Kälte

Mit gemischten Gefühlen rollte Corey sich auf die Seite, während Shane noch damit beschäftigt war sich wieder anzuziehen. Die Nacht hatte sich bereits deutlich abgekühlt und alle Hitze war verflogen. Dem Mädchen fröstelte und sie rieb sich über die nackten Oberarme. Ihre Sachen waren alle noch nass, selbst die Unterwäsche, die sie sich als einziges wieder übergestreift hatte.

Als Shane nach einer Weile und noch immer wortlos zur Ruhe kam und sich neben sie legte, jedoch nicht berührte, sehnte sich Corey umso mehr nach seiner Wärme. Nach ihren schroffen Worten, wagte sie es nicht, näher an ihn heran zu rutschen. Dieses Angebot hatte sie selbst barsch ausgeschlagen, noch bevor er es aussprechen konnte. Und das hätte er bestimmt.

Doch der Mann hatte einen empfindlichen Nerv getroffen, als er sie geküsst hatte. Corey war selbst von ihrer herrischen und abstoßenden Reaktion überrascht und fragte sich, woher das schlechte Gewissen und der tief sitzende Schmerz rührten, die die Berührung von Shanes Lippen plötzlich hervor gebracht hatten. Ihr war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, dass diese viel intimere und vertrautere Verbindung zwischen zwei Menschen, ihr weit mehr bedeutete, als Sex. Vermutlich war dies auch der Tatsache geschuldet, dass sie mit Küssen Zeit ihres Lebens nicht gerade verwöhnt worden war. Ganz besonders nicht von jener Person, nach dessen liebevoller Berührung sie sich sehnte.

Ein einziges Mal hatte Sharps sie geküsst. Noch lange vor ihrer eigentlichen Affäre. Und seither tat Corey alles, um sich dieser Ehre erneut würdig zu erweisen.

Sie begriff einfach nicht, was sie falsch machte. Oder was es war, das sie tun sollte, obwohl sie doch immer gefügig gewesen war, niemals aufbegehrte und sich alles hatte gefallen lassen, schien es ihm nie genügt zu haben.

Dieses eine, erste Mal ist völlig unerwartet beim Training geschehen, nicht lange bevor Ares sie getrennt hatte. Corey war damals fast 15 und Sharps 27. Sie erinnerte sich, dass er schlecht gelaunt gewesen war und es im Training an ihr ausließ.

Immer wieder attackierte er sie, ließ ihr keine Sekunde zum Verschnaufen und versetzte ihr harte Schläge. Sein Messer sauste haarscharf an ihr vorbei und Corey gelang es kaum noch, ihm auszuweichen. Sie atmete schwer und taumelte. Schweißgebadet und mit weichen Knien, hielt sie sich nur noch aus reiner Willensstärke auf den Beinen. Sharps drängte sie erbarmungslos in eine Ecke, bis sie mit dem Rücken gegen die kalte Wand stieß. Die glänzende Klinge blitzte in der Sonne, als der Mann mit harten Augen auf sie zukam. Missbilligung lag in Sharps Blick und verächtlich verzog er die Lippen, als er zum letzten Schlag ansetzte und das scharfe Messer auf sie richtete.

Er machte einen Satz und war so schnell bei ihr, dass Corey seine Bewegungen kaum wahrnehmen konnte. Er zielte auf ihren Hals, doch Corey gelang es nach seiner Hand zu greifen und die Waffe nur Millimeter vor ihrer Haut zitternd aufzuhalten. Wut sprühte aus Sharps Augen und er fletschte knurrend die Zähne.

„Du bist tot", hauchte sie ängstlich und hoffte ihn nicht noch mehr zu verärgern.

Sharps runzelte irritiert die Stirn und Corey erhöhte den Druck ihrer eigenen Klinge, gegen seinen ungeschützten Leistenbereich. Er ließ sein Messer sinken und sah an sich herab. Als er den Blick wieder hob, hatte sich seine Miene erhellt, Stolz lag in seinen Augen und er grinste. Zaghaft traute sich auch Corey zu lächeln, bis er sie an sich zog und seine Lippen hart auf ihre presste. Das Mädchen erstarrte und begriff nicht wie ihr geschah. Doch Instinkte und Intuition übernahmen und schon erwiderte sie hungrig seinen Kuss und drängte ihren schmalen Leib gegen seinen. Ohne Scheu hieß sie seine großen Hände überall auf ihrer erhitzten Haut willkommen.

Der Moment währte viel zu kurz. Sharps schien plötzlich zu erwachen und sich daran zu erinnern was er tat, und mit wem. Heftig atmend stieß er sich von ihr ab und hielt das minderjährige Mädchen auf Armeslänge von sich. Ihre weichen Lippen waren rot und geschwollen. Sie bebten noch leicht geöffnet, während sie das Geschehene zu verarbeiten versuchte. Der Griff seiner Hände um ihre Oberarme verstärkte sich schmerzhaft.

„Kein Wort, zu niemanden, verstanden?"

Corey nickte langsam und Sharps ließ sie los. Er sah sie noch einen Moment verstört an, dann drehte sich um und ging davon. Als er außer Sicht war, gaben Coreys Knie nach. Sie sank an der Wand entlang zum Boden und berührte mit den Fingerspitzen ihren Mund. Alles was sie fühlte war neu und gleichzeitig beängstigend und aufregend. Es hatte sich gut angefühlt, doch Sharps Reaktion machten auch klar, dass es sich nicht hätte gut anfühlen dürfen. Hatte er sich nur, beflügelt von seinem Stolz auf ihren Erfolg über ihn, dazu hinreißen lassen?

Corey hatte sich zu dem erwachsenen Mann hingezogen gefühlt, seit er sich ihrer vor vielen Jahren angenommen hatte und sie wusste, dass er sie auch schon immer mochte. Warum sonst, sollte er so viel seiner Freizeit für ihr Training opfern und selbst danach noch das Gelände erkunden, Nächte lang mit ihr unter den Sternen liegen und dem Mädchen Geschichten aus Zeiten erzählen, an die sie sich nicht erinnern konnte? Mit dem Kuss hatte er neue Gefühle in ihr erweckt. Corey fragte sich, ob es ihm genauso ging. Sie wünschte es sich und beschloss es herauszufinden.

In den folgenden Monaten nutzte sie jede Gelegenheit, eine weitere ähnliche Reaktion bei ihm zu provozieren. Er versuchte sie ein paar Tage zu meiden, doch trotzdem liefen sie sich zwangsläufig ständig über den Weg. Sei es beim Essen, Gruppentraining oder bei diversen Besprechungen mit seinem Stab, an denen Ares sie teilnehmen ließ, seit er sie adoptiert hatte. Sie berührte ihn flüchtig, wann immer sie konnte und es niemand sonst bemerkte.

Als er sie nach einer Weile wieder zum Einzeltraining rief, schlug das Mädchen vor, dass sie mehr in den waffenlosen Kampfkünsten ausgebildet werden will. Wann immer es sich anbot, ging sie in den offensiven Bodenkampf über und schaffte bewusst Situationen, in denen sie Körper an Körper über die Erde rollten und um die Oberhand kämpften. Es störte sie nicht, wenn er sie mit seinem ganzen Gewicht auf den Boden drückte und ihre Arme und Beine auf den harten Untergrund nagelte.

Sharps schien entschlossen ihre Versuche zu ignorieren, doch sie es dauerte nicht lange und sie bemerkte die Blicke, die der ältere Mann ihr nach warf.

Ein halbes Jahr nach dem Kuss, gipfelte ihre Verführung schließlich in ein gewagtes Manöver. Zu jedem Quartalsbeginn fanden sich die leitenden Offiziere der anderen vier Garnisonen im Hauptquartier zur Lagebesprechung ein und am Abend gab es traditionell ein Festmahl in Ares Haus. Corey selbst nahm jedes Mal Teil und so auch Sharps, Ares rechte Hand.

Sie saßen sich gegenüber, zur Rechten und Linken von Ares, der seinen Platz an der Spitze der Tafel hatte. Corey trug zu diesen Anlässen stets die Haare ungewohnt offen und ein neues Kleid, das Ares ihr anfertigen ließ. Er wollte sich mit ihr schmücken, vielleicht weil er keine Frau hatte und das Mädchen nicht nur clever war, immer neue Erfolge in der Ausbildung vorzuweisen hatte, sondern auch kontinuierlich hübscher wurde. Eine Eigenschaft, die Ares sonst gänzlich gleichgültig war.

Schon als die Schneiderin Maß genommen hatte, hatte Corey der Frau gewohnt herrisch ihre Vorstellungen geäußert. Sie wollte wie eine Frau aussehen, nicht wie ein Mädchen. Die Alte hatte nicht gewagt zu widersprechen, jedoch belustigt eine Augenbraue gehoben. Sie hatte sich dem Mädchen unterworfen und ihr ein ärmelloses und rückenfreies, smaragdgrünes Kleid gefertigt. Das Oberteil lag eng an und betonte durch seinen gerade noch akzeptabel tiefen Ausschnitt, die noch im Wachstum begriffenen Brüste, während der weitschwingende Rock fünfzehn Zentimeter über ihren Knien endete und damit unanständig kurz war. Doch zum Glück scherte Ares das alles wenig, solang sie ordentlich aussah, gerade saß und nur sprach, wenn sie dazu aufgefordert wurde.

So saß das Mädchen, aufreizend nach vorn gebeugt, um sich nicht zu bekleckern, während es vorsichtig ihre Vorsuppe aß und  um seinem Gegenüber einen kleinen Einblick zu gewähren. Gelegentlich sah sie durch ihre dunklen Wimpern verstohlen auf und freute sich, da Sharps tatsächlich kaum den Blick von ihr abwenden konnte. Zwischen den Gängen unterhielt sie sich angeregt mit ihrem Vater und dem Tischnachbar zu ihrer Linken, ein Oberst der Ost-Garnison. Er befragte sie zu den Methoden und Fortschritten ihrer Gruppe und ihrer im Speziellen. Dazu wurde auch immer wieder Sharps, als ihr Ausbilder, ins Gespräch eingebunden. Der hatte zunehmend Schwierigkeiten, sich auf die Unterhaltung zu konzentrieren, wie Corey zufrieden bemerkte, seit sie sich ihre leichte Sandele abgestreift hatte und ihren nackten Fuß langsam sein Bein hinauf bewegte und über seinen Oberschenkel gleiten ließ. Scheinbar ohne Sharps zu beachten, plauderte das Mädchen höflich mit den Gästen und aß ihr aller Seelenruhe ihre Speisen.

Nach dem letzten Gang, als ihre Zehen endlich Sharps hartes Gemächt erreichten und sich sanft an der heißen Stelle rieben, beobachtete sie aus dem Augenwinkel Sharps Hände, die sich zu Fäusten um die Tischdecke ballten, während er noch immer versuchte einen äußerlich gelassenen Eindruck zu machen. Corey warf ihm ein zuckersüßes Lächeln zu, neigte den Kopf leicht zu Seite und presste ihre Brüste mit den Oberarmen zusammen. Sharps erbleichte, doch er konnte nicht anders, als auf ihr verführerisches Dekolleté zu sehen. Bevor einer der anderen Gäste ihr Spiel bemerkte, entließ sie Sharps aus ihrem Bann und zog ihren Fuß zurück.

Sie schlüpfte wieder in ihren Schuh und wandte sich ihrem Vater und Oberbefehlshaber zu. Ruhig wartete sie, bis er sie bemerkte und entschuldigte sich schließlich und bat den Tisch verlassen zu dürfen, um schlafen zu gehen. Ares entließ seine Tochter mit einem knappen Wink, und führte sein Gespräch fort. Corey erhob sich, verabschiedete sich höflich und ging mit einem koketten Hüftschwung zum Ausgang. Sie spürte Sharps Blick im Rücken und trieb ihr Spiel auf die Spitze, als sie sich beim Öffnen der schweren Tür mit der freien Hand unter den kurzen Rock griff, ihr Fleisch entblößte und sich ihr Höschen zurecht zupfte.

Sie schlüpfte durch die Tür, ohne einen letzten Blick in den Raum zu werfen und positionierte sich im Schatten neben der Treppe, die hinauf zu ihrem Zimmer führte. Corey musste nicht lange warten, bis Sharps durch die Türe trat und sich suchend umsah. Sie trat lautlos aus dem Schatten und sah den Mann erwartungsvoll an. Halb fürchtete sie, dass er ihr eine Tracht Prügel verpasste, doch er schlang seinen Arm um ihre Taille und zerrte sie in die Abstellkammer unter der Treppe.

Coreys Herz schlug ihr vor Aufregung bis zum Hals. Sie hatte nie weiter gedacht, als bis zu diesem Moment und hatte keinerlei Vorstellung was passieren würde. Sehnsüchtig wartete sie darauf, dass er sie an sich ziehen und wieder leidenschaftlich küssen würde. Doch stattdessen hörte sie das Rascheln von Stoff und spürte seine starken Hände, die ihr Kleid hoch hoben und gleich darauf ihre Unterhose bis zu den Knien herunter zerrten. Er drehte sie um, von sich weg, griff ihr in den Nacken und drückte ihren Oberkörper nach vorn. Corey war zu verwirrt, um etwas anderes zu machen, als es sich gefallen zu lassen.

Sharps presste sich gegen ihre entblößten Backen und rieb sich an ihr. Er griff mit einer Hand nach ihren Brüsten, mit der anderen zwischen ihre Beine. Corey hatte die Feuchtigkeit selbst bereits bemerkt, und die Hitze, die von dieser Stelle ausging, jedoch nichts mit diesen Reaktionen ihres Körpers anfangen können. Bis zu diesem Moment. Als seine Finger in sie glitten und ein leises Stöhnen hervorlockten.

„Ruhe!", befahl ihr Mentor und Corey schlug sich sofort eine Hand vor den Mund. Gerade noch rechtzeitig, um sich auf die Faust zu beißen, als ein stechender Schmerz durch ihren Unterleib jagte. Sie erstarrte erschrocken. Etwas bohrte sich hart zwischen ihre Beine und in sie hinein, glitt wieder heraus und rammte sich wieder hinein. Sie keuchte erstickt und Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sharps Hände krallten sich in den glatten Satinstoff über ihrer Hüfte. Mit schwachen Armen stützte sie sich an der kahlen Wand vor sich ab, während er immer wieder unerbittlich und zunehmend schneller von hinten in sie hinein stieß.

Irgendwann erlahmten seine fahrigen Bewegungen und er zog sich aus ihr zurück. Zähflüssig und warm lief etwas an ihren Beinen herunter. Corey fragte sich ob es Blut war und ob es normal war. Stumm und zitternd, stand sie noch immer vornübergebeugt an die Wand gedrückt und wagte es nicht sich aufzurichten. Was hatte sie da entfacht? War das Sharps Rache, die sie soeben getroffen hatte? Sie hätte die Prügel dem vorgezogen.

Sie hörte wie Sharps sich hinter ihr die Hose hochzog, den Gürtel schloss und sein Hemd richtete. Dann trat er dicht hinter sie und schlang die Arme um sie. Sanft zog er sie an seine breite Brust. Die Fünfzehnjährige wagte nicht zu atmen, aus Furcht, dass es noch nicht vorbei war und sie ihn irgendwie zu mehr provozieren könnte.

„Hast du es dir so vorgestellt, Kleine?", hauchte Sharps in ihr Ohr. Corey biss sich auf die Lippe und unterdrückte mit Gewalt ein Schluchzen.

„Nach deinem Verhalten die letzten Monate, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es dein erstes Mal war. Aber keine Angst, beim nächsten Mal tut's nicht mehr so weh."

Mit diesen Worten ließ er sie stehen und verließ den Raum. Corey wartete noch einige Sekunden, bis sie sich auf ihr Zimmer schlich und in ihrem Bett zusammen rollte. Sie vergoss keine weitere Träne.

Mit einem hatte Sharps allerdings Recht behalten: es hatte mit jedem Mal weniger wehgetan und manchmal war es sogar angenehm gewesen. Doch die Unterschiede zwischen Sharps und Shane wurde ihr mit jeder Sekunde, die sie weiter darüber grübelte deutlicher.

Corey drehte sich fröstelnd auf den Rücken und streckte die Hand vorsichtig nach Shane aus, zog sie jedoch zurück, bevor sie ihn berührte. Sie sehnte sich mehr denn je nach seiner warmen Umarmung und fragte sich ob sie überreagiert hatte. Sharps hatte sie nie wieder küssen wollen und Shane reagierte völlig verstört auf ihre Ablehnung. Vielleicht bedeutete diese Art Berührung gar nicht so viel, wie sie selbst ihr beimaß.

Zitternd versuchte das Mädchen einen Zipfel der Decke, auf der sie beide lagen etwas weiter hoch und über sich zu ziehen. Doch sie war zu schmal. Sie strich mit der Hand über das glatte Material. Und erinnerte sich endlich, dass unter den Sachen, die sie Dary und Jiri abgenommen hatte noch eine weitere Decke sein müsste. Hastig setzte sie sich auf und kroch ans Fußende. Sie schob ihre nassen Klamotten zur Seite und wühlte herum, bis sie die Gürteltaschen fand, die noch voll waren. Hastig durchsuchte sie die kleinen steifen Stoffbehälter und zog schließlich die letzte zusammengefaltete papierdünne Polyester-Folie hervor. Leise knisternd entfaltete sie das Material und breitete es über sich aus.

Lauschend und noch immer hellwach, lag die junge Frau in der Dunkelheit und wartete darauf, dass ihre Körperwärme von der Decke reflektiert wurde und ihren Körper wieder auf Temperatur brachte. Sie fragte sich, ob Shane auch kalt war und streckte erneut zaghaft eine Hand nach ihm aus. Sie traf mit den Fingerspitzen auf seinen Rücken und ertastete den gerippten Stoff seines Unterhemdes. Vorsichtig ließ sie Hand weiter hinauf zu seiner Schulter und den unbekleideten Armen wandern. Seine Haut war kalt, nicht so sehr wie ihre eigene, aber kalt. Ohne weitere Zeit zu verschwenden, dreht sie die Decke quer und legte eine Hälfte über ihren schlafenden Begleiter. Sie rutschte gerade so nah an ihn heran, dass sie ihn nicht berührte, die Decke aber bis über ihren Rücken reichte. Shane rührte sich nicht. Er schien tief zu schlafen und sie gönnte ihm die Erholung.

Statt selbst zur Ruhe zu kommen, versank Corey erneut in Gedanken. Warum lechzte sie immer noch so sehr nach Sharps Zuneigung und Anerkennung. Sie tat wirklich alles, was er verlangte und schien sie sich doch niemals zu verdienen. Während Shane, sie ihr bereit willig schenkte, ohne dass sie auch nur danach fragen musste. Als ob es nach der kurzen Zeit, doch allem was sie währenddessen miteinander durchgestanden hatten, selbstverständlich wäre. Dabei hatte sie mit Sharps Jahre verbrachte, nicht nur zwei Tage.

Zwei Tage, in denen sie von ihren ehemaligen Kameraden gejagt wurde, auf den Befehl des Mannes, den sie wie ihren wahren Vater verehrte und respektierte und ohne ermutigende Worte des Mannes, zu dem sie aufsah und nach dessen Zuneigung sie sich mehr sehnte, als nach sonst irgendetwas, seit sie ein kleines Mädchen war. Als Ares am Tag vor den Prüfungen zu ihr kam, um ihr aufzutragen, alle anderen nicht nur zu besiegen, sondern zu töten, hatte er nicht erwähnt, dass er auch noch plante die anderen auf sie zu hetzten. Corey hatte keine Fragen gestellt, sondern den Befehl gehorsam hingenommen. Doch sie war anschließend sofort aufgebrochen, um nach Sharps zu suchen und mit ihm darüber zu reden.

Als Corey ihren ehemaligen Ausbilder fand, trainierte er gerade eine Gruppe jüngerer Kinder. Sie lief so an ihm vorbei, dass er sie irgendwann entdeckt und gab ihm ein Zeichen. Er nickte und Corey lief zu einem alten Beobachtungsturm, der längst brach gefallen und nur eines ihrer zahlreichen Verstecke war, doch das nächstgelegene. Als Sharps zu ihr stoß, erzählte sie ihm von der Aufgabe, doch der Mann wirkte nicht überrascht.

„Hast du's gewusst?", fragte sie ihn verunsichert.

„Nein, aber ich konnte mir sowas schon denken."

„Was? Wieso?

Sharps lächelte süffisant. „Na was glaubst du denn, wieso?"

Corey überlegte einen Moment und runzelte die Stirn.

„Er will meine Loyalität auf die Probe stellen? Sehen, ob ich seinen Befehle ohne sie zu hinterfragen Folge leiste?"

„Das ist sicher ein Teil seiner Intention. Denk nach, was könnte er sonst noch damit bezwecken wollen?"

„Das Töten an sich?", grübelte Corey laut. „Weil es mein erstes Mal wird?"

Sharps nickte und beobachtete sie. „Es ist beim ersten Mal nicht leicht und erfordert Überwindung. Du musst erfahren, wie es sich anfühlt, jemanden mit bloßen Händen das Leben zu nehmen und das Blut deiner Opfer an den Fingern zu haben."

„Aber wieso gleich alle? Sind die anderen denn so entbehrlich?", hakte die junge Frau nach.

„Ganz und gar nicht. Aber die Neun, denen du morgen begegnest, sind allein für dich handverlesen. Schwache Gegner, die womöglich um ihr Leben betteln, an dein Mitleid und Gefühle appellieren und es dir so erschweren, obwohl sie dir im Kampf nicht gewachsen sind. Und außergewöhnlich starke, gewitzte und geschickte Gegner, die alle deine Fähigkeiten erfordern werden, um siegreich zu sein."

„Aber alle..?"

„Damit du es lernst, Kleine. Und nicht nur das Töten, sondern auch mit den Folgen umzugehen. Manche sind an den Folgen schon zugrunde gegangen: an Schuldgefühlen, Zweifeln, mangelndem Selbsterhaltungstrieb und Moral, die schlicht fehl am Platze sind. Diese Menschen sind unbrauchbar. Du musst diese Gefühle überwinden. Deine Aufgabe ist es, nicht nur die Gegner zu besiegen, sondern auch dein schwaches Ich. Und das funktioniert am effektivsten, indem du es übst. Eine gewisse Routine für dich entwickelst, verstehst du, Kleine?"

Corey schwieg für einen Moment.

„Und die anderen? Die ihr nicht für mich ausgewählt habt?"

Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Die meisten werden Arbeiter, die Wenigen mit Potential, dürfen ihre Fähigkeiten später noch unter Beweis stellen."

Das Mädchen blickte in die Ferne. Eine letzte Frage lag auf ihrer Zunge, doch sie wagte es kaum sie auszusprechen. Aber sie musste es wissen und nahm ihren Mut zusammen: „Und wenn ich es nicht schaffe?"

Sharps schwieg und sah sie an. Sein Gesicht war ausdruckslos, doch sie erkannte die Missbilligung in seinen Augen. Stumm nickte sie und beantwortete sich die Frage selbst. Wenn sie es nicht schaffte, wäre sie unbrauchbar. Und würde nicht zurückkehren können. Sie würde also auch um ihre Daseinsberechtigung kämpfen.

„Ich schaffe es!", flüsterte sie und sah ihrem Mentor fest in die Augen.

„Das ist meine Kleine."

Er lächelte, zog sie in seine Arme und drückte sie mit sanfter Gewalt gegen die Bruchsteinwand. Er zupfte ihr Shirt aus der Hose und schob seine Hände unter das Kleidungsstück.

„Na komm, ich will den ganzen Weg hier her nicht nur zum Labern gemacht haben."

Gefügig wie stets, zog Corey sich die Hose herunter und drehte sich um. Sharps nahm sie hart und kurz von hinten, wie immer und befahl ihr anschließend noch mindestens eine halbe Stunde im Turm zu warten und einen anderen Weg zurück in die Garnison zu nehmen.

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