Ich gehe meine ersten Schritte und bin einsam. Der Schnee reicht mir bis zu den Knöcheln. Die Luft ist heute schwer einzuatmen und meine Nase ist rot, es ist eiskalt. Ich bin ein Wanderer. Ich wandere, weil es mir guttut. Um Nachzudenken warum ich bin, warum ich ein Wanderer bin, oder bin ich ein Wunder – geschaffen um zu wandern? Wandern durchs Leben oder nur durch den Schnee? Viele solche Fragen begleiten mich, während ich meine Zeit draußen verbringe und ich einen Fuß vor den anderen setze – um nachzudenken, um weiterzukommen, um ans Ziel zu gelangen. Während meine Schritte dieses Durch-den-Schnee-gehen-Geräusch machen, erblicke ich plötzlich ein lautloses, vierbeiniges Wesen vor mir. Es ist eine Katze. Sie schmeichelt um meine Beine und wartet ungeduldig auf meine Aufmerksamkeit. Sie wandert auch. Es ist eine ausgewachsene, schwarz-weiße Katze. Offensichtlich möchte sie gestreichelt werden. Sie tut, als wären wir altbekannte Freunde. Freunde fürs Wandern, oder Freunde fürs Leben? Nachdem ich die Katze einige Male von den Ohren bis zum Rücken gestreichelt habe, möchte ich aber weitergehen. Die Katze begleitet mich gern, aber es fällt ihr schwer, im hohen Schnee zu laufen. Ich nehme sie hoch, um sie ein Stück zu tragen. Währenddessen schaue ich bewusst die Landschaft an, um mir den Begegnungsort von mir und meinem neuen Freund einzuprägen. Vor mir sind weiße Bäume, unter denen ich winzig klein bin. Die Schneelandschaft vor mir erscheint strahlend, sobald ein Sonnenstrahl durch den bewölkten Himmel dringt. Die Ruhe einer Winterlandschaft gefällt mir jedes Jahr besonders gut. Ich bin auf einem Hügel, weiter unten im Tal schwebt ein leichter Nebel. Die Katze genießt es sehr, in meinen Armen zu liegen, ungewöhnlich für eine Katze, dass ihr das gefällt. Doch als sie sich mit ihren Krallen in meinem Strickschal verhängt, möchte sie doch wieder selbst laufen. Märchenhaft fängt es in der düsteren Umgebung an zu schneien. Der Anblick ist überaus schön. Die Schneeflocken landen auf den Boden und bilden noch eine zusätzliche Schneeschicht. Ich bin kurz vor dem Ziel meiner Wanderung, als die Katze auf einmal wegläuft und im nahegelegenen Wald hinter Geäst verschwindet. Ich habe sie aus den Augen verloren. Bedrückt denke ich nach. Sie war für kurze Zeit ein Freund für mich. Meine Wanderung hat sie begleitet. Mein Leben begleiten viele Freunde. Diese Katze hat beschlossen eine kurze Zeit mit mir zu Gehen. Manche Freunde begleiten mich ewig, andere prägen mich für eine kurze Zeit.

 

 

 

Kommentare

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    Wunderschön geschrieben. Es gefällt mir total gut, wie du am Ende aus dieser tollen Momentaufnahme den Bogen zu Freundschaft schlägst :)

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