Um behaupten zu können, der Chemieunterricht wäre für mich keine Verschwendung von Zeit (und Nerven von Seiten des Lehrers) gewesen, habe ich mich in diesem Sommer einem kleinen Projekt zugewendet. Mit einfachsten Mitteln, die jeder zuhause haben (oder zumindest schnell besorgen können) sollte habe ich in meinem Schrank, mit relativ geringer Erwartungshaltung und doch beachtlichem Erfolg Honigwein (Met) hergestellt.
Der folgende Text beinhaltet eine Schritt für Schritt Anleitung für das heimische Brauen.

Was brauchst du?

Die wahrscheinlich wichtigste Frage von allen! Hier eine kleine Einkaufsliste, für die Herstellung von etwas mehr als 1,5 Liter Met:

  • Apfelsaft, Naturtrüb 1,5 Liter (möglichst in Glasflaschen mit Schraubverschluss)
  • 500g Honig 
  • Hefe (Empfohlen wird Reinzuchthefe, aber mal im Ernst... nehmt Backhefe, die ist billiger und leichter zu beschaffen.)
  • Wenn nicht durch den Apfelsaft vorhanden: 2 Glasflaschen mit Schraubverschluss
  • Zwei weitere Flaschen zum Abfüllen.
  • Isolierband
  • Ein größeres Gefäß (z.B. ein Plastikeimer)
  • Ein Kochtopf
  • Ein dünner Schlauch
  • Papierküchentücher
  • Eine möglichst genaue Waage
  • Trichter


Der Gärverschluss Marke Eigenbau

Die alkoholische Gärung ist ein anaerober Prozess, das heißt der Met darf während er gärt nicht mit Sauerstoff in Berührung kommen. Um das zu bewerkstelligen bauen wir einen improvisierten Gärverschluss, der einerseits das Eintreten von Luft in das Gefäß verhindert, andererseits aber das Austreten von Kohlenstoffdioxid aus dem Gefäß ermöglicht.

Dafür muss ein kleines Loch durch den Schraubverschluss der zwei Flaschen getrieben werden (z.B. mit einem Hammer und einem Nagel), durch welches der Schlauch passt. Der Schlauch wird nun durch das Loch eingeführt und mit Isolierband befestigt, so dass Gase nur noch durch den Schlauch ein und austreten können. Das eine Ende des Schlauches muss, wenn der Deckel aufgeschraubt ist, in die Flasche ragen, das andere Ende wird in ein anderes, größeres Gefäß gelegt und dort fixiert. Dann wird das zweite Gefäß mit Wasser gefüllt, so dass das eine Ende des Schlauches unter Wasser liegt. Wenn sich durch die Gärung nun Gase bilden, können diese durch den Schlauch austreten, was man an der Blasenbildung im Wasser erkennen sollte. Sauerstoff allerdings kann nicht am Wasser vorbei in den Schlauch und von dort in den Gärbehälter eindringen.

Das Ansetzen

Habt ihr alles was ihr braucht und ist der Gärverschluss fertig? Super, dann geht es jetzt ans Eingemachte.

Als allererstes schüttet ihr den Apfelsaft in einen Kochtopf (ihr müsst ihn nicht erhitzen, sondern benötigt ihn nur als Behältnis), und verrührt ihn anschließend mit dem Honig. Der Honig muss sich komplett auflösen, also kann es sein, dass ihr eine ganze Weile rühren müsst. Sobald sich der Honig aufgelöst hat, kann das ganze mittels des Trichters in die Flaschen abgefüllt werden. Jetzt fehlt nur noch unser kleiner, aber unabdingbarer Helfer: die Hefe.

In jede der Flaschen mit dem Apfelsaft-Honig Gemisch gehört etwa ein halbes Gramm Hefe. Im Ernst, nehmt nicht mehr als ein halbes Gramm. Mein erster Versuch Met zu brauen ging ziemlich schief, weil ich zu viel Hefe benutzt habe. Wenn es aussieht, als ob auf dem Met plötzlich ein Brötchen schwimmt, vergeht einem schnell der Appetit.

Solltet ihr doch an flüssige Reinzuchthefe gekommen sein, so soll man wohl etwa ein viertel der Flasche in das Gebräu kippen. An dieser Stelle keine Gewähr von meiner Seite.

Ist die Mischung zusammen mit der Hefe in der Flasche, schraubt ihr den Gärverschluss oben drauf, stellt das ganze in den Schrank (oder an einen Ort eurer Wahl) und überlegt euch schon einmal, wen ihr auf einen Met einladen wollt. Der Gärprozess sollte ab jetzt mindestens zwei Wochen dauern. Wann das ganze fertig gegoren ist, erkennt ihr daran, dass irgendwann keine Bläschen mehr aus dem improvisierten Gärverschluss aufsteigen. Wichtig: Der Ort an dem ihr den Met gären lasst, sollte ungefähr Zimmertemperatur haben, da bei zu niedrigen oder zu hohen Temperaturen der Prozess verlangsamt wird oder sogar zum Stillstand kommen kann. (Letzteres wahrscheinlich nur bei extremen Temperaturen).


Das Abfüllen:

Nach dem Gärprozess sollte sich in dem Gebräu ein brauner Bodensatz gebildet haben. Dieser sieht nicht gerade appetitlich aus und soll im fertigen Met möglichst nicht sichtbar sein. Deshalb filtert ihr diesen Bodensatz beim Abfüllen des Mets in saubere Flaschen. Dazu genügen einige Lagen Papierküchentücher im obligatorischen Trichter. Vielleicht funktioniert das ganze auch mit einem feinporigen Sieb, an dieser Stelle aber wieder keine Gewähr von meiner Seite.

Wichtig: Vor der Verkostung eine Geruchsprobe durchführen! Der Met sollte einen alkoholischen, vielleicht auch leicht erdigen Geruch haben. Ähnlich wie Wein. Sollte der Met nach Essig, Schimmel oder sonst irgendwie seltsam riechen ist vom Konsum aus gesundheitlichen Gründen dringend abzuraten. 

Sobald der Met von unansehnlichen Rückständen befreit und in saubere Flaschen gefüllt ist, kann er konsumiert werden. Allerdings solltet ihr euch dabei womöglich nicht allzu viel Zeit lassen. Zur Haltbarkeit eines solchen Selbstgebrauten kann ich nämlich keine Angaben machen. Ich würde empfehlen ihn innerhalb von etwa zwei Wochen zu verbrauchen.

Skøl!

----Quellen----

http://www.chefkoch.de/magazin/artikel/1093,1/Chefkoch/Selbst-gemachter-Honigwein.html
Sowie ein bisschen Schulwissen aus dem Chemieunterricht der zehnten Klasse.

Kommentare

  • Author Portrait

    Ich kann meinen eigenen Met herstellen? Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten :D Besten Dank für die interessante Anleitung, Ric!

  • Author Portrait

    Ich wüsste zu gerne mal, wie das schmeckt. Vielleicht probier ich auch mal aus den Honigwein nachzumachen. Bei der Anleitung kann ja nix schief gehen :)

  • Author Portrait

    Ich finde es cool, dass du darüber etwas schreibst, wir wollten schon immer mal Met machen und werden das jetzt dank diesem Bericht auch mal tun. Danke für die Motivation. :-)

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