An das Gefühl das ich hatte als ich meinen ersten Brief aus der Polunsky Unit bekam erinnere ich mich gut. Nervös aber voller Neugier riss ich den Brief auf und erwarte… ja was erwarte ich eigentlich? 

Was erwartet jemand der einen Brief in die berüchtigte Texas Death Row schickt eigentlich?

Einen Nervenkitzel resultierend daraus mit einem Killer Korrespondenz zu führen oder einen Blick in die Abgründe des Bösen zu werfen?

Möglicherweise ist es auch Mitleid das einen dazu bringt hinter die verschlossenen Türen des TDJC (Texas Department of Criminal Justice) zu blicken und einen Schriftverkehr mit einem Todgeweihten anzufangen.

Verbrechen haben die Menschheit schließlich schon immer fasziniert, besonders die Menschen die hinter der Tat stecken.

Doch wer sind diese Menschen die vom Amerikanischen Staat zum personifizierten Bösen erhoben werden und stolz von den Geschworenen zum Tode durch die Giftspritze verurteilt werden?

Für mich ist dieser Mensch Gerald Marshall, ein Mann Anfang dreißig der seit 2003 in der Polunsky Unit wegen Mordes einsitzt, ein freundlicher und belesener Mensch der mir selbstgemachte Karten und Gedichte schickt.

Ein Mensch der mir seine Unschuld von Anfang an beteuerte und mich bat mir seinen Fall genau anzusehen.

 

 

„Im Zweifel gegen den Angeklagten“

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind arm und dunkelhäutig in einem Gerichtssaal in dem Richter, Staatsanwälte und Geschworene ausschließlich weiß sind und der Obersicht angehören.

Sie haben einen Pflichtverteidiger der keinen einzigen Zeugen für Sie aufruft und der zusätzlich den halben Gerichtsprozess verschläft.

Es dauert insgesamt nur 3 Tage Sie für schuldig zu befinden und zum Tode zu verurteilen.

Unmöglich denken Sie? Leider nein.

„Ein schlafender Verteidiger ist zwar nicht löblich dennoch ist es kein Grund das Urteil nicht anzuerkennen die Geschworenen hätten auch mit einem wachen Verteidiger das gleiche Urteil fällen können.“

Wenn Sie nun denken dass dies Gespinste meiner Fantasie sind muss ich Sie leider enttäuschen, auch wurde ein Richter der während eines Prozesses  seine Waffe reinigte nicht als unprofessionell angesehen und blieb weiterhin ungerührt im Amt. (zu entnehmen im Prozess der Staat Texas gegen Anthony Haynes)

 

Wenn Gerald schreibt, erzählt er mir von seinen Wünschen, seinem Sohn und wie er sich die Stadt in der ich lebe vorstellt.

Er erzählt auch davon dass er zurück in seine ursprüngliche Unit verlegt wurde und nun eine Zelle neben einem Neuzugang hat.

Sein Vorgänger schrie die ganze Nacht hindurch und beschmierte die Zellenwände mit seinem Unrat erzählt er mir.

Ein solches Verhalten ist dort keine Seltenheit, viele der Insassen sind psychisch krank und haben  einen sehr geringen IQ.

Das dortige Gesetz besagt das niemand der als geistig Unzurechnungsfähig gilt, also einen IQ unter 70 hat , hingerichtet werden darf, und doch sind bereits Dutzende schwer psychisch Kranke und geistig unterentwickelte Häftlinge hingerichtet wurden.  

 

Dies ist nur ein Fall von vielen, einer Häftlingsnummer von tausenden, ein vergessenes Gesicht mehr.

Trotzdem hat Gerald Glück, er hat Freunde die ihn unterstützen, eine Organisation die ihm hilft.

Aber die Zeit läuft gegen ihn, seine Berufungsanträge schon fast alle ausgenutzt und die Chance das ein neuer Prozess ohne großen finanziellen Aufwand angeordnet wird gering.

Und doch gibt er nicht auf, hat ein Buch geschrieben und hofft auf seine Freiheit.

Gerald Marshall ist kein Unschuldiger aber ein Mörder ist er nicht, ob das  Gericht dies auch so sieht bleibt abzuwarten.

 

 

 

Liebe Leute,

Geralds Buch wurde vor kurzem ins Deutsche übersetzt und ist auf Amazon erhältlich.

Mit dem Erlös soll ein Teil der Anwaltskosten bezahlt werden die Gerald ermöglichen sollen einen neuen fairen Prozess zu bekommen.

Vielleicht hat jemand von euch Interesse daran es zu kaufen und unsere Org. bzw Gerald damit zu unterstützen.

Für Kunstbegeisterte haben wir auf der Website von Humanrights Association Original Bilder aus der Death Row.

 

http://www.humanrights-association.org/

 

http://www.amazon.de/999489-Von-Pflegefamille-den-Todestrakt/dp/1511883391/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1445174992&sr=8-4&keywords=999489

 

Ich weiß auch das er sich über eine Karte sehr freuen würde:

 

Gerald Marshall #999489

Polunsky Unit

3872 FM 350 South

Livingston, TEXAS 77351

USA

 Vielen Dank fürs Lesen!

 

Kommentare

  • Author Portrait

    Nun, die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Wir haben eine Frist vom Gericht erhalten. Wir haben nun Zeit Beweise zu sammeln die für ein neues Verfahren hilfreich sein könnten. Diese Frist heißt aber gar nichts und alle Anträge könnten spätestens vom Supreme Court abgelehnt werden. Gerald kämpft im Moment mit großem Frust. Wir geben allerdings nicht auf. Lg

  • Author Portrait

    Ben hat mich gerade heute auf diesen Text aufmerksam gemacht. Danke für dein Engagement! Hast du unterdessen hoffentlich gute Nachrichten von Gerald?

  • Author Portrait

    Sehr interessant! Da muss ich mal reinlesen

beta
Feenstaub

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