Ich habe dich gewarnt

GEGENWART


»Warum... wa... bitte la-lass mich gehen...«, wimmerte der junge Mann und starrte in die dunklen Augen des Mannes vor sich.

Dieser blickte auf ihn nieder, ein Lächeln im Gesicht, das nichts Gutes verhieß.

»Hatte ich dir nicht gesagt, dass es besser wäre, du hättest dich von mir ferngehalten? Aber du wolltest ja nicht hören...«, sprach er und strich ihm sanft mit dem Finger über die Wange.

Der Mann zuckte zusammen und wimmerte wieder, was den anderen lachen ließ.

»Jetzt wein‘ doch nicht. Ich mache es ganz schnell für dich, in Ordnung?«

Er zog den Jüngling am Kragen zu sich hoch und versenkte seine Fänge in der weichen Haut des Halses. Mit einem Gefühl der Euphorie strömte der heiße Lebenssaft die Kehle des Vampirs hinunter und er lächelte, während er trank.

 

~~~

 

Es war eine gute Idee, in dieser Nacht diesen einschlägigen Club zu besuchen.

Er hatte den jungen Mann schon bemerkt, als er in den Raum trat. Von allen Anwesenden war er der, der am besten, am leckersten roch. Er wusste, dass er ihn wollte in der Sekunde, als sein Duft ihn streifte.

Und der Junge hatte Interesse an ihm.

Wunderbare Jagdvoraussetzungen, wenn es im Grunde keine Jagd war. Er, Henry, kam gut an bei den Männern, denn er sah gut aus. Und seine ureigene Bestie schrie nach neuer Nahrung.

Er nahm an der Bar Platz und bestellte sich einen Drink, wissend, dass der hübsche Jüngling ihn noch immer anstarrte. Und es dauerte auch nicht lange, bis er tatsächlich zu ihm kam.

»Bist du öfter hier? Ich hab dich noch nie gesehen«, lächelte dieser und Henry musste sich zusammenreißen, sich nicht über die Lippen zu lecken.

Gott, er war so hungrig. Wie lange war es her, das letzte Mal? Zwei Wochen? Drei?

»Nein. Ich bin das erste Mal hier.«

»Ich bin Adam«, säuselte der junge Mann und er war sowas von stockschwul, er versprühte es aus jeder Pore.

»Ich bin Henry. Und wenn du vernünftig wärst, würdest du dir ein anderes Ziel suchen«, lächelte dieser.

Der moralische Teil in ihm wollte wirklich, dass Adam ging. Der animalische Teil in ihm, Dionysos, schrie förmlich danach, ihn aus der Bar zu zerren, in eine dunkle Ecke und ihm den Hals aufzureißen.

»Ich glaube, ich bin hier richtig«, grinste Adam und spendierte seinem Sitznachbarn einen Drink. Es verging nicht mal ganz eine Stunde, als er sich zu Henry rüber lehnte.

»Wollen wir nicht abhauen?«

Henry blickte seinem Gegenüber in die Augen. Sie waren blau und sahen unschuldig aus. Eigentlich war es schade um ihn. Er war ein netter Kerl.

Er nickte jedoch und gab dem Drang des Monsters in sich nach. Sie verließen die Bar durch einen Seiteneingang und standen in einer dunklen Gasse.

»Wo willst du hin gehen? Es ist nicht weit bis zu mir...«, meinte Adam, doch Henry schob ihn in eine Nische und presste ihn an die Wand.

 

~~~

 

Das Leben des Jungen strömte mit jedem Tropfen in den hungrigen Vampir und das Biest, der brüllende Dionysos, beruhigte sich zusehends und zog sich mehr und mehr in den jungen Mann zurück, der den Leichnam Adams sanft zu Boden gleiten ließ.

»Ich habe dich gewarnt. Warum konntest du deine Augen auch nicht auf jemand anderen richten?«, flüsterte er und schloss dem Jungen die Lider.

 

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