January - Jetzt oder nie 16

Mason


Das „Bitte anschnallen“ Zeichen blinkte auf und kurz darauf kam Terry, meine Flugbegleiterin durch die Cockpittüre, um mir Bescheid zu geben, dass wir bald da seien. Einen eigenen Jet zu besitzen hatte durchaus seine Vorzüge vor allem, wenn man einen spontanen Tapetenwechsel benötigte. Und wenn den einer brauchte, dann ich.

Ich hatte wirklich versucht zu schlafen, doch der Gedanke, dass zwischen Ava und mir nur eine Wand lag, machte mich wahnsinnig. Ich war so sicher gewesen, rüber zu gehen und ihr zu sagen, dass aus uns nichts würde. Nie. Dann wäre mein Gewissen beruhigt und ich könnte weiter machen wie vorher. Das musste  doch einfach ein schlechter Scherz sein, dass ich mich von dieser Frau angezogen fühlte. Ich wartete schon so unglaublich lange darauf, eine Frau kennenzulernen, die mir auch intellektuell das Wasser reichen konnte. Die Damen mit denen ich ausging waren nur auf das Blitzlicht, oder mein Geld geil. Für ein bisschen Ruhm taten sie alles. Ich war es so Leid.

Und dann stand sie vor mir. Trotzig, frech und auf alles eine Antwort.

 Auf der anderen Seite war da Ihr unschuldiger Blick, als ich sie unter die Dusche drängte wie ein notgeiler Teenager. Ich musste sie doch irgendwie aus dem Kopf bekommen.

 

Kurze Zeit später befand sich der Privatjet im Landeanflug auf einen kleinen Flughafen  nahe Ohio. Emily war vor 3 Jahren mit ihrem Mann Dan, einem Kinderarzt, hierher gezogen, um ein kleines Haus in einem Vorort zu beziehen. Leider dauerten die Renovierungsarbeiten an dem, in die Jahre gekommenen Häuschen länger an, als ihre Ehe. Ich konnte Sie nach der Scheidung nicht überzeugen, wieder zu mir nach NY zu ziehen.“

»Jemand zuhause?« Ich stellte meine Reisetasche im Flur ab und zog mir die Schuhe aus. Emily war was Sauberkeit betraf genau auf unsere Mutter gekommen.

»Onkel Masoooooon.« Mia stürmte polternd die Treppe herunter und strahlte mich mit Ihren Zahnlücken an. Ich schlang meine Nichte in die Arme und hob sie hoch zu mir.

»Mit wem hast du dich denn geprügelt? Ich hoffe ihm fehlen mindestens doppelt so viele Zähne.« Mia kicherte. Ihre blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten und mit roten Bändern an den Enden befestigt.

»Du bist ein lustiger Onkel. Hast du mir was mitgebracht?« Ich setzte die Kleine ab und sie musterte mich interessiert, während ich in meine Reisetasche griff.

»Als ob ich mit leeren Händen hier auftauchen würde.« Ich zog einen rosafarbenen Teddy mit pinken Glitzeraugen heraus. Ich fand die Zusammenstellung ziemlich abartig, aber die Verkäuferin versicherte mir, dass er genau das richtige für ein 5 jähriges Mädchen sei. Glücklicherweise bestätigte sich diese Aussage, denn Mia riss ihn mir mit begeistertem Quietschen aus der Hand.

»Hast du nicht was vergessen, Mia?« Emily stand im Türrahmen zur Küche und sah ihre Tochter liebevoll an.

»Danke Onkel Mason. Mommy darf ich oben spielen?« Sie war schon auf halbem Weg die Treppe hochgerannt, als Em ihr antwortete sie könne bis zum Essen in ihrem Zimmer spielen.

 

»Kaffee Bruderherz? Du siehst müde aus. Lange Nacht gehabt? « Sie holte eine Tasse aus dem Schrank und schenkte mir Kaffee ein, ohne meine Antwort abzuwarten.

»Nicht so wie du denkst.« Em lächelte. Obwohl sie mit ihren 22 Jahren viel durchgemacht hatte, wirkte sie noch immer so unglaublich jung. Es war schön sie mit Mia zu sehen. Sie war eine verdammt gute Mom und seit Dan ausgezogen war, versuchte ich sie so oft wie möglich zu besuchen.

»Willst du mir etwa sagen, dass für dieses zerknautschte Gesicht und deinen spontanen Besuch keine Frau verantwortlich ist?« Wieso hatte sie immer recht? Ich hob genervt den Blick. Sie konnte sich ihr breites Grinsen nicht verkneifen.

» Solange du mich nicht ungewollt zur Tante machst…« Sie zwinkerte mir zu.

»Ich hab nicht mit ihr geschlafen.« Aber ich war sowas von kurz davor.

»Aha. Also doch eine Frau. Wer ist sie, dass sie es geschafft hat meinen Bruder so nachdenklich zu machen?«

»Das tut nichts zur Sache. Ich muss sie mir aus dem Kopf schlagen und das geht nun mal am besten, wenn sie nicht im Zimmer nebenan wohnt.«

Emily zog die Augenbraue hoch.

»Seit wann fängst du was mit Arbeitskolleginnen an?«

»Ich hab nichts angefangen. Jedenfalls nichts Bedeutendes.«

Richtig, ich hatte sie nur in ihrem Bad überrascht, ausgezogen, überall betatscht und sie dann splitternackt dort stehen lassen und ihr gesagt ich hätte ein Date. Wem wollte ich eigentlich was vormachen? Auch wenn sie einen Dämpfer verdient hatte, hätte ich nach der Nummer in der Lobby aufhören sollen. Das hatte selbst sie nicht verdient.

Ich verstand nur noch immer nicht welch seltsame Beziehung sie zu Donovan pflegte. Sie mussten doch schon Jahre zusammen sein. Wieso schliefen sie also in getrennten Zimmern. Und zum Teufel wieso machte sie mit mir rum wenn, ihr Freund nur ein Zimmer weiter durchdrehte weil er sie versehentlich geschlagen hatte. Das machte alles überhaupt keinen Sinn.

»Mason? Jetzt mal ehrlich. Was macht dir so zu schaffen?« Ich sah Sorge in ihren bernsteinfarbenen Augen aufleuchten. Sie hatte so viel hinter sich gebracht in den letzten Jahren. Ich konnte ihr unmöglich sagen, dass die zwei Personen neben mir wohnten die ihr das Leben zur Hölle gemacht hatten. Ich konnte ihr nicht sagen dass ich jede freie Minute an Ava Moore dachte.

»Ich hatte einfach einen harten Tag, Em. Am Montag beginnen die Dreharbeiten, ich hab also nur noch dieses Wochenende. Lass uns heute Nachmittag was mit Mia unternehmen.«

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    Du hast sicher eine sehr überaschende Wendung auf Lager!

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