Eulalia die Erdbeermilchkuh ist von zu Hause weg gegangen, weil die anderen Kühe sie nicht mochten. Jetzt lebt sie mit dem Waldmeisterhuhn, dem Brombeerschwein und dem Zitronenschaf auf dem Bauernhof der Schokoladenente. Die Tiere haben die Gebäude ganz bunt angemalt und ein großes Schild aufgestellt. Darauf steht der neue Name des Hofes:

                                                   REGENBOGENHOF

Nach und nach hat es sich herumgesprochen, daß auf dem Regenbogenhof Tiere leben, die anders sind. Seitdem kommen immer mal wieder Menschen und auch andere Tiere zum Regenbogenhof, um sich diese Tiere anzusehen. Eulalia und ihren Freunden macht das nichts aus, sie finden es mittlerweile total gut, anders zu sein. Das ist wenigstens nicht langweilig.

Eines Tages kommen wieder einige Tiere zum Regenbogenhof. Aber es sind keine normalen Besucher, denn diese Tiere sind - anders:
ein blauer Hund, eine orangefarbene Katze, ein pinker Elefant und eine rote Giraffe. Und ein Pferd, das in allen Regenbogenfarben leuchtet. 
Eulalia begrüß die Neuen.
"Hallo, ich bin Eulalia, die Erdbeermilchkuh. Und wer seid ihr?"
"Hallo, Eulalia", antwortet der Elefant, "ich bin der Himbeerelefant und das hier sind meine Freunde der Blaubeerhund, die Apfelsinenkatze, die Kirschgiraffe und das Regenbogenpferd. Wir haben bis gestern in einem Zirkus gearbeitet, aber jetzt haben wie keine Lust mehr dazu. Wie wollen nicht mehr umherreisen. Dürfen wie vielleicht hier bei euch bleiben, bitte?

Natürlich dürfen sie bleiben. Jetzt wohnen also zehn Tiere auf dem Regenbogenhof. Und das ist richtig lustig. Alle mögen sich und es gibt nie Streit. Na ja, fast nie. Denn eines Tages...

Eines Tages kommt ein Mann auf den Hof. Er arbeitet für die Zeitung und möchte einen kleinen Artikel über die Tiere, die anders sind, schreiben. Das erlauben Eulalia und ihre Freunde ihm gerne. Also stellt er jedem Tier ein paar Fragen und dann fährt er wieder weg. Schon am nächsten Tag erscheint der Artikel in der Zeitung. Als sie ihn gelesen haben, sind die Tiere, die anders sind, sauer. Denn ganz am Schluss hat der Mann geschrieben:
"Alle Tiere auf dem Regenbogenhof sind einzigartig und etwas ganz besonderes. Vor allem das Regenbogenpferd. Seinetwegen heißt der Bauernhof ja auch "Regenbogenhof"."
So eine Frechheit. Glatt gelogen ist das! Denn der Regenbogenhof hieß schon so, bevor das Regenbogenpferd dort einzog, und außerdem sind auf dem Hof alle gleich, eben weil alle anders sind, jeder auf seine Art. Da ist keiner besser als der andere. Die Tiere, die anders sind, finden, daß der Mann da ganz großen Quatsch geschrieben hat. Nur das Regenbogenpferd sieht das irgendwie anders...

Es findet nämlich, daß der Mann von der Zeitung Recht hat. Es ist doch wirklich ein ganz besonderes Tier. Die anderen Tiere haben schließlich alle nur eine Farbe, wenn auch sehr ungewöhnliche, aber es selbst hat alle Farben gleichzeitig. Das ist doch wirklich etwas ganz, ganz, ganz Besonderes! Das Regenbogenpferd hält sich plötzlich für viel besser als die anderen Tiere und benimmt sich auch so. Das gefällt Eulalia und den anderen überhaupt nicht. Sie sind sogar ein bißchen böse auf das Regenbogenpferd, weil es ständig damit angibt, besser als sie zu sein. Das geht gar nicht, finden sie, und überlegen, wie man das Regenbogenpferd dazu bringen könnte, nicht mehr so schrecklich anzugeben. Endlich haben sie eine Idee.

In der Nacht treffen sie sich in der großen Scheune. Da stehen nämlich noch die Farben, mit denen sie den Bauernhof angemalt haben...
Als das Regenbogenpferd am nächsten Morgen aufwacht, stehen Eulalia und die anderen Tiere vor. Aber sie haben sich sehr verändert: sie haben sich  bunt angemalt und sind jetzt alle Regenbogentiere.
Das Regenbogenpferd macht große Augen.
"Da staunst du, was?! Jetzt sind wir alle Regenbogentiere und du bist nichts Besonderes mehr. Jetzt sind wir alle genauso wie du und du kannst nicht mehr damit angeben, was Besseres als wir zu sein", sagt Eulalia.
Da schämt das Regenbogenpferd sich ganz furchtbar.
"Ich glaube, ich war ziemlich doof. Es tut mir leid, könnt ihr mir noch einmal verzeihen?"
Natürlich verzeihen sie ihm, denn sie haben das Regenbogenpferd ja trotzdem lieb. 
Das Regenbogenpferd aber hat zwei Dinge gelernt:
Erstens, daß man nicht angeben soll, weil man seinen Freunden damit weh tut und zweitens, daß man auf gar keinen Fall alles glauben darf, was in der Zeitung steht!




Kommentare

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    Phantasia, wieder eine so fröhliche Geschichte mit Hintergrund! Toll!

  • Author Portrait

    Aaach, was für eine wunderschöne Moral das Ganze hat. Erinnerte mich etwas an Animal Farm, aber viel kinderfreundlicher und fröhlicher. Dennoch ist die Botschaft ähnlich. Mir gefällt es jedenfalls sehr gut!

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