Warum ich diese Geschichte schreibe? Nun das ist nicht einfach zu erklären. So viel Schreckliches habe ich erlebt und bestimmt wird dem einen oder anderen ein kalter Schauer über den Rücken laufen, wenn er diese Zeilen liest. Also wenn ihr zart besaitet seid, dann überlegt euch lieber zweimal, ob ihr weiterlesen wollt. Noch habt ihr die Möglichkeit aufzuhören und euch freudvolleren Dingen zu widmen, anstatt dieser schrecklichen, aus dem dunkelsten Winkel meines gebrochenen Herzens, stammender Erzählung. Ob sie wohl doch noch ein glückliches Ende finden wird?

Das Entsetzen suchte mich  schon in meiner frühen Kindheit heim. Ich lebte in einem kleinen Dorf auf dem afrikanischen Kontinent. Wir waren dort zufrieden und glücklich, bis… sie eines Tages kamen! Es waren unglaublich schreckliche, gemeine Kreaturen. Sie sahen aus wie Hasen, doch sie hatten nichts mit den niedlichen Hasen gemein, die ihr sonst kennt. Oh nein! Sie waren kahl, grässlich und bösartig und vor allem unglaublich stark. Zu Hauf fielen sie über unser Dorf her und verschleppten uns an einen uns völlig unbekannten Ort.

Es war eine Kakaoplantage. Dort gaben sie uns eine Machete in die Hand und dann mussten wir uns an die Arbeit machen. Wir mussten die Kakaofrüchte ernten, dann mussten wir sie entzweischlagen und die Kakaobohnen herausholen. Es war eine anstrengende, mühselige und vor allem oft gefährliche Arbeit (es gab oft Verletzungen und Verstümmelungen durch die Macheten). Wir hatten kaum Pausen und immer waren diese schrecklichen Kreaturen hinter uns her, trieben uns noch mehr an und schlugen uns mit ihren Peitschen. Schliesslich erfuhr ich, dass sich diese Geschöpfe Osterbunnys nannten und sie uns als billige Arbeitskräfte missbrauchten, um die Kakaofrüchte für ihre Osterschokolade, welche sie jeweils zu überteuerten Preisen irgendwo in der westlichen Welt verkauften, zu ernten und zu verarbeiten. Ich und die anderen Kinder hatten schreckliche Angst vor diesen Wesen und darum machten wir alles was sie uns befahlen, nur damit wir ihre Peitschen die sie ständig schwangen, nicht auf unsere Rücken niedersausen liessen, oder ihre scharfen, langen Zähne in unsere Kehlen gruben (was auch ab und an vorkam). Auch die Erwachsenen fürchteten sich entsetzlich und wagten deshalb nicht, sich für uns einzusetzen.

So verging Jahr um Jahr auf den stickigen Plantagen, die Angst und das Elend waren unsere ständigen Begleiter, ebenso wie die Osterbunnys, die uns keinen Moment aus ihren grässlichen, tiefschwarzen Augen liessen. Noch heute glaube ich manchmal ihren bösen Blick auf mir zu spüren. Unser Elend unter dem Regime der grausamen Bunnys, schien grenzenlos und wir wurden immer lethargischer und kraftloser.


Doch dann eines Tages, geschah ein Wunder! Gerade als ich im Schweisse meines Angesichts wieder die Kakaofrüchte erntete, wie ich es nun schon eine Ewigkeit tat, tauchten aus dem Wald auf einmal andere Bunnys auf. Sie sahen viel hübscher aus, trugen Rüstungen in blau und grün und darauf prangte in den selben Farben ein Signet, welches an ein Ying und Yang Zeichen erinnerte. Darunter stand in Grossbuchstaben «FAIRTRADE»! Die flauschigen Bunnys trugen Waffen bei sich und machten all die schrecklichen Osterbunnys dingfest. Dann führten sie sie ab. Ich und meine Leidensgenossen, konnten ihr Glück kaum fassen und jubelten laut, ob dieser unerwarteten Entwicklung.

An diesem Tag begann für uns ein ganz neues, viel schöneres Leben. Ich war mittlerweile volljährig und die Fairtrade Bunnys arbeiteten mit Firmen zusammen, die nun gut  bezahlten für unsere Arbeit. Minderjährige Kinder wurden gar nicht mehr zu solch gefährlichen Arbeiten zugelassen. Die Erwachsenen zu denen nun auch ich gehöre, durften die Plantagen ab jenem Zeitpunkt sogar ihr eigen nennen. Wir konnten alles selbst machen und verdienten viel besser. 

Die Qualen die wir erduldet hatten jedoch, gruben sich in unsere Seelen ein und die schlimmen Erinnerungen, suchen uns noch heute oftmals heim. Doch wir schätzen auch viel mehr unser neu gewonnenes, besseres Leben. Also wenn ihr Fairtrade Schokolade kauft bedenkt dabei, das bestimmt niemand für diese Schokolade leiden musste.

Dennoch treiben die schrecklichen Osterbunnys noch immer ihr Unwesen, wie finstere Geister, die wohl kaum je ganz verschwinden werden. Je mehr ihr sie durchschauen könnt, desto mehr werden sie (vielleicht) von der Bildfläche verschwinden und es gibt immer mehr Kakao, an welchem nicht weiterhin das Blut und das Elend armer, unschuldige Kinder klebt.  

 

Kommentare

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    Kinderarbeit und Lohndumping sind immer übel, egal wo sie stattfinden. Dass Du das Problem hinter ein paar "Bunnys" versteckt hast, finde ich allerdings ziemlich gruselig - lach! Aber um so schockierender ist es wahrscheinlich. Ich schaue oft darauf, dass die Schoki fair hergestellt wird, dass das neue T-Shirt nicht aus Kinderhand stammt ... und dass die Äpfel von nebenan kommen und nicht 400km fahren mussten. Man kann nicht alles besser machen, aber man kann sich schon im Alltag ein wenig Mühe geben, finde ich. Guter Text!

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