Juni 2015


Leider kam mein letzter Praktikumstag viel schneller als gedacht. Tom und ich sollten ein paar Akten durchsehen. Ich habe mir das Ganze angesehen und mich total über die pinken Akten gefreut. Zwei Stunden später sollten wir Akten anlegen, und Tom hat mir extra pinke Akten gebracht, das war total süß. Er hat mir auch alles andere gebracht, da er "meine kurzen Beinchen“ schonen wollte. Wir hatten nämlich nur einen Tisch, also hatte ich mich auf dem Boden eingerichtet. Oh, Mann, dieser Typ war so niedlich. Und so aufmerksam. Am Morgen hatte er mich, meinen Arm festhaltend, über die Straße geführt. Ich dachte, es sei schon fast tragisch, dass ich ihn nie wieder sehen würde. Glücklicherweise schrieb Michi ihm über Facebook eine Nachricht, in der sie schilderte, wie begeistert ich von ihm wäre und ob er mir seine Nummer hinterließe. Der Plan ging auf. Toms Schreibverhalten war grundsätzlich anders als das von Leo. Wir schrieben permanent, hatten immer irgendetwas, worüber wir uns unterhalten konnten, selbst wenn es nur belanglose Dinge waren. Schon bald sollte Tom ein fester und wichtiger Bestandteil meines Lebens werden. Das habe ich damals natürlich noch nicht geahnt.

Bezüglich Leo sah es anfangs nicht allzu gut aus, da ich wiederholt weinend vor meinem Laptop saß. Als er sagte, dass ich ihm die Kraft gegeben hätte, und ihm grad nähme, hätte ich mir ins Gesicht schlagen können. Mit einer Kettensäge. Ich war so ein dummer Mensch. Wieso musste ich auch wieder meine eigenen Emotionen vorn anstellen? Wieso konnte ich nicht einfach mal meine Klappe halten? Ich war so gut darin, anderen das Leben zu ruinieren. Ich machte mir solche Vorwürfe. Ich wusste es besser, und tat es trotzdem. Schon wieder war ich der Grund dafür, dass es ihm schlecht ging. Manchmal wusste ich nicht, ob ich es besser, oder doch nur schlimmer machte.

Als dieses Tief überstanden war, erfuhr ich, dass Leo mit Marcel und einer ehemaligen Mitpatientin in eine WG ziehen würde. Ich freute mich riesig für ihn, bis ich das meiner Mutter erzählte und sie meinte, sie würde sich an meiner Stelle nicht so darüber freuen. Leo sagte aber, ich bräuchte mir keine Gedanken wegen ihr machen. Das tat ich auch nicht. Anfangs. Aber das sollte mich erst später ereilen. In der Zwischenzeit verbrachten wir wieder relativ viel Zeit am Telefon, vor allem mit Sex am Telefon. Er nannte mir unterschiedliche Orte, und ich war sehr gespannt, ob das einfach nur so seiner Phantasie entsprungen war, oder ob er es da wirklich machen wollte. Ich war ja so neugierig!

In Gemeinschaftskunde beschäftigten wir uns Anfang Juni mit Strafmündigkeit. Unsere Lehrerin meinte, dass, solange wir nicht volljährig sind, unsere Eltern quasi immer mit dabei seien, dass wir sie 24/7 mit uns herumtragen würden. Sie meinte, wir sollten uns das vorstellen – das tat ich und schlug die Hände vor mein Gesicht. Das musste sie natürlich der ganzen Klasse berichten mit den Worten:

“Ich will gar nicht wissen, woran du jetzt gedacht hast.“

Oh, war das peinlich. Lustigerweise wussten Lena und Michi SOFORT, was ich mir vorgestellt hatte. Leo beherrschte meine Gedanken zu großen Teilen.

In nächster Zeit passierten einige Dinge in meinem Leben, die zum Teil interessant, zum Teil eher niederschlagen waren. Zum Einen habe ich das erste Mal für einen Photographen gemodelt, und zugegebenermaßen hat es ganz schön Spaß gemacht. Bin zwar nur knapp dem Erfrierungstod entronnen, aber immerhin hat sich das für die zehn relativ guten Photos gelohnt. Zum Anderen teilte mir Michi, mein Herz und meine Seele, mit, dass sie zum kommenden Schuljahr an die Oberschule wechseln würde. Wir waren beide am Boden zerstört, da mit anderen Unterrichtszeiten auch weniger Zeit zusammen einherging. Wir versuchten dennoch, die noch verbleibenden Monate so positiv wie möglich zu sehen.

Über all das wollte ich furchtbar gern mit Leo sprechen, doch es kam geringfügig anders. An dem verabredeten Abend erhielt ich keine einzige Nachricht von ihm. Da ich das bisschen Unabhängigkeit, das mir noch blieb, nicht vergeuden wollte, sah ich davon ab, die Sache in die Hand zu nehmen. Selbst ist die Frau, aber mein Stolz verbot es mir. Als er sich überraschenderweise am darauffolgenden Morgen meldete, vereinbarten wir erneut einen Termin. Diesen nahmen wir auch war – mit zweistündiger Verspätung. Mir war das herzlich egal, da ich dieses Zeitfenster nutzte, um mit einem anderen Freund zu skypen. Dieser versprach mit sogar, am nächsten Tag diese Bananengummibärchen mitzubringen, die ich so liebe (Er hielt sich auch daran). Nach ein paar Startschwierigkeiten waren alle Unannehmlichkeiten natürlich wieder vergeben und vergessen – wie immer. Es kam sogar so weit, dass Leo in nächster Zeit eine beträchtliche Anzahl von Bildern sammeln sollte – Bilder in Unterwäsche, Bilder ohne BH, Bilder komplett nackt. Im Nachhinein kann ich kaum nachvollziehen, wie ich das zulassen konnte. Aber nun ja, Liebe an – Gehirn aus.

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