geliebter Bruder

„Mein geliebter Bruder,

 

wie ich von meinem Hauptmann erfahren habe, hast auch du nichts unversucht gelassen, mich in den letzten Jahren ausfindig zu machen. Wahrscheinlich weißt du es bereist, doch es war der König, der mich verschleppen ließ. Er wollte mich töten. Sei gewiss, dass ich dir nicht die Schuld gebe. Du konntest nicht wissen, welches Ausmaß seine Abscheu mir gegenüber annehmen würde. Stets versuchst du nur das Gute in den Menschen zu sehen. Doch lass dir dies eine Warnung sein. Du kannst ihm nicht vertrauen. Frage nicht, wo ich war und was passiert ist. Ich werde es nicht sagen. Frage auch nicht warum, du wirst es verstehen, sobald wir uns wiedersehen. Hoffentlich wird dies schon bald der Fall sein.

Nun zu etwas Erfreulicheren. Mir ist ebenfalls zu Ohren gekommen, dass du mit einer kleinen Tochter beschenkt wurdest. Und du hast sie Akeita genannt, hoffentlich nicht aus Schuldbewusstsein mir gegenüber? Wie dem auch sei, möge es dir und deiner Familie wohlergehen.

 

In Liebe,

dein kleiner Bruder

 

(Ps. Mache dir keine Mühe zu antworten und sei sicher, dass du diesen Brief verbrennst.)“

 

Konnte es wirklich sein?

Verwirrt murmelten seine Berater untereinander, als er diesen anonymen Brief las. Ihm kamen die Tränen. Es war lange her, dass er solche Erleichterung empfunden hatte.

Wenn er wirklich noch am Leben war, musste er ihn finden. Egal was Akito auch sagen möge, er hatte Schuld an alledem. Und der Name seiner Tochter würde ihn ewig an das Leid erinnern, dass er seinem kleinen Bruder zugefügt hatte. Niemals durfte er dies vergessen.

Entschlossen stand er auf, ging zum Kamin und warf den Brief ins Feuer. Als er dabei zusah, wie er verbrannte, fasste er einen Entschluss. Nie wieder würde er diesem Monster folgen.

Er musste Akito finden. Doch wo?

„Bringt mir sofort eine Landkarte die die östlichen Gebiete zeigt!“

Wenn er eines über seinen Bruder wusste, dann, dass er nichts mehr liebte als seine Heimat. Die Stadt war mittlerweile zerstört. Aber die Bewohner waren angeblich noch irgendwo dort draußen. Wo wäre ein geeigneter Platz um sich vor den Truppen zu verstecken? Die Berge?

Nein, sie hatten alte und Kinder bei sich gehabt. In den Wiesen wären sie sofort entdeckt worden. Blieb nur der Wald. Groß und dicht bewachsen. Es würde schwer werden sie dort zu finden. Seine Berater sahen ihm neugierig dabei zu, wie er die Karte von oben bis unten einstudierte.

„Eure Hoheit? Können wir behilflich sein?“

„Nein. Aber ihr könnt dafür sorgen, dass meine Leibgarde dazu bereit ist, mit mir auszurücken. Ich habe etwas zu erledigen.“

„Aber eure Hoheit? Was ist mit den Kriegsvorbereitungen? Der König bat euch um Unterstützung.“ Noromis überlegte.

„Sagt ihm, ich werde ihm Truppen schicken, sobald ich welche entbehren kann. Das sollte ihn hinhalten.“

Sofort erzählte er Rimona, was geschehen war und sie freute sich ebenso sehr wie er. Auch sie war die letzten Jahre von Schuldgefühlen geplagt worden.

Zusammen packten sie die nötigsten Sachen zusammen. Morgen würde er aufbrechen. Akito, er würde ihn finden.

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