Falsches Spiel?

Hermine erstarrte. Ihr Hirn litt noch immer an den Nachwirkungen ihres Orgasmus, entsprechend war sie sich unsicher, ob sie die Worte von Malfoy richtig verstanden hatte. Wollte er wirklich andeuten, dass er Voldemort den Rücken kehren würde? Für sie? Es mag Ihnen abwegig erscheinen, aber es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich Ihnen jemand als Verbündeter präsentiert, der es nicht ist. Die Worte von Snape klangen in ihrem Kopf nach und plötzlich fragte sie sich, ob er von Anfang an auf Lucius Malfoy angespielt hatte. Wusste er von ihrer merkwürdigen Beziehung? Hatte er sie vor diesem Mann warnen wollen? Sie fröstelte.

"Das war nicht die Reaktion, die ich erwartet habe", riss Malfoy sie aus ihren Gedanken: "Warum siehst du so aus, als würde ich dir meinen Zauberstab zwischen die Augen halten?"

Das hier war kein Gespräch, das man nach dem Sex führen sollte, Himmel, sie sollten noch nicht einmal gemeinsam in einem Bett liegen, wenn es tatsächlich ernst gemeint war. Sie zog die Decke über ihre nackte Brust, holte tief Luft und erwiderte: "Ihr... Ihr habt angedeutet, dass Ihr an meiner Seite bleiben wollt. Heißt das auch, auf meiner Seite?"

Sie zitterte am ganzen Körper, während sie jede Regung seines Gesichtes beobachtete. Sie wusste, dass sie ihm nicht einfach so vertrauen durfte, nicht auf dieser Ebene, trotz allem, was in den letzten Wochen vorgefallen war. Es war notwendig, dass sie nicht nur seine Worte hörte, sondern auch dahinter schaute, erkannte, was er wirklich dachte und fühlte. Sie durfte sich unter keinen Umständen belügen lassen. Genau jetzt war der Zeitpunkt, da sie all ihre Menschenkenntnis hervorkramen und ihr bestes ausdrucksloses Gesicht aufsetzen musste, doch hier, in seinem Bett, das noch immer nach Sex roch, in seiner Nähe, da war es ihr beinahe unmöglich, rational zu denken.

"Ja."

Die Antwort war kurz, doch der Blick, den Malfoy ihr dabei zuwarf, war so intensiv, dass sie wider besseren Wissens doch den Kopf senken und weg schauen musste. Sie wollte ihm glauben, dessen war sie sich nur zu bewusst. Alles würde einfacher, wenn er tatsächlich auf ihre Seite wechseln wollte. Doch warum jetzt? Ihr geheimes Bündnis mit Snape war erst wenige Tage alt, die ganzen Wochen vorher hatte Malfoy nie irgendetwas in diese Richtung angedeutet. Ahnte er, dass Snape etwas plante? Wollte er über sie herausfinden, ob Voldemorts rechte Hand sich gegen ihn stellen würde?

"Hermine", fuhr er schließlich eindringlich fort: "Glaubst du wirklich, dass ich einem Mann, der das Leben meines Sohnes bedroht, nur um mich zu bestrafen, wirklich mit vollem Herzen folgen kann?"

Sie schüttelte langsam den Kopf: "Nein. Aber Angst macht gefügig. Und ich bin mir sehr sicher, dass so ziemlich jeder Todesser ihn genug fürchtet, um nicht von seiner Seite zu weichen."

Nun stand Malfoy vom Bett auf. Die letzten Nachwirkungen ihrer sexuellen Aktivität verschwanden und endlich konnte Hermine sich voll auf das Gespräch konzentrieren. Sie hätte sich gewünscht, noch einen Moment in den Armen dieses starken Mannes gekuschelt ihrer Fantasiewelt nachhängen zu können, aber dafür war kein Platz. Vielleicht war es auch besser so. Schweigend tat Hermine es ihrem Herrn nach, sie verließ das Bett und sammelte ihre Kleidung ein, um nicht länger nackt dieses Gespräch führen zu müssen. Als sie sich wieder umdrehte, sah sie, dass auch er sich inzwischen eine Hose übergezogen hatte. Sein Blick war kalt, aber Hermine war sich sicher, dass es nicht Zorn war, der ihm diesen eisigen Ausdruck verlieh.

"Angst kontrolliert schon viel zu lange mein Leben", sagte er mit einem Tonfall, der beinahe resigniert klang: "Der Mann, der heute über die englische Zaubererwelt herrscht, ist nicht der Mann, dem sich meine Familie vor so vielen Jahren angeschlossen hat. Ja, er hatte schon immer etwas furchteinflößend Rücksichtsloses an sich. Aber er wirkte stets berechnend, bei klarem Verstand. Berechenbar. Wir wussten, was er wollte und wir teilten dieses Ziel. Aber jetzt. Sieh mich an, Hermine!"

Bei den letzten Worten war er an sie heran getreten, hatte ihre Schultern gepackt und sie gezwungen, den Kopf zu heben.

"Ich bin alt geworden in den letzten drei Jahren. Ich fühle mich alt. All diese Falten, die grauen Haare. Einem Malfoy sieht man sein Alter nicht an!", sagte er hitzig und Hermine spürte, dass er von Sekunde zu Sekunde ungeduldiger und verzweifelter wurde: "Ich bin über vierzig und man sieht es. Ein verdammtes langes Jahr hat er hier sein Hauptquartier gehabt! Ein Jahr, in dem ich nicht mehr als ein Diener in meinem eigenen Haus war. Ein Jahr, in dem ich nie sicher sein konnte, dass er mich nicht doch einfach töten würde. Oder Draco. Ja, ich habe mein Leben gehasst, nachdem er das erste Mal besiegt worden war. Ich musste mich verstellen und vor Menschen zu Boden kriechen, die keinen Respekt verdient haben. Aber ich war jemand. Der Name Malfoy zählte etwas."

Er ließ sie los und begann, wie ein eingesperrter Tiger vor dem Bett auf und ab zu gehen: "Und weißt du, was mein erster Gedanke war, als das Mal wieder gebrannt hatte? An diesem götterverfluchten Tag vor über drei Jahren, als er aus dem Grab stieg und uns zu sich rief? Ich hatte Angst. Richtige, echte Angst. Ich konnte an nichts Anderes denken als daran, dass ich den Mann verraten hatte, dem meine Familie Treue geschworen hatte. Er war so gnädig, darüber hinweg zu sehen, das hat mich in Sicherheit gewiegt. Ich dachte, alles wird wie vorher. Aber ... du weißt ja selbst, was passiert ist. Du warst ja da!"

"Der Vorfall in der Mysteriums-Abteilung", flüsterte Hermine. Er nickte heftig, fuhr sich durch seine offenen Haare und ließ sich schließlich schwer atmend auf das Bett sinken. Unschlüssig stand Hermine vor ihm. War er ein begnadeter Schauspieler, der gerade alle Register zog, um ihr Mitleid zu erwecken, oder meinte er das wirklich ernst? Die Parallele zu Dracos Geschichte war verblüffend, und genau das machte sie misstrauisch. Wie wahrscheinlich war es, dass Vater und Sohn genau gleich dachten und fühlten, wie realistisch, dass auch der alte Malfoy die Welt von Voldemort verabscheute? Sie schüttelte den Kopf.

"Du glaubst mir nicht", sagte er, während er zu ihr hoch schaute. Seine Hand griff nach ihrer und zog sie zu sich, bis sie direkt vor ihm stehen blieb. Seine andere Hand legte sich auf ihren Oberschenkel und streichelte langsam auf und ab: "Du kannst mit mir schlafen, mir den Verstand aus dem Kopf ficken, aber du vertraust mir nicht."

Sie errötete ob seiner Wortwahl, doch sie blieb stur: "Was erwartet Ihr? Ich glaube Euch, dass Ihr mir wohlgesonnen seid. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass es gut tut, in Euren Armen ... vergessen zu können. Und ich weiß, dass Ihr ebenso denkt. Aber anzunehmen, dass Ihr aus Zuneigung zu mir Euer Leben auf's Spiel setzt und die Seiten wechselt, wäre nicht nur eingebildet, sondern auch gefährlich. Für mich."

"Warum hast du Angst?", fragte er leise, ohne dabei aufzuhören, ihr Bein zu streicheln: "Welche Gefahr droht? Du gehörst mir, so oder so. Nichts wird sich ändern, außer, dass du die Grenze nicht mehr brauchst. Wir wären keine Feinde mehr."

Ungeduldig entriss sie ihm ihre Hand und trat außer Reichweite seiner Arme: "Es ändert sich alles. Was, wenn ich eines Tages einen Plan entwickle, den Dunklen Lord zu stürzen? Ich erzähle Euch davon und plötzlich stellt sich heraus, dass alles nur Lüge war. Ihr durchkreuzt meine Pläne und ... und vermutlich wäre ich dann tot."

Seine Augen wurden dunkel. Mit einer fließenden Bewegung erhob er sich, packte ihre Handgelenke und führte sie hinter ihrem Rücken zusammen, während er Hermine gleichzeitig eng an sich presste: "Du hast einen Plan."

Es war keine Frage. All ihre Bedenken, warum sie ihm nicht vertrauen wollte, waren mit einem Mal bestätigt. Natürlich, er hatte sie in eine Falle locken wollen. Er hatte sich menschlich und bedürftig präsentiert, hatte ihr Lust und Vergessen geschenkt, um sie hörig zu machen - und nun hatte er so etwas wie ein Geständnis von ihr. Wieder packte sie ein Zittern, doch diesmal war berechtigte Panik der Auslöser.

"Mr. Malfoy", setzte sie an, doch ihre Stimme versagte. Seine Augen brannten sich in ihre, während er sie durchdringend ansah.

"Das ist der Grund!", fuhr er sie an: "Irgendwann in den letzten Tagen ist dir eine Idee gekommen, der ganzen Sache ein Ende zu bereiten. Da war ich natürlich plötzlich unbequem. Ich, der Feind. Deswegen hast du plötzlich was von Grenze geredet, obwohl das nie zuvor ein Problem gewesen ist. Du hast einen Ausweg aus deiner Sklaverei gesehen und plötzlich war ich uninteressant. So ist es doch, oder?"

Snapes Gesicht tauchte vor Hermines innerem Auge auf. Snape, der sie dafür lobte, dass sie wachsam war und verstand, dass jeder um sie herum ein Feind sein könnte. Snape, der sie mit harten Worten dazu ermahnte, ihre Gefühle besser zu kontrollieren, damit man nicht alles von ihrem Gesicht ablesen konnte. Snape, der sie vor den Gefahren der Legilimentik warnte ... entsetzt wollte sie sich losreißen. Körperkontakt vereinfachte das Eindringen in einen fremden Geist! Panisch bemerkte sie, wie der Griff um ihre Handgelenke nur noch fester wurde, wie Malfoy sie mit reiner körperlicher Überlegenheit gegen eine Wand drängte und dort festhielt. Verzweifelt suchten ihre Augen nach seinem Zauberstab - gewiss wäre er nicht in der Lage, ohne seinen Stab in ihre Gedanken zu dringen, richtig?

"Du unterstellst mir ein falsches Spiel!", zog Malfoy ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich: "Aber in Wirklichkeit bist du diejenige, die betrügt. Ich dachte wirklich, dass du mich brauchst. Du hast es geschafft, dass ich wahnsinnig werde, wenn ich nicht in deiner Nähe sein kann, aber ich bedeute dir gar nichts. Du warst von Anfang an bereit, mich wegzuschmeißen, sobald sich die Gelegenheit bietet. Bedeute ich dir wirklich so wenig?"

Ohne ihre Antwort abzuwarten, presste er seine Lippen auf ihre. Unwillig wandte sie ihren Kopf zur Seite - was war nur mit diesem Mann? Warum war er so unbeherrscht? Kannte er nur Extreme? Wusste er sich nur mit Gewalt zu helfen, wenn etwas nicht nach seiner Fasson lief?

"Stopp!", ächzte sie, während sie mit aller Kraft versuchte, sich von ihm weg zu winden. Sie mussten dieses Gespräch zu Ende führen und zwar ohne, dass sein Denkvermögen wieder in ungeeignete Regionen rutschte: "Mr. Malfoy! Stopp! Das ... das führt zu nichts. Wenn ich wirklich glauben soll, was Ihr sagt, dann ... stopp!"

"Sag mir, dass du mich brauchst!", stöhnte er. Seine Hüfte rieb sich verlangend an ihr und entgeistert bemerkte Hermine, dass er offenbar trotz seiner Wut erregt war. Ein weiteres Stöhnen erklang: "Sag es! Du brauchst mich! Gib es zu! Ohne mich wärst du doch schon längst wahnsinnig geworden hier. Du kannst mich nicht einfach links liegen lassen."

"Ja", hauchte sie erschlagen: "Ja, verdammt. Ihr gebt mir Geborgenheit und das Gefühl, nicht alleine sein zu müssen. Das ist doch alles bekannt. Lasst mich los."

Zu ihrer Erleichterung ließ er von ihr ab. Ein verzweifelter Ausdruck war auf sein Gesicht getreten: "Siehst du nicht, was du mit mir angestellt hast, Hermine? Das hier bin nicht ich. Ich bin nicht so. Du hattest Recht, mit allem. Ich habe Angst!", flüsterte er, während er sich wieder und wieder mit den Händen über das Gesicht fuhr: "Ich habe Angst, dass der Dunkle Lord doch noch meiner Familie etwas antun wird. Ich habe Angst, dass die anderen Todesser auf mich herabschauen. Auf mich, einen Malfoy. Und ich habe Angst, dich zu verlieren. Warum kannst du mir nicht glauben, dass ich auch einfach nur ein Mann bin, der eine Frau an seiner Seite braucht, die ihn stützen kann? Ein Mann, der nicht in einer Welt leben will, in der er permanent Angst haben muss!"

Wortlos blickte Hermine ihn an. Sie bezweifelte, dass er gerade eine Rolle spielte. Von allen Rollen, die ein Malfoy sich aussuchen würde, um jemanden zu hintergehen, war diese hier die letzte, zu der er greifen würde. Dazu war er zu stolz. Sie glaubte ihm, dass er verzweifelt war. Sollte sie ihm auch glauben, dass er ernsthaft die Seiten wechseln wollte?

„Ich würde alles geben, um Euch glauben zu können, vertraut mir!“, sagte Hermine schließlich: „Es würde alles so viel leichter machen. Aber könnt Ihr denn mich nicht verstehen? Seit ich Euch das erste Mal gesehen habe, habt ihr mir und meinen Freunden Probleme bereitet. Lebensbedrohliche Probleme. Ihr habt Ginny das Tagebuch gegeben, was nicht nur sie an den Rand des Todes gebracht hat, sondern auch mich. Ihr habt alles daran gesetzt, um Seidenschnabel töten zu lassen und Hagrid nach Askaban zu bringen. Ihr wart bei der Weltmeisterschaft dabei, als die Todesser nach langen Jahren das erste Mal wieder ihr Gesicht gezeigt haben. Und Ihr seid dem Ruf Eures Lords sofort gefolgt. Ihr habt Harry und mich und alle anderen in eine Falle gelockt, aus der wir am besten nicht mehr lebend herausgekommen wären. Ich könnte ewig so fortfahren. Fakt ist, all Eure bisherigen Taten machen Euch nicht einfach zu einem unter vielen Todessern, sondern zu einem aktiven, leitenden Mann. Ihr seid kein Opfer, das zum Mitlaufen gezwungen wurde. Ihr seid ein Täter.“

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