Erstes Training

Normalerweise beginnt hier ja immer das nächste Kapitel, allerdings möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die bis hierher gekommen sind und die Geschichten verfolgen. Gleichtzeitig möchte ich euch ermuntern mir eure Meinungen, Anmerkungen und Kritik mitzuteilen - ich freue mich über jeden Kommentar :D
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Wie zu erwarten war, war ich nicht allein, aber das störte mich nicht. Niemand stellte sich mir in den Weg - die Männer, die da waren, schien nicht einmal aufzufallen, dass ich da war.
Ich beschloss, zuerst ein paar Messer zu werfen und stellte mich in einiger Entfernung zu den Zielscheiben auf. Das Messer in meiner Hand war glatt und kalt, jedoch war dies ein sehr vertrautes Gefühl. Ich war in meinem Element.
Jedes Messer traf sein beabsichtigtes Ziel, sodass ich mich glücklich auf den Weg zu einem der Sandsäcke machte.
Dort übte ich ein paar Schlag- und Trittfolgen und hoffte, dass meine Wunde nicht wieder aufgehen würde. Doch Aufgeben war keine wirkliche Alternative und so zückte ich meine Schwerter vor einer der Strohpuppen. Die Zeit schien schneller vergangen zu sein, als ich dachte, denn die ersten Männer und Yaro flogen nach einander ein,  was mich davon abhielt zu trainieren. Während ich die Schwerter zurück in die Lederscheiden steckte, ging ich zu Yaro herüber und stellte mich neben ihn.
"Was wollte der König von dir?" flüsterte er mir zu.
"Ach, nichts Wichtiges. Er wollte nur hören, wie es meiner Verletzung geht", antwortete ich. Von dem Kuss brauchte er nichts zu wissen und da ich nicht wusste, ob mein Übungskampf tatsächlich heute stattfand, ließ ich auch dieses Detail aus.
Immer mehr Männer kamen in die Höhle, bis zu guter Letzt auch Kijan kam - der sich direkt neben mich stellte. Damit schienen wir vollzählig, was sich bestätigte, nachdem ich durchgezählt hatte.
"Zuerst werde ich euch in die zwei Gruppen einteilen. Ich werde die Namen derjenigen vorlesen, die in Yaros Gruppe sind. Der Rest gehört automatisch zu Sav. Dann werden die beiden sich Eurer annehmen."
Ich konzentrierte mich währenddessen darauf, mich nicht zu sehr auf ihn zu konzentrieren. Funktionierte natürlich total super.
Nicht.
Wie lang konnte diese Liste denn bitte noch sein. Zwanzig Namen vorzulesen kann doch nicht so ewig dauern, schoss es mir durch den Kopf. Ein Teil von mir wollte Kijan berühren, meine Lippen auf sein pressen, bis wir beiden außer Atem waren. Ein anderer Teil war einfach furchtbar ungeduldig und wollte endlich kämpfen und nicht nur tatenlos herumstehen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit waren tatsächlich alle zwanzig Namen verlesen und eine Gruppe von Soldaten versammelte sich vor mir.
"Okay", begann ich. "am besten wäre es wahrscheinlich, wenn ich euch erst einmal kämpfen sehen. Sucht euch einen Partner, gegen den ihr antreten wollt."
Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meiner Gruppe anstellen sollte, deshalb hielt ich es für eine gute Idee, mir anzusehen, was sie konnten und welche Schwächen sie hatten.
Alle folgten mir zu den Matten, die einen großen Teil der Höhle bedeckten und ich machte eine Geste, die ihnen bedeutet sich auf die Matten zu stellen.
"Versucht bitte möglichst jeweils auf einer Matte zu bleiben", fügt ich noch hinzu, bevor ich das Startzeichen gab. Einige der Soldaten gingen sofort auf den Gegner los, andere versuchten erst, ihn einzuschätzen. Währenddessen ging ich von Paar zu Paar und gab hier und da Anweisungen, die alle versuchten, so gut es ging umzusetzen.
Nach einer Weile befanden sich alle Paare in einer pattähnlichen Situation und ich rief sie zu mir.
"Ihr seid alle sehr gut ausgebildete Soldaten. Jeder von euch hat ein paar kleine Schwächen. Eine große Schwäche habt ihr jedoch alle gemeinsam: Ihr könnt euren Partner nicht richtig analysieren. Ihr findet seine Schwächen nicht. Weshalb ihr euch irgendwann in einer Pattsituaiton befinden, wenn ihr mit einem euch ebenbürtigen Gegner kämpft. Doch daran werden wir in der nächsten Zeit arbeiten. Jetzt sucht euch einen neuen Partner. Analysiert ihn. Beobachtet jede seiner Bewegungen. Jeden seiner Atemzüge. Seine Mimik. Findet seine Schwäche. Nur so könnt ihr ihn besiegen. Und noch wichtiger: findet auch eure eigene Schwäche und arbeitet daran." Wow, hatte ich gerade wirklich so geschwollen und poetisch geredet? Und ich musste auch sagen, meine neue Aufgabe als Lehrerin gefiel mir sehr gut.
Die Männer stellten sich - nun mit einem andern Gegenüber - wieder auf und begannen zu kämpfen. Ich ging wieder zu den einzelnen Paaren und beobachtete sie. Tatsächlich schienen einige von ihnen sofort verstanden zu haben was ich meinte. Sie beobachteten ihre Gegner sehr genau. Allerdings führte dies dazu, dass sie sich zu sehr vom eigentlichen Geschehen ablenken ließen.
Immer und immer wieder drehte ich meine Runden, sah ihnen zu, gab jedoch keine Anweisungen.
Irgendwann sah man ihnen an, wie erschöpft sie waren. Das Training war allerdings noch nicht beendet. Ich beendete nur die Kämpfe. Dann schickte ich sie zum Messerwerfen, Gewichte heben, Klimmzüge machen und verdonnerte sie zu Liegestützen. Sie waren alle trainiert, doch mein Training sollte sie an ihre Grenzen - und vor allem darüber hinaus - bringen.
Nach mehreren Stunden des Trainings war ich so erschöpft, dass ich sie für heute entließ - obwohl ich nichts gemacht hatte, außer herumzulaufen und Anweisungen zu geben. Meine Wunde schmerzte fürchterlich und ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten - was ich mir natürlich nicht anmerken ließ. Gemeinsam mit meinen Soldaten verließ ich die Höhle. Yaro war schon seit zwei oder drei Stunden mit dem Training fertig gewesen, wahrscheinlich hatten ihn seine Männer davon überzeugt.
Da meine Höhle in einem anderen Teil der Festung lag, trennten sich unsere Weg bald, worüber ich mehr als froh war, denn endlich musste ich den Schein nicht mehr wahren.
Endlich in meinem Zimmer angekommen ließ ich mich vorsichtig auf dem Bett nieder und schlief nach kurzer Zeit ein.



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