Hoffnung

»Sir, was haben Sie vor? Sir?! Sie wollen doch nicht etwa … jetzt verschwinden?«, rief mir Mia aufgeregt hinterher.
»Mich ruft jemand an und ich will keine komischen Geräusche von stöhnenden Kindern hören. Also lass mich!«, schrie ich zu Mia und fischte mein vibrierendes Handy aus der Hosentasche.
Das Vibrieren wollte einfach nicht aufhören wegen des Anrufes … meiner MUTTER.
Ich hielt mir das Handy mit der Rechten ans Ohr, um mir mit dem Handballen meiner Linken leicht auf die Stirn zu schlagen.
»Hallo Mum, wie geht es dir?«, hob ich ab und ging noch ein paar Schritte von der Tribüne weg.
»Bist du auch gut angekommen, Samael? Ich habe mir Sorgen gemacht, weil du ja sonst immer anrufst.«
»Ja, bin ich, Mum. Ich habe zu tun, deswegen habe ich noch nicht angerufen und muss auch jetzt wieder auflegen.«
»Du wirst doch mit deiner armen alten Mutter noch etwas reden können!«, sagte sie mit gespieltem Trotz.
»Mum, du bist erst 38.«, meine Antwort war sehr genervt und ich stellte fest, dass es um mich herum seltsam still geworden war.
Ich legte auf, ohne noch etwas zu sagen oder verstanden zu haben, was meine Mutter noch gesagt hatte.
Zum Sprint ansetzend, drehte ich mich in Richtung Podest. Was ist passiert, dass es so still ist? Ich sprang aus dem Lauf auf das Podest, um besser in den Hof zu sehen.
Ein sehr verrückt und böse klingendes Lachen durchbrach plötzlich die Stille und lenkte meine Aufmerksamkeit auf eine männliche, geisterhafte Gestalt, die aus lila Rauch zu bestehen schien. Es waren nur die Augen, die gelb-orange leuchten und ein Mund zu sehen. Alles andere besaß keine klare Form, sondern wirkte verwaschen.
Er hockte nach vorne gebeugt, mit den Armen über den Knien nach unten hängend, am Rande des Vordachs über dem Hof und blickte nach unten zu den vier Schülern, die noch standen.
Die Vier sahen sehr mitgenommen aus und hatten sich gegen den „Geist“ verbunden, so wie es aussah.
Damit ich meinen Blick nicht vom Geschehen abwenden musste, schnipste ich in Mias Richtung und fragte sie aufgeregt: »Wer sind diese fünf Schüler?«
Mia seufzte: »Sir, woher soll ich das verdammt noch mal wissen? Glauben Sie, ich habe eine Liste mit Fotos von jedem Neuen hier?«
»Ja, das dachte ich eigentlich schon, aber das ist jetzt ja auch egal.«
Zwei Mädchen und zwei Jungs gegen den „Geisterjungen“. Das würde spannend werden.
Sollte ich einschreiten oder den Kampf genießen? Ich beschloss erst Mal abzuwarten.
»Wollt ihr nicht mal Ernst machen? Ich fühl mich verarscht! Ich glaube, wir brauchen hier ein bisschen Panik.«, hallte die rauchige Stimme des Jungen zu den vier über den Hof runter, während der Wind Rauchfäden von ihm wegwehte.

Ich sprang runter in den Hof, wo ich über bewusstlose Schüler hinweg, zwischen die zwei Parteien ging.
Zwischen den zwei Fronten angekommen erhob ich die Stimme: »Meine Lieben, glaubt ihr nicht, es reicht jetzt? Hiermit ist der Einstufungskampf beendet!«
Ich musterte die Gruppe, die sehr mitgenommen war. Alle waren von Kratzern übersät.
»Wer seid ihr vier? Ihr habt euch gut geschlagen, aber warum habt ihr eure menschliche Hülle nicht abgelegt?«, ohne mich umzudrehen, zeigte ich mit meiner Rechten auf den Jungen über uns, »Zu dir komme ich später, also komm runter und zwar sofort!«
Ich hörte, wie etwas am Boden landete, als der erste Schüler sich vorzustellte.
Es war der Erste von links, ein Junge mit blonden zerzausten Haaren und grüne Augen. Sein Gesicht war sehr schmal mit einer kleinen Nase, die mich an eine Schlange denken ließ. Auch sein Körper war sehr schmal und dünn.
»Mein Name ist Skula Hebul, Sir.«, sagte er stolz und klopfte sich dabei auf die Brust.

Die Schritte kamen hinter mir kamen immer näher. Ich spürte eine Veränderung des Luftzuges und beugte mich in einen 90 Grad Winkel zurück, ohne mich dabei umzudrehen.
Ein Fuß flog über mich hinweg.
Meine Augen wurden groß, als sich unsere Blicke trafen. Ich grinste ihn an wie ein Verrückter, das einzige, das aus meiner Kehle kam, war dabei ein schrilles Lachen.
Eine kuppelförmige Druckwelle löste sich aus mir ausversehen.
»Ups!«, kicherte ich vor mich hin, denn als ich mich wiederaufrichtete, lagen die fünf Schüler zehn Meter von mir entfernt und waren augenscheinlich bewusstlos.
»Ihr da! Sammelt sie ein und bringt sie auf die Krankenstation.«, wies ich ein paar Kharekta an, als ich gerade über das pinkhaarige Mädchen hinwegstieg.
Ich spürte die durchbohrenden Blicke von Mia und den anderen.
»Was?«, fragte ich genervt.
»Musste das sein? Du hättest sie töten können.«
»Ach was. Die sind robuster, als sie aussehen.«, wunk ich ab und drehte mich um, sprang mit einem Satz weg.
Das Dach knirschte unter dem Aufprall.
Ich war auf einem runden Gebäude gelandet, wo das Dach eine Kuppel trug. Es war vier Stockwerke hoch und zwei Stockwerke tief reichte es unter die Erde.
Das ganze Haus war aus einer sehr robusten Mischung aus Stahl und Beton gemacht. Die äußeren Wände waren in einem schönen Rot gehalten.
Auf dem höchsten Punkt der Kuppel wehten zwei Flaggen: Die Flagge der Schülersprecher, ein Schild auf roten Grund, darunter ein Schloss und die Flagge der 12er Elite, eine Krone mit zwölf kleinen und einem großen Zacken auf weißen Grund.
Jedes Stockwerk hatte einen großen Balkon. Ich hatte mein Quartier im gesamten vierten Stock. Der dritte Stock gehörte meiner Stellvertretung und der Zweite Mia. Die 12. Elite verteilte sich auf den ersten Stock und das Erdgeschoss.
Die zwei Stockwerke im Keller waren zu Trainingsräumen umgebaut worden.
Ich sprang vom Dach auf meinen Balkon. Die Tür hinein war zum Glück schon aufgesperrt, als ich sie öffnete. Das Stockwerk war riesig und wie eine richtige Wohnung aufgebaut. Vom Balkon aus gelangte man ins Wohnzimmer mit einem großen Sofa und einem Fernseher.
Ich hatte ein Wohnzimmer, Schlafzimmer, ein Bad mit Dusche und einer großen Badewanne, eine geräumige Küche mit Esszimmer, ein Büro und eine Bibliothek. Alles durch einen breiten Gang verbunden.
Alles war sehr schick eingerichtet und in warmen Farben gehalten.
Ich ging durch das Wohnzimmer in den Gang und durch die erste Tür links ins Bad, um endlich die dreckigen Klamotten loszuwerden.
Wie ich diese Wohnung vermisst habe.
Mein Finger fuhren langsam über den Rand des Sofas beim Vorbeigehen.
Im Bad angekommen zog ich mich aus und warf das schmutzige Gewand in einen Wäschesack und ging dann in die Dusche, um mir das getrocknete Blut runter zu waschen.
In eine frische Uniform gekleidet, verließ ich das Badezimmer und ging direkt in meine Bibliothek, die sich am Ende des Ganges befand und den größten Platz des Stockwerks einnahm.
In der Bibliothek befindet sich rechts vom Eingang ein großer Kamin an der Wand, der mit Holz befeuert wurde. Die anderen Wände waren voll mit Bücherregalen. In der Mitte des Raumes stand ein großer Holztisch mit einer Tischlampe, einigen Büchern und Stiften.
Der schwarze Stuhl, der hinter dem Tisch stand wirkte sehr einladend, aber dafür hatte ich jetzt keine Zeit.
Ich ging auf den Kamin zu, griff nach einem Buch das Links neben dem Kamin in einem Regal stand.
Lautes Klicken und das Geräusch von sich öffnenden Schlössern war zu hören, als der Kamin nach hinten gezogen wurde und nach rechts hinter die Wand verschwand.
Der Kamin offenbarte einen versteckten Raum, der keine Farben hatte, nur das Grau des Betons.
Tische mit sich stapelnden Büchern zierten die Wände, umringt von Spinnennetze.
»Bald ist es so weit, meine Liebe. Bald kannst du wieder in die Schule gehen.«, voller Traurigkeit streckte ich meine Hand aus. Ein elektrisches Kribbeln durchfuhr die Luft, als meine Hand auf etwas Unsichtbares stieß.
Ein zwei Meter großer grüner Kristall begann sich zu manifestieren. Der Kristall schimmerte und ganz schwach konnte man eine Person mit roten Haaren erkennen.
»Es tut mir leid. Ich werde dich hier rausholen.«, ich ließ meine Faust voller Frust gegen den Kristall schnellen.

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