"Ich muss dir jemanden vorstellen.", lautete die Ergänzung, meiner langjährigen Freundin, am Aschermittwoch zur Zusage das wir uns am Freitag zum Döner essen treffen könnten. Meine Freundin wollte mir auch auf Nachfrage nicht sagen, wer ihr ominöser Schützling ist und so musste ich mich wohl oder übel in Ungewissheit zu ihr begeben. Ein Schützling konnte alles und doch wieder nichts sein. Während der Busfahrt kreisten meine Gedanken recht bald um akutere Probleme von Menschlichkeit bzw. Unmenschlichkeit, ich werde sie an anderer Stelle niederschreiben. Jedenfalls erreichte ich gegen 11:00 Uhr die Wohnung besagter Freundin und holte sie ab. Während wir uns zum Döner Deluxe, einem der besten Dönerläden in Wiesbaden, aufmachten, erläuterte sie mir einen Teil ihres Plans. Der besagte Schützling war ein Syrischer Asylant, welcher vor zwei Jahren nach Deutschland kam, dieser suchte nach Leuten mit denen er zur Übung Deutsch sprechen konnte bzw. von diesen noch etwas neues lernen könnte und so geriet er an meine Freundin. Natürlich war ich von dem Plan etwas überrumpelt, aber nicht minder daran interessiert sie dahin gehend zu unterstützen. Nach unserem Döneressen eilte wir zu ihrer Wohnung zurück, da der Kuchen, welchen sie extra für das Treffen gemacht hatte, noch geschnitten und abgeholt werden musste. Allerdings ließ sich die Donauwelle nur unter großen Kraft- und Zeitaufwänden teilen, weshalb wir viel zu spät aus ihrer Wohnung Richtung Treffpunkt eilten. Wir hatten sicherheitshalber mehr Gabeln mit genommen, da Amjad, der Schützling, bereits verlauten lassen hatte, dass ihn ein Freund begleiten könnte. Dieser Freund begrüßte uns wie Amjad herzlich und hörte auf Mohammed.

 

Im Schein der wärmer werdenden Märzsonne gingen wir vier in den Park. Auf den Weg dorthin stellten wir uns ein wenig vor. Wer wie alt ist, was uns so interessiert oder uns gerade beschäftigt. Es verging wohl keine Minute ohne ein Lachen. Doch in jedem Gespräch gibt es einen Moment, der ein Schweigen verursacht. Mit Eintritt in den Park, war dieser Moment gekommen. Meine Freundin führte das Gespräch ein wenig an, wie sie es immer tat, und so gelangten wir an die Geschwister- und Familienthematik. Amjad hatte das Glück, dass er und seine große Schwester und seine Eltern in Deutschland Asyl gefunden hatten. Mohammed hingegen hatte drei jüngere Geschwister die samt Eltern alle noch in Syrien verblieben waren. Die Sorge und Angst um seine Lieben, die in den Krisen gestraften Land zurückbleiben mussten, waren deutlich in seinen Augen zu sehen. Doch die warme Märzsonne konnte uns bald von den trüben Gedanken lösen. Unser Picknick, im Sonnen gewärmten Gras, hatte vielleicht auch Anteil daran, den gutes Essen freut Gaumen, Herz und Magen. Wir redeten weiter und werdend dabei von manchen Passanten beäugt. Die hätten wohl auch gern leckeren Kuchen gehabt. Ich nehme gerade wieder einen Bissen und verschlucke mich fast daran, als ich höre das meine Freundin und ich die ersten Deutschen sind mit denen Amjad und Mohammed zum ersten Mal ein Gespräch führen, dass nicht die Thematik hat "Was muss ich beim Amt beachten". Die beiden sind seit zwei Jahren in Deutschland, Intergrations gewillt und an der deutschen Sprache interessiert, aber keiner da der mit ihnen spricht. Da braucht es niemandem wundern, dass es so manchen Asylant schwer fällt sich zu integrieren. Mohammed musste uns alsbald wegen eines Termins verlassen, so waren wir nur noch zu dritt.

Was machen drei Gefährten in einem Park mit Frühlingssonne? Richtig sie spielen lachend Frisbee. Und das bei unseren Wurfkünsten niemand zu Schaden gekommen ist und nichts, außer einem Busch in den jeder zweite Wurf ging, beschädigt wurde, grenzt wirklich an ein Wunder...

 

So endete dieser Tag und die drei Gefährten trennten sich bald ihrer Wege.

 

Ende?

 

Noch ein Kommentar zum Schluss, frei von jeder Erzählform. Was ich hier beschrieben habe, ist exakt so am Freitag, den 3.03.2017 passiert und ich wollte einfach mal zeigen, dass Integration nicht nur von den Neuen, sondern auch von uns kommen muss. Wenn die Flüchtlinge nur Abwehr von uns zu sehen bekommen, warum sollten sie sich integrieren wollen? Ein Miteinander kann nur von beiden Seiten aus entstehen und daran sollten wir alle arbeiten. Weg von Medien und Politikern die rechtes Gedankengut äußern und damit sind nicht nur Vertreter der AFD, sondern auch viele andere Politiker aus anderen Parteien gemeint. Das solche Politiker Posten besetzen, die sie unweigerlich mit dieser Thematik, der Asylpolitik, zusammen bringt, ist untragbar. Hier sei die Politik, auch wenn naiv, zum Handeln aufgefordert. Ebenso naiv sei die Medienlandschaft aufgefordert ihre "subtile" Hetze einzustellen, und mit gutem, argumentativem Journalismus die wahren Feinde von Demokratie und Grundgesetz aufzudecken. Und wir? Die kleinen Bürger und Bürgerinnen?  Wir können Wählen, Demonstrieren und selbst nachforschen. Und wem das zu schwierig erscheint: Ein paar nette Worte, Kuchen und eine Frisbee reichen auch schon aus für eine Kulturübergreifenden Verständigung.

  

Und zu guter Letzt einen großen Dank an meine langjährige Freundin, die sich immer wieder sozial engagiert, sei es nun in der Asylpolitik oder für Waisenkinder in Uganda. Der ich auch noch mal alles Gute für die angestrebte Laufbahn als Lehrerin bzw. Lehramtsstudentin wünschen möchte. Ich denke es gibt selten jemand mit so einem großen Potential für den angestrebten Beruf.

 

ENDE

Kommentare

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    Wundervoller Text, der eine grosse Wahrheit in sich trägt! Danke dir dafür! 5/5

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    Großartiger Text, Felix! Du hast so Recht, wenn nur alle ein bisschen mehr so denken würden wie du.. Es macht doch keinen Sinn nicht mit jemandem zu reden nur weil er aus einem anderen Land kommt und eine andere Kultur hat. Wir sind doch alle nur Menschen. Wie man sieht sind sie genauso freundlich und nett wie alle anderen auch.

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    Wunderschön und berührend. Bin stolz auf euch, Felix! So müsste jeder von uns mit denen (und mit allen anderen Mitmenschen) umgehen. Unabhängig von Rasse, Religion oder Herkunft. Denn am Ende sind wir doch nur eins: Menschen.

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    Wunderschöne Geschichte! Ich wünschte, es würden mehr Leute ähnliche Nachmittage erleben, dann wäre das Problem mit Vorurteilen sicherlich viel geringer...

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    Danke, Felix, für diesen herzerwärmenden Text! Du hast so recht: Es braucht beide Seiten - und es könnte so einfach sein... ! Ich wünsche euch noch viele vergnügte Stunden an der warmen Sonne mit Kuchen und Frisbee! :-)

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    Nicht jeder kann backen. Einige mögen keine Donauwellen. Manche sind zu träge um Frisbee zu spielen..LG. Carmen

beta
Feenstaub

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