In der Werkstatt

Der Streifenwagen bog zu Gernots Werkstatt ab, mit den beiden Militärfahrzeugen im Schlepptau und die Polizisten fragten erst mal um den Chef. Wie das so üblich ist auf dem Land, kannten die Beamten den Werkstattinhaber gut, da bei fast jedem Unfall ein gemeinsames Vorgehen zustande kommt. "Grüß dich, Gernot, wir haben heute mal eine Besonderheit. Das Auto von Herrn Handl wird von den deutschen Behörden beschlagnahmt. Würdest du uns hinführen ,bitte?" - "Ja, natürlich! Aber das ist nicht gerade üblich, das deutsches Militär ein einheimisches Fahrzeug bei uns beschlagnahmt. Das muss ja was Besonderes sein." Sie gingen um die Ecke, wo Peters Wagen hinter einem rot-weißen Absperrband auf dem hintersten Parkplatz stand. "Der Wagen ist ja gar nicht fahrbereit!" stellte Kremer fest. "Das haben wir ihnen ja gesagt, dass Herr Handl einen Unfall hatte. Er hatte noch Glück! Er könnte tot sein!" - "Jetzt hab ich keinen Abschleppwagen da. Können wir die Beschlagnahme nicht dergestalt durchführen, dass ich ihnen die erforderlichen Schriftstücke im Beisein der beiden hiesigen Kollegen aushändige und den Wagen später abholen lasse?" Gernot gefiel das natürlich nicht. "Ja wenn sie den Wagen vor achtzehn Uhr holen geht das. Danach ist das Werksgelände natürlich abgesperrt." Kremer saß in der Klemme. wo sollte er auf die Schnelle den Abschleppwagen herbekommen. Der, den er zur Verfügung hatte, hatte er schon mit dem Golf, der eigentlich gelaufen wäre, über die Grenze geschickt. "Entschuldigen sie , ich muss kurz telefonieren." Nach kurzer Zeit kam er wieder um die Ecke. "Meine Herren, ich bekomme den Abschleppwagen erst morgen wieder. Es tut mir leid, dann werde ich ihre Hilfe morgen nochmal in Anspruch nehmen müssen. Aber Beschlagnehmen könnten wir ihn auch gleich, wenn ihnen das recht ist. Damit das wenigstens geregelt ist. Und wegen der Batterie. Die gehört natürlich auch dazu!" - "Da haben wir ein Problem!" sagte Gernot "Die Batterie war im Kofferraum! Aber was erzähl ich, schauen sie sich's mal an!"
Gernot öffnete die Heckklappe. "Wo ist die Batterie?" - "Das wüssten wir selbst gern. Erst begann sie silbern zu glänzen, dann wurde sie schwarz, dann kleiner und schließlich verschwand sie, wobei sie dieses Loch hinterließ!" - "Entschuldigen sie! Wollen sie mich veralbern?" - "Selbstverständlich nicht! Ich kann ihnen fast die gesamte Mannschaft der Werkstatt als Zeugen benennen. Was ich eben sagte ist die reine Wahrheit. Ich vergaß zu erwähnen, dass seit Verschwinden der Batterie auch gelegentlich Werkzeug unter dem Wagen verschwindet." Kremer sah Gernot abschätzend an. "Warten sie ich zeig es ihnen. Toni! Toni komm mal her! Zeig dem Herrn mal deine Entdeckung!" - "Das ist mein letzter Zehnerschlüssel, Meister!" - "Dann nimm halt einen Achter, Toni!" Toni nahm einen Achter Gabelschlüssel und ging in die Hocke. Den Schlüssel hielt er etwa Zweieinhalb Meter hinter dem ML in zehn Zentimetern Höhe waagrecht über dem Boden. Als er ihn fallen lies, verschwand er blitzartig unter dem Wagen. Kremer ließ sich einfach in einen Liegestütz fallen. Lässig fing er sein Körpergewicht auf und versuchte, einen Blick unter den Wagen zu werfen. Dort war absolut nichts zu sehen. "Wir müssen den Wagen sofort mitnehmen. Kann ich ihren Abschleppwagen mieten? Ich habe eine entsprechende Lenkerberechtigung." - "Ich kann den nicht vermieten, ich muss im Falle eines Unfalles meinen Vertrag einhalten können." - "Dann muss ich ihn Beschlagnehmen!" - "Moment mal!" meldete sich da einer der Polizisten. "Sie überschreiten ihre Befugnisse, Herr Kremer! Ganz so geht das nicht." - "Hören sie, ich brauche umgehend einen Abschleppwagen! Dieses Auto muss sofort in die Zentrale. Bitte sagen sie mir wo ich ein entsprechendes Schleppfahrzeug herbekomme. Wenn sie mir ihren Wagen zur Verfügung stellen, sorge ich dafür, dass er noch heute Abend wieder hier ist und sie den doppelten Tarif verrechnen können. Ich verbürge mich dafür. Wenn sie wirklich einen brauchen, können sie doch sicher mit einem Händlerkollegen rechnen." Schließlich gab Gernot nach. Der ML wurde auf den Abschleppwagen verladen und gesichert, der Platz wurde abgesucht, aber die Batterie blieb verschwunden. Nach etwa anderthalb Stunden verließ der Konvoi Gernots Firmengelände. Niemand traute sich recht auf den Platz, auf dem der Wagen gestanden hatte. Als er aufgeladen wurde, hatte Toni einen Blick auf die Bodengruppe riskiert. Seine Gabelschlüssel waren nicht darauf zu finden gewesen...

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