In der Schwebe

Das kleine Volksfest ist gut besucht. Obgleich die Sonne sich rar macht an diesem nebeligen Spätherbsttag. Die blinkenden Lichter der Fahrgeschäfte und Jahrmarktsbuden bilden bunte Tupfer im Novembergrau. Immerhin hat der Wind inzwischen nachgelassen. Mit seinen kalten Fingern, die einem unvermittelt und erbarmungslos unter die wärmenden Kleidungsschichten fahren, ist er ein noch unangenehmerer Geselle als die feuchte Kühle, die weiterhin passiv und träge aus dem trüben Dunst tropft. Priska zieht den Wollschal ein wenig fester um den Hals und stopft die Enden in ihren Jackenkragen. Reflexartig kontrolliert sie, ob Elenas Stirnband noch sitzt und ihre Ohren ausreichend bedeckt sind.

Luis reicht ihnen in Bitterschokolade getauchte Erdbeeren am Spieß. Den Kontrast von herber, knackiger Kuvertüre und süßer, saftig-weicher Frucht hat Priska schon als Kind geliebt. Ein Seitenblick auf ihre Tochter verrät ihr, dass Elena in dieser Hinsicht ganz nach ihr schlägt. Luis hingegen begnügt sich mit einem einzelnen Bissen von Priskas Spieß. Ein paar widerspenstige Schokoladensplitter verfangen sich in seinem Dreitagebart. »Papa, Du hast gekleckert«, kräht Elena prompt, während Priska ihm lächelnd die süßen Überreste aus den Mundwinkeln küsst.
»Und was ist mit Dir, Du kleines Schokomonster?« Luis grüne Augen funkeln. Im gleichen Augenblick hebt er seine kichernde Tochter schwungvoll empor. »Wie ist die Luft da oben«, neckt er das Mädchen. Elena kreischt vor Vergnügen und wenig später aus Protest, als Luis seine stachelige Wange an ihre Pfirsichhaut schmiegt. »Iih, Du stoppelst,« widersetzt sie sich entrüstet. »Deine Mama mag meinen Bart«, erwidert er schmunzelnd und zieht nun auch Priska in seine Arme. Geborgen in der Körperwärme dieser beiden geliebten Menschen, sieht sie sich für einen kurzen Moment mit den Augen eines neutralen Beobachters. Ein Bild wie aus einer kitschigen Frühstücksflockenwerbung, sinniert sie, während ihr Bauch die trockenen Gedankenworte Lügen straft. Das ist das Glück, gibt er ihrem verschrobenen Hirn zu verstehen. Halt ihn gut fest, diesen Moment, denn er wird nicht wiederkehren. Es sind romantisch verklärte Schmetterlinge, die da in ihren Eingeweiden rumoren, doch sie tanzen zu einem melancholischen Lied. Die dunkle Wolke im Hintergrund wartet nur darauf, sie zu verschlucken.

»Ich will Dosen werfen. Bitte, bitte!« Elenas bettelnde Stimme und ihre kleine Hand, die ungeduldig an Priskas Jackenärmel zerrt, reißen sie aus ihrer Schwermut. »Na, dann los!« Luis hievt das Mädchen auf seine Schultern und die Kleine krallt sich sogleich in seinen schwarzen Haarschopf. Scheinbar gemächlich schreitet Luis durch die Menge. Doch der Eindruck täuscht. Priska hat Mühe, den weit ausholenden Schritten ihres Mannes zu folgen. Zum Glück ist er aufgrund seiner imposanten Erscheinung und hochgewachsenen Gestalt kaum zu übersehen. Und für Elena, die stolz wie eine Königin und mit wippendem Pferdeschwanz auf ihm thront, machen die meisten Leute gerne Platz.

Nach einigen Minuten sind sie an einer adäquaten Wurfbude angelangt, welche mit ihren verlockenden Gewinnen kleine Mädchenherzen augenblicklich höher schlagen lässt. Lächelnd tauscht der Budenbesitzer mit dem verknitterten Gesicht und dem Zigarettenstummel im Mund, Münzen gegen Bälle. Elena positioniert sich auf der eigens für Kinder angebrachten Holzstufe vor der Theke. Sie runzelt ihre glatte Stirn und holt konzentriert zum ersten Wurf aus. Doch der Ball verfehlt sein Ziel. Ebenso das zweite Geschoss, welches die Vierjährige nicht minder leidenschaftlich in Richtung Büchsenstapel donnert. Entmutigt dreht Elena den dritten und letzten Ball in ihrer Rechten. Priskas und Luis Anfeuerungsrufe scheinen ungehört zu verhallen. Das Kind steht da wie ein Häuflein Elend in bunt geringelten Thermostrumpfhosen und knöchelhohen, pinken Stiefelchen. Priskas Mutterherz wird schwer und sie will ihrer Tochter zu Hilfe eilen.

Doch in diesem Moment verändert sich Elenas Gesichtsausdruck. Sie strafft ihre schmalen Schultern, sieht auf und nickt dann entschlossen. Ihr Blick geht dabei ins Leere. Fast scheint es so, als antworte sie auf die eindringliche Aufforderung eines für die Umstehenden unsichtbaren Gesprächspartners. Ein kurzer Windstoß fegt durch die Gasse und bläht für einen Augenblick die seitlich angebrachten Vorhänge, welche der kargen Bude einen nostalgischen Touch verleihen. Doch die kleine Böe ist es nicht, die Priska frösteln lässt. Sie wirft Luis einen schnellen Blick zu. Ihm scheint Elenas ominöser Mimikwandel nicht aufgefallen zu sein. »Komm Elena. Diesmal schaffst Du es! Aller guten Dinge sind drei,« ruft er seiner Tochter zu.

Elena wirft und wieder scheint die Flugbahn des Balles an der Dosenpyramide vorbei zu führen. Doch kurz bevor er an den Blechbüchsen vorbeischießt, bleibt er in der Luft stehen. Als hätte ihn jemand abgefangen und würde nun, den Ball in der Hand, abwartend verharren. Priska traut ihren Augen nicht. Dann aber begegnet sie dem ungläubigen Blick des Budenbesitzers. Er steht direkt neben dem schwebenden Ball und verfolgt das seltsame Schauspiel aus unmittelbarer Nähe. Gerade, als Priska sich Luis zuwenden will, um sich zu vergewissern, dass er sieht, was sie sieht, nimmt das Geschoss wieder Fahrt auf und landet im Herzen des Dosenstapels, der scheppernd in sich zusammenfällt.

Elena klatscht jubilierend in die Hände. Ausgelassen springt sie auf dem Holzpodest auf und ab. Der Schausteller greift hastig nach einem rosa Plüscheinhorn mit Regenbogenmähne und drückt es dem Kind in die Arme. »Herzlichen Glückwunsch«, murmelt er wenig enthusiastisch. Dann kehrt er ihr den Rücken zu und begrüßt eine andere, wartende Familie. Es scheint, als wolle er Elena und ihre Eltern schnellstmöglich loswerden. Um sie herum erhebt sich aufgeregtes Gemurmel. Das widernatürliche Phänomen hat nur wenige Sekunden gedauert. Dennoch hat es offensichtlich sein Publikum gefunden. Rasch nimmt Luis seine Tochter samt Kuscheltier auf den Arm. Zusammen verlassen sie den Stand. Priska ist unbehaglich zumute. Sie spürt, wie verstohlene Blicke das Trio streifen und andere sich Pfeilen gleich in ihren Rücken bohren.

Kaum sind sie außer Hörweite, stellt Luis das Kind auf den Boden und fragt atemlos: »Was war das denn?« Elena mustert ihn verständnislos. »Warum ist der Ball in der Luft stehen geblieben«, führt Luis seine Frage weiter aus.
»Ach das.« Seine Tochter winkt nonchalant ab. »Eleonore hat mir geholfen. Aber ich hab' es schon fast alleine geschafft.«
»Wer, zum Kuckuck, ist Eleonore?« Luis klingt gereizt. Priska legt ihm beschwichtigend eine Hand auf den Arm. Zugleich versucht sie, ihre Gedanken zu ordnen, die wie überdrehte Flöhe in ihrem Kopf wild durcheinander hüpfen. Elena und Eleonore? Die Ähnlichkeit der Namen ist frappant. Aber ein Kind würde sich doch nie jemanden ausdenken, der Eleonore heißt?
»Über die Theorie mit den imaginären Freunden sind wir doch längst hinweg, Priska«, flüstert plötzlich eine leise Stimme direkt neben ihrem Ohr. Der Unterton ist ungeduldig und mahnend. Sie zuckt zusammen.
Elena schiebt schmollend ihre Unterlippe nach vorne. »Sie kommt oft mit Ranieri.« Während Luis mit einem deutlich vernehmbaren Zischen die kalte Luft durch seine zusammengebissenen Zähne zieht, sieht Elena ihre Mutter an und ergänzt kleinlaut: »So heißt der Mann, Mama.«
Priska klopft das Herz bis zum Halse. Die Worte sterben noch auf der Zunge, bevor sie ihren Mund verlassen können. Sie schluckt sie ungesagt hinunter. Luis blickt seine Frau unverwandt an. Er kann seinen Groll kaum verbergen. Die Farbe seiner Augen gleicht nun nicht länger leuchtenden Smaragden, sondern vielmehr dunklen Tannen. »Was, um alles in der Welt, hast Du ihr erzählt«, fährt er Priska ungehalten an. «Kannst Du unsere Tochter nicht aus Deiner Vergangenheit raushalten? Nun siehst Du, was Du davon hast!« Nach Fassung ringend rauft er sich die Haare.
»Jetzt komm mal wieder runter, Luis. Hast Du immer noch nicht verstanden, dass Elena sich das alles nicht ausdenkt? Du hast doch gerade mit eigenen Augen gesehen, was passiert ist.« Priska wird nun ihrerseits wütend, aber auf keinen Fall möchte sie, dass Elena, die ein wenig verloren zwischen ihren Eltern steht, einem Ehekrach beiwohnen muss.
»Mama hat mir gar nichts erzählt,« schaltet sich das Kind nun wieder in die unerquickliche Diskussion ein. Luis mustert sie unschlüssig. «Lasst uns später in Ruhe darüber reden.« Priska versucht mit betont gelassener Stimme die Wogen zu glätten, doch in ihr tobt das stürmische Meer weiter.
»Ranieri«, flüstert Luis heiser. Dann sammelt er sich und fragt mit gezwungen wirkender Heiterkeit: »Und, was machen wir jetzt?«
Elena zögert kurz, dann ruft sie: »Kettenkarussell, Kettenkarusell!« Ihrem Wunsch verleiht sie den nötigen Nachdruck, indem sie wie ein kleiner Irrwisch im Kreis herumrennt, in dessen Zentrum wie angewachsen ihre Eltern stehen, die nun zaghaft lächelnd versöhnliche Blicke tauschen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denkt Priska. Doch wie soll sie Stellung zu etwas beziehen, für das sie selbst keine Erklärung parat hat?

Priska und Elena nehmen nebeneinander Platz. Ein Mitarbeiter kontrolliert gewissenhaft, ob die Sicherheitsbügel ordnungsgemäß eingerastet sind. Das Mädchen lässt die Beine baumeln und kann es kaum erwarten, dass die Fahrt beginnt. Endlich setzt sich das Karussell in Bewegung und Mutter und Tochter schweben jauchzend Hand in Hand dem Himmel entgegen. Sie schrauben sich immer höher in die Lüfte und die Menschen am Boden werden zu Figuren aus einem Wimmelbuch. Noch vor wenigen Sekunden ist Luis lächelndes Gesicht an ihnen vorbeigezogen. Doch inzwischen sind sie so schnell, dass die Umgebung zunehmend vor ihren Augen verschwimmt. Der Nebel tut sein Übriges. Nur hin und wieder durchsetzt ein bunter Fetzen die wabernde, graue Masse. In jeder Runde begegnen ihnen die Fangarme des »Kraken«, der unweit von ihnen seine in wild schaukelnden Gondeln untergebrachten Fahrgäste zum Kreischen bringt. Und da drüben haben sich ein paar leuchtende Heliumballons aus klammen Kinderhänden befreit und streben nun ebenfalls gen Himmel.

Priska schließt kurz ihre Lider und genießt das Gefühl der Schwerelosigkeit. Doch plötzlich merkt sie, wie Elena ihre Finger fester umklammert und Priskas Arm nach unten gezogen wird, als würde das komplette Gewicht des Mädchenkörpers daran hängen. Rasch schlägt sie die Augen auf. »Mama, hilf mir!« Ihre Tochter klingt zu Tode verängstigt. Der Metallbügel, welcher kurz zuvor Elenas Hüften noch sicher umschlossen hatte, scheint sich gelöst zu haben und ihr Kind droht, hindurchzurutschen. Priska hält die Hand ihrer Tochter so fest, dass es weh tun muss. Ihre Knöchel sind ebenso weiß wie Elenas Gesichtchen. Sie versucht, auch mit ihrer anderen Hand, den Arm ihres Kindes zu ergreifen, doch es gelingt ihr nicht. »Halt Dich fest«, brüllt sie gegen den Fahrtwind an. Sie fühlt sich in einen Alptraum versetzt, aus dem sie nicht erwachen kann. Ihre schlimmsten Ängste scheinen wahr zu werden. »Nein, bitte, nein! Das darf nicht passieren!« Inständig betet sie darum, dass die Fahrt endlich zu Ende sein möge und sie heil unten ankommen. Sie merkt, wie die Panik ihre Hände feucht werden lässt und Elenas Griff an Kraft verliert. »Mein Spatz, Du musst Dich auch mit der anderen Hand richtig festhalten. An der Kette! Schnell!« Wie paralysiert und am ganzen Leib zitternd umfasst Elena mit der Linken, die sie um den lockeren Bügel gelegt hatte, die Aufhängung. Ihre schreckgeweiteten Augen suchen einen Anker in denen ihrer Mutter. Sie öffnet den Mund, doch Priska kann sie nicht hören. Wie ein Schraubstock umklammert sie die kleine Kinderhand. »Ich lass Dich nicht los! Wir schaffen das!« Elena nickt wie ferngesteuert, doch ihr Blick schweift nun ab und geht an Priska vorbei.

Erst jetzt wird sich Priska gewahr, dass der graue Schleier, der sie eben noch umhüllt hat, einer schwarzen Wand gewichen ist, die sich undurchdringlich um sie herum auftürmt. Wie gelähmt erkennt sie, dass das Gebilde nicht etwa aus lebloser Materie, sondern aus unzähligen Schatten besteht, die mit einer bedrohlichen Langsamkeit auf sie zugekrochen kommen. Die düstere Wolke, welche eben noch Priskas Bauch besetzte, hat sich nun ihren Weg nach draußen gebahnt und ist zu einem grauenvollen Ungetüm angeschwollen.

Obwohl sie nicht das erste Mal dem Tod so nahe ist, hat Priska noch niemals solche Angst verspürt. Wenn ihr einziges Kind fiele, würde sie sich, ohne zu zögern, hinterherstürzen. Es ist, als wüssten die Schatten das. Geisterhafte, schlangenförmige Auswüchse lösen sich tastend aus dem schwarzen Dunst. Sie sind weitaus furchteinflößender als die Tentakeln des benachbarten Fahrgeschäfts, denn sie haben nur ein Ziel: Mutter und Tochter mit sich in die Dunkelheit zu reißen.

Der Sog wird stärker und Elenas Hand rutscht unaufhaltsam durch Priskas schweißnasse Finger. »Warum merkt denn keiner, was hier los ist«, denkt sie verzweifelt und schreit so laut, sie kann, um Hilfe. Der Fahrtwind verschluckt ihre Worte und peitscht höhnend die Haarsträhnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst haben, in ihr Gesicht. Die anderen Fahrgäste sind im Nebel nicht einmal schemenhaft auszumachen. Priska und Elena sind allein im Zwielicht gefangen.
Einige der Schatten verschmelzen und formieren sich neu. Entsetzt blicken Priska und Elena in ein vom unstillbaren Rachedurst entstelltes Gesicht. Die bitteren Züge sind verschwommen, die Bösartigkeit jedoch ist körperlich greifbar. Die schwarzen Augen glühen und die schmalen Lippen verziehen sich zu einer widerwärtigen, verschlagenen Parodie eines Lächelns. »Sieh nicht hin«, fleht Priska ihr Kind an. Doch ihre Aufforderung kommt zu spät. Elena ist wie hypnotisiert von der maskenhaften Erscheinung und ihre Hand, die Priska kaum noch fassen kann, fühlt sich so schlaff an wie die einer Stoffpuppe.
»Nein! Du wirst uns nicht bekommen!« Als Priska diese Worte in das nebelige Konterfei der schwarzen Frau speit, spürt sie, wie die Wut ihre Angst verdrängt und ihr eine ungekannte Energie verleiht, welche explosionsartig all die Dämme sprengt, welche ihr Bewusstsein in den letzten Jahren mühevoll errichtet hat. »Hinfort mit Dir, Du Scheusal!«

In diesem Moment berühren Priskas Fußspitzen den Boden und das Karussell hält an. Das grauenhafte Antlitz löst sich auf und durch die auseinanderdriftenden Nebelschwaden sehen sie einen kreidebleichen Luis heraneilen. Direkt hinter ihm der Mann vom Sicherheitspersonal, der zuvor die Metallbügel kontrolliert hat. Luis zieht Elena aus ihrem Sitz und sinkt mit dem zitternden Mädchen im Arm auf seine Knie. Priskas taube Finger gleiten kraftlos von Elenas kalter, kleiner Hand.
»Sie muss den Bügel selbst hochgeschoben haben«, dringt die Stimme des Schaustellers an ihre Ohren. »So etwas ist noch nie passiert.«
Müßig, ihm erklären zu wollen, was wirklich geschehen ist. Die pelzigen Gliedmaßen wollen kaum gehorchen, aber irgendwie schafft Priska es, sich ebenfalls aus ihrem Sitz zu schälen. Sie stolpert zu Mann und Kind und streichelt beide unbeholfen, während ihr heiße Tränen über die Wangen laufen.

Ein Tag, der einer der schönsten und fröhlichsten in Elenas Kindheit hätte werden sollen, endet nun in einem unauslöschlichen Trauma. Wie würde sie das nur jemals wieder gut machen können? Sie leben und doch hat Priska das Gefühl, dass dies erst ein kleiner Vorgeschmack dessen war, was sie noch erwartet.

Als sie sich zusammen schweigend in Richtung Ausgang kämpfen, erscheint es ihr so, als ob jemand das lustige, kunterbunte Treiben um sie herum wie eine tarnende Schablone auf das eigentliche Bild gelegt hat. Lediglich einzelne Löcher lassen erahnen, welches Grauen in den darunter liegenden Schichten lauert. Düstere Gestalten hocken in den Ecken und schieben sich unbemerkt an lärmenden Besuchern vorbei. Der ein oder andere mag einen beklemmend kalten Hauch verspüren und schaudernd den Mantelkragen nach oben schlagen. Die dunklen Wesen beobachten jeden ihrer Schritte und sind bereit, genau dann zuzuschlagen, wenn ihre arglosen Opfer es am wenigsten erwarten.

In dieser Nacht findet Priska keinen Schlaf. Tapfer widersteht sie dem unbändigen Drang nach einer Tablette. Sie liegt heute im Elternbett und hat ihre Arme fest um Elena geschlungen. In bösen Träumen gefangen, wimmert das Kind kläglich. Alle paar Minuten zuckt es zusammen und wirft seinen Kopf unruhig hin und her. Luis schläft dicht an seine Frau geschmiegt. Gegen fünf Uhr morgens schließlich scheinen sich Elenas Alpträume zu verziehen. Priska merkt, wie die Anspannung aus dem kleinen Körper weicht und ihr Atem einen gleichmäßigen Rhythmus annimmt. Nun werden ihr auch endlich die eigenen Augenlider schwer und sie gleitet hinüber - auf die andere Seite.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media