Eines Tages lag Hans-Hugo zufrieden und müde unter einem Baum und mümmelte vor sich hin. Da hörte er plötzlich ein lautes "PUFFFF" und sah ganz viel Rauch. Und aus dem Rauch kamen lautes Husten und - Stimmen.
"Ich hab dir doch gleich gesagt, dass das der falsche Spruch ist!"
"Ach du, immer musst du alles besser wissen!"
"Ja und, wenn ich doch auch immer Recht habe! Wo sind wir hier eigentlich?"
"Keine Ahnung, ich seh ja gar nix vor lauter Qualm!"

Hans-Hugo war aufgesprungen und starrte fassungslos in die Rauchwolke. Was ging denn hier bloß vor?
Endlich verzog sich der Qualm und Hans-Hugo sah ein sehr dreckiges, zerzaustes und frech grinsendes Mädchen. Und auf ihrer Schulter saß - konnte das denn möglich sein? - ein kleiner goldener Stern. Der hatte jetzt allerdings ein paar Rußflecken. Hans-Hugo staunte. Wer waren denn die zwei?

Das Mädchen entdeckte Hans-Hugo und schrie:
"O, guck mal, Stern, da ist unser Abendessen!"
"Aber Neolani, du wirst doch wohl nicht so einen niedlichen kleinen Hasen essen wollen???"
Hatte Hans-Hugo richtig gehört? Hatte der Stern tatsächlich geredet? Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu, das war ja, das war ja... HEXEREI!
Und essen wollte ihn diese Hexe, zum Abendbrot! Na, das fehlte gerade noch, das würde er sich aber nicht gefallen lassen, Hexe hin oder her.
"Du, damit dus mal weißt: ich bin Hans-Hugo, der einzige fliegende Hase der Welt, ich werd nicht gegessen!"
"Huch, der kann ja sprechen!"
"Klar kann ich das. Alle Hasen hier können das. Woher kommst du denn, dass du das nicht weißt? Und wer bist du eigentlich?"
"Ich bin Neolani, die kleine Hexe. Und das hier ist mein bester Freund, der Stern. Und wer bist du?"
"Ich bin Hans-Hugo, der fliegende Hase."
"Waaaas?", staunte Neolani, "du kannst fliegen? Das glaub ich nicht. Zeig doch mal."
"Naja", antwortete Hans-Hugo, "das würd ich ja gern, aber die anderen Hasen haben mir einen Knoten in die Ohren gemacht, weil ich sie immer geärgert habe."
"Bist ein kleiner Frechdachs, was?! Das gefällt mir. Wir werden sicher tolle Freunde", grinste Neolani. Der kleine Stern aber verdrehte die Augen. Nicht noch so jemand, der nur Unsinn im Kopf hatte!!!

Neolani machte den Knoten in Hans-Hugos Ohren auf, der Hase schlenkerte ein bisschen mit den Ohren und dann flog er los.
"Jippieh, endlich kann ich wieder fliegen! Das macht so Spaß!", jubelte er. Am liebsten wäre er immer weiter und weiter geflogen - aber er hatte ja Besuch. Also landete er nach einer Viertelstunde wieder.
Neolani war tief beeindruckt.
"Wow, das war ja super! Aber ich kann auch fliegen, und zwar auf meinem Hexenbesen. Der ist aber leider nicht hier, aber ich kann ihn ja herhexen, dann können wir um die Wette fliegen."
"NEIN!!!", schrie der kleine Stern da ganz entsetzt und er sagte zu Hans-Hugo:
"Die vertut sich nämlich ab und zu mit den Hexsprüchen. So sind wir ja auch hier gelandet. Eigentlich wollten wir ins Kino. Du, sag mal, wo genau sind wir denn eigentlich?"
"Das hier ist die große Hasenwiese."
"Hab ich noch nie was von gehört", murrte Neolani.
"Das wundert mich gar nicht", sagte der kleine Stern, aber er sagte es nur ganz, ganz leise. Neolani hörte es aber trotzdem und sah ihn böse an.
"Du, sei nicht so frech, sonst hex ich dir Schweineohren an!"
Da schwieg der kleine Stern lieber, denn Schweineohren wollte er auf gar keinen Fall haben.

Neolani setzte sich zu Hans-Hugo ins Gras.
"Ich wohne im Hexenwald. Kennst du den?"
"Ich kenne nur den Wald da am anderen Ende der Wiese. Aber ob das dein Hexenwald ist, weiß ich nicht."
"Ich auch nicht. Was mach ich denn jetzt? Ich muss doch zurück nach Hause."
Eine ganze Weile schwiegen die drei und dachten nach. Dann fragte Hans-Hugo:
"Kannst du dich denn nicht einfach wieder zurück hexen?"
"Nein", antwortete Neolani, "ich hab doch den Spruch vergessen. Ach, es ist zum Mäusemelken! Ich komme wohl nie wieder zurück nach Hause!", heulte die kleine Hexe. Irgendwie tat die Hans-Hugo leid. Für eine Hexe schien sie ja doch ganz in Ordnung zu sein. Er grübelte und grübelte - und dann hatte er eine Idee.
"Du, sag mal, kannst du dich eigentlich auch ganz klein hexen?"
"Ja, sicher kann ich das. Aber das nützt mir ja auch nix."
Hans_Hugo schmunzelte.
"Da wär ich nicht so sicher. Pass auf, wir machen das so: du hext dich klein, dann nehme ich dich auf meinen Rücken und wir fliegen durch die Gegend, bis wir deinen Hexenwald gefunden haben."
"Willst du das wirklich für mich tun??? Oh, das wäre sooo toll!!! Ich versprech dir auch, dass ich nie wieder einen Hasen essen oder ärgern werde!"
"Und ich verspreche, dich an dein Versprechen zu erinnern!", rief der kleine Stern.

Neolani machte ein paar geheimnisvolle Bewegungen mit den Händen und murmelte einen Hexspruch, es puffte - und dann war sie plötzlich verschwunden.
"Neolani, wo bist du denn?", rief Hans-Hugo und sah sich suchend um.
"Ich bin hier, genau vor deiner linken Vorderpfote", piepste ein leises Stimmchen. Hans-Hugo sah nach unten und tatsächlich, da stand Neolani, ganz winzig klein. Hans-Hugo legte sich hin und sagte zu ihr:
"So, jetzt kletter an meinem Ohr hoch und setz dich auf meinen Rücken. Und dann musst du dich gut an meinem Fell festhalten."
Ein paar Minuten später rief Neolani:
"Ich bin soweit, kann los gehen!"

Hans-Hugo flatterte mit den Ohren und hob ab. Er drehte eine kleine Orientierungsrunde über die Hasenwiese und fragte:
"In welcher Richtung liegt denn dein Hexenwald?"
"Keine Ahnung!", gab Neolani zurück. 
Hans-Hugo seufzte. Das schien schwerer zu werden, als er gedacht hatte. Auf was hatte er sich da bloß eingelassen???


Wird es Hans-Hugo gelingen, Neolani nach Hause zu bringen? Und was werden bloß die anderen Hasen sagen, wenn sie feststellen, dass der Knoten aus seinen Ohren raus ist?
Das erzähle ich euch in der nächsten Geschichte!

Kommentare

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    Niedlich und rührend zu gleich. Ich hab mich gleich verliebt - und zwar in alle drei. Ich bin gespannt, wie es weitergeht...

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