Jeden Tag sind wir uns nah und fern zu gleich. Wir reden stundenlang, berühren uns jedoch nur flüchtig. Wir mögen uns im großen und ganzen. Das Ganze ist jedoch endlich. Es hört an einem Punkt auf. Die Grenze zu überschreiten wäre gewagt, unsicher, ungewöhnlich. Um auf Nummer sicher zu gehen, bleiben wir dahinter stehen. Unsere Gedanken überquerend sie ab und an, unsere Worte jedoch nie. Hinter der Grenze, ein Abgrund. Wohin der Abgrund führt, ungewiss. Ein Windstoß, ein Hauch von Abenteuerlust, Mut, Ehrlichkeit, drücken dich gegen die Grenze. Doch du wirst immer wieder zurückgezogen, scheinbar gerettet. Vielleicht führt der Abgrund jedoch ins Paradies, vielleicht erwartet darich dahinter der Lebenssinn, den du so verzweifelt versuchst zu finden, vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Du wirst es nie erfahren. Denn Abenteuerlustig warst du noch nie gewesen. 
Stattdessen wird eine Mauer an die Grenze gebaut. Ein Sprung in den Abgrund, nicht mehr möglich.
Später malst du dir aus was gewesen wäre wenn. Wenn du dich getraut hättest, deinen Gefühlen freien Lauf gegeben hättest, deinen Gefühlen vertraut hättest.
Das Haus hätte ein anderer gebaut, den Ring hätte ein anderer getragen, die Farbe der Augen deiner Kinder wäre eine andere. Alles wäre anders verlaufen. Besser. Schlechter. Egal, denn du wirst es niemals herausfinden.

Kommentare

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    Ach ja, der leidige Konjunktiv, mein ständiger Begleiter. Dein Text ist wirklich sehr tiefgreifeend und regt zum Nachdenken an. Er hat mir sehr gut gefallen, weil mir oft ähnliche Gedanken im Kopf umher schwirren. Herzlich Willkommen auch noch von mir ;)

  • Author Portrait

    Was für ein tiefgründiger und auch trauriger Text! Er spricht mich ausserordentlich an! Ich nehme an, du bist neu hier? Herzlich willkommen!

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Feenstaub

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