Feierabend

Ich putzte mir die Nase und folgte Selina aus dem Zimmer. Wir gingen in ihr Büro, wo sie sich umdrehte und mich umarmte. Sie legte den Kopf an meine Schulter und hielt mich eine Weile fest, was mir zeigte, dass sie sich für mich freute. Als sie mich losließ, küsste ich sie auf die Stirn und sagte: "Du hast es gespürt." Selina sah mich an. "Michael, seit Jahren kämpfst du mit dir selbst, was deine Mutter betrifft. Du wolltest sie nicht hassen und konntest sie nicht lieben! Wie auch? Da musste noch etwas sein in dir, das zu ihr gehörte, so wie sie endlich begreifen musste, dass jede Mutter etwas für ihr Kind empfindet. Ich musste dich soweit bringen, sie an dich heran zu lassen. Ich musste einfach! Ihr beide werdet nie mehr ein wirklich gutes Mutter-Sohn-Verhältnis mehr haben aber ihr werdet euch von jetzt an respektieren und gern haben, weil du heute diese Wand eingerissen hast! Jetzt hat dieses Hadern mit dir selbst ein Ende, du wirst sehen". Ich küsste sie noch einmal auf die Schläfe. "Ich liebe dich, mein Engel." Dann verließ ich ihr Büro und ging in Meines, um ein Wenig in mich zu geh'n.
Selina aber verfolgte ein weiterer Gedanke, der mich betraf. Sie machte sich Sorgen wegen dieses seltsamen Briefes, den ich ihr gezeigt hatte. Sie ließ Max zu sich kommen und fragte ihn nach seiner Meinung. Sie hatte sich den Text genau gemerkt, um ihn Max sagen zu können. "Du weißt, Max, Michael hat so viel um die Ohren und ich möchte ihn nicht beunruhigen, aber ich fürchte, dass dieser Brief nicht gegenstandslos ist." Max überlegte kurz. Weißt du Selina, ich habe schon noch gute Verbindungen zur Kripo. Wenn du mir den Brief besorgen kannst, könnte ich ihn auf Fingerabdrücke untersuchen lassen." - "Ach Max! Ich mag ihn nicht hintergehn und einfach in seinem Büro rumschnüffeln, aber ich möchte ihn auch nicht beunruhigen, in dem ich ihn darum frage!" - "Ja, aber ohne Spusi werden wir ihn nicht zuordnen können, Selina." - "Der Brief klingt irgendwie so entschlossen find ich, weißt du? Nicht so, als würde sich einer einen üblen Scherz machen." Max überredete Selina schließlich, doch zu mir zu kommen mit der Bitte, Max den Brief auszuhändigen, um ihn auf Spuren untersuchen zu lassen. Ich war schon nahe dran, Selina anzurufen, wie es denn mit Feierabend aussähe, als sie klopfte. "Du kommst tatsächlich nochmal in die Höhle des Löwen? Was soll ich daraus folgern?" - "Michael, ich möchte, dass Max den Brief untersuchen lässt!" - "Ach was!" - "Tu mir den Gefallen! Bitte!" Ich erkannte, dass Selina sich ernsthafte Sorgen machte. "Wenn du meinst, Schatz! Aber ich glaube nicht, dass Du dir Sorgen zu machen brauchst!" - "Michael Montar! Ich kenne dich! Und zwar besser als Du glaubst! Und Du kannst mir nicht vormachen, dass Du selbst ein gutes Gefühl dabei hast, also hilf mir bitte, jedes Risiko zu vermeiden! Ich brauche Dich noch!" - "Du bist süß, wenn du dich so aufbläst!" Ich war aufgestanden und ihr entgegengegangen. Sie lächelte. "Du suchst heute meine Nähe..." - "Und?" - "Das ist schön! Komm, lass uns den Brief zu Max bringen und nach Hause fahren." - "Gut Kleines, ich wollte dich schon anrufen, ob wir abzischen." 

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