Gerhards Brief

Liebe Silvia!

Ich war nie ein Mann großer Worte und auch kein Briefeschreiber, doch auch wenn du es nicht mehr glaubst, Ich liebe dich noch immer wie am ersten Tag und ich würde das noch viele Tausend Tage tun. Und wenn es dort, wohin ich gehe möglich ist, dann werde ich das auch! Ich bitte dich für so vieles um Verzeihung! Dafür dass ich dir nie das Gefühl gab, dir zuzuhören, obwohl ich es doch tat, dass ich dir nie das Gefühl gab dich zu verstehen, was ich doch heute tu, dass ich jetzt gehen muss, für immer, und dass ich das, wenn es mir gelingt auch tu. Ich habe heute erfahren, dass ich einen inoperablen Hirntumor habe, der auch mein Verhalten und meine Geduld verändert hat. Verzeih mir bitte, dass ich nicht nachgegeben habe, beim letzten Streit, von dem ich nicht mehr weiß, wie er begann! Du hast geglaubt, du seist mir nicht wichtig genug, dass ich mir sowas merke! Du warst und bist das Wichtigste, das Liebste, und das Schönste, was mir je widerfahren ist! Und wenn ich jetzt sterben muss, dann will ich nicht darauf warten, dass ich dir womöglich auch noch weh tu! Ich möchte gehn, solange ich Herr meiner Sinne bin und das Schlechteste, an das du dich von mir erinnern kannst, soll meine Unnachgibigkeit der letzten Wochen gewesen sein. Ich möchte mich damit nicht entschuldigen! Ich möchte dir nur noch einmal sagen, dass ich dich sehr, sehr lieb hab und dass ich mich nicht wegen der Trennung aus diesem Leben schleiche! Du hast nicht die geringste Schuld daran und ich danke dir dafür, dass du so lange die Meine warst! Ich weiß noch nicht wie und wo ich mein Leben beenden kann, Ich weiß nur dass es bald sein muss, bevor mein Atemzentrum vom Tumor zerdrückt wird. Ich habe dich immer geliebt, ich habe dich nie besessen. Doch alles was ich je besaß soll dir gehören. Bitte sorge dafür, das mein Leichnam verbrannt wird und halte die Verabschiedung so klein es irgend geht. Ich würde mich freuen, wenn sich deine Mutter dafür kurz befreien könnte. Ihr beide wärt Trauergäste genug. Nimm das Billigste das du kriegen kannst, ich brauche keinen Pomp, dort wo ich hingehe! Und lass dich nicht übers Ohr haun, wenn du meine Maschine und den Smart verkaufst! Mit dem Geld kannst du die Eigentumswohnung locker fertig finanzieren. Du sagtest einmal zu mir, ich sei unromantisch! Das mag sein! Aber ich habe dich über alles geliebt und ich tue es bis ich sterbe und wenn möglich auch danach!

Leb wohl mein Schatz!

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media