Helden und Feiglinge

Sobald Joe und Billy bei den anderen Fahrgästen angekommen waren, hörte auch das laute, Grauen erregende Geräusch mit einem Mal auf. Erstarrt standen sie alle da und lauschten aufmerksam.

Nichts.

Stille.

Nur der Regen, der draußen auf das Metall prasselte, war zu vernehmen. Für die verängstigten Passagiere jedoch hörte es sich an wie Pistolenschüsse.

„Was war das?“, fragte Nina mit einer piepsigen Stimme. Von ihrer einstigen Großmäuligkeit war nur noch das blanke Entsetzen zurückgeblieben. „Was zum Teufel war das?“, fragte sie noch einmal. Dieses Mal panischer und lauter.

„Wir müssen hier weg!“, beschloss Adrian. „Sofort!“

„Das ist zu gefährlich“, warf jemand ein.

Jedem Argument zum Trotz ging Adrian schnurstracks auf die Tür zu und versuchte sie zu öffnen. Erfolglos mühte er sich einige Minuten lang ab. Rüttelte wie ein Wahnsinniger an den Griffen und schlug sogar auf die Scheibe ein. Joe verdrehte im Geiste die Augen. Was für ein verdammt starker, intelligenter Mann. Adrian schwitzte und sein Gesicht hatte einen ungesunden Rotton angenommen.

„Ohne den Schlüssel, kriegen Sie keine Tür auf“, erklärte Joe ihm und bemerkte seinen Fehler erst, als Adrian in finster anstarrte.

„Und Sie haben den Schlüssel“, stellte dieser knurrend fest. Wie ein wild gewordener Stier schnaubte er in die Luft. Sein Atem ging schnell von der sinnlosen Anstrengung, die er sich geleistet hatte.

Keine Frage, auf die Joe antworten musste. Unheilvolle Stille legte sich über die Anwesenden im Zug, während sie sich gegenseitig betrachteten, wie Raubtiere in einem zu kleinen Käfig. Joe schwieg, in der Hoffnung, Adrian würde auf keine komischen Gedanken kommen. Leider lag er wieder falsch.

„Dann geben Sie mir den Schlüssel“, forderte der Mann arrogant.

„Das kann ich nicht tun“, wehrte Joe ab und hielt beide Handflächen - zur Versöhnung oder um sich zu verteidigen? - in die Höhe.

Gereizt drang Kates Stimme zu Joe herüber. In dem Tumult hatte er gar nicht mehr an sie gedacht. Jetzt allerdings schien für sie der perfekte Zeitpunkt gekommen, sich über ihn zu ärgern. Zusammen mit Nina wetterte sie leise über seine Inkompetenz als Zugbegleiter. Offensichtlich waren sie auf Adrians Seite.

Matthew war geteilter Meinung. Sein Verstand riet ihm sichtlich davon ab raus zu gehen, während er auf keinen Fall die Gruppe verlassen wollte. Zwar wollte er nach Hause, hatte aber auch Angst. Ellen äußerte sich überhaupt nicht. Stocksteif stand sie in einer Ecke da, einer leblosen Puppe gleich.

Eine feurige Diskussion brach aus, der zu folgen Joe einfach zu erschöpft war.

„Und warum nicht?“, fragte Adrian und unterbrach das Getuschel der Frauen, als er sich wieder an Joe wandte.

„Ich verliere meinen Job. Den Sicherheitsvorschriften zufolge müssen alle Passagiere im Zug bleiben. Wo es am sichersten ist. Ich darf Sie nicht gehen lassen“, erklärte Joe müde. „Wir müssen so lange hier ausharren, bis Hilfe kommt.“

„Und wie lange soll das dauern? Die ganze Nacht?“, schrie Kate hysterisch und Joe schloss kurz die Augen.

„Ach, kommen Sie, was ist nur los mit Ihnen?“, fragte Adrian entnervt.

„Hören Sie“, begann Joe, „warum wollen Sie bei dieser Dunkelheit in den Wald raus, während dort draußen irgendetwas herumläuft, dass bereits den Lokführer ausgeweidet hat?“ Joe müsste sich wirklich beherrschen, aber er war definitiv überarbeitet. Bei der Erwähnung ihres ermordeten Kollegen, zuckte Ellen zusammen und schloss die Augen. Vielleicht hielt sie auch den Atem an.

„Der nächste Bahnhof ist nicht weit. Außerdem wissen wir nicht, ob das, was ihn angegriffen hat, nicht bereits hier drin ist.“

Heilloses Durcheinander brach bei seinen Worten aus, als ob jeder wahnsinnig geworden wäre. Es war offensichtlich, was Adrian vorhatte und Joe wurde bei dem Gedanken immer mulmiger zumute.

„Nein“, wiederholte Joe, schüttelte den Kopf und versuchte hart zu klingen, was ihm nicht wirklich gelang. Hatte es noch nie. Aber er wollte es trotzdem versuchen, einfach weil er dieses Arschgesicht nicht ausstehen konnte. Vielleicht verspürte er aber auch ein Fünkchen Schadenfreude.

Unnötigerweise mischten sich das Mädchen und die Businessfrau ein.

„Sie können uns nicht hier festhalten“, riefen sie fast zeitgleich aus.

„Das kann ich. Ich habe sogar das Recht dazu, wenn Ihnen was passieren sollte, bin ich-.“

Bevor Joe seinen Satz zu Ende sprechen konnte, spürte er, wie er von der Seite gepackt und herum gerissen wurde. Ihm blieb die Luft weg, als er gegen eine Wand krachte. Gut, damit hatte er jetzt wirklich nicht gerechnet. Er spürte, wie jemand an seinem Schlüsselbund herumfummelte. Sofort versuchte er danach zu greifen, daraufhin bekam er einen Fausthieb ins Gesicht. Seine linke Wange brannte wie Feuer und sein Kiefer knirschte ächzend, als er mit den Zähnen mahlte. Schwärze umschloss ihn. Übelkeit zog seinen Magen zusammen. Unfair, dachte Joe sich.

Im Hintergrund redete es wild durcheinander. Verzweifelt versuchte der indische Student das Chaos mit Worten zu regeln, in das er sich selbst aber nicht einmischte. Das ältere Ehepaar war schockiert, unternahm aber nichts, während die beiden Teufelsweiber Adrian bei seinem Angriff gegen Joe anfeuerten. Billy zwängte sich an den Herumstehenden zu ihm vorbei. Zumindest hoffte Joe das.

Bevor Adrian Joe einen zweiten Schlag verpassen konnte, er hatte bereits mit dem Arm ausgeholt, griff Billy nach dessen Handgelenk. Und obwohl Adrian fast doppelt so groß war, hielt der junge Mann ihn mit Leichtigkeit zurück.

„Haben Sie den Verstand verloren?“, fragte er wütend.

Wie wild gewordene Furien stürzten sich Nina und Kate von hinten auf Billy, packten ihn, hielten ihn mit ihren Klauen fest, während sie Adrian hysterisch anwiesen weiterzumachen. Verzweifelt versuchte Joe sich zu wehren, war aber Adrian viel zu unterlegen. Sein Kopf schlug einmal gegen das Metall, dann sackte er zusammen.

Sofort entriss Adrian dem Schaffner den Schlüsselbund und warf es dem Mädchen zu. Billy riss sich los. Ignorierte, dass er Kate dabei den Ellenbogen in den Bauch gerammt hatte und lief hastig zu dem am Boden liegenden Bewusstlosen.

„Hey, alles Okay?“, fragte er Joe und hob vorsichtig dessen Kopf auf, an dem die schnell wachsende Beule zu pochen begann.

Er fühlte sich erbärmlich, trotzdem nickte Joe. Ihm zersprang der Schädel. Vor seinen Augen verschwamm alles. Undeutlich erkannte er, dass die Türen aufglitten. Frische Nachtluft wehte in den alten Zug und verdrängte die abgestandene Luft, welche seit einiger Zeit in den Abteilen geherrscht hatte.

Der frische Duft des Regens, der vor kurzem aufgehört haben musste, kroch verführerisch ins Innere. Vereinzelte Tropfen fielen noch vom Himmel, ansonsten hatte das Unwetter aufgehört.

Für einen kurzen Moment spielte Joe mit dem Gedanken, auch einfach abzuhauen. Er wusste zwar nicht wohin, wozu und das es falsch war, aber es wäre einfach. Stattdessen seufzte er. Das würde er niemals tun. Dafür war er einfach zu vernünftig. Trotz seiner Nörgelei über den Job, fürchtete er sich vor den Konsequenzen beim Missachten der Vorschriften.

„Wir müssen sie zurückholen.“ Seine Stimme war kratzig und raute seine Kehle auf, sodass er husten musste. Als er sich aufzurichten versuchte, verzog er schmerzhaft das Gesicht. Adrian hatte ihm auch in den Magen geschlagen und Joe konnte sich nicht entscheiden, welcher Schmerz schlimmer war. Er fühlte sich wie ein verdammter Schwächling. Was er vermutlich auch war.

„Du bist kein Schwächling, Joe“, beruhigte Billy ihn, dessen Hand noch immer in Joes Nacken lag.

Woher wusste er nur, was er gedacht hatte? Verwirrt musterte Joe den Blonden. Er hatte seine Gedanken doch wohl nicht laut ausgesprochen, oder? Das wäre wirklich die Krone seiner Pechsträhne heute.

„Lass sie gehen. Scheiß, auf die Idioten!“, fügte Billy noch hinzu.

„Ohne den Schlüssel können wir die Tür nicht schließen“, sagte Joe und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf Billys Augen, die ihn durchdringend ansahen. Jetzt war Joe sich fast sicher, hypnotisiert zu werden. Was für ein absolut absurder Gedanke.

Suchend blickte Billy sich um. Tatsächlich hatten die Vollpfosten, den Schlüssel mitgenommen. Nicht, dass sie ihn draußen im Wald noch einmal gebrauchen konnten.

„Mist!“, fluchte Billy leise. „Diese verfluchten Idioten!“

Er half Joe auf, der einige Sekunden Erholungszeit brauchte, bevor der Schwindel verschwand. Beruhigend hob Joe die Hand und versicherte dem alten Ehepaar, das verschreckt auf den Bänken saß, dass alles in Ordnung sei. Was es definitiv nicht war, aber scheinbar war nur Billy in der Lage seine Gedanken zu lesen. Mit Schaudern hatten die beiden, die wirre Szene verfolgt. Ratlos saßen sie da, unsicher, was sie tun sollten.

„Wir kommen gleich zurück“, sagte Joe. „Wir brauchen den Schlüssel um die Tür zu schließen. Begeben Sie sich bitte in den anderen Waggon. Dort sind sie sicher.“

Matthew, der indische Student, musste sich für Adrian entschieden haben, denn auch er war verschwunden. Auch Ellen war nicht mehr da, aber ihre Anwesenheit war nicht gerade bedeutend für Joe gewesen. Er seufzte.

Elegant sprang Billy aus dem Zug. Im Gegensatz zu seiner Leichtfüßigkeit schien Joe hinter ihm herzufliegen. Er stolperte über eine Stufe und hätte sicherlich mit seinem geschundenem Gesicht gebremst, hätte ihn der Blonde nicht aufgefangen.

„Entschuldige“, sagte Joe leise und blickte unsicher in Billys Gesicht, verwundert darüber, dass sie durch den Schwung nicht beide auf dem Boden gelandet waren. Billy hatte mehr Kraft, als es den Anschein machte. „Mir ist noch etwas schwindelig“, erklärte Joe.

Seine Hände ruhten einen Moment länger auf Joes Hüften, als es angebracht wäre. Nachdem Billy ihm ein aufmunterndes Halbgrinsen zugeworfen hatte, drehte er sich um und lief weiter. Dankbar stellte Joe fest, dass Billy immer wieder einen Blick zu ihm zurückwarf, um zu sehen, dass er noch da war. Benommen von den Schlägen, folgte Joe ihm tapfer, bis er es nicht mehr aushielt.

„Warte! Billy!“ Er hatte heftige Seitenstechen. Mit einem Mal war ihm furchtbar übel und er konnte den Blonden nicht einmal mehr erkennen, so verschwommen war sein Blick.

Die Hoffnung, dass sie die Anderen noch einholten, schwand mit jedem Schritt. Erschöpft beugte Joe sich vor, atmete schwer und stütze sich mit den Händen auf seinen Knien ab. Eine Hand legte sich auf seinen Rücken. Die Geste war so fürsorglich, dass Joe die Lippen fest aufeinander pressen musste, damit Billy nicht merkte, wie viel ihm das ausmachte.

„Joe. Alles klar?“

Auf seine Frage hin schüttelte Joe nur den Kopf, als plötzlich ein schriller Schrei durch den Wald hallte. Ein schrecklicher, markerschütternder Schrei, der ihm irgendwie vertraut vorkam. Ellens Schrei.

Beide Männer fuhren erschrocken zusammen. Einige Sekunden später tauchten Schatten vor ihnen auf. Für einen Moment blieb Joe das Herz stehen, bis er erkannte, dass es seine Schlüsseldiebe waren und nicht Andersons Mörder.

Der Windhauch, den Adrian verursachte, sobald er an Joe und Billy vorbeirannte, streifte Joes pochende Wange. Die Erkenntnis um die Gefahr, der sie sich ausgesetzt hatten, traf ihn härter, als Adrians Faust. Schreiend rannten ihnen die Frauen entgegen, dicht gefolgt von dem Studenten, der wild mit den Armen fuchtelte.

Noch bevor der Rest der kleinen Gruppe sie erreichte, packte Billy den in Schockstarre verfallenen Joe am Kragen und zerrte ihn hinter sich her. Zurück zum Zug. Kate rannte an ihnen vorbei und wäre die Situation nicht so verflucht ernst, dann hätte Joe sich gefragt, wie sie eine solche Geschwindigkeit auf High Heels aufrechterhalten konnte, ohne sich die Beine zu brechen. Joe stolperte rückwärts. Schemenhaft tauchte Ninas erschrockenes Gesicht vor seinen Augen auf.

Dann plötzlich erschien etwas hinter ihr. Ein schwarzer Schatten. Ein Mensch.

Nein, kein Mensch, dachte Joe.

Es war groß. Sehr groß. Seine Gliedmaßen wirkten viel zu lang. Die Haare waren ebenfalls lang und glichen eher Fell. Gelblich leuchteten seine Augen in der faden Dunkelheit.

Knurrend packte es nach dem panischen Mädchen und erwischte es an den Haaren. Schreiend wurde sie zurückgerissen.

„Billy! Billy, das Mädchen!“, schrie Joe und versuchte sich loszureißen.

Billy zögerte sichtlich. Schnell merkte er, dass es wenig Sinn machte, Joe von seinen Heldentaten abzuhalten. Trotz seiner Unterlegenheit, dachte Joe nicht daran verletzt oder gar getötet zu werden. Ihm war die Realität komplett abhanden gekommen. Billy packte ihn wieder am Kragen und hielt ihn fest.

„Lauf zurück zum Zug“, wies er Joe an, schubste ihn in die Richtung, aus der sie gekommen waren und rannte dann selbst los. Auf dem Weg zu dem monströsen Monster und seinem Opfer, griff er sich einen dicken Ast, der am Ende wie ein Knüppel aussah. Damit ging Billy auf das Monster los. Der erste Schlag traf es an der Schläfe, als es sich in die Halsbeuge des Mädchens verbiss.

Joe konnte sich nicht rühren. Wie gelähmt stand er da und schaute dem Horror zu, der sich seinen Augen bot. Nicht einen Schritt hätte er machen können. Mit offenem Mund beobachtete er, wie das Biest um seine Beute kämpfte. Mit langen Krallen, packte es nach dem Mädchen, dass verzweifelt versuchte davon zu robben. Ihre Schreie hallten durch den ganzen Wald, als sich die spitzen Nägel in ihre Wade bohrten und die Haut bis auf die Knochen aufschlitzten.

Mit voller Wucht schlug Billy weiter auf das Ding ein. Als das Monster kurz von ihr abließ, packte Billy nach ihr und stellte sie wieder auf die Beine. Kaum hatte Nina einen Schritt gemacht, war das Monster bereits wieder hinter ihnen. Schrill schrie sie auf.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit seitens Billy reichte ihr aus. Mit ihren verbliebenen Kräften schubste Nina den Blonden in Richtung des Ungeheuers aus den Wäldern, welches ihn sofort packte.

Ohne nachzudenken, rannte Joe los. Billy schien der einzige Freund zu sein, den er hatte und wenn es nur wenige Stunden währte, so wollte er ihn nicht im Stich lassen, indem er ihn dem Monster überließ. Er tat es Billy gleich, schnappte sich einen dicken Ast am Rande der Schienen und schlug mit aller Kraft auf das Biest ein. Glücklicherweise traf Joe einen schwachen Punkt in dessen Nacken, wodurch das Monster sichtlich ins Wanken kam.

Offensichtlich verlieh die Angst um Billy, Joe unvorstellbare Kräfte. Er wusste nicht, wieso er sein Leben für einen Mann riskierte, den er nicht kannte. Aber er wusste, dass er ziemlich gut küssen konnte und das allein sollte es wert sein.

Wäre das ein Film, hätte Joe sich laufend über die Wendungen beschwert, während er mit spitzen Fingern karamellisierten Popcorn aus der Tüte fischen würde. Wie sehr wünschte er sich, dass es tatsächlich nur ein Film war.

Billy nutzte den Augenblick und griff nach dem Ast, der ihm aus den Händen geglitten war. Gemeinsam schlugen sie auf das unheimliche Wesen ein, bis es am Boden lag und sich nicht mehr rührte. Selbst da schlugen sie, wie im Rausch gefesselt, weiter auf das Ding ein. Adrenalin pumpte durch Joes Körper, sodass er die Schmerzen in seinen Armen, das Brennen in seiner Lunge und das markerschütternde Geschrei in seiner Kehle nicht wahrnahm.

Vor Anstrengung und Adrenalin bebend, sahen sich die jungen Männer an, bevor sie sprichwörtlich die Beine in die Hand nahmen und losrannten. Nicht weit von ihnen konnten sie das Licht erkennen, das aus dem Zug drang. Aufgeregtes Stimmengewirr schwirrte durch die Luft zu ihnen herüber. Eine Stimme war besonders deutlich.

Matthew versuchte mit lautem Gestammel jemanden von etwas abzuhalten. Adrian.

Hinter Joe und Billy drangen heulende Geräusche durch die Nacht. Es waren keine Wölfe. Dafür war es viel zu gespenstisch. Vor ihnen humpelte Nina verzweifelt zum Zug. Eine dicke Blutspur zog sich mit ihr durch die Dunkelheit. Schon bald würden Billy und Joe sie einholen. Panisch schrie sie auf. Die rettende Tür des Zugs schien eine Unendlichkeit weit entfernt.

„Halt! Nicht! Lasst mich rein!“, schrie sie, streckte die Arme aus, als könne sie bereits nach der Rettung greifen.

Da begriffen sie endlich, was Adrian eigentlich vorhatte. Joe spürte, wie sein Herz mehrere Schläge aussetzte, als sein Hirn zu verarbeiten versuchte, was unweigerlich geschehen musste. Dieser verdammte Widerling.

Er und Billy beschleunigten das Tempo, obwohl Joe bereits schwarz vor Augen wurde. Sein Körper protestierte schreiend, am Ende seiner Kräfte. Aber er rannte weiter. Kaum hatten sie das Mädchen überholt - keiner der beiden war erpicht darauf, ihr noch einmal Hilfe anzubieten - und hinter sich gelassen, sahen sie durch die verschmutzten Scheiben wie Adrian den Inder von sich wegstieß.

Dann glitten die Türen zu.

Beide Männer schlugen wild auf die Tür ein. Doch es war zu spät. Es rührte sich nichts. Rasselnd trommelte der Atem des Mädchens in ihren Ohren. Während der Wald leise im Wind rauschte. Er lebte.

Und etwas bewegte sich auf sie zu. Sehr schnell.

Ihre einzige Hoffnung zu überleben war dahin.

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