Jeremy starrte zu ihr-das Messer war rot. (M)

Fredericos Sicht :

Ich konnte es nicht mit ansehen. Das war definitiv NICHT geplant. „Jeremy! Was soll das?!“ Jeremy wandte sich zu mir. In seinem Blick lag Wahnsinn- er war sturzbesoffen! „Jeremy! Lass das scheiß Messer fallen! Jetzt!“ Er ging mit wackeligen Schritten auf mich zu- die Messerspitze zeigte zu mir. Ich schluckte schwer. Nein, er würde es doch nicht wagen…? Ich hob die Hände, als Zeichen der Kapitulation, in die Höhe. Jeremy kam weiter auf mich zu und das Messer war nur mehr wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt. „D…du hast m…mir NICHTS…“ Er atmete scharf ein. „…zu sagen! K…kap…iert?!“ Ich nickte und starrte zu Grace. Sie saß gedankenverloren auf dem Sessel und starrte auf einen nicht-existierenden Punkt. Es tut mir so leid, Grace. So, so, so leid. Ich sah auf den Boden. „So… jetzt zu dir, Gracie!“ Jeremy lachte höhnisch und war wieder bei ihr. Ich stand hinter Jeremy und sah erschrocken zu Grace. Sie wirkte ruhig. Fast kam es mir so vor, als würde sie lächeln. Ich musste mich versehen haben. „Jeremy. Wenn du mich umbringst… fühlst du dich dann besser? Sei ehrlich.“  „Grace. Sei still. Du machst es nur noch schlimmer.“, sagte ich leise. „Stimmt.“, bemerkte Jeremy. „Tja. Ich bin’s dann. Bring. Mich. Um.“ Sie lächelte tatsächlich. Ich blinzelte. Wie konnte sie nur so ruhig bleiben?! Ich erinnerte mich, wie Jeremy Grace schlug. Die Bilder tanzten vor meinem Gesicht und ich hätte am liebsten losgeschrien, um sie loszuwerden. „Oh, Grace. D…das ist echt süüüüß!“ Jeremy kniete sich hin und kam näher zu ihr. Sie rückte ein Stück nach hinten. Ein Lächeln bildete sich auf Jeremys Gesicht. Er zog Grace zu ihm heran. Angewidert sah sie in sein Gesicht. „Grace…Gracie. Weißt du. Ich hab mir DIESEN Moment so viel… so viel… BESSER vorgestellt. Du und ich. In einem Raum. So nahe beinander und dann…“ Er sprach so leise, so sanft zu Grace, als wäre er nie betrunken gewesen. Ein kleiner Hauch von Besinnung. „Ich würde dich so gern küssen.“ Grace drehte den Kopf zu mir. Panik. Ich formte mit den Lippen ein „Sorry“ und sah weg. Ein "sorry" reicht nicht dafür. Nie.
Als Jeremy wieder aufstand versuchte ich, mich zu kontrollieren. Frederico, beruhige dich. Es MUSS doch einen Ausweg geben. Jeremy hatte ein Messer. Ich hatte NICHTS. Dieser Raum war so klein, dass man keine Chance hat wegzulaufen. Ich könnte durch die Tür, ins Wohnzimmer und… nein. Das geht nicht. Jeremy hat alle Telefonverbindung zerstört. Im Falle, dass Grace doch irgendwie rauskommt. Er hat auch ALLES abgesichert. Ich selbst könnte nicht einmal flüchten. Die Fenster waren robuster als was-weiß-ich was. Als Jeremy und ich jünger waren, hatten wir immer Fußbälle oder Steine gegen die Fenster geworfen um zu sehen ob sie standhielten. Das taten sie. Ich war schon immer fasziniert von den Fenstern gewesen doch nun schienen sie für mich wie… wie eine fette Sackgasse, die so hoch war, dass es UNMÖGLICH wäre, nach oben zu klettern. Aber… ich war so dumm. „Jeremy. Ich komme gleich. Ich möchte das nicht verpassen.“, sagte ich und ging hinauf.
Im Wohnzimmer war es stockfinster. Wie spät war es denn? Ich sah auf die Uhr. 10 Uhr Abends. So lange waren wir hier?! Ich suchte den Lichtschalter. Als ich ihn fand und den Schalter umlegte, erhellte das grelle Licht das Wohn- und Esszimmer. Ich musste mich an das Licht gewöhnen. Okay Fred. Sei nicht besorgt. Es gibt noch ausreichend Messer oder sonstiges hier. Damit könntest du Jeremy locker aus dem Weg schaffen und Grace retten. Grace retten, ertönt in meinem Kopf. ICH MUSS GRACE RETTEN! Verzweifelt sah ich mich um. Wenn ich mit einem Messer käme, würde Jeremy Verdacht schöpfen und das würde diese beschissene Situation nur verschlimmern. Plötzlich ertönte ein spitzer Schrei. Ich zitterte am ganzen Körper und rannte so schnell es ging nach unten. Ich hatte einen Teller in der Hand. Ich hatte eigentlich vor, ihn wieder weg zu legen aber was in diesem Moment zählte war Grace. Grace. Grace. Grace. Ich stürmte nach unten. Grace‘ Stuhl war umgekippt. Das Seil, mit dem sie gefesselt war,  war durchtrennt. Grace lag einige Meter weiter am Boden und hielt sich am Arm fest. Jeremy starrte zu ihr- das Messer war rot. Ich blickte wieder zu Grace. Ihr Arm blutete ihn Strömen. „Grace!“, ich war sofort bei ihr und nahm ihren Arm. Das Blut quoll nur so heraus. Ich Gesicht war kreidebleich und sie schwankte leicht. Sie verliert zu schnell, zu viel Blut! „Jeremy! Sie wird sterben!“ Jeremy zuckte mit den Schultern. „Sie hat mich angespuckt.“ Mein Auge zuckte und ich nahm den Teller fester in die Hand. Ich schnellte zu Jeremy und schlug den Teller auf seinen Kopf. Er schrie auf und ließ das Messer fallen. Jackpot. Ich bückte mich und wollte das Messer aufheben als Jeremy sich auf mich stürzte. Ich hatte das Messer aber bereits geschnappt und schnitt in sein Bein. Jeremy ließ mich los und taumelte auf den Boden. „Du… Mistkerl!“ Ich versuchte aufzustehen aber Jeremy zog mich nach unten. Seine Arme klammerten sich an mein Bein und ich war unfähig etwas zu unternehmen. „Tut mir leid, Kumpel.“, flüsterte ich und stach zu. Ein erstickter Schrei. Das Messer traf seinen Bauch und um Jeremy herum bildete sich eine kleinen Lacke. Grace schrie und ich begriff erst jetzt was ich da getan habe. Ich habe jemanden umgebracht. „Grace! Bitte… beruhig dich. Wir… wir müssen hier raus!“ Ich griff nach Jeremys Hosentasche und zog einen Schlüssel heraus. Meine Hände waren voll Blut. Ich sah schnell weg. Ich bin ein Mörder. „Grace! Steh auf!“ Ich zog sie hinauf, sie fiel schlaff in meine Arme. Ich versuchte sie hoch zutragen. „Wir sind oben, Grace. Ich… ich… warte.“ Ich sperrte die Eingangstür auf. Eine warme Sommerbrise strich durch meine Haare. „HILFE! HILFE!“, schrie ich lauthals. Es war nichts zuhören. „HIIIIIIIILFEEE!“, ich schrie noch lauter. Aus einer Gasse kam jemand herbei gelaufen. Ich erkannt den Unbekannten nicht, ich war nur dankbar, dass jemand kam. Als er oder sie näher kam, merkte ich, dass es Thomas war. „Frederico! WO. IST. GRACE?!“ Er schubste mich nach hinten. „Sie… wir müssen ins Krankenhaus!“ Aus Thomas‘ Gesicht wich alle Farbe. Er nickte nur und stürzte ins Haus. Als er herauskam, Grace in seinen Händen trug, blickte er zu mir. „Wo ist dein Auto?“ Ich wies ihn auf mein weißen Mercedes. Thomas verdrehte die Augen und lief zu ihm. Ich sperrte auf und Thomas legte Grace behutsam auf den Hintersitz. Grace stöhnte leise. Ich hatte ihr ein Band um die Wunde gelegt. Es war blutdurchtränkt. Ihr Shirt war schon zu Hälfte dunkelrot und ihre hellen Jeans sahen auch nicht anders aus. „FAHR!“, schrie Thomas. Ich startete den Motor und fuhr los.

„Grace?“, ich versuchte es noch einmal. Sie schlief anscheinend noch immer. Ich seufzte und setzte mich zu Thomas auf einen der Stühle. Ihre Tante, ich glaube sie hieß Susane, sprach mit dem Arzt. Ich verstand nicht was sie sagte oder was er antwortete. „Was ist passiert?“, Thomas richtete den Blick auf Grace und ich sah wie er den Tränen nahe war. „Sie hat Jeremy ange…angespuckt. Er hatte ein… ein Messer und er wurde wütend.“ Ich schluckte. Das klang so… so erbärmlich. „Und wo ist Jeremy jetzt?“ Thomas bemühte sich, ruhig zu sein. „Er… ich… ich hab‘ ihn…“ Ich konnte nicht weiter reden. Thomas nickte langsam. Seine Hand verkrampfte sich. „Würde ich Grace nicht so sehr… lieben brächte ich dich um. Ich würde dich eigenhändig erdrosseln.“

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