January - Jetzt oder nie 12

AVA

 

AVA MOORE 19:22: Freunde?

JAMIE DONOVAN 19:26: Hey Kleine. Ja klar. Sorry, wegen heut Mittag. Alles etwas stressig.

AVA MOORE 19:26: Du musst dich nicht entschuldigen. Ich hätte erwachsener reagieren müssen. Ich bin einfach nur froh, dass wir wieder gut sind. Lust mich zu besuchen?

JAMIE DONOVAN 19:27: Reicht es, wenn ich in einer halben Stunde da bin? Komme gerade aus der Dusche und ziehe mich schnell an.

AVA MOORE 19:28: Halbe Stunde reicht.... Muss reden. Hab Mist gebaut... :(

JAMIE DONOVAN 19.28: WAS HAST DU GETAN?

JAMIE DONOVAN 19:29 : ?????

AVA MOORE 19:30: Er hat mich geküsst...

JAMIE DONOVAN 19:30: Wer hat dich geküsst Ava?

JAMIE DONOVAN 19:30: Ava!!!

AVA MOORE 19:31: Mason Scott....

 

Ich ließ mein Handy in meinen Schoß fallen und sank rückwärts auf mein Bett. Seit diesem Kuss konnte ich an nichts anderes denken, als an Masons weiche, warme Lippen auf meinen und seine starken Hände überall auf meinem Körper. Ich fantasierte von einem Kerl, der mich behandelte wie ein Stück Dreck. Ich hatte mich wie eine läufige Hündin an ihm gerieben und mich begrapschen lassen als sei ich reduzierte Ware auf einem Wühltisch des Sommerschlussverkaufs. Anstelle ihn aus all diesen Gründen zu hassen, sehnte ich mich danach das Ganze immer und immer wieder zu wiederholen.  Wo war meine Selbstachtung geblieben? » Wieso kannst du keine andere sein?« Wer sollte ich denn sein? War ich nicht schön, reich oder talentiert genug? War ich ein Mensch dritter Klasse? Was sah er in mir und was wollte er sehen?

Mein Gedankengerüst brach jäh in sich zusammen, als meine Zimmertüre aufflog und mit einem lauten Knall gegen die Wand stieß. Im Türrahmen stand Jamie mit nichts, als einer Boxershorts bekleidet. Sein muskulöser Oberkörper war noch feucht vom Duschen und einige Tropfen fielen ihm aus dem nassen Haar und perlten über seine gebräunte Haut.

»Du hast mit dem Kerl rumgemacht?« Er war wütend.

Die Ader an seinem Hals pulsierte so stark, dass ich es von hier aus sehen konnte.

»Es freut mich auch dich zu sehen.« Sein Gesicht sah nicht aus, als sei mein kleiner Versuch die Stimmung aufzulockern von Erfolg gekrönt.

»Was willst du von mir hören? Dass es ein Fehler war? Ja, das war es mit hoher Wahrscheinlichkeit. Ich kann nichts dagegen tun, dass da etwas zwischen uns ist und aus irgendeinem Grund will ich wissen was. Ich werde dich, oder die Arbeit auf keinen Fall mit reinziehen, du kannst also beruhigt sein. « Jamie seufzte und kam auf mich zu.

»Ach Ava darum geht es doch gar nicht. Er ist nicht gut für dich und er wird dir wehtun, glaube mir.«

»Und du bist gut für sie?«

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Mason stand in der Tür, welche nach Jamies eindrucksvollem Auftritt noch immer offen stand. Seine blauen Augen funkelten wütend.

»Scott halt dich da raus, okay? Sie geht dich nichts an. Such dir eine andere für deine Eskapaden« zischte Jamie.

Mason machte wütend ein paar Schritte auf ihn zu und dann ging alles ganz schnell. Er schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Jamie taumelte zurück, fing sich jedoch schnell wieder und holte ebenfalls aus, doch Mason konnte ihm ausweichen.

»Ich hab dir schon einmal gesagt, dass ich nicht weiß wo dein Problem mit mir ist. Ava hat aber mit Sicherheit nichts damit zu tun, also halt dich von ihr fern!«  Jamie spuckte Mason die Worte förmlich vor die Füße. Ich musste dem Theater ein Ende bereiten.

»Hört auf. Alle beide.«

Obwohl ich sie anschrie, schenkten sie mir keinerlei Beachtung. Sollten sie ihren Hahnenkampf außerhalb meines Zimmers austragen. Jamie packte Mason am Ausschnitt seines Shirts.

»Jamie lass ihn los. Was soll das?« Gerade als ich mich zwischen beide drängen konnte, um sie auseinander zu bringen, holte Jamie aus. Er konnte seinen Arm nicht mehr bremsen und seine Faust traf genau auf meine Wange. Augenblicklich fuhr mir ein stechender Schmerz durch den Kopf und mir wurde schwarz vor Augen.

»Du kannst doch nicht mehr ganz sauber ticken, Donovan. « Masons Stimme drang ganz nah an mein Ohr und ich spürte Arme, die sich um mich legten und mich auffingen. Wieso lag ich auf einmal auf dem Boden? Ich spürte seine warme Hand, als er sanft über meine Wange strich. Den Schmerz, den das verursachte blendete ich so gut es ging aus um die Berührung genießen zu können, zuckte aber trotzdem kurz zurück. Ich versuchte mich aufzusetzen, doch mein Kreislauf spielte noch nicht so ganz mit. Mason kniete neben mir und ich lehnte mit der Schulter gegen seinen harten Oberkörper. Ich hatte es doch nicht so eilig aufzustehen.

Jamie stand derweil einfach nur da und starrte mich mit offenen Mund an.

»Ava oh Gott. Ich hab dich zu spät gesehen. Es tut mir so leid.« Als er Anstalten machte auf mich zu zukommen, wusste Mason dies zu verhindern.

»Verschwinde einfach. Du hast genug angerichtet. Frauen verletzten scheint wirklich dein großes Hobby zu sein.« Es lag so viel Hass und Abscheu in seiner Stimme, dass klar war, er würde keinen Widerspruch dulden.

Jamie sah mich traurig an und tat dann etwas mit dem ich nicht gerechnet hatte. Er nickte und verließ mein Zimmer. Ich stand wohl unter Schock, sonst hätte ich etwas gesagt.

Ich saß noch ein paar Minuten gegen Mason gelehnt, der wortlos neben mir kniete und mit einer Hand kleine Kreise auf meinem Rücken beschrieb. Es war  ein so beruhigendes und vertrautes Gefühl, als würde ich ihn ewig kennen. Ich wollte nicht, dass es endete. Trotzdem brannte die Frage nach dem Warum tief in mir. Ich musste wissen, was hier eben vor sich gegangen war.

»Mason, klär mich bitte auf«

Er schwieg einen langen Augenblick und als ich schon dachte er ließe meine Frage unkommentiert antwortete er mir doch noch.

»Baby, ich hab mir schon gedacht, dass du nicht sooo erfahren bist, aber bist du echt so jungfräulich, dass ich dich aufklären muss? «

Röte trieb sich mir ins Gesicht. Natürlich war ich keine Jungfrau. Nicht sehr erfahren, aber eine Jungfrau sicher nicht mehr. Und ganz davon abgesehen. Das hatte nichts mit meiner Frage zu tun.

Es hatte keinen Sinn. Immer wenn ich dachte, er hätte doch etwas Nettes an sich, kam sowas.

Ich löste mich ruckartig von ihm und wurde sofort mit beißenden Schmerzen in der Wange bestraft.

»Weißt du was. Vergiss es.« 

Ich ging auf wackeligen Beinen zur Zimmertüre, die Jamie dieses Mal geschlossen hatte, und öffnete sie.

»Ich würde jetzt gerne allein sein.«

Mason kam auf mich zu, langsam wie ein Raubtier welches seine Beute ins Visier genommen hatte und nun auf den Moment wartete, an dem er sie erlegen konnte. Anstelle zu gehen, streckte er den Arm aus und schloss die Türe wieder.

»Tja und ich werde dich nicht allein lassen. Du hast einen kräftigen Schlag gegen  den Kopf bekommen. Auch wenn du ein Dickkopf bist möchte ich sicher gehen, dass es dir gut geht.«

Er ging hinüber zu der, meines Erachtens, viel zu weich gepolsterten Couch, die direkt neben meinem Bett stand und gepaart mit einem kleinen Tischchen wohl mein "Wohnzimmer" darstellen sollte. Breitbeinig setzte er sich darauf, die Arme rechts und links auf der Rückenlehne ausgebreitet. Vor Wut schnaubend setzte ich mich in Bewegung und blieb, mit den in die Hüften gestemmten Armen, vor ihm stehen.

»Deine gute Absicht in Ehren, aber ich denke das Pfadfinderabzeichen für Nächstenliebe musst du dir bei jemand anderem verdienen. «

Mason machte einen belustigten Eindruck.

Seine Augen blitzten auf, als würden wir uns in einem Wettkampf befinden. Plötzlich erhob er sich und stand unmittelbar vor mir. Es passte kaum mehr ein Blatt zwischen uns. Mein Puls beschleunigte und mein Gesicht begann zu glühen. Ich hob den Kopf an um ihn anzusehen.

»Baby, ich denke du bist genau die Richtige um aus mir einen ehrenwerten Pfadfinder zu machen. Das Abzeichen für Nächstenliebe habe ich mir allerdings eben schon verdient, als ich deinen kleinen Freund für die Aktion mit deinem Gesicht nicht grün und blau geprügelt habe. Solltest du mir allerdings bei den Abzeichen in "Zungenfertigkeit" oder "Schaffe Glückseligkeit mit deinen Händen" behilflich sein wollen...« er hob anzüglich die Augenbrauen.

Dieses Arschloch! Hielt er mich für eine billige Nutte? Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und flüsterte ihm mit heiserer Stimme ins Ohr.

»Und du glaubst wirklich dabei könnte ich dir behilflich sein?« Ich leckte mir über die Lippen und strich dann langsam mit der Hand über seinen Oberschenkel, ganz in der Nähe der nicht zu übersehenden Ausbeulung seiner Hose. Er atmete scharf ein.

»Ja, ich bin sicher, dass du das könntest. »

»Tja. Wie du schon im Probenraum sagtest: Schade, dass ich keine andere bin. Leider gehöre ich nicht zu den kleinen Nutten, die dir jeden deiner Wünsche von den Lippen ablesen. Ich muss jetzt duschen und früh ins Bett. Ich bin nicht zum Vergnügen, sondern zum Arbeiten hier. Vielleicht solltest du das ähnlich sehen und deinen Text lernen oder so.«

Beflügelt und stolz aufgrund meiner ungeahnten Schlagfertigkeit, drehte ich mich um und beeilte mich ins Bad zu kommen.

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