January - Jetzt oder nie 26

MASON

Es waren nunmehr 4 Tage vergangen, seit Ava und ich auseinander gegangen waren. Vier verdammt beschissene Tage.

»Cut. Wir machen eine Pause.« Kents genervte Stimme riss mich aus meinem Ava-Gedankengewirr. Er kam zu mir rüber und ich machte mich innerlich auf eine lange Predigt gefasst in der es darum ging private Angelegenheiten während des Dreh´s aus dem Kopf zu streichen.

»Junge, wie lange kennen wir uns jetzt schon?« Er legte den Arm um meine Schultern und gab mir zu verstehen ein paar Schritte mit ihm zu gehen. Ich zuckte mit den Schultern, obwohl ich ganz genau wusste wie lange wir uns kannten und mir ebenfalls bewusst war, dass es  eine rhetorische Frage war .Er war damals der Regisseur in der Serie in der ich meine erste Hauptrolle hatte. Wir kannten und sechs Monate als meine Eltern verunglückten. Mittlerweile war er für mich das, was einer väterlichen Person in meinem Leben am nächsten kam.

»Willst du darüber reden?« Kent hatte immer ein offenes Ohr für mich.

»Nein.«

»Pass auf Sonnenschein. Ich mag dich, auch wenn ich dir manchmal den Hals rumdrehen könnte. Reichen dir 2 Tage um das, was auch immer in deinem Kopf vorgeht in Ordnung zu bringen?« Damit hatte ich nicht gerechnet, doch ich schnaubte.

»Dazu reicht ein ganzes Leben nicht Kent. Aber danke für das Angebot.«

»Kenne ich sie?«

»Tut das was zur Sache?«

Kent lächelte. »Also ja. Ich bin beeindruckt, dass eine Dame dich mal aus deinem Schneckenhaus locken konnte.«

»Ich befand mich in keinem Schneckenhaus.«

»Mason, Frauen zu vögeln und sie in derselben Nacht nach Hause zu schicken ist feige. Nie hast du eine nah genug an dich herangelassen, als das sie dir zusetzen konnte. Was also ist passiert?« Kents Handy vibrierte und er sah sich die Nachricht an die soeben eingegangen war. » Oh man, Junge. Was hast du getan?«

»Wovon redest du?« Als Antwort hielt er mir das Smartphone unter die Nase. Die Homepage des Klatschmagazins WakeUp war geöffnet. Auf der Homeseite prangte groß ein Bild von Ava und mir auf der Terrasse. Wir wurden von der Seite fotografiert. Ich hatte die Hand an ihre Wange gelegt und ihr Kopf war schräg auf den Boden in Richtung des Fotografen gerichtet. Und sie weinte verdammt noch mal. Gekrönt wurde das Bild mit der dazugehörigen Überschrift: Mason Scott bricht neuer Flamme das Herz.

Ich schleuderte das Handy wütend auf den Boden.

»Scott, das geht von deiner Gage ab. Und jetzt sieh zu, dass du auf dein Zimmer kommst. Der Bericht ist Max zu folge vor ein paar Minuten online gestellt worden. Es wird hier heute nur so vor Papparazzi wimmeln.«

»Was ist mit Ava? Ich muss sie warnen sonst, verschlingen diese Aasgeier sie mit Haut und Haaren.«

»Ich kümmere mich um sie. Du hast scheinbar schon genug angerichtet.« Das hatte ich verdient. Und er hatte vollkommen Recht.

***

Ich saß betrübt auf meinem Bett und starrte die Wand zu Avas Zimmer an. Angestrengt lauschte ich, ob ich ein Geräusch daraus hörte und somit sicher sein konnte, dass sie in Sicherheit war und keiner dieser Zeitungsheinis sie belästigte. Wenn man nicht wusste wie man mit Ihnen umgehen sollte konnte sie vernichtend sein. Doch da war nichts als Stille.

Es klopfte an der Tür. Henrys Stimme erklang.

»Mason, du hast Besuch.« In der Hoffnung Avas Gesicht zu sehen, öffnete ich die Türe. Ein quietschendes Bündel blonder Haare umfasste meine Beine und schrie: »Onkel Mason, Onkel Mason.«

Ich hob meine bezaubernde Nichte hoch und drückte ihr einen Kuss auf die rosa Wange.

»Hey Prinzessin. Das ist aber eine schöne Überraschung.« Emily trat ebenfalls ein. Ihrem Gesichtsausdruck zu folge wusste ich dass sie bereits alles aus den Medien erfahren hatte.

»Mia, Schatz. Möchtest du mit Henry ein Eis essen gehen? »Mia nickte eifrig und beantwortete damit die Frage ihrer Mutter. Henry liebte das kleine Mädchen und die beiden verbrachten oft Zeit miteinander wenn Emily mich besuchte.

Als Henry mit meiner Nichte auf den Schultern das Zimmer verlassen hatte, platzte es aus Emily heraus.

Sie warf mir eins dieser schmierigen Klatschblätter vor die Füße. Scheinbar hatte der Papparrazzo alle Arbeit geleistet und seine widerlichen Bilder an jedes noch so erbärmliche Promiblatt verkauft.

»Ich denke mir, überrasch deinen Bruder doch mal. Ich steige mit Mia in ein verficktes Flugzeug obwohl ich, wie du weißt, scheiße viel Angst vorm Fliegen habe. Ich kaufe eine Zeitung um mich abzulenken und was sehe ich da? Mason was?« Ich habe Emily nie derart wütend gesehen, doch ich konnte sie verstehen. Ich hinterging sie mit der Frau, die für so vieles schlimmes in ihrem Leben verantwortlich war. Ich schwieg scheinbar etwas zu lange, also legte sie wieder los.

»Was läuft eigentlich bei dir nicht richtig Mason? Erklär es mir?« Ihre Stimme brach, weil sie so schrie.

»Em….. ich…. Keine Ahnung wie ich es dir erklären soll. Ich hab versucht sie zu hassen, aber es hat nicht funktioniert. Wir haben es beendet. Ich weiß ich kann das nie wieder gut machen. Verzeih mir bitte. «

Emily sah mich an als hätte ich ihr gerade erzählt, dass ich mit Casper dem freundlichen Geist eine Schifffahrt auf der Titanic gemacht hatte.

»Sag was, Em.« Ich war sowas von im Arsch.

»Oh scheiße. Mason sag mir nicht, dass du Ava Moore wegen mir hassen wolltest?« Ihr Augenlid zuckte. War sie betrunken?

»Gott, ich weiß bei all den Frauen auf dieser Erde suche ich mir zum Verlieben die aus, die dir das angetan hat… Ich kann das nie wieder gut machen.« Mir gingen die Erklärungen aus.

Emily ließ sich mit offenem Mund auf mein Bett sinken. Ich ging vor ihr auf und ab und suchte nach Worten um die Situation zu erklären, aber mein Kopf war völlig leer.

»Mase…setz dich bitte mal. Ich glaube ich muss dir was sagen. « Lieber Gott, bitte lass sie mir verzeihen. Sie und Mia waren alles was mir geblieben war, ich konnte sie nicht verlieren.

»Ich glaube ich stehe gerade lieber.«

Sie räusperte sich. »Ich weiß nicht wie ich dir das jetzt erklären soll. Ich hätte nie gedacht, dass es mal von Bedeutung sein würde.«

»Emily du machst mich wahnsinnig. Spuck es einfach aus. «

»Naja… Ava hatte rein gar nichts mit der Sache damals zu tun.« Ich fühlte mich als hätte sie mir mitten in den Magen geboxt. Ich musste mich doch setzen und nahm auf der, ihr gegenüberliegenden Couch, Platz.

»Das ist ein Scherz oder? Em, du hast damals gesagt dieser Hurenbock habe eine andere. Du bist zu mir nach NY gekommen und meintest dich hielt in Chicago nichts mehr und Donovan hätte ja noch Ava.« Als ich Donovan erwähnte, sah ich Schmerz in ihren Augen. Nach all den Jahren war es immer noch unerträglich für sie über ihn zu reden. Viel mehr als das was ich gerade wiederholte, hatte ich nie von ihr erfahren. Sie rief damals an und sagte sie brauche dringend einen Flug nach New York. Als sie bei mir ankam war sie völlig am Boden. „Wir haben uns getrennt, Mase. Ich kann das nicht. Ich kann nicht bei ihm bleiben. Er hat Ava. Kann ich bitte bei dir bleiben?“ Und sie blieb. Sie war wochenlang völlig apathisch, aß nichts und eines Abends fand ich sie mit aufgeschnittenen Pulsadern im Badezimmer. Wäre ich nur ein paar Minuten später dort hineingestürmt, würde sie heute nicht hier sitzen. Im Krankenhaus lernte sie ihren Exmann kennen und kurz darauf kam Mia zu Welt. Ich hielt das Ganze für sehr überstürzt, aber dieser kleine Sonnenschein namens Mia hatte mir meine Schwester wieder zurückgebracht.

Emily sah mich so verständnisvoll an und dann kamen ihr die Tränen.

»Oh Mase, du Idiot. Ich meinte damit er hat Ava, damit sie ihm zur Seite steht. Ich habe ihn damals verlassen. Nicht er mich. Es gab keine andere Frau.« Sie kam zu mir rüber und legte mir die Hand auf die Schulter. Ich zuckte zurück. Ich konnte jetzt nicht von ihr angefasst werden. Fuck, was hatte ich getan.

Ich habe Ava all die Zeit behandelt wie ein Stück Dreck. Bilder rauschten an meinem inneren Auge vorüber. Bilder von Ava in der Lobby vor dem Aufzug, Ava splitternackt und verletzlich in der Dusche nachdem ich sie betatscht hatte wie ein rücksichtsloser Teenagerund ihr dann sagte ich habe ein Date, Ava weinend auf der Dachterrasse und schließlich Ava im Rahmen ihrer Tür als sie mir sagte sie liebt mich und ich Idiot einfach gegangen war. Es wurde zu viel.

»Emily…ich versteh das nicht. Das kann nicht dein ernst sein. Es macht keinen Sinn. Wieso solltest du Donovan verlassen haben?«

»Versprich mir ruhig zu bleiben und nicht zu schreien. « Sie beäugte mich, als sei ich eine tickende Zeitbombe. Sie hatte recht damit.

»Ich frage nicht nochmal. Sag mir was damals wirklich passiert ist.«

»Mase, Mia ist Jamies Tochter.«

»Verfluchte Scheisse, was? Ich werde diesen Mistkerl eigenhändig umbringen.«

»Lass mich bitte aussprechen. Er weiß nichts von ihr. Ich habe ihm nie gesagt, dass ich schwanger war. Ava wusste ebenfalls nichts davon. Mase, sie war meine beste Freundin und hätte mir sowas niemals angetan. Genauso wenig wie Jamie. Er hat mich geliebt, das weiß ich.«

»Wenn alles so toll war, wieso hast du dann Schluss gemacht und dich fast umgebracht?« Ich wollte es nicht sagen. Nicht so aber meine Nerven spielten verrückt. Emily schluckte, doch atmete dann tief durch und setzte zur Antwort an.

»Sein Vater war von Anfang an nicht damit einverstanden, dass er Tänzer werden wollte. Es war ein harter Kampf für Jamie. Als er an der Guilliard angenommen wurde, akzeptierte Donovan Senior das Ganze da es die angesehenste Schule des Landes war. Ich wusste genau, wenn ich ihm von dem Baby erzähle, würde er alles hinschmeißen und sich irgendeinen Job suchen um für uns da zu sein. Ich wollte ihn nicht seiner Zukunft berauben. Du kannst das nicht verstehen. Du hast nie jemanden so sehr geliebt, dass dir dein eigenes Leben klein und unbedeutend erscheint gegenüber dem Menschen der alles für dich ist. «

Mir wurde klar, dass ich das doch konnte. Fuck.

Kommentare

  • Author Portrait

    Drama!!

  • Author Portrait

    Wow! Das ist ja extrem spannend! Eine interessante Wendung!! Einfach nur toll!!

  • Author Portrait

    Scheiße auch! Ich hab gewußt, dass dir was krasses einfällt! Ich bin sehr beeindruckt von deinem Manuskript und warte schon auf die nächste Folge!

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