Ich sehe dich

Lucius brauchte all seine Kraft, um sich zu beherrschen. Am liebsten hätte er Hermine keine Zeit gegeben, eine Entscheidung zu treffen. Nachdem sie mit Severus aus dem Kräutergarten zurückgekehrt war, hatte er eine merkwürdige Ruhelosigkeit verspürt. Wieso hatte er das Gefühl, dass sich die Beziehung zwischen seiner Sklavin und Severus geändert hatte, dass sie nicht mehr erfüllt von Panik und Abscheu war, sondern - er wusste es auch nicht. Er wollte sich hier und jetzt vergewissern, dass trotz allem, was zwischen ihnen stand, Hermine ihn immer noch begehrte, dass sie ihn brauchte. Langsam, damit sie Zeit hatte zu protestieren, hob er eines ihrer Beine hoch und legte es sanft auf seiner Schulter ab.

"Bitte nicht", hörte er sie leise flüstern, doch entgegen ihrer Worte öffnete sie sich ihm nur noch weiter.

"Es ist herrlich zu beobachten, wie dein Verstand das eine und dein Körper etwas ganz anderes sagt", schnurrte Lucius, während er bin unendlich langsamen Bewegungen seine Hose öffnete. Es amüsierte ihn, wie Hermines Blick panisch seiner Hand folgte, ihr Atem aber gleichzeitig immer schneller wurde.

Tatsächlich wurde Hermine von Sekunde zu Sekunde unruhiger. Sie spürte, wie ihr die Kontrolle über ihren Körper entglitt und wie sie immer weniger wusste, warum sie sich eigentlich verschließen sollte. Lucius war so gut wie kein anderer Mann in der Lage, sie aus der Realität zu reißen, ihr Freiheit und Extase zu schenken, und sei es nur für einen Augenblick. Sie wollte das, zumindest noch dieses eine, letzte Mal. Weihnachten stand bevor und entweder der Plan gelang, dann würde sie keine Sklavin mehr sein, oder sie versagten und sie war tot. So oder so, es wäre heute das letzte Mal. Mit aller Macht schob sie das Bild von Snape, der sie enttäuscht musterte, beiseite.

"Fesselt mich!"

Lucius brauchte einen Moment, um die leisen Worte zu realisieren. Hatte sie ihn gerade tatsächlich dazu aufgefordert, sie zu fesseln? Sein Grinsen wurde noch breiter: "Mit dem größten Vergnügen, meine Schöne!"

Hart packte er ihre beiden Hände und führte sie über ihrem Kopf zusammen. Er ignorierte ihren überraschten Schmerzensschrei und griff stattdessen nach seinem Zauberstab, um mit ihm ein weiches Lederband um ihre Handgelenke zu zaubern, das sich anschließend mit dem Tisch verband.

"Jetzt gibt es kein Entkommen mehr, kleine Löwin!", raunte er ihr zu: "Egal, wie viel du schreist und bettelst, jetzt gehörst du mir. Und ich werde dich erst gehen lassen, wenn ich rund um befriedigt bin."

Ein Keuchen entfuhr Hermine, als seine Worte eine weitere Welle von Hitze und Verlangen durch ihren Körper jagten. Sie spürte, wie er sich zwischen ihren Beinen positionierte, ihre linke Wade ruhte noch immer auf seiner Schulter, während er mit einer Hand ihr anderes Bein so weit wie möglich zur Seite drückte. Er war heiß, mindestens so heiß, wie sie sich fühlte. Für einen Augenblick überfiel sie altbekannte Panik, als er sich langsam in sie schob. Unwillkürlich verkrampfte sie sich, wollte sich abwenden, fliehen. Gerade, als sie den Mund öffnete, um ihrer Angst Ausdruck zu verleihen, beugte sich Lucius tief zu ihr herunter und küsste sie. Hungrig erwiderte sie den Kuss, gab sich seiner zärtlichen Leidenschaft hin.

"Entspann dich, Hermine", flüsterte er schließlich: "Lass dich fallen, vertrau mir. Ich würde dir niemals wehtun."

oOoOoOo

Nachdenklich wanderte Snape durch die dunklen Gänge des Anwesens. Er hatte Hermine weder in der Küche noch in ihrer Schlafkammer gefunden und so blieb nur ein Ort übrig, an dem sie sein konnte. Er wollte, nein, er musste mit ihr reden. Sie hatte ihn aufgefordert, dass er ihr vertrauen sollte und ein Stück seiner Last auf ihre Schultern geben sollte. So schwer es ihm fiel, er wollte das tun. Doch dafür war es nötig, dass sie ihm auch vertraute. Vollständig. Und irgendwann würden sie sowieso darüber reden müssen, also besser früher als später. Sie mussten über die Vergewaltigung reden. Es stand zwischen ihnen, egal, wie stark Hermine war, doch die bevorstehende Aufgabe verlangte, dass sie sich aufeinander verlassen konnte, vollkommen. Und er wollte auch nicht, dass irgendetwas zwischen ihnen stand.

Er war kein liebenswerter Mann. Aber er war auch nicht das Monster, das sie unweigerlich und trotz allem in ihm sehen musste. Er sehnte sich danach, dass ein Mensch ihn so sah, wie er tatsächlich war. So, wie Lily ihn früher gesehen hatte. Oder wie Albus.

Überrascht blieb Snape stehen. Er war an der großen, doppelflügeligen Tür zur Bibliothek angekommen und er war sich sicher, dass er von der anderen Seite ein Geräusch gehört hatte. Langsam öffnete er die Tür einen Spalt.

Im ersten Moment wollte er die Tür vollständig aufstoßen, wollte Lucius von Hermine herunterreißen und sie in seine Arme schließen. Er wusste selbst, dass er ihr als erster Mann Gewalt angetan hatte, dennoch widerte es ihn an, einen anderen Mann dabei zu beobachten. Doch ehe er diesem Impuls folgen konnte, bemerkte er, dass etwas an dem Bild nicht stimmte. Hermines Hände waren gefesselt und sie war offensichtlich vollkommen wehrlos unter Lucius. Aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht, ihre geschlossenen Augen, ihr leicht geöffneter Mund, der Schweißfilm, der ihre ganze Haut überzog. Das war kein Anblick eines verängstigten Menschen.

"Mr. Malfoy...", drang es leise an sein Ohr und auch diese geflüsterten Worte waren durchdrungen von Lust.

"Ja, kleine Löwin? Willst du etwa protestieren? Willst du mir weißmachen, dass es dir nicht gefällt, obwohl ich doch deutliche Beweise habe, wie sehr du es genießt?"

Die Knöchel seiner Hand wurden weiß, so fest ballte Snape seine Fäuste. Was er da vor sich sah, war keine Szene zwischen einem Herrn, der sich seine Sklavin gegen deren Willen zu Diensten machte. Was er sah, war leidenschaftlicher Sex zwischen zwei Liebenden. Er wollte sich gerade zum Gehen wenden, da fing er ihren Blick auf.

Sie hatte ihn gesehen.

Er hatte sie gesehen. Sie öffnete den Mund, um irgendetwas zu sagen, doch augenblicklich legte sich die Hand von Malfoy darüber: "Oh nein, du wirst jetzt nicht weiter rumjammern. Sei schön brav und halt deinen süßen kleinen Mund, verstanden?"

Verzweifelt schüttelte sie den Kopf, versuchte, Lucius darauf aufmerksam zu machen, dass sie beobachtet wurden, doch der blonde Mann über ihr war zu abgelenkt. Seine rechte Hand presste sich fest auf ihren Mund, während die Finger seiner Linken sich beinahe schmerzhaft in ihrer Hüfte vergruben. Seine Stöße wurden schneller und obwohl Hermine den Blick von Snape beinahe körperlich spüren konnte, konnte sie sich doch nicht gegen die Erregung wehren, die noch immer ihren Körper beherrschte. Ihre Augen richteten sich auf die Stelle, wo sich plötzlich all ihre Empfindungen zu konzentrieren schienen, wo Lucius immer wieder in sie drang. Endlich löste er seine Hand von ihrem Mund, um auch mit der zweiten nach ihrer Hüfte greifen zu können. Beinahe gewaltsam stieß er in sie, zog ihre Hüften im selben Takt zu sich, den Blick ebenfalls nach unten gerichtet, vollkommen auf seinen kurz bevorstehenden Orgasmus fixiert. Ein tiefes, lautes Stöhnen entfuhr Hermine.

War Snape immer noch da? Ruckartig wandte sie den Kopf zur Tür und traf sofort auf seinen Blick. Obwohl sie nur einen kleinen Teil von ihm sehen konnte, meinte Hermine doch, seine Wut spüren zu können. Er stand da, unbewegt, sein Gesichtsausdruck im Halbschatten nicht lesbar, und schaute ihr zu, wie ein Todesserkollege gerade in ihr zum Orgasmus kam. Warum war er nur von allem immer so unberührt? Sollte er nicht ... irgendetwas fühlen, wenn er seine Verbündete beim Sex mit einem potentiellen Feind sah? Interessierte er sich so wenig für sie, dass er ihn vollkommen kalt ließ? Trotzig hielt sie seinen Blick fest, während sich Lucius in sie ergoss und dann stöhnend über ihr zusammen sackte.

Sie hatte ihn angesehen, während ein anderer Mann in ihr gekommen war.

Wortlos drehte Snape sich um und ging davon. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber das, was er gerade in der Bibliothek beobachtet hatte, ganz gewiss nicht. Hermine hatte ihm versichert, dass sie nicht in Lucius Malfoy verliebt war, dass es keine Gefühle waren, die ihr Urteil über ihn geblendet hätten. Hatte sie gelogen? Konnte er sich wirklich auf ihr Urteil verlassen? Die Wut, die ihn bei dem Anblick der beiden gepackt hatte, ließ sein Blut immer noch eiskalt durch seinen Körper zirkulieren. Er musste mit ihr reden, jetzt noch dringender als zuvor. Entschlossen machte er sich zu ihrer Schlafkammer auf.

oOoOoOo

Hermine war nicht überrascht davon, Snape in ihrem kleinen Kabuff auf sie warten zu sehen, dennoch wäre es ihr lieber gewesen, ihm nicht sofort unter die Augen treten zu müssen. Lucius hatte sich mit einem zärtlichen Kuss, der ihr wieder einmal gezeigt hatte, dass ihr Herr mehr für sie empfand als er sollte, von ihr verabschiedet, kurz nachdem er fertig gewesen war, und auch Hermine hatte nichts länger in der Bibliothek gehalten.

"Hallo", sagte sie kurz angebunden, während sie sich neben Snape auf ihre Matratze sinken ließ.

"Mehr haben Sie nicht zu sagen?", kam die kühle Reaktion.

"Nein."

"Ich denke, Sie sind mir eine Erklärung schuldig, Miss Granger."

"Warum sollte ich mich erklären, wenn Sie es waren, der in meine Privatsphäre eingedrungen ist?", schoss sie ebenso kalt zurück. Es war ihr peinlich, dass er sie gesehen hatte, doch sie sah nicht ein, dass es ihn etwas anging.

"Sie haben mir versichert, dass ihr Urteil über Lucius Malfoy nicht aus Liebe zu ihm entstanden ist. Wie erklären Sie mir in diesem Zusammenhang das, was ich gerade beobachten musste?"

"Sie mussten?", entfuhr es Hermine wütend: "Sie mussten? Wer hat sie gezwungen?"

Genervt zog Snape die Augenbrauen zusammen: "Versuchen Sie nicht, eine rhetorische Standardformulierung als Ausrede zu nutzen, um vom Thema abzulenken. Also?"

Ebenso genervt gab Hermine nach. Es hatte keinen Sinn, mit Snape zu diskutieren, wenn er sich im Recht sah. Trotzig erklärte sie: "Ich habe nur gesagt, dass ich nicht in Lucius Malfoy verliebt bin oder da sonst irgendeine solche Beziehung zwischen uns ist. Ja, ich schlafe mit ihm, und ja, ich tu das aus freien Stücken. Das heißt aber nicht, dass ich blind bin."

"Warum schlafen Sie mit ihm aus freien Stücken?"

Hermine war zu aufgebracht über die Frage, als dass sie seinen merkwürdigen Tonfall bemerkt hätte: "Warum? Warum? Das geht wirklich zu weit, Snape, das geht Sie überhaupt nichts an."

Wütend packte er ihr Handgelenk: "Und ob mich das was angeht! Wenn Sie mit jemandem schlafen, den Sie mir als vertrauenswürdig anpreisen, dann muss ich sicherstellen, dass nicht Ihre jugendlichen Hormone mit Ihnen durchgegangen sind. Wie sonst soll ich Ihrem Urteil Vertrauen schenken?"

"Lass Sie mich los!", fauchte Hermine eingeschüchtert. Seine plötzliche Nähe in diesem Zimmer, seine Berührung, alles war ihr mit einem Mal unangenehm. Ein schaler Geschmack legte sich auf ihre Zunge, als Erinnerungen an die Vergewaltigung sich mit ihrer Wahrnehmung der Realität mischten. Zu ihrer Erleichterung ließ er sie jedoch sofort los und rückte ein Stück ab.

"Ich wollte Ihnen nicht zu nahe kommen, Miss Granger, verzeihen Sie", murmelte er entschuldigend, als habe er die Erinnerung in ihren Augen lesen können: "Dennoch muss ich Sie bitten, mir gegenüber offen zu sein."

Er hatte Recht und sie wusste das. Trotzdem fiel es ihr schwer, ausgerechnet ihr Sexleben mit ihm zu besprechen. Sie schluckte: "Lucius Malfoy ist ein armer, verbrauchter Mann, der in der Realität nur noch Hoffnungslosigkeit und Trübsal kennt. Er schläft mit mir, weil er Vergessen sucht. Und ... bei mir ist das ähnlich. Wissen Sie, Mr. Malfoy versteht mich, zumindest in dieser Hinsicht. Er schafft es, dass ich loslassen kann, dass ich ebenfalls vergesse, wo ich bin und was um mich herum los ist. Und er hat mir Facetten von mir gezeigt, die ich nicht kannte. Es ist wirklich nur rein ... physisch zwischen uns. Wir brauchen einander, aber nicht emotional, sondern ... eben um zu vergessen."

Mit geschlossenen Augen lehnte Snape sich an die Rückwand des Kabuffs und dachte darüber nach, was er gehört hatte. Er hatte noch immer das Bedürfnis, Hermine anzuschreien und ihr klar zu machen, dass sie kein Recht hatte, mit Lucius zu schlafen, doch er wusste, das stand ihm nicht zu. Er konnte nicht einmal genau sagen, warum er trotz ihrer logischen und sachlichen Erklärung noch immer so wütend auf sie war. Und der Gedanke, jetzt mit ihr über die Vergewaltigung zu sprechen, war einfach absurd.

"Nun gut, Miss Granger. Mir bleibt ein weiteres Mal keine Wahl, als Ihnen zu vertrauen", sagte er trocken: "Es ist erstaunlich, wie oft ich diesen Satz schon gesagt habe. Sie sollten sich glücklich schätzen, nicht viele Menschen bekommen mich dazu, dass ich Ihnen vertraue."

"Ich weiß, Sir", erwiderte Hermine leise und ernst: "Und es bedeutet mir wirklich viel. Wirklich viel."

Seine Wut schmolz dahin. Ihre ernsten Worte, die sie mit gesenktem Blick und beinahe nicht hörbar gemurmelt hatte, hatten so aufrichtig geklungen, dass er ihr einfach nicht länger negative Gefühle entgegen bringen konnte. Ihr lag etwas an seinem Vertrauen, sie machte sich tatsächlich Gedanken über ihn. Schweigend blickte er sie an, während sie weiter entschlossen ihre Füße studierte.

Bevor er zu sentimental wurde, beschloss Snape, dass es an der Zeit war zu gehen. Langsam erhob er sich und klopfte Hermine noch einmal auf die Schulter, ehe er ihr Zimmer verließ: "Schlafen Sie gut, Miss Granger. Sie machen Ihre Sache sehr gut, ganz gleich, was ich Ihnen manchmal einzureden versuche."

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