if all else fails - burn it

"Die Bücher?", echote Phil und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Wesen, die immer mehr Gestalt annahmen und dann verschwanden, doch das Gewurdel riss nicht ab. Schatten und Rauch und verkrüppelt wirkende Figuren bildeten sich, zerflossen und entstanden neu. Der Gang war verstopft.
"Kathy hat früher viel gelesen", erklärte Emiel sachlich und hob die Liste vor seine Augen, "Sinnlos. Wir brauchen eine Neue." Das Papier ging in Flammen auf, die aus seiner Hand emporstiegen und er schüttelte die verkohlten Reste ab.
"Erst mal muss ich den hier", er deutete auf den noch immer im Schmetterlingsnetz steckenden Gandalf, "zurückbringen. Sonst werden wir nie fertig."
"Ich verstehe nicht, was hier los ist. Wer seid ihr und was soll das ganze Gerede von Büchern und warum ist Gandalf hier?", fragte Phil und blickte zwischen Celles und Emiel hin und her.
Celles hob die Hand und tätschelte seine Schulter: "Ich bin Celles Dunkler, das ist Emiel und Gandalf ist eine Erinnerung. Du bist in Kathys Gehirn, aber wie du siehst, herrscht hier momentan Chaos und verzeih mir, aber ich nehme jetzt keine Rücksicht mehr."
Sie schob sich so weit das Chaos es zu ließ, in den Gang und legte die Hände aneinander, gefaltet, die beiden Zeigefinger sich berührend. Konzentriert schloss sie die Augen und Phil beobachtete mit einem Schaudern, wie Flammen um sie zu züngeln begannen.
Celles öffnete die Augen. Ein goldener Kreis hatte sich um ihre Iris gelegt und sie breitete die Arme aus. Eine Feuerwand baute sich auf und rollte durch ihre Hände geschickt vor. Ein beißender Geruch und gellende Schreie erfüllten die Luft, als das Feuer das Chaos erreichte und alle Gestalten, die im Gang waren, verschlang.
Es dauerte nur weniger Augenblicke, dann senkte Celles ihre Hände und die Flammen erloschen. Vereinzelt rauchte die Glut noch. Asche lag auf dem Boden und die Wände waren vom Ruß schwarz gestreift.
"So. Ruhe!", erklärte sie mit einem zornigen Unterton und winkte ihre Koffer heran, die an Phil und Emiel vorbeiflatterten, "Bücherproblem gelöst."
"Partieller Gedächtnisverlust erfolgreich", seufzte Emiel und winkte Phil ihnen zu folgen, als er, mit Gandalf im Netz, Celles nachging, die ihre Stiefel lautstark auf den Boden auftreten ließ. Überall, wo sich noch etwas rührte, ließ sie eine Stichflamme aus ihren Fingern schießen.
Phil bemerkte, dass ihre roten Haare noch immer zu brennen schienen.
"Sie ist nur ein wenig sauer", meinte Emiel beruhigend und steckte den Kopf in einen Nebengang, "Yalhan! Du warst ein bisschen langsam wies aussieht. Wir müssen nachher prüfen, welche Teile der Bücher grad von Cel verbrannt wurden. Hoffentlich nur die Fantasy Abteilung."
Der Dunkelelf trat aus dem Nebengang und klopfte sich Ruß von der ohnehin schon schwarzen Rüstung. Sein Haar war ein wenig versengt. Er hatte sich gerade noch flüchten können, als die Feuerwand auf ihn zugerollt kam. Bis dahin hatte er versucht Herr der Lage zu werden. Vergeblich wie man sah.
"Sie hat ein paar Lehrbücher erwischt. Irgendwas über Homer", er nickte Phil knapp zu, "Neuling? Überlebender?"
"Besucher", schoss Celles, "Mit anderen Worten, Odysseus läuft frei rum."
"Bist du sicher, dass er überlebt hat?", Yalhan zog ein fragendes Gesicht und präsentierte Emiel stolz seinen neuen Fund, den er im Gang entdeckt hatte. Ein Schwert, das beinah so groß war wie er selbst und rot leuchtete. "Das Teil ist cool. Kann ich es behalten?"
"Odysseus windet sich doch immer raus, wenn er in der Klemme steckt", Emiel zuckte mit den Achseln, "Ja, darfst du. Aber nerv mich nicht damit. Überhaupt... Warum rennst du mir nach?"
"Ich hab Gwindor verloren", murmelte Yalhan rasch und zeigte das Schwert Phil, "Toll, was? Vielleicht finde ich noch mehr Waffen."
Phil folgte dem Schwert bis zur Spitze. Wie man damit kämpfen sollte, wenn es so groß war, war ihm ein Rätsel.
"Äh ja. Toll", beeilte er sich zu sagen und hängte sich wieder an Celles, die bereits weiter vorn im Gang war.
"Was genau ist denn jetzt hier passiert?", fragte er, als er sie eingeholt hatte.
Sie schenkte ihm einen Blick von der Seite und ein müdes Lächeln: "Ein Ungleichgewicht in der Konstellation fürchte ich. Emiel meinte, dass Käsekrainer daran schuld ist."
"Wer ist Käsekrainer?"
"Eine dicke, große Katze. Wenn du nicht gefressen werden willst, solltest du in meiner Nähe bleiben. Übrigens tuts mir leid. Das mit deinem Arm. War wohl etwas gereizt", sie deutete mit entschuldigender Miene auf Phils Oberarm, der Spuren von Verbrennungen aufwies, "Ich werde dich zu einem Heiler bringen und verarzten lassen."
Phil bemerkte es selbst erst jetzt. Sein Arm pochte. Der Schrecken vor hin über die Explosion und das Feuer, sowie seine Verwirrung beim Ankommen, hatten das völlig ausgeblendet. Nun, da sie es ansprach, schien es, als würde der Schmerz mit doppelter Schlagkraft einsetzen.
Er verzog gequält das Gesicht: "Nicht der Rede wert. Aber gut zu wissen, dass man im Gehirn von jemand anderem Schmerzen spüren kann."
"Doch, sonst habe ich ein schlechtes Gewissen", sie blieb neben einer Tür an der Wand stehen, öffnete diese und schickte ihr Gepäck hinein, "So. Ballast abgeworfen. Ein guter Anfang."

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