurz ausgesetzt. „Julia, unsere Nachhilfelehrerin, kannst du dich nicht erinnern?“ Klar, Julia war auch Ales Nachhilfelehrerin gewesen. Durch meine Mum hatte seine Mum ihre Nummer bekommen und ihren damals 14 Jährigen Sohn hingeschickt. Nur für Englisch. Deutsch hatte er nicht.

Er war natürlich auch in sie verschossen, fast alle Jungs, die zu ihr gingen. Ale war jedoch sehr schüchtern und hatte sie auch schnell wieder vergessen. Er ging nur zwei Jahre zu ihr, da er mit 16 in eine andere Stadt zog und erst mit 21 zurück kam.

„Doch doch, klar.“ Wie konnte ich mich nicht an sie erinnern. „Und wie kommt’s dass sie sich kennen?“ Ales Englisch war glücklicherweise gut genug, um sich mit der jungen Deutschen zu unterhalten.  Julia sei Dank. Das konnte man von Giorgio nicht behaupten, sein Englisch war unter aller Sau und er zeigte sein Interesse auf ganz andere Weise.

Ich drehte mich kurz nach ihm um und sah ihn eng mit Anna oder Anja tanzen. Sie stand wohl drauf, denn sie wich keinen Zentimeter von ihm zurück.

„Franziska ist bei ihr Au-pair, passt wohl auf ihr Kind auf. Ich hatte sie total vergessen, aber als sie den Namen erwähnte, fiel mir unsere heiße Nachhilfelehrerin wieder ein“ Franziska hieß sie also. Sie lächelte uns an und trank aus ihrem Becher. Wer weiß, was ihr gerade durch den Kopf schwirrte. Sie war sexy, das musste man ihr lassen. Ein großer üppiger Busen, den sie mit einem sehr engen Top mit tiefem Ausschnitt betonte, schlanke Beine in einer engen Jeans und hellblondes kinnlanges Haar. Aber die Augenbrauen waren fast schwarz, man sah einen leichten dunklen Ansatz. Franziska ging mir bis zur Brust, trotz hohen Schuhen. Ich musste mich zu ihr hinunterbücken um mir ihr zu sprechen. „Du kennst also unsere alte Nachhilfelehrerin?“ Sie sah mich an, kam mir sehr nah. Ihr Dekolleté lag direkt unter meiner Nase, ich konnte ihren süßen etwas penetranten Duft riechen. Er störte mich etwas, doch ich entfernte mich nicht. „Ja, ich arbeite momentan bei ihr. Ich passe auf ihr kleines Mädchen auf.“ Ich grinste in mich hinein. Was für Zufälle es gab.

Nach so vielen Jahren traf ich in einer Bar mitten in Rom eine junge Deutsche, die Julia kannte. Ich wollte sie mit Fragen löchern, aber das gehörte sich nicht. Ale und Giorgio würden sich sicherlich die Nummern der beiden Mädels geben lassen, sie vielleicht sogar bis nach Hause begleiten und irgendwie würde ich an Julia rankommen. Auch nur um sie noch einmal zu sehen. Ich wollte ihr Gesicht sehen, ihre strahlenden Augen. Wie sehr hatte sie sich verändert? Würde sie mich überhaupt wieder erkennen?

Ich hatte mich doch um einiges verändert. War noch etwas gewachsen, meine Gesichtszüge waren markanter, ich war nun nicht mehr schlaksig sondern muskulös. Naja, ich war einfach ein Mann geworden.

„Leute, ich hau ab, ich wünsch euch noch einen schönen Abend“ Franziska zwinkerte mir zu und hauchte mir einen Kuss auf die Wange „Schade! Vielleicht sehen wir uns bald wieder.“ Sagte sie. Ale schlug mir auf die Schulter, Giorgio ließ ich in Ruhe. Er war mittlerweile in eine ruhige Ecke verschwunden und knutschte wild mit dem Mädchen rum.

Ich rief mir ein Taxi und ließ mich heimfahren. Die Fahrt war kurz, es war zehn nach eins als ich ankam. Ich alter Sack war hundemüde. Ich hatte das dringende Bedürfnis unter die Dusche zu springen, mein Körper war verschwitzt, meine Klamotten klebten mir am Leib.

Ich zog mich aus, drehte die Dusche an und wartete auf das warme Wasser. Meine Dusche war groß, das war für mich das Wichtigste in meiner Wohnung. Ich wollte mich Abends nach der Arbeit oder nach dem Training einfach nur entspannen können und in einer engen Dusche war das einfach unmöglich. Ich hatte das Bad meiner Wohnung komplett renovieren lassen. Es war modern eingerichtet, ich hatte nicht so sehr auf den Stil geachtet. Praktisch und groß sollte es sein. Es gefiel mir, der Boden war grau in Holzoptik, die Wände schwarz und weiß gefliest. Die Dusche wunderbar groß, man passte auch zu viert darunter. Nicht, dass ich das jemals ausprobiert hätte. Aber Sex zu dritt hatte diese Dusche schon ein paar Mal gesehen und es war niemals zu eng geworden.

Ich duschte mich ausgiebig, ließ das warme Wasser auf mich herunterprasseln. Meine Muskeln entspannten sich, ich lehnte die Stirn gegen die kalten Fließen. Und wieder schwirrte sie in meinen Gedanken herum. Julia. Mit ihren wunderbaren 29 Jahren. So hatte ich sie in Erinnerung. Hätte ich sie heute getroffen, würde ich alles möglich denkbare tun, um sie zu erobern. Ihr Verlobter wäre mir egal gewesen. Ich hätte sie für mich gewollt. So wie damals. Nur, dass es damals nur in meiner Fantasie geschah.

Ich stellte sie mir vor, wie damals. Nackt. Ich hatte sie nie nackt gesehen, auch nicht im Bikini, aber ich konnte sie mir so gut vorstellen. Ihre runden weichen Brüste, weiß mit Sommersprossen übersät, genauso wie ihre Schultern und ihre Nase. Ich stellte mir ihren runden Po vor, was würde ich nur mit ihr machen wenn sie nun mit mir unter der Dusche stünde. 12 Jahre älter. Fabio. Hör auf. Die Frau ist zu alt. Sie ist nicht mehr die junge Frau von damals. Schlag sie dir doch einfach mal aus dem Kopf. Aber wie? Wie sollte ich das anstellen, wenn ich es in 11 Jahren nicht geschafft hatte mir ihr abzuschließen. Ich hatte sie nie besessen, hatte niemals Sex mit ihr, keinen Kuss, keine Umarmung. Ich konnte mich jedoch an ihren Duft erinnern, sie roch immer frisch und blumig, wechselte immer wieder das Shampoo, denn ihre Haare dufteten alle paar Monate anders. Sie trug fast nie Parfüm. Ich roch die frische ihrer Wäsche, diese hatte auch immer mal wieder einen anderen Duft. Sie wechselte anscheinend gern ihren Weichspüler, genauso wie ihr Shampoo. Ihre langen goldenen Haare waren fast immer wild, manchmal zu einem hohen zerzausten Dutt zusammengebunden, manchmal hatte sie sie geflochten, ein dicker langer französischer Zopf. Sie sah umwerfend aus, etwas streng vielleicht, aber ihr langer weißer schlanker Hals lag frei. Mit 17 stellte ich mir immer wieder vor sie dort zu küssen, darüber zu lecken. Sie unter ihrem Ohrläppchen zu küssen und sie zu verführen. Stop. Fabio. Es reicht. Ich spürte meinen Schwanz pochen, er wart hart geworden. Ich griff danach, um mich davon zu befreien. Hielt aber inne. Ich wollte nicht wieder an Julia denken. Ich versuchte an eine andere zu denken. Genau, an Eva, meine letzte Flamme. Sie war heiß, langes schwarzes Haar, großer Busen, himmlischer Sex. Ich ließ meine Hand auf und abgleiten während ich mich an den Sex mit ihr zurück erinnerte und kam in mehreren Schüben über meine Hand. Es war befreiend, aber kurz darauf hatte ich wieder Julias Gesicht im Kopf. Ich ließ die Schultern hängen. Julia war schon mit 17 ständig meine erotische unerreichbare Fantasie und war es heute, 11 Jahre danach immer noch. Und ich konnte mich einfach nicht an ihr sattdenken. Und das mit 28 Jahren. Das konnte wahrhaftig einfach nicht sein. Ich fühlte mich fast wieder wie der damals 17 jährige Fabio.

Ich duschte mich ab, stieg aus der Dusche, wickelte mir ein Handtuch um die Hüfte und ging in die Küche, wo ich mir ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank nahm.

Der kalte Boden tat richtig gut unter meinen nackten Füßen. Ich liebte es barfuß zu laufen. Meine Mutter war schon immer dagegen gewesen, doch genau das lernte ich auch bei Julia. Sie lief oft barfuß in ihrer Wohnung. Ich hatte sie nie nach dem Grund gefragt, aber ich probierte es irgendwann auch aus und es war befreiend. Sie hatte schöne Füße. Schlank, lang, immer lackierte Zehennägel. Meist rot oder schwarz. Eine Narbe zierte ihren linken Fuß. Aber sie waren trotzdem schön.

Ich holte mein Handy aus meiner Jeans und schaute drauf. Zwei Uhr nachts, 2 whatsapp Nachrichten, eine von Giorgio. „Du verpasst hier was, die kleine hier wäre auf einen Dreier scharf gewesen und du Penner bist weg. Jetzt muss ich mich allein um sie kümmern.“ Ich grinste. Ein Dreier mit Giorgio, unter gar keinen Umständen. Wir hatten es schon zweimal probiert und waren immer in schallendes Gelächter ausgebrochen wenn wir soweit waren. Keiner von uns bekam einen hoch, die Mädels mussten sich dann immer nur mit einem von uns beiden zufrieden geben. Ich stand auch nicht besonders drauf, zwei Frauen ja, zwei Männer war nicht mein Ding. Giorgio dagegen hatte schon alles mögliche ausprobiert und Dreier waren seine Spezialität, ob mit einem weiteren Mann oder mit zwei Frauen. Nur mit uns beiden wollte das einfach nicht klappen. Dafür waren wir wohl einfach zu gut befreundet und fanden es zu absurd und lustig gleichzeitig.

Ich zog meine Boxershorts an, zog eines meiner Schlafshirts an und legte mich mit noch feuchtem Haar ins Bett. Ich musste dringend wieder zum Friseur. Morgen vielleicht.
Da war Samstag. Samstage waren immer gut.

Es war 9:00Uhr als mein Wecker klingelte. Ich wollte den Tag nicht zu spät beginnen und somit weckte er mich auch an einem Samstag Morgen. Sieben Stunden schlaf reichten aus, um fit ins Training gehen zu können. Kurze Nachricht an Ale, Giorgio und Paolo, um zu sehen wen ich von beiden im Gym antreffen würde.
Im Bad putzte ich mir die Zähne, zog meine Trainingsklamotten an, steckte Schlüssel und Iphone in die Hosentasche und machte mich auf den Weg. Es vibrierte und schon las ich Giorgios Nachricht. „Bin noch beschäftigt. ;)“ und kurz darauf ein Foto eines nackten Damenhinterns. Es war wohl Annas. Dummkopf. Er schickte dauernd Fotos seiner Eroberungen in unsere Gruppe, meine Fotogallerie bestand fast ausschließlich aus nackten Frauenkörperteilen, die uns Giorgio geschickt hatte.

Kurz darauf schrieb Paolo „Bin schon da ihr Penner, ich bin seit 7 auf den Beinen. Beeilt euch, sonst bin ich weg“ Naja, zumindest einer. Paolo war der älteste und Inhaber des Fitnessstudios „Meetingplace“. Er war auch der durchtrainierteste und mit seinen 35 Jahren, den braunen Haaren und den blauen Augen schnappte er uns fast jede Frau vor den Augen weg. Er war fast so schlimm wie Giorgio, doch musste er die Damenwelt nicht um die Finger wickeln. Meist reichte bei ihm ein Blick, wir hatten schon oft versucht seine Technik zu erlernen, der Einzige, der es etwas drauf hatte war Giorgio. Ale hatte es zwar probiert, war aber immer gescheitert. Ich hatte es noch nicht einmal richtig versucht, kam mir immer etwas dämlich vor und sprach die Frauen meist an, wenn sie mich interessierten. Doch im Gym konzentrierte ich mich ausschließlich aufs Training. Zwar kannte mich fast jeder, genauso wie Giorgio und Ale, doch ich ließ mich ungern ablenken. Giorgio hatte fast alle Frauen durch, Paolo ebenfalls. Nur Ale hielt sich, wie ich, zurück. Er hatte aber auch einen eigenen Frauengeschmack. Er mochte sie rundlicher. Und rundliche Frauen sah man recht selten in unserem Gym. Von ihm kam keine Nachricht. Schlief er noch? Lag er mit Franziska im Bett?

Als ich hineinging stand Paolo hinter der Theke und telefonierte. Er begrüßte mich mit einem Nicken und ich ging direkt aufs Laufband. 10 Minuten später gesellte sich Paolo zu mir, wir schwitzten gemeinsam 20 Minuten und trainierten dann an den Gewichten gemeinsam. Er stemmte natürlich immer mindestens 20 kg mehr als ich. Als Personal Trainer war es auch richtig so. Sein Körper war beinedenswert, aber es war auch sein Job. Da konnte man kaum mithalten.

Heute morgen war glücklicherweise wenig los, die Klimaanlage lief, denn draußen waren es knappe 30 Grad gewesen. „Hey“ rief Ale, er war gerade hereingekommen und gesellte sich zu uns. „Na, wie lief’s gestern Abend“ wollte Paolo letztendlich wissen. Wir hatten uns fast eine halbe Stunde lang angeschwiegen. Paolo war kein sehr gesprächiger Typ, wenn er nichts zu sagen hatte, hielt er seine Klappe. Unnötiges Geplapper konnte er nicht leiden. „Nichts lief, ich hab Franziska nach Hause begleitet. Einen Kuss, mehr gab’s gestern nicht.“ „Ajaja, na da hast wohl was anbrennen lassen, oder?“ „Quatsch, sie hat mir ihre Nummer gegeben, wir treffen uns heut Abend zum Eisessen, ich hol sie ab“ „Eisessen? Wie die Kinder“ lachte Paolo. Ale schmunzelte „Wenn ich sie mit einem Eis ins Bett bekomme, verhalte ich mich gern wie ein Kind. Giorgio kommt mit, er trifft sich mit Anna. Wollt ihr mit?“ „Ne, hab schon was vor“ antwortete Paolo. Ale sah mich an, ich überlegte. Warum eigentlich nicht? Klar, ich war das fünfte Rad an einem sowieso schon unstabilen Wagen, aber ich hatte eh nichts besseres vor. Also sagte ich zu. Außerdem war ich zu neugierig und wollte herausfinden, ob wir wirklich von der selben Julia gestern Abend sprachen.
Wir trainierten noch ein wenig weiter, bis Paolo sich verabschiedete, eine Klientin war gerade angekommen und er musste sich mit ihr beschäftigen. Wie er es mit diesen aufgetakelten, selbstverliebten Frauen nur aushielt war mir schleierhaft. Meist kamen sie mit zu viel Make up, zu viel Schmuck, zu engen Klamotten ins Fitnessstudio und verlangten ein Wunder von Paolo. Und seinen Schwanz. Letzteres war einfacher zu kriegen. Er verdiente leichtes Geld und vögelte was das Zeug hielt. Ob jung oder alt, er ließ einfach nichts anbrennen.
Dieses Exemplar an Oberflächligkeit war aber sogar ihm wohl eine Nummer zu viel. Um die 40 war sie sicherlich, eine quietschende Stimme, Silikonbrüste und vielleicht sogar einen Silikonarsch. Die falschen Wimpern konnte man aus weiter Ferne schon erkennen und das Perfüm roch man auch schon bevor sie überhaupt den Raum betrat. Paolo kratzte sich am Hinterkopf, eine Geste, die er immer machte wenn er genervt war. Aber das konnte Miss aufgespritzte Lippen nicht wissen. Sie streichelte ihm über die Brust, mir wäre davon schlecht geworden. Er musste seinen Job wirklich lieben, denn ich hätte ihre Hand schon längst weggeschlagen und er stand da, ließ sich begrapschen und kratzte sich immer noch am Hinterkopf. Ich blickte zu Ale, er vedrehte die Augen und gab mir zu verstehen, dass er mir zustimmte. Wir sahen dem Schaupiel noch eine Weile zu, Paolo brachte die Dame, die sich als Elena herausstellte zum Laufband, wo sie sowohl mich als auch Ale unverwechselbare Signale zuschickte und wir suchten das Weite. Paolo grinste bei unserer Flucht und hob die Hand zum Abschied.

„Wie macht er das nur? Ich krieg bei solchen Frauen das Kotzen“ beschwerte sich sofort Ale. „Es geht ja nicht um das Alter, aber wie war die aufgetakelt? Checken die Weiber nicht, dass das ein Fitnessstudio ist und nicht der Laufsteg?“ Ich musste grinsen. Wir hatten in der Hinsicht doch einen ähnlichen Geschmack. Uns gefielen sie eher schlicht und einfach. Giorgio und Paolo dagegen bevorzugten die aufgetakelten Varianten. Umso besser. Selten gefiel allen vieren die gleiche Frau und das vereinfachte unsere Freundschaft umso mehr.

Nur Ale und ich hatten des öfteren ein Auge auf die gleiche Frau gelegt, aber wir sprachen uns relativ schnell ab, damit es zu keinen Missverständnissen kam.

„Wann und wo heut Abend?“ fragte ich ihn. „Ich komm um halb 10 bei dir vorbei, wir holen Franziska gemeinsam ab. Liegt bei dir in der Nähe“ sagte er. Was? Bei mir in der Nähe? Dann konnte es auf keinen Fall meine Julia sein. Ich hätte sie doch sicherlich in den vielen Jahren mal zufälligerweise treffen müssen. Ich verbrachte zwar die meiste Zeit in der Arbeit, die Abende im Gym und sonstige Freizeit mit meinen Kumpels aber es konnte nicht möglich sein, sie in den letzten Jahren niemals getroffen zu haben. Oder?

„Was ist?“ fragte mich Ale besorgt. Hatte er meine Verwunderung bemerkt? Ale war ein sehr aufmerksamer Typ. Er hatte Psychologie studiert und arbeitete in einer Klinik als angehender Psychologe. Sein ständiges analysieren ging mir manchmal auf die Nerven, aber er war auch der Einzige, mit dem man anständig reden konnte. „Nichts, ich dachte nur darüber nach, wie seltsam es ist, dass wir Julia nie über den Weg gelaufen sind“.

„Naja, Rom ist eine große Stadt, so seltsam ist es nicht. Ich weiß zwar nicht, was sie macht, das hatte ich gestern vergessen nachzufragen, aber sie ist sicherlich eine beschäftigte Frau. Solchen Frauen läuft man nicht einfach so über den Weg. " er machte eine Pause und fuhr dann fort. "Denkst du noch an sie? Es sind doch mittlerweile 10 Jahre vergangen“ „11“ korrigierte ich ihn. „Und nein, ich denke nicht mehr an sie“ log ich. Ale wusste von meiner damaligen Schwärmerei. Zwar wusste er nicht in welchem Ausmaß, aber er hatte eine Ahnung und wir sprachen manchmal darüber. Er schwärmte auch für sie, vergaß sie aber glücklicherweise relativ schnell, denn er fand eine Freundin und seine Gedanken drehten sich nur noch um Sara.

„Ich denke schon manchmal an sie, sie war heiß. Zwar kann ich mich nicht mehr an ihre Augen erinnern, aber an ihren heißen Körper schon. Man, waren wir alle verknallt.“ Ale lächelte vor sich hin. „Sie waren mehrfarbig“ antwortete ich nach einiger Zeit. „Was?“ „Ihre Augen, sie waren mehrfarbig.“ Sagte ich. „Wie meinst du das? Bunt oder was?“

„Nein, sie hatte mal grüne, mal blaue, mal graue Augen. Manchmal silber.“ „Silber?“ Ale machte eine Pause. „Stimmt, jetzt erinnere ich mich, sie haben immer so merkwürdig geschimmert. Aber ich konnte die Farbe nie richtig erkennen“ er klopfte mir auf die Schulter und wusste wohl, was diese Erinnerung in mir hervorief. „Vergiss sie, es sind jetzt zu viele Jahre her. Sie ist Mutter und Ehefrau, und hat uns sicherlich vergessen“ „Ja ja, ich weiß.“ schloss ich ab. „Bis heut Abend Ale“ „Bis dann“. Ich joggte das letzte Stück nach Hause und ging sofort unter die Dusche, um das unangenehme Gespräch über die Vergangenheit abzuwaschen. Ich hasste es, dass Ale meine Gefühle so gut kannte. Zwar kannte er nicht die ganze Wahrheit und konnte sich nicht einmal vorstellen, wie sehr ich noch an Julia dachte auch nach so langer Zeit, jedoch hatte er einen ausgesprochen guten Spürsinn was meine sentimentale Situation anging.

Ich verbrachte den Tag vor dem Tv, es lief nichts besonderes, ich zappte durch das Programm und versuchte mir die Zeit zu vertreiben. Meine Mutter rief an, meine Schwester kurz nach ihr. Sie meldete sich selten, wohnte momentan in Florenz und studierte dort Literaturwissenschaften. Sie erzählte mir von ihrem neuen Freund, nicht dass es mich interessiert hätte, aber ich konnte ihr das kaum auf die Nase binden und hörte zu. Sabrina hatte schon immer ihre Geheimnisse und Erlebnisse mit mir teilen wollen, auch die intimen. Sie verstand wohl nicht, dass ich kein Interesse daran hatte, aber als großer Bruder fühlte ich mich für sie verantwortlich und hörte trotz allem zu. „Und was ist mit dir Fabio? Was macht die Liebe? Du bist bald 29, du solltest langsam mal eine Frau finden, heiraten, Kinder kriegen. Ich möchte Tante werden“ plapperte sie. „Ach Sabri, lass gut sein, du weißt besser als ich, dass ich momentan einfach keine Zeit für eine Beziehung habe“ „Ich weiß Fabiolino, aber wie kann man dich nicht lieben?“ kicherte sie ins Telefon. Sabrina wusste nichts von meinem Sexleben, sie war meiner Meinung nach zu jung, mit ihren 22 Jahren. Sie kannte meine Exfreundinnen, das war’s. Mehr aber auch nicht. Von meinen Bettgeschichten brauchte sie nichts zu erfahren.
„Wie geht es Ale?“ wollte sie wissen. „Dem geht’s gut, warum?“ „Ach nur so, Giorgio steckt wieder in irgendeiner Muschi fest?“ „SABRINAAAA, was soll ich nur mit dir machen“ schimpfte ich sie. Ich hörte sie lächeln. „Ja, Giorgio hat mal wieder eine aufgerissen, du weißt doch, wie er ist. „Ach ja, der geile Hengst“ lachte sie. Giorgio hatte es auch schon bei ihr versucht. Ich hatte ihm fast die Nase gebrochen, als ich mitbekam, dass er meine kleine Schwester angrub. Er hatte es sofort eingestellt, wir hatten uns an einem Abend in die Haare bekommen. Ale und Paolo mussten dazwischen gehen, sonst wäre einer von uns beiden im Krankenhaus gelandet. Ich war mit einer aufgesprungenen Lippe und einem Veilchen davon gekommen. Giorgio dagegen mit einer blutigen Nase und mehreren Schrammen. An dem Abend hatten die Jungs verstanden, dass meine Schwester tabu war. Und viel zu jung für sie.

Sabrina war wochenlang beleidigt gewesen, sie hasste es von mir beschützt zu werden und fand gefallen an Giorgio. Doch sollte sie nicht eines der tausend Mädchen auf seiner Strichliste sein und somit stellte ich mich dazwischen.
„So, ich muss weg. Michele holt mich gleich ab, wir gehen ins Kino. Kuss alter Mann“ sagte sie und schmatzte einen lauten Kuss in den Hörer. „Hey, pass auf zu wem du alter Mann sagst, du verrücktes Huhn. Pass ja auf, sonst brech ich deinem Michele auch noch die Finger“ ermahnte ich sie. „Ach du Dummkopf. Ich weiß schon was ich mache...“ und sie legte auf.

Dass sie keine Jungfrau mehr war, das wusste ich. Trotzdem gefiel es mir nicht, dass sie sexuell aktiv war beziehungsweise wollte ich gewisse Dinge einfach nicht wissen.

Ich stand vom Sofa auf, schaute auf die Uhr im Wohnzimmer und bemerkte, dass es schon 8 Uhr war und ich noch nichts zu Abend gegessen hatte. Ich stellte einen Topf mit Wasser auf den Gasherd, salzte es und holte eine Fertigsoße aus dem Schrank. Manchmal kochte ich auch selbst, heut Abend war ich zu faul und in einer Stunde würde Ale auf der Matte stehen, also blieb mir wenig Zeit. Während ich darauf wartete, dass das Wasser kochte ging ich ins Schlafzimmer und holte frische Kleidung aus meinem Kleiderschrank. Schwarze Jeans, weißes Hemd, schwarze Socken, schwarze Sneakers. So konnte ich nicht viel falsch machen und konnte überall rein. Ich wusste ja nicht, wo der Samstagabend nach dem Eisessen hinführen würde.


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