Feuerwerk

»Das Feuerwerk geht los!«, murmelte Jella. Sie war benommen, angenehm betrunken von den Nachwirkungen der Lust, der sie sich hingegeben hatte und wollte mehr, mehr von diesem Kerl, der so gut roch und so begabte Hände hatte.

Seufzend streckte sie sich und genoss es, den immer noch glühenden Körper des Mannes an ihrem zu fühlen. Sie lag halb auf, halb neben ihm und drückte ihre Nase gegen seine Brust. Sein Herz schlug schwer und beruhigend regelmäßig und für ein paar Augenblicke ließ sie sich davon einlullen, lauschte dem gleichmäßigen Puckern und brummte zufrieden, als er sie kurz an sich drückte.

»Machen wir das jetzt für den Rest der Nacht?«, wisperte der Mann und drehte sie kurzerhand auf den Rücken. Seine Augen schimmerten schwarz im Licht, das von draußen hereinfiel und schienen zu flackern, als neue Raketen in den Himmel geschossen wurden und blitzend ihren glitzernden Inhalt in den Himmel spien.

»Wir üben nur, um nachher die Vasen mit den Lilien überzeugend leidenschaftlich umzustoßen!«, brummte sie, streckte sich und schnurrte genüsslich, als er mit sanftem Druck die Kurven ihres Körpers von der Hüfte über die Brust bis zu ihrem Kinn entlang fuhr. Ein verlangendes Seufzen verließ ihre Lippen, als er sie küsste. Nicht mehr ganz so drängend und unnachgiebig, wie noch zuvor, aber fordernd genug, um ihr deutlich zu machen, dass er sie nach wie vor wollte.

»Ehrlich gesagt, hätte ich nichts gegen einen Drink«, seufzte Jella und fuhr seine kräftigen Rückenmuskeln mit den Fingerspitzen nach. Der Mann erschauerte, holte tief Luft und ließ sie zischend entweichen.

»Warum eigentlich nicht?«, murmelte er. »Aber …« Seine dunklen Augen musterten sie unergründlich. »Vielleicht …«, hub er wieder an, »vielleicht sehen wir uns ja mal wieder?«

»Noch sind wir ja hier!«, lächelte Jella und freute sich mehr über seine fast schüchtern hervor gebrachte Frage nach einem Wiedersehen, als sie zugeben wollte. »Wollen Sie das denn?«

»Ich wäre einem Nachschlag durchaus nicht abgeneigt«, grinste er und die erotisch aufgeladene Stimmung verflüchtigte sich allmählich, als würden sie beide aus einem Traum erwachen. Doch dass das Intermezzo ganz real gewesen war, fühlte Jella deutlich, als sie sich aufrappelte und ihren Unterleib spürte. Versonnen strich sie sich über den Bauch und biss sich auf die Lippe, als sie an den heißen Körper dachte, der sich auf und in sie gedrängt hatte.

Er sah sie vielsagend an, als könne er ihre Gedanken lesen und lachte sie selbstzufrieden an. »Dann sind wir uns also einig?«

»Kann gut sein«, antwortete Jella liebenswürdig, schlüpfte in ihre Kleidung und erschauerte, als der Mann ihr den Reißverschluss ihres Kleides aufreizend langsam hochzog.

Ein hingehauchter Kuss auf den Nacken ließ sie verzückt seufzen. Nicht in den Kerl vergucken, es war nur Sex, mahnte sie sich und warf einen flüchtigen Blick nach draußen, wo sich im Garten die letzten goldfunkelnden Fontänen in den Nachthimmel ergossen. Sie war nicht traurig drum, dass sie das Feuerwerk verpasst hatte – schließlich hatte sie ihr eigenes gerade erlebt. Sanne hatte vielleicht doch Recht gehabt: Ein bisschen körperliche Nähe war gar nicht so verkehrt gewesen und war genau das richtige Mittel, um ihre Anspannung, die sie seit Tagen begleitete, vergessen zu lassen.

Nur ein Getränk, ermahnte er sich und fühlte ihren Blick auf sich ruhen, als er beim Barkeeper für sich selbst Bitter Lemon und für die Frau einen weiteren Martini bestellte.

Als er sich mit den Getränken in der Hand zu ihr umdrehte, konnte er es seinem besten Stück nicht krumm nehmen, dass es auf sie reagiert hatte – sie war anziehend, noch hübscher als bei ihrem Kennenlernen, denn nun überzog eine gesunde Röte ihre Wangen und ließ die blaugrünen Augen leuchten. Sie strahlte ihn an – ihn allein – und er nippte verlegen an seinem Getränk.

Vielleicht ließ sich eine Affäre tatsächlich einrichten? Es war ja nun nicht so, dass er vierundzwanzig Stunden am Tag nichts anderes tat, als Begabte zu jagen. Das kam schließlich ganz auf die Lage der Dinge an und arbeitsintensive Phasen ließen sich leicht mit Geschäftsreisen erklären. Ruhig, konzentrier dich, schnapp nicht über, redete er sich schließlich gut zu, als er bemerkte, dass er gerade versuchte, sich eine wie auch immer geartete Zukunft mit diesem hübschen Weibsbild vorzustellen.

»Haben Sie einen Stift?«

Er sah sie fragend an. Eine Pistole und zwei Klingen, die schärfer geschliffen waren als Rasiermesser, ja – aber einen Stift? Die Frau sah sein Zögern, sprach kurzerhand die Gruppe an, die einige Schritte von ihnen entfernt stand und kam mit einem Kugelschreiber zurück.

»Geben Sie mir Ihre Hand!«, befahl sie leise und er tat wie geheißen. Mit festem Griff drehte sie sie, schob sein Hemd ein Stück hoch und schrieb mit schneller präziser Schrift eine Adresse auf sein Handgelenk. Als sie ihn losließ, fühlte er die Wärme ihrer Hand auf seinem Handgelenk nachwirken.

»Dort bin ich jeden Donnerstag ab sieben Uhr. Ich bin nicht auf der Suche nach was Festem, damit das gleich klar ist!«, murmelte die Frau und er seufzte erleichtert.

»Ich auch nicht. Aber das eben … würde ich zu gern wiederholen.«

»Ja, schon klar.« Sie lächelte ihn verschwörerisch an und sein Herzschlag setzte einmal aus.

»Hören Sie, ich will Sie hier nicht dumm stehen lassen – eigentlich haben wir ja auch noch eine Mission – aber ich würde gern kurz nach meiner Freundin gucken. Sie hat ein echtes Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen.«

»Gehen Sie ruhig.« Auch er war sehr interessiert daran, wo die Rothaarige sich herumtrieb.

»Wir sehen uns später.« Sie strich ihm sachte über die Hand, warf ihm einen heiteren Augenaufschlag zu und schlängelte sich davon. Er sah ihr nach, liebkoste versonnen ihre Kurven mit den Augen und wollte sie wirklich sehr, sehr gern wiedersehen. Später, redete er sich gut zu und schlenderte in Richtung Terrasse – vielleicht stand seine Zielperson auch irgendwo dort in einer verschwiegenen Ecke und amüsierte sich mit dem blonden Kerl. Dringender als noch einige Stunden zuvor wollte er diese Sache mit der Rothaarigen erledigen, wollte den Job aus dem Kopf haben, um sich angenehmeren Geschichten zuzuwenden.

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