Geheimnisse

"Frohes neues Jahr!", Finn war zu Vanessa auf den Balkon getreten, "willst du wirklich hier oben bleiben, dich verkriechen und das Fest verpassen? Alle sind unten und feiern, keine strenge Tischordnung mehr, wir können den Elfen aus dem Weg gehen!" Vanessa verdrehte die Augen: "Am Arsch! Ich bin noch nie so gedemütigt worden, theoretisch kann ich der armen Frau nicht einmal böse sein, immerhin hat ihr Mann sie mit mir betrogen! Und ich Idiot dachte er würde seinen Vater oder Bruder mitbringen!"
Finn seufzte genervt und erhob sich.
"Vanessa, dein neues besseres Leben in allen Ehren, aber ganz ehrlich, du wusstest nichts davon, er schon! Also bitte, was würdest du im Normalfall jetzt tun? Du würdest" Finn begab sich nach drinnen und begann in ihrem Schrank zu wühlen, "dieses rote Kleid anziehen!"
Er warf es ihr an den Kopf und machte sich an ihrem Schuhvorat zu schaffen: "Und diese schwarzen Pumps, und dann würdest du diesem Elf zeigen was er aufgegeben hat, und ihr, dass deine Figur auch in einem Minikleid perfekt ist!"
Vanessa lachte, Finn hatte Recht, warum sollte sie eine Party verpassen, obwohl sie nichts falsch gemacht hatte. Sie schmiss Finn raus und befolgte seine Empfehlung.

Vanessa warf ihr blondes Haar zurück und betrat mit schwungvollem Schritt den Thronsaal. Wie erwartet drehten sich die mittlerweile zahlreichen Gäste alle nach ihr im und ließen ihren Blick über den Teufel gleiten.
Finn betrat hinter ihr den Raum, er trug jetzt eine rote Krawatte, passend zu ihrem Kleid.
"Was kuckt ihr so?", schrie er, "Habt wohl alle nicht nicht genug getrunken! Das ist eine Party ihr Luschen! Bewegt euch, tanzt, strunzt weiter durch die Gegend!"
Die Leute jubelten ihm zu, Finn war der Meister der Partys und es war bekannt, dass dieser Kerl wusste wie man feierte.
Vanessa stürzte sich einstweilen ein Glas Nektar nach dem anderen hinunter, unter dem verärgerten Blick von Allison.
"Es freut mich das ihr den Weg zurück zu diesem schillernden Fest gefunden habt!", Elros gesellte sich zu ihr "ihr wisst schon das Nektar Alkohol enthält? Ihr solltet ihn nicht wie gewöhnliches Wasser gegen den Durst trinken!"
Vanessa lachte und kippte das nächste Glas: "Danke für den Tipp, werde ihn trotzdem ignorieren. Sag mal, schleimt ihr Elfen alle so herum? Euer edles Gehabe ist lächerlich! Und diese geschwollene Sprache!" Elros war schockiert über ihre dreisten Worte: "Falls ich euch verärgert habe muss ich mich entschuldigen!"
Vanessa lachte auf und kippte sich das nächste Glas Nektar herunter: "Wie niedlich, sagt mir, ihr seid ein Freund der Familie Androlien?"
Elros nickte, verwirrt über ihre Worte. Vanessa griff zum nächsten Glas: "Sagt mir eines, kennen sich Allison und Allister schon lange?" Elros lachte: "Allister kennt Allison beinah sein ganzes Leben! So viel weiß ich auch nicht über die beiden, sie leben sehr zurückgezogen!"
Diese Worte trafen Vanessa hart, also war er nicht zurück in seine Heimat gekehrt und hatte dann geheiratet.
Diese Ehe musste schon bestanden haben als sie den Elf kennen gelernt hatte.
"Schön für die beiden!", sie schwankte ein wenig, "Und du Elros, bist du vergeben? Lüg mich ja nicht an!"
Elros war verwirrt über die direkte Art der Teufel, er wusste das sie ein anderes Wesen als Elfen hatten. Die betrunkene Dame schien viele Fragen zu stellen die er nicht verstand, er schüttelte den Kopf. Vanessa packte seine Arme: "Dann lass uns tanzen, das ist ein Fest und keine Stehparty!" 

Allister beobachtete das Gespräch zwischen Elros und Vanessa missfällig. Sie war von dem Festessen abgehauen und dann einfach in diesem kurzen Kleid, mit Finn, wieder aufgetaucht und sie schien völlig betrunken zu sein.
"Hör auf dieses Teufelsweib anzustarren!", fuhr Allison ihn an, "Hat sie dir deine geistige Gesundheit bei euren Treffen aus dem Kopf ge..." Allister unterbrach sie scharf: "Hör auf mit deinen bissigen Bemerkungen! Ich werde mal zu den beiden hinüber gehen und sehen was sie treiben! Ich habe keine Ahnung warum Elros so sehr darauf bestanden hat hier her zu kommen. Du willst doch nicht, dass er unser kleines Geheimnis verrät?"
Er lies Allison bei Badria und Cecilia stehen und bahnte sich einen Weg durch die tanzende Menge. 
"Vanessa!", Allister zog sie von Elros weg, "Können wir uns unterhalten?"
Vanessa strich sich eine Strähne ihres Haares aus dem Gesicht und starrte ihn trotzig an: "Ich denke es ist alles klar, ich wüsste nicht worüber wir beide uns unterhalten sollten!"
Elros schaute genervt zu Allister, er hatte Gefallen an der Teufelin gefunden und hoffte, dass er ihm nicht dazwischen funken würde: "Die Dame möchte nicht mit dir sprechen, Allister, wärst du so höfflich und würdest uns alleine lassen?"
Allister blickte ihn zornig an: "In betrunkenem Zustand, mit dir? Auf keinen Fall!" Er packte Vanessa und warf sie sich über die Schulter, trug sie unter Protest aus dem Thronsaal. 
"Was willst du von mir!", fuhr Vanessa ihn an, nachdem er sie vor der Türe wieder auf den Boden abgesetzt hatte.
"Was machst du da Vanessa, dein Verhalten ist kindisch! Du bist total betrunken!"
Vanessa konnte seine Dreistigkeit nicht fassen: "Was geht es dich an mit wem ich tanze und ob ich mich betrinke, du hast kein Recht dich einzumischen!"
Allister drückte ihre Schultern gegen die Wand: "Elros ist nicht zu trauen! Er benutzt dich um sein eigenes Spiel zu treiben, so viel ist sicher! Ich versuche nur euch zu schützen!"
"Das ist jetzt nicht dein ernst!", Vanessa versuchte ihn weg zu drücken, "Du lässt mich sitzen, haust ab, meldest dich nicht und denkst du kannst mir jetzt verbieten mich mit anderen Männern zu unterhalten?"
Allister nickte und lies seinen Griff nicht locker: "Anscheinend weißt du selbst ja nicht was gut für dich ist, Prinzessin!"
Das letzte Worte betonte er spöttisch und zog dabei seine Braue hoch. Tränen bildeten sich in Vanessas Augen: "Du stellst mich hier bloß mit deiner Allison!" 
Allister zog sie an sich und küsste sie.

Finn hatte sich mit Badria auf einen Balkon zurück gezogen. "Ich muss sagen du bist mir im Moment fast schon unheimlich!", sagte sie, "So verantwortungsbewusst und nett! Darum betraue ich dich mit folgender Aufgabe! Du wirst morgen Abend mit Vanessa, Allister und Allison nach Osilia aufbrechen, ich habe ein Schreiben von Selenos erhalten, dass mich beunruhigt. Ihr dürft kein Aufsehen erregen, geht abseits der Wege, macht nur Halt wenn es nötig ist, sagt niemandem wer ihr seid!"
Finn trank noch einen Schluck Nektar: "Was werden wir in Osilia, der Stadt am schwarzen Thron, finden?"
Badria starrte in den dunklen Himmel: "Ein dunkler Schatten regt sich dort, vielleicht der dunkle Wanderer, vielleicht ein weiteres Artefakt meines Großvaters, ich kann es euch nicht sagen! Wenn ihr etwas findet schreibt mir, wir treffen uns dann in der dunklen Festung bei Selenos!" Finn nickte: "Habe verstanden, ich bereite alles vor!"

Vanessa erwachte mit Kopfschmerzen am nächsten Morgen, sie brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Die Wirkung der süßen alkoholischen Getränke wurde ihr jetzt erst anhand ihres Filmrisses bewusst. Sie drehte sich nach rechts und starrte auf die Sachen die vor ihrem Bett lagen.
"Oh nein!", stöhnte sie und drehte sich nach links, Allister schlief friedlich neben ihr. Fast lautlos zog sie sich an und floh aus ihrem Zimmer.
Sie versuchte ungesehen bis zu Janinas Zimmer zu gelangen damit man sie nicht in den zerknitterten Sachen die sie am Vorabend getragen hatte entdeckte. Ihre Schuhe trug sie in den Händen.
"Was du doch für ein Flittchen bist!", Allisons scharfe Stimme versetzte ihr einen riesigen Schrecken, sie drehte sich um, die Elfe lehnte hinter ihr an der Wand. Sie hatte sich lautlos an sie heran geschlichen. 
"Kann ich dir helfen?", fragte Vanessa genervt.
"Du solltest dir lieber selber helfen so wie du aussiehst!", bemerkte Allison schnippisch.
Vanessa verdrehte die Augen, was verlangte die Elfe von ihr, sollte sie auf die Knie fallen und weinend um Vergebung bitten, weil sie sich schon wieder auf ihren Mann eingelassen hatte?
"Hör mal, Allison!", sagte Vanessa streng und bestimmt, "Es tut mir ja Leid, dass dein Mann dich mit mir betrügt, ich wusste bis gestern nicht das er verheiratet ist. Und gestern war ich wohl etwas betrunken von eurem komischen Nektar, außerdem hat er wieder damit angefangen!"
Allison starrte sie völlig entgeistert an, Vanessa rechnete mit einer Ohrfeige, ein paar hasserfüllten Worten, aber stattdessen begann die Elfe laut und herzhaft zu lachen.
Vanessa starrte sie verwirrt an, Allison lachte und musste sich an der Wand festhalten: "Du dummes Stück denkst das Allister mein Mann ist? Allister und Allison Androlien, so eine schreckliche Kombination können sich nur Eltern für ihre Kinder ausdenken! Er ist mein kleiner Bruder!"
Vanessa war völlig perplex, ihr fiel ein Stein vom Herzen, aber sie verstand auch nicht warum man sie auf dieses Detail nicht hingewiesen hatte.
"Schön, habe ich euch gefunden!", Finn hatte sich zu ihnen gesellt "wir haben einen Auftrag, Elros wird mit Badria über den Handel zwischen euren Völkern sprechen, irgendwas langweiliges in der Art! Wir Hübschen gehen auf die Jagd nach diesem dunklen Wanderer! Vanessa, wie siehst du eigentlich aus, zieh dich bitte frisch an, das ist ja peinlich! Und ich dachte ich bin der Säufer hier!"
Vanessa verschwand in Janinas Zimmer und wurde mit einem schockierten Blick von dieser empfangen: "Wie siehst du den bitte aus?"
"Jaja, schrecklich, Janina, gibt mir etwas zum anziehen, ich muss mich fertig machen!", fauchte Vanessa.
Janina ging zu ihrem Kasten und holte eine schwarze Hose aus glattem Leber und ein weißes Hemd heraus: "Wieso machst du das nicht in deinem Zimmer?" Vanessa verdrehte die Augen: "Das ist besetzt!"

"Wie peinlich du bist!", Allison stand in Vanessas Bett und versetzte ihrem Bruder einen Tritt um ihn zu wecken, "Steh schon auf und zieh dich an, wir müssen den dunklen Wanderer finden!" Allister schubste seine Schwester genervt vom Bett: "Warum wurde ich nur in diese Familie geboren? Ein Problemfall nach dem anderen!"
Allison warf ihm frische Kleidung gegen den Kopf: "Ich habe dir gesagt, dass ich es nicht dulden werde wenn du dich weiter mit dieser Teufelin triffst. Aber du schaffst es ja nicht mal einen Abend deine Finger von ihr zu lassen!"
Sie rannte im Zimmer auf und ab und hielt ihm einen Vortrag über Ehre und warum man nicht einfach seinen Spaß haben durfte. Allister unterbrach diesen rasch: "Ich musste es tun, es war beinahe kein Vergnügen. Elros wird noch zu einem Problem werden, er und unser Geheimnis!"
Allison verschrenkte die Arme: "Sprich nicht so über ihn, er kann nichts dafür!" 
Allister nickte, er wusste, dass ihr Geheimnis früher oder später trotz allem zum Problem werden würde.
Bevor sie sich weiter unterhalten konnten klopfte es an der Türe, Finn holte die beiden ab: "Wir brechen auf, kommt mit, Badria wird uns am Tor verabschieden!"
Allison und Finn sprachen noch mit Badria, Vanessa versuchte in der Zwischenzeit jedem Gespräch mit Allister aus dem Weg zu gehen, es gelang ihr aber nicht lange.
"Vanessa, können wir darüber sprechen?", zischte er ihr zu. "Worüber, du hast mich trotz allem sitzen gelassen! Weißt du wie ich die letzten Monate gelitten habe? Und dann kommst du wieder und denkst ich würde so tun als wäre das alles nicht passiert?", Vanessa deutete ihm genervt auf Distanz zu bleiben.
"Gut, wir brechen auf!", Finn stand plötzlich vor ihnen "ihr könnt eure Beziehungsprobleme klären wenn wir wieder zurück sind!"

Das Zwitschern der Vögel war verklungen, seit Stunden wanderten Finn, Allister, Vanessa und Allison durch den dunkeln Wald der sich vor Limbus City befand.
Die Bäume ächzten wie von einer Krankheit befallen, ihre knorrigen Äste wippten im Wind hin und her. Die Blätter waren im dunkelsten grün das Vanessa je gesehen hatte, keine Blumen und Gräser wuchsen auf dem sandähnlichen Boden.
Voller Angst klammerte sich Allison an ihren Bruder, einen solchen Ort kannte sie aus ihrer Heimat nicht.
Bevor der alte Pfad in zwei Richtungen weiter führte blieb Finn stehen, ihm fiel auf das die Wege parallel und total korrekt gezogen waren.
Vor der Wegkreuzung stand ein riesiger knorriger Baum, ohne Blätter, mit langen fahlen Ästen. Er sah fast schon unnatürlich aus.
Plötzlich schien ein Geräusch von dem Baum auszugehen.
Finn spitzte die Ohren, der Baum knurrte ihn an.
Zuerst einmal ganz leise, dann ziemlich laut und bedrohlich.
"Was ist das?", flüsterte Vanessa, Finn antwortete nicht, er legte den Finger vor die Lippen und ging um den Baum herum.
Das Knurren wurde daraufhin zu einem wilden Brüllen, und ehe sie Finn zu Hilfe eilen konnten wurde er von einer riesigen finsteren Kreatur angefallen.

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