Ich, ich, er und er

(Chase)
"Es ist sehr nett, dass ihr uns bis nach Kertófu begleitet, Usongu, vielen Dank."

"Keine Ursache, Chase. So eine kleine Reise erfrischt Körper und Geist." Antwortete der Söldnerboss.

Wir waren schon seit gut einer Woche unterwegs und überquerten gerade einsames Land. Seit vier Tagen war weder eine Stadt, noch ein Wald, noch sonst irgendetwas zu sehen gewesen, nur Steppe, Gras und Sand. Seltsam gestreifte Pferde und graue Tiere mit Hörnern auf den Schnauzen begegneten uns, sie waren aber ungefährlich, solange man nicht den Fehler machte sie zu reizen.

"Das muss einer dieser Dimensionsrisse sein, von denen Kevin uns mal erzählt hat, erinnerst du dich?" hatte Béilo gemeint, als wir am Rand der Wüste angekommen waren. Er und Káilanba waren nicht davon ab zu bringen gewesen mit uns zu kommen. Beide hatten ihre Gründe uns zu begleiten. Dennoch, der Abschied von Kevin war ihnen sehr schwer gefallen. Leider hatten wir dadurch noch immer dieses nervige Mauxiebiest an der Backe. Pedro und die Elben waren bei Daniel Burner und Kevin geblieben. Sie wollten voneinander mehr über Medizin lernen. Und Pedro hatte endlich jemanden, der ihn verstand. Die Zwillinge Karsten und Torsten waren nach Vaukalm zurückgekehrt um eine Verschwörung um ihre königliche(!) Familie aufzudecken. Also waren uns lediglich Usongu, der blinde Relkúag und die Zwerge Marselion, Emre und Eray erhalten geblieben. Ehrlich gesagt war ich jedoch sogar froh, das unsere Gruppe auf 9 Köpfe, ein Mauxie und zwei Schlafende geschrumpft war. Wir kamen fast doppelt so schnell voran, als zuvor.

Ein weiterer Grund zur Freude waren die ständigen Bewegungen von Flash und Cenishenta, die andeuteten, dass sie dem Punkt des Erwachens immer näher kamen.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erst einmal erklären, welchen Weg wir genommen hatten:

Wir waren nicht durch jenes Holztor geritten, durch das wir ursprünglich zum ersten mal in Romino eingekehrt waren, sondern durch ein Nebentor auf der Westseite der Stadt, so dass wir sobald die Stadt hinter uns lag in einer weiteren Zeitebene gelandet waren. Von dem Tor aus gab es in dieser Ebene einen Weg, der direkt und ohne Umschweife nach Kertófu führte. Zumindest behauptete das der Torwächter dort und zahlreiche Schilder auf unserer Reise bestätigten es.

"Ich hab Hunger, reissen wir uns eins von diesen leckeren Pferden!" polterte Marselion.

"Nein, das werden wir nicht tun. Es ist noch genügend Drachenfleisch da, es reicht noch." befahl Usongu. Seine Verbände waren mittlerweile alle grau und schmutzig geworden.

"Wann willst du sie mal wechseln?" hatte Relkúag ihn gefragt. "Sie fangen an zu stinken." maulte er.

"Gar nicht, morgen Abend werde ich sie ablegen. Es ist alles verheilt." gelassen kratzte er sich am Kopf.

Minuten später standen wir mitten auf einem Feldweg, unmittelbar hinter uns das Grasland. Wir hatten das Ende des Dimensionsrisses erreicht und waren wieder in unserer Welt. Es wurde langsam finster und wir schlugen unser Lager auf. Am nächsten Morgen zogen wir weiter und schon zur Mittagszeit kündete uns ein Schild an, dass das Schloss Kertófus nur noch 5 Meilen entfernt war.

"Ich glaube es wäre besser, wenn wir unsere Mäntel wieder anziehen, Béilo." meinte Káilanba. "Immerhin ist es möglich, dass es hier und heute noch Leute gibt, die uns nicht besonders mögen."

"Ja du hast Recht, Schatz." Hatte ich mich eben verhört? Béilo, der seelenruhig seinen Mantel umlegte und die Kapuze überzog, ließ sich nicht das Geringste anmerken, nur die Katzenfrau lächelte. Irgendetwas musste passiert sein, von dem wir anderen nichts mitbekommen hatten. Aber da selbst der Pflegevater der Snift sich nichts anmerken ließ, hielt ich es für besser den Mund zu halten und weiter zu reiten. Ich konnte aber mein Grinsen nicht länger zurück halten und ließ die Gruppe ein bisschen vorreiten. Funny fiel mit mir zurück und lächelte.

"Na, glaubst du mir jetzt, dass du der Einzige bist?"

"Daran hatte ich nie ernsthafte Zweifel." sagte ich und küsste sie. "Höchstens mal eine geistige Verwirrung." Sie lachte mich an wie ein Engel, ehe wir aufholten um die anderen nicht zu verlieren. Seltsamerweise war Gothank sehr ruhig geworden, seit die Snift bei uns war. Er saß nun am liebsten auf ihrer Schulter und hatte auch keine Probleme mehr gemacht seither.

"Stopp!" zischte auf einmal der Gaukler. "Ich höre Stimmen."

Es dauerte eine Weile bis wir die Laute auch hören konnten...

"...im Westen hat mir die Fürstin zugeflüstert. ... Ja, ja, grins du nur! Ich weiß selbst dass sich das alles nicht sonderlich realistisch anhört, aber..." In diesem Moment scheute Falum auf, als er die Stimme seines Herrn wieder erkannte und auch ich fiel aus allen Wolken vor Überraschung. Schnell brachten wir das Pferd zur Beruhigung und verhielten uns still. Qualvolle Momente später hörten wir aus einiger Entfernung das Gequatsche über Hauptmann Flash... Es war unglaublich, gerade Zeuge geworden zu sein, dass man selbst an einem vorbei geritten ist, ohne es zu merken! Da waren wir also:

Ich, hier, ich dort, er im Schlaf und er am Anfang von allem... sollte ich ihm sagen, was ihn erwarten würde?


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