Interview mit Phobos Escanor

Guten Abend!

1. Fangen wir mit der altbekannten Frage an: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
 
Und ich antworte mit der altbekannten Antwort: Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Ich habe bereits als Kind unglaublich gern Geschichten erzählt, liebte Märchen und habe mir jeden Abend von meiner Oma welche vorlesen lassen. Irgendwann waren die für mich so Routine, dass ich jeden Fehler in den Erzählungen bemerkte und meine Oma korrigiert habe.
Irgendwann war es mir zu langweilig, die altbekannten Märchen zu hören und ich fing an, selbst welche zu erfinden.
Generell hatte ich immer schon sehr viel Fantasie, habe mit meinen Freunden spielerisch neue Welten erschaffen und Abenteuer erlebt. Als ich älter wurde, fing ich an, diese aufzuschreiben.

Ich liebte es schon in der Schule ganz besonders, kreative Aufsätze schreiben zu dürfen und schon damals wurde mir ein gewisses Talent für‘s Geschichtenerzählen attestiert. Ich bin froh, dass nie jemand versucht hat, diese Leidenschaft im Keim zu ersticken, sondern dass meine Familie und meine Lehrer mich einfach haben machen lassen.


2. Als Anfänger ist es oft so, dass man schnell keine Lust mehr hat, weil das Buch nicht so viele Leser hat: Was kann man dagegen machen bzw. was machst du dagegen?

Wer schreibt, um zu veröffentlichen und dann erwartet, dass das Buch bereits am ersten Tag 1.000 Klicks hat, der hat eine reichlich falsche Vorstellung davon, wie das alles funktioniert.

Wenn man zum ersten Mal etwas veröffentlicht, ist es definitiv besser, so kleine Brötchen wie möglich zu backen. Gerade auf einer gigantischen Plattform wie Wattpad darf man absolut nicht zu viel erwarten. Wenn man nicht gerade in einem Hype-Fandom schreibt und dabei noch ein megabeliebtes Pairing bedient, kann es zum Teil Wochen dauern, bis sich der erste kleine Erfolg einstellt.

Wer deswegen allerdings das Schreiben sofort wieder aufgibt oder abbricht, dem ist es meiner Meinung nach nicht ernst damit. Denn jemand, der Schreiben um des Schreibens willen betreibt, der macht das auch, wenn es niemals jemand zu sehen bekommt.

Um gegen stagnierende Klickzahlen anzugehen, kann man einige Dinge machen. Zum Beispiel macht es immer einen guten Eindruck, wenn man sich umschaut, was andere so schreiben. Indem man bei anderen Leuten liest oder kommentiert, zieht man automatisch Aufmerksamkeit auf seine eigenen Werke.
Freundliche Kontakte zu knüpfen kann auch helfen – allerdings sollte man sich unverschämte Werbung für die eigenen Texte verkneifen. Wer sich mit dem einen oder anderen User anfreundet, der einem sympathisch ist, erweitert damit auch gleichzeitig seinen eigenen Kreis.
Ein gut gemachtes Cover und ein eingehender, nicht zu platter oder abgedroschener Titel macht potentielle Profilbesucher neugierig, ebenso wie eine gute Kurzbeschreibung – nach Möglichkeit ohne peinliche Rechtschreibfehler.
Und wer einen Facebook-, Instagram- oder Twitteraccount hat, kann da natürlich auch für seine Geschichten werben.
Das beste Mittel allerdings, um gute Aufmerksamkeit für seine Geschichte zu bekommen ist, diese mit so viel Liebe und Sorgfalt zu schreiben, wie es einem möglich ist.


3. Beim Schreiben muss man auf soviel achten, damit alles passt und es sich gut liest: Worauf achtest du?

Hmm … Ich denke bereits alles durch, bevor ich das erste Wort tippe. Das heißt, dass in meinem Kopf das Grundgerüst der Geschichte bereits steht. Zumindest der Hauptstrang der Story. Alles andere schmücke ich aus, während ich dabei bin. Weil man einfach nicht jedes Wort im Voraus planen kann.
Jeder, der schreibt, weiß, dass Figuren nur zu gern währenddrin eine andere Richtung einschlagen, alles über den Haufen werfen, was man bereits geplant hatte und es dann ganz anders kommt.
Ich habe zumeist einige wichtige oder spannende Schlüsselszenen im Kopf, den Anfang und das Ende. Und ich versuche, zwischen diesen Etappen eine Entwicklung zu absolvieren.

Kleine Details, die für die Geschichte vielleicht wichtig werden könnten, notiere ich mir auf, um sie nicht zu vergessen oder um nicht im späteren Verlauf einen Logicfail zu machen. Oft tauchen beim Schreiben ganz unbewusst Dinge auf, die erst im späteren Verlauf einen Sinn ergeben. Da bin ich dann selbst immer sehr überrascht, was mein Gehirn da zustande gebracht hat :)

Für den guten Lesefluss kann ich nur empfehlen, die Geschichten ausgiebig zu korrigieren, gute Figuren zu erschaffen, die wirklich Charakter haben, eine spannende Handlung aufzubauen und sich nicht davon beeinflussen zu lassen, was andere einem sagen, wie die Geschichte sein soll.


4. Jeder Autor macht ja so seine Erfahrungen beim Schreiben. Was waren gute/schlechte Erfahrungen, die du im Laufe der Zeit als Autor hattest?

Ich wüsste nicht, inwieweit ich gute oder schlechte Erfahrungen mit dem Schreiben gemacht haben könnte :)

Was mir allerdings im Laufe der Jahre aufgefallen ist, die ich bereits schreibe, ist, dass ich viel besser geworden bin.
Als ich begonnen habe, waren meine Texte wie Kraut und Rüben, hatten keine Struktur, keine Richtung und auch meine Grammatik war katastrophal.
Meine Rechtschreibung war immer sehr gut, aber kleine Details, die beim Schreiben ebenso wichtig sind wie das, waren es nicht.
Umso zufriedener bin ich heute.

Frustriert bin ich höchstens mal, wenn ich mich an einem Genre versuche, das mich interessiert, mir das aber nicht so gelingt, wie ich mir das wünsche. Allerdings bin ich auch ein ziemlich hartnäckiger Mensch und versuche es dann einfach nochmal.


5. Autor kann nicht jeder sein: Was muss man deiner Meinung nach dafür können?

Das würde ich nur bedingt unterschreiben. Also dass nicht jeder Autor sein kann.
Schreiben ist ein Handwerk, das theoretisch jeder lernen kann. Der eine braucht dafür vielleicht nur wenige Monate, um einigermaßen vernünftige Ergebnisse zu liefern, der andere braucht Jahre.
Wenn man das allerdings wirklich will und bereit ist, wirklich daran zu arbeiten, dann schafft man das auch.
Schreiben ist schließlich nicht Fliegen.

Aber es gibt natürlich Aspekte, die einem den Weg in die Schriftstellerei deutlich erleichtern. So braucht man, wenn man ein Geschichtenerzähler sein möchte, auch eine gehörige Portion Fantasie, man muss genau wissen, was man erzählen möchte, man braucht ein Gespür dafür, wie man eine Geschichte gliedert, wie man Spannung aufbaut. Eine gewisse Menschenkenntnis ist auch nicht verkehrt, denn wenn man die nicht hat, wird es einem nicht leicht fallen, tiefsinnige Charaktere zu erschaffen, die Höhen, Tiefen, Stärken und Schwächen haben, die noch Spielraum haben, um zu lernen und sich zu entwickeln.
Ein breitgefächerter Wortschatz ist wichtig, um eine lebendige und abwechslungsreiche Sprache zu garantieren, Wortwitz und Humor machen das Schreiben und später das Lesen unterhaltsamer.
Und selbst auf die Gefahr hin, wie ein alter Greis zu klingen – etwas Lebenserfahrung und eine gute Allgemeinbildung erleichtern es einem auch.

Ansonsten braucht man Sitzfleisch, Geduld und die Bereitschaft, sich notfalls auch stundenlang durch Recherchen zu wühlen.


6. Du bist ja neben Belletristica auch auf Wattpad unterwegs. Das beide Plattformen gut sind, ist klar. Kennst du noch mehr Plattformen die gut zum Schreiben sind?

Vorweg: Ich würde Belletristica immer und jederzeit Wattpad vorziehen. Denn auf Wattpad geht es nach dem Beliebtheitsprinzip. Da zählt Qualität und Hingabe weniger als Hype und Followerzahlen. Jemand mit einer wirklich guten Story wird immer hinter jemandem zurückstecken, der unkorrigierten Kram herausballert, aber für dieses Zeug etliche hundert Follower hat, weil er genau in diese Scharte hineinschlägt, was die Kids augenscheinlich nur noch lesen heutzutage.
Wobei mal abgesehen davon, Wattpad nicht so verkehrt ist. Ich habe da tolle Leute kennengelernt, motivierende Follower und viel Spaß.

Belletristica hingegen ist die Heimat meines Herzens. Es ist natürlich deutlich kleiner als Wattpad, aber gerade das ist es, was ich gut finde. Die Qualität des Großteils aller Texte dort übersteigt die von Wattpad um ein Vielfaches, die Admins begegnen ihren Usern auf Augenhöhe und nehmen sich deren Problemen an, während man auf Wattpad vom Support leider nur zu oft im Regen stehen gelassen wird.

Ich kenne nur noch zwei weitere Plattformen, auf denen ich auch selbst angemeldet bin bzw. war. Das wären zum einen Fanfiktion.de, die Seite war mal ziemlich gut und ist eine der größten deutschen Autorencommunitys. Aber mittlerweile höre ich von vielen Bekannten, dass es da auch langsam vor die Hunde geht. Ich bin nicht sehr aktiv dort und habe schon lange nichts mehr veröffentlicht. Mir ist die Seite zu „leise“, zu grau. Man hat bis auf das unübersichtlich große Forum kaum Möglichkeit, mit anderen Usern zu unteragieren, außer man schreibt einander Mails. Das ist nicht so meins. Ich habe gern eine Pinnwand.
Und die zweite Plattform war myfanfiction.net. Dort habe ich mich 2014 angemeldet und eine megaschöne Zeit verlebt. Erst dadurch fing ich überhaupt erst an, meine Werke zu veröffentlichen bzw. kontinuierlich zu schreiben. Aber seit die Seite 2015 ein komplettes Systemupdate bekommen hat, war es nie wieder so wie vorher. Mal abgesehen davon, dass der Stil der Seite nach 2015 mir nie gefallen hat, wurde es immer leiser dort, die Freunde, die ich da kennengelernt habe, haben nach und nach die Seite verlassen, Resonanzen für Geschichten wurden immer weniger, bis gar keine mehr kamen, und diesen Samstag, 21.01, habe ich schließlich für mich die Konsequenz gezogen, dass ich keinen Account mehr dort brauche und hab ihn gelöscht.


7. Was ist deine Geheimrezeptur für eine gute Story?

Ausgiebig durchdachte Charaktere; Storyideen, die vielleicht nicht so alltäglich sind; überraschende Wendungen, ein liebevoll designtes Cover und einen Bluthund von Betaleser :D


8. Erzähl uns doch bitte was von deinen Lieblingsautoren.

Ich kann dir meine Lieblingsautoren nennen. Aber groß was darüber sagen?

Schon früher hab ich gern Kurzgeschichten von Stephen King gelesen, immer auf der Suche nach einem kleinen Gruselkick. Das hat vielleicht dazu geführt, dass ich eine gewisse Faszination für Schauergeschichten entwickelt habe. Aber Horror, zumindest bei Filmen, mag ich nicht.

Ich hab auch immer gern Wolfgang Hohlbein gelesen, muss nur zu meiner Schande sagen, dass ich nicht ein Buch von ihm besitze. Als ich noch Schüler bzw. Lehrling war, habe ich viel mit Mitschülern getauscht und da sehr viele gute Bücher gelesen.

Ansonsten bin ich natürlich mit Harry Potter groß geworden und wenn ich meinen Stil beschreiben müsste, würde ich wohl sagen, ich orientiere mich am meisten bei JK Rowling und King.
Aber auch bei Arthur Conan Doyle und „Sherlock Holmes“.

Aber eigentlich achte ich nicht auf Autoren. Ich hab viele gute Bücher gelesen, von denen ich heute nicht mal mehr weiß, wer sie geschrieben, aber ich weiß noch genau, worum es in den Büchern ging :D


9. Und was sind deine Lieblingsbücher?

Bei vielen hammerguten Büchern, die ich in meinem Leben gelesen habe, weiß ich heute weder die Titel noch die Autoren noch. Und doch weiß ich, dass sie mir ein gutes Gefühl gegeben haben.

Erinnern kann ich mich natürlich an Harry Potter, an Sherlock Holmes, an die „Nachtschicht“ von Stephen King, an „Unheil“, „Wyrm“, „Chronik der Unsterblichen“ und „Krieg der Engel“ von Wolfgang Hohlbein, an „Lucian“ von Isabel Abedi, an die „Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley und viele, viele andere …


10. Inwiefern kann das Lesen von vielen Büchern den Schreibstil beeinflussen?

Mit jedem Buch, das man liest, erweitert sich der Wortschatz. Unbewusst lernt man, wie man Spannungsbögen gestaltet, wie Charaktere sich entwickeln können und wie eine Handlung sich bildet.
Stephen King hat mal treffend gesagt, dass man einem Autor nicht vertrauen sollte, der in seinem Leben mehr geschrieben als selbst gelesen hat.
Selbst viel zu lesen ist eine unabdingbare Voraussetzung, um ein guter Autor zu werden. Selbst von schlechten Büchern kann man noch etwas lernen, und wenn es nur das ist, wie man es besser macht.

Ganz nebenbei formt sich durch das Lesen verschiedener Stile auch der eigene Schreibstil. Denn solange man noch keinen eigenen Stil entwickelt hat, versucht man automatisch, den von anderen zu kopieren. Und daraus bildet sich nach einiger Zeit der eigene.


11. Hast du sonst noch Tipps für die Neulinge?

Dranbleiben. Nicht aufgeben, nur weil sich nicht sofort Erfolgsströme einstellen. Wenn es mal nicht läuft, sollte man eine Pause machen, vielleicht ein Buch lesen, neue Inspiration sammeln und es nochmal versuchen.
Und trotz allem niemals den Spaß daran verlieren.



Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und die Fragen beantwortet hast.

NACHTRAG: Damit keine Missverständnisse auftreten wegen den Kommentaren: Ich habe das Kapitel hier überarbeitet :) Deswegen passt das jetzt nicht mehr überein :D

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