Etwas Altes zerrinnt II

Eine helle, laute Stimme lenkte die Aufmerksamkeit des zweiten Heerführers zurück zur Mitte des Hofes, wo die Botin des Rates schreiend dem Mann in Schwarz hinterherrannte. Was genau die junge Frau rief, konnte er zwar nicht verstehen, doch das schürte seine Neugier nur mehr. Noch immer lehnte er mit verschränkten Armen an einer Schulter am Fensterrahmen, beugte sich nun aber ein Stück weiter vor und beobachtete die Szene skeptischen Blickes. Der Magistrat blieb ob des Rufens im ersten Moment irritiert stehen und blickte sich scheinbar verunsichert um.
     Schnell hatte Myu Sansa den Mann erreicht und der Sibulek lehnte sich abermals ein ganzes Stück weiter vor. Vielleicht konnte er so einige Worte der aufgeregten Ratsbotin erhaschen. Doch die Stimmen der vielen heiteren Menschen im Burghof überdeckten sie leider. Dass es nichtsdestotrotz eine heftige Auseinandersetzung war, konnte er an den ausladenden Gesten des Mädchens ersehen, die ihren offensichtlich nicht zur Kenntnis genommenen Worten Nachdruck verleihen sollten. Als der Mann in Schwarz es aber gleich darauf grob von sich stieß, geriet der Sibulek erneut ins Grübeln.
     Warum legte sich ein Magistrat mit der Botin der Neun Weisen an?
     Das ergab doch absolut keinen Sinn! Jedes Widerwort oder gar eine Handgreiflichkeit gegen die junge Frau waren eine direkte Provokation des Rates!
     Myu ließ sich ein solches Verhalten natürlich nicht gefallen und stellte sich dem Fliehenden energisch ein weiteres Mal in den Weg. Gespannt spitzte der Sibulek erneut die langen Ohren und konnte dieses Mal tatsächlich einige Wortfetzen aus dem Hintergrundlärm filtern, da beide Personen sich nun näher befanden und das Mädchen deutlich lauter redete, ja fast schon schrie.
     Den Mann, der seinen verhüllenden Umhang fest umklammerte und selbst kein Sterbenswörtchen von sich gab, schien das alles aber nicht im Geringsten zu interessieren. Ganz im Gegenteil! Die wenigen Handzeichen, die er der Botin gab, sprachen eine klare, eindeutige Sprache. Unverhohlen bedeuteten sie der jungen Frau unter Androhung von Gewalt, sich schleunigst aus dem Staub zu machen.
     „Ist der lebensmüde?“, schoss es dem zweiten General durch den Kopf, als die schwarze Gestalt ohne Vorwarnung die Hand erhob, dem Mädchen einen Schlag versetzte, dass es der Länge nach hinschlug, und dann unbeirrt ihren Weg fortsetzte.
     „Verdammt noch einmal, bleiben Sie stehen, Ge…!!!“, rief Myu dem Mann noch fluchend hinterher.
     Doch mehr verstand der Sibulek nicht mehr, da ihre weiteren Worte wieder in Festmusik und allgemeinem Lachen untergingen. Wütend rappelte sich die Botin auf, räumte das Feld und verlangte lautstark nach dem Rat.
     Der Anführer der Weißen Wölfe verstand die Welt nicht mehr. Ein solch respektloser und vor allem rabiater Umgang sah einem Magistraten in keiner Weise ähnlich, egal wie wichtig und geheim seine Botschaft auch war. Wobei er sich den gedanklichen Seitenhieb nicht verkneifen konnte, dass er durchaus überrascht war, dass der Mann die Zusammenarbeit mit seinem Freund überhaupt überlebt hatte. Aber er war eindeutig zu lange in dessen Gesellschaft gewesen. Das war mehr als offensichtlich! Denn üblicherweise kannte er ein Verhalten wie das beobachtete nur von seinem Partner.
     Erneut flammte die Idee von eben in ihm auf und er entsann sich, dass man seine Aura zwar nicht gänzlich verbergen, sehr wohl aber mit viel Kraft beherrschen konnte. Ein Gedanke, der eine heiße Woge in sein blaues Gesicht schießen ließ.
     Hatten seine Augen sich doch nicht geirrt?
     Wie von selbst suchte sein Blick erneut nach dem Mann in Schwarz, der jetzt im Laufschritt genau auf die Front des Flügels zueilte, in der auch seine Kammer lag. Mit jedem Schritt, den er tat, fühlte der Sibulek sein Herz ungewollt einen Takt schneller schlagen, und je näher er kam, desto stärker umklammerten seine Hände den schweren Vorhang.
Mit einem Mal wandte er sich ruckartig vom Fenster ab. Er musste einen klaren Kopf behalten! Diese heftigen Gefühlsregungen waren nicht nur unvernünftig, sondern auch völlig unbegründet. Entbehrten sie doch jeder logischen Grundlage. Denn noch immer fehlte jede Spur der schwer zügelbaren feurigen Aura seines Partners und nicht ein Hauch dieses elektrisierenden Knisterns lag in der Luft. Ganz offensichtlich war er noch total übermüdet und so ausgezehrt, dass seine Sehnsucht nach Vergangenem und sein Wunsch nach einstiger Normalität seine Sinne und Gedanken narrten. Er sollte vom Fenster wegtreten, den Vorhang schließen und noch eine ausgiebige Runde schlafen!
     Doch wider besseres Wissen hielt ihn irgendetwas hier. Zwang ihn regelrecht, zu bleiben. Irgendetwas oder irgendjemand. Ganz langsam und sich innerlich dagegen sträubend drehte der zweiten General sich wieder um und schon aus den Augenwinkeln fiel sein Blick erneut auf die dunkle Gestalt im Hof. Diese war jetzt am Fuße der Mauer angelangt, hob in Zeitlupe den Kopf und ließ ihm den Atem stocken. Tiefschwarze Augen, welche die heißen Flammen dahinter kaum noch verbergen konnten, sahen zu ihm auf und unter dem feurigen Blick wurden die des Sibulek schlagartig eisblau. Für einen Moment schien es, als bliebe die Zeit stehen. Alles andere verschwand in Schwarz getaucht aus dem Blickfeld des blauhäutigen Mannes und sein einziger Fokus war diese Person.
     Das Klopfen seines Herzens, das ihm nun bis zur Kehle schlug und laut in seinem Kopf hallte, wurde ihm ebenso unerträglich wie sein immer schneller gehender Atem. Da spürte und sah er es! Mit einem Schlag begann die Luft, geheimnisvoll zu knistern, und ein schwacher, rötlich pulsierender Schein entstand um den Fremden. Mit jedem Flackern wurde er stärker und bereits nach drei Wimpernschlägen strahlte er in intensivem Feuerrot.
     Von naher Ferne vernahm er die Stimmen des heraneilenden Rates, die auch der Mann in Schwarz nun hörte. Kurz sah dieser sich nach allen Seiten um, offenbar um sich zu versichern, dass ihn in all dem Trubel niemand wirklich bemerkte. Dann nahm er neun kurze, schnelle Schritte Anlauf über einen beladenen Sackkarren, löste sich mit einem kräftigen Ruck vom Boden und sprang mit einem gewaltigen Satz in das offene Fenster drei Stockwerke über ihm. Im Flug schlug er die verhüllende Kapuze zurück, worauf der unverwechselbare silberne Irokesenschnitt zum Vorschein kam, und mit einer Hand löste er den Gürtel. Flatternd ging der schwarze Umhang zu Boden, gab die Tarnung des dritten Generals endgültig auf und enthüllte dem Sibulek, was sein Herz von Anfang an geahnt hatte.
     Mit Wucht landete der unverhofften Besucher auf dem alten Eichenboden der Kammer und der Sibulek wich vom Fenster zurück. Sein Puls schlug jetzt hart in den Stirnadern und rauschte laut in seinen Ohren. Wie zur Strafe, dass er nicht auf seine Intuition hatte hören wollen. Als sein Gegenüber sich langsam aufrichtete, war er nur noch zu einem einzigen Gedanken fähig.
     Da endlich war er!
     Nach drei eisigen Wintern, zum Ausklang des dritten Sommers sah er sich schließlich wieder dem Grund seiner zahllosen schlaflosen Nächtegegenüber. Seinem Partner und Weggefährten! Schwer atmend stand dieser an die Fensterbank gelehnt einfach nur da und starrte ihn regungslos an. Als sich die silbernen Haarspitzen seines Freundes für einen kurzen Moment entzündeten, wich der Sibulek erneut zurück und nach weiteren Schritten stand er nun am Fenster auf der gegenüberliegenden Seite und konnte sich unmöglich noch mehr zurückziehen. Quälend lange Augenblicke herrschte absolute Stille. Der rege Lärm des Burghofes trat immer mehr in den Hintergrund, bis er gänzlich aus seiner Wahrnehmung verschwand. Kein Wort, kein Flüstern, kein einziger Ton war mehr zu hören. Nicht einmal ihr Atmen war noch zu vernehmen.
     Auch wenn das dem redegewandten Sibulek ganz und gar nicht ähnlich sah, er fand einfach keine Worte, die diesem Moment auch nur annähernd gerecht wurden. Dabei hatte er sich nächtelang auf genau diese Situation vorbereitet und sich die unterschiedlichsten Begrüßungsvarianten zurechtgelegt. Von herzlich über fröhlich und ungestüm bis hin zu sarkastisch oder auch zurückhaltend. Je nachdem wie sein Gefährte reagierte. Selbst auf ein aggressives, gewalttätiges Wiedersehen hatte er sich eingestellt. Doch nun, da sich keines seiner angenommenen Szenarien bewahrheitete und so gar nichts passierte, brachte er keinen einzigen Ton heraus.
     Wie versteinert blickte er nur in die Funken sprühenden Augen, die ihn regelrecht zu verschlingen schienen, und rang um seine Haltung. Cru Kanîja konnte es immer noch nicht fassen. Nach all der Zeit stand sein Freund Yo Valkja jetzt wenige Schritte von ihm entfernt. Er brauchte nur die Hand auszustrecken, um ihn zu berühren. Beinahe hatte er Angst, jeden Moment aus einer nächtlichen Illusion zu erwachen und dass die Gestalt vor seinen Augen zerplatzte wie ein wunderschöner Traum im Morgengrauen.
     Nur mit Mühe konnte er sich vom Gesicht seines Gegenübers lösen und blickte langsam an ihm herab. Yo sah gut aus. Wie immer war sein Partner in dessen Lieblingsfarben gekleidet. Er trug eine der schwarzledernen Hosen mit silberner Gliederkette zwischen den Knien. Dazu rotbraune und allmählich verschlissene Lederstiefel mit halb umgekrempeltem Schaft, ein helles, leicht schimmerndes Hemd mit kleinem Stehkragen und einen schwarzen Wams mit dezenten, gestickten Verzierungen in sattem Dunkelrot. Die blasse Haut kam ob der dunklen Kleidung besonders deutlich zur Geltung und mutete noch bleicher an als sonst. Die Muskeln schienen zum Zerreißen gespannt zu sein. Heftig hob und senkte sich der Brustkorb unter der schweren Atmung. Die Finger hielten den hölzernen Sims fest umkrallt und Cru konnte das Blut in den Adern der Handrücken schlagen sehen. Am Bauch seines Gefährten erahnte er einen großen Wundverband und über das nach vorn gedrehte linke Handgelenk verlief die alte, feine Narbe.
     Cru fiel es schwer, zu begreifen, was in ihm vorging. Dass er keinesfalls kalt oder herzlos war, wusste er, doch dass solche Gefühle in ihm wohnten, hatte er nie bemerkt. Sicher, Yo war für ihn über die Äonen mehr als nur ein Freund und Schwertbruder geworden. Er war sein Partner, sein Wegbegleiter durch die Wirrungen des Lebens.
     Er war sein Schicksal!
     Und doch schien er nicht gemerkt zu haben, wie tief seine Verbundenheit zu ihm mit der Zeit wirklich geworden war. Selbst jetzt konnte er es nur ansatzweise erahnen und die Tragweite all dessen ließ ihn kurz erschauern. Denn das, was er in diesem Moment empfand, ging weit über Freundschaft, Zuneigung oder Vertrautheit hinaus. Was immer es war, es entzog sich seiner Vernunft. Als er endlich einen Namen für dieses Gefühl fand, schloss Cru die Augen. Egal was nun passierte, er wusste, dass er nichts dagegen tun wollte, dass er es einfach geschehen ließ. Denn dieses Gefühl, das seinen ganzen Körper und seinen Geist einnahm, das stärker war als all seine Magie und dem er sich nicht entziehen konnte, dem er sich nicht entziehen wollte, das nannte sich Wehrlosigkeit!
     Als er die Lider nach einer Weile wieder öffnete, löste sein Partner die krampfhaft in das hölzerne Fensterbrett gebohrten Finger, schlug das Fenster ihn dessen Rücken zu und packte die Kordel des Vorhanges. Zaghaft wagte er einen Schritt in seine Richtung, wich einem direkten Blickkontakt jedoch aus. Mit klopfendem Herzen erkannte Cru, dass sie dieses Mal beide keine Chance hatten, ihren Gefühlen zu entfliehen. Im Moment dieses Gedankens ließ Yo die Kordel los und der schwere Samtvorhang fiel zu.

Unterdessen standen Inor und Forso Kívíako im östlichen Säulengang des Burghofes und sahen skeptisch zur Kammer des Sibulek hinauf. Sie hatten das halsbrecherische Manöver Yo Valkjas beobachtet und Inor waren höchst unschickliche Worte über die Lippen gekommen.
     „Das darf doch nicht wahr sein. Dieser Idiot!“, hatte er bleich vor Schreck geflüstert. „Da kann er sich ja gleich das Sünderzeichen eines Magiers auf die Stirn brennen.“
     Skeptisch und mit gemischten Gefühlen hatten er und sein Bruder dann das Spiel der intensiv flackernden Auren ihrer Ziehväter verfolgt. Vorsichtig hatten diese sich genähert, ohne einander zu berühren, waren umeinander herum geschwebt und ruckartig wieder zurück gezuckt, nur um ihr neckendes Treiben von Neuem zu beginnen. Fast wie ein Balztanz. Dann fiel der Vorhang zu und verbarg die beiden Männer vor den neugierigen Blicken der Jungen. Nicht aber ihre Auren, deren Tanz stetig wilder wurde.
     „Du Inor“, fragte Forso nach einigen Augenblicken leise, als die rote Aura hungrig nach der blauen züngelte. „Sag mal, ist mit Yo alles in Ordnung? Ich meine, was …“
     „Sie sollten nicht gestört werden“, unterbrach er seinen kleinen Bruder trocken und deutete auf die heraneilenden Ratsmitglieder.
     Zwar hatte sein Ziehvater Glück, dass außer ihnen beiden anscheinend tatsächlich niemand die verräterische Darbietung seiner Kräfte mitbekommen hatte, doch in dem weit geöffneten Fenster hatte er wie auf dem Präsentierteller gestanden. Die kleine Statur, die silbernen Haare und die auffällige Frisur hatten selbst die alten Augen der Weisen schon vom anderen Ende des Hofes aus sofort erkannt. Mittlerweile waren die grauen Eminenzen bereits in der Mitte des Burghofes angelangt und manche drohten dem dritten General sogar schon mit dem Stock. Es war nur noch eine Frage von wenigen Augenblicken, bis sie auch den Westflügel erreichten und zur Kammer des Sibulek hinaufeilten.
     Für Inor galt es, genau das zu verhindern. In dem Zustand, in dem vor allem sein Meister sich gerade befand, konnte wer weiß was passieren. Denn wenn er ihn nicht völlig verkannte, war dieser bereits nicht mehr Herr seines Selbst. Und was es hieß, wenn Yo die Kontrolle über sich verlor, das wusste er nur zu gut.
     „Stimmt, diese Geier lassen ihnen ja kaum die Luft zum Atmen“, pflichtete Forso ihm bei.
     Einen kurzen Moment lang sahen sie sich verschwörerisch an, dann nickten sie einander verstehend zu und schlossen die Augen. Forso faltete seine Hände vor dem Gesicht und murmelte ein kurzes Meditationsgebet. Dann visierte er im Geiste die Kammer seines Mentors an und baute eine starke temporäre Barriere, die den Lärm des Hofes nicht hindurch ließ, darum auf. Inor nahm sich derweil der Neun Weisen an, die schon fast am Aufgang angekommen waren und seinem Ziehvater wieder einmal die Leviten lesen wollten. Ein kurzer umsichtiger Blick, dass sie keiner beachtete, dann konzentrierte auch er sich und ließ Kraft seiner Gedanken und einer Abfolge komplizierter Fingerzeichen ein täuschend echtes Trugbild des dritten Generals auf einem menschenleeren Säulengang des Westflügels erscheinen. Dieser lag direkt im Blickfeld des Rates und sobald die Weisen den vermeintlichen Heerführer erblickten, rannte dieser davon und den Gang entlang über das Burgtor zur anderen Seite der Festung.
     Für die alten Herren sah es so aus, als hatte der Anführer des Roten Mondes gerade die Kammer seines Freundes verlassen und versuchte nun ein weiteres Mal, vor ihnen zu fliehen. Wie erhofft schwenkte die gesamte Gruppe daher prompt um. Laut rufend rannten die etwas Jüngeren unter ihnen der Illusion hinterher, während die anderen nach einigen Kriegern schickten, die dem Flüchtenden offenbar den Weg abschneiden sollten. Da aber kaum einer die Ratsmitglieder wirklich wahrnahm und jedermann fröhlich und ausgelassen die Rückkehr des letzten Heeres feierte, gingen die meisten ihrer Rufe ungehört unter.
     Zu Inors Gefallen nahm somit kaum jemand Notiz von dem Vorfall um seinen Lehrmeister und dass seine Täuschung so vortrefflich funktionierte, amüsierte den jungen Mann köstlich. Nur mit Mühe konnte er sich das Lachen verkneifen, denn es war schon ein herrliches Bild, was sich ihm da bot. Kurz hielt das Trugbild inne und ließ seine aufgebrachten Verfolger scheinbar aufholen, dann floh es erneut die Gänge entlang hinter die nächste Biegung ins Innere der Festung, wo es aus Inors Sichtfeld verschwand und sich auflöste.
     „So, die sind erst einmal beschäftigt“, klopfte er seinem Freund lachend auf die Schulter. „Wie sieht’s bei dir aus?“
     „Alles fertig. Da kommt keiner durch.“ Mit diesen Worten schlug Forso die Augen auf und schmunzelte ihn spitzbübisch an. „Und der äußere Film sorgt dafür, dass es auch gar keiner will.“
     Augenblicklich verstand Inor und zwinkerte dem bis über beide Ohren grinsenden Blondschopf wissend zu. „Aha, sehr einfallsreich.“
     Forso hatte augenscheinlich einen stimmungsverändernden Schutzzauber gesprochen, der bewirkte, dass jeder, der sich der Kammer näherte, unwillkürlich einen anderen Weg einschlug, und somit kein Mensch auch nur in die Nähe ihrer beiden Meister kam. Wie sein kleiner Bruder etwas Derartiges schaffte, wusste Inor bis heute nicht. Denn so sehr er es auch versucht hatte, mehr als einen unappetitlich glibberigen Aggressionsfilm brachte er selbst nicht zustande. Lebensechte Abbilder, die etwas Komplexeres als tote Materie darstellten, zeigten dafür seinem Forso die Grenzen seines Könnens auf. Denn jeder von ihnen hatte unterschiedliche, ihm eigene Fähigkeiten, die sich nur bedingt von dem Anderen erlernen ließen.
     „Du Inor“, fragte sein blonder Freund und sah ihn auf einmal etwas komisch an, „ist irgendetwas passiert? Ich meine: Yo, er wirkt so …“
     „Nein, nicht wirklich“, antwortete er und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Das heißt, na ja, vielleicht.“
     Sofort zog Forso die Augenbrauen tief ins Gesicht und sah ihn eindringlich an. „Was heißt das denn bitte?!“
     „Ich weiß es nicht.“ Entschuldigend hob Inor die Arme und fuhr sich unsicher durchs Haar. „Er war in letzter Zeit nur so …“
     „Ja?“
     „Anders!“
     Verknautschte Gesichter und Ratlosigkeit auf beiden Seiten, dann herrschte einen Augenblick lang verlegenes Schweigen. Yo hatte mit seiner gewagten Aktion die Entdeckung seiner magischen Fähigkeiten in Kauf genommen und damit Kopf und Kragen riskiert. Noch dazu schien er alles andere als gut gelaunt. Seine Aura flackerte beunruhigend heftig, nahezu angriffslustig und obendrein schien Cru ungewohnt demütig, war sogar vor seinem Freund zurückgewichen. Wie im Krieg wog er daher unbewusst in Gedanken ab, ob Yo eine Gefahr und Bedrohung für Cru darstellte und ob sie eingreifen sollten, es vielleicht sogar mussten. Und sein Bruder tat augenscheinlich dasselbe.
     „Ach Forso, ich weiß auch nicht.“ Inor schüttelte den Kopf, als er ihr antrainiertes Verhalten bemerkte. „Du kennst doch Yo. Bei ihm ist immer alles anders und …“
     „Wahnsinnig kompliziert!“, fiel Forso ihm lachend ins Wort. „Meinst du … Na ja, glaubst du, dass er endlich …“
     Augenblicklich wuschelte Inor durch das sonnenblonde Haar seines Freundes, bis es völlig zerzaust war, und zuckte mit den Schultern.
     „Wer weiß. Möglich ist angeblich alles.“
     Beide warfen sie einen kurzen, zaghaften Blick auf die hell leuchtenden Auren ihrer Ziehväter, die sich unverändert lauernd umtanzten, wie im Spiel berührten und niederrangen, um dann wieder zurückzuzucken. Ein schelmisches Grinsen entstand in Forsos Gesicht und bedeutungsvoll lächelte er zurück.
     „Lass uns einen Spaziergang machen, du kleiner Voyeur!“
     Grummelig ob der unpassenden Bezeichnung gab sein kleiner Bruder ihm eine nicht ernst gemeinte Ohrfeige und rannte dann lachend davon. Schmunzelnd lief Inor  Forso hinterher und sie überließen ihre Meister sich selbst und ihrem Schicksal.

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Lieber Leser und Leserinnen.

Na, wer will wissen, was hinter dem geschlossenen Vorhang jetzt geschieht? ^______________^

Weiter geht es in Kürze. Frei nach dem Motto: „Nun, da sich der Vorhang der Nacht über die Bühne legt, kann das Spiel beginnen.“ Und diese Nacht fängt gerade erst an. ;)

Danke fürs Lesen!

Bis bald

Noia

PS: Die folgenden zwei Kapitel sind "under reconstruction". Nach eurem Feedback und intensiven Diskussionen mit meiner Beta habe ich das für nötig befunden. Also nicht wundern. ;)

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beta
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